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DAS METAL-JAHR 1987


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Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 16.11.2022
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Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 12/2022

Wer 1987 den Fernseher oder das Radio einschaltet, kann sich eines Themas kaum entziehen: der Annäherung von Ost und West und den vielversprechenden, wenn auch noch frühlingshaften ersten ernst zu nehmenden Anzeichen eines (aus heutiger Sicht bedauernswerterweise nur vermeintlichen) Endes des Kalten Kriegs zwischen den atomaren Großmächten. Eine historische Entwicklung, die auch noch die recht skurrile Fußnote mit sich bringt, dass mit Cessna-Pilot Mathias Rust ein deutscher Privatflieger mitten auf dem Roten Platz landet. Dagegen gibt es im ewigen Krisenherd des Nahen und Mittleren Ostens auch 42 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg keine großen Anzeichen von Entspannungen zu verzeichnen. Wie ist es 1987 sonst um die Welt bestellt? Nun, in den USA, Großbritannien und Deutschland regieren weiterhin die konservativen Parteien und erlebt die Bundesrepublik Deutschland mit der Barschel-Affäre einen ...

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... handfesten Politskandal samt Suizid. Wirtschaftlich erschüttert der Schwarze Montag vom 19. Oktober als erster großer Börsen-Crash nach dem zweiten Weltkrieg das Handelsgeschehen. Sportinteressierte feiern wahlweise Steffi Graf, die erstmals die Führung in der Tennis-Weltrangliste erlangt, oder Boxer Mike Tysons dreifache Weltmeistertitelverteidigung im Schwergewicht. Die Straßenfeger an den Kinokassen heißen ‘Drei Männer und ein Baby’, ‘Eine verhängnisvolle Affäre’ und ‘Beverly Hills Cop II’; den Oscar für den besten Film streicht mit Oliver Stones ‘Platoon’ jedoch ein durchaus tiefschürfenderes Werk als leichte Komödienkost ein. Wer 1987 hingegen den Fernseher einschaltet, um Zerstreuung zu finden, darf sich dies- und jenseits des Atlantiks über den Start des künftigen Serien-Super-Erfolgs ‘Bill Cosbys Familienbande’ freuen, während die TV-Premieren von ‘The Simpsons’ und der ‘Teenage Mutant Ninja Turtles’ zunächst dem amerikanischen Publikum vorenthalten bleiben. Deutsche Fernsehzuschauer erleben unterdessen einen waschechten, internationalen TV-Aufreger aufgrund eines in ‘Rudis Tagesshow’ gezeigten Sketches (in dem sich über das iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Khomeini lustig gemacht wird) sowie Thomas Gottschalk als das neue Gesicht von „Wetten, dass..?“. Auf musikalischer Ebene, hier sind die einstigen Grenzen zwischen dem Hit-Macher Radio und dem TV längst verwischt, sind es indes Zeichen der Zeit, dass am 1. August nicht nur der europäische Ableger MTV Europe startet, sondern der US-Muttersender am 18. April das neue Format ‘Headbangers Ball’ ins Programm hievt. Eine wegweisende Entscheidung für das Popularitätspotenzial harter Musik in den USA, die in der noch jungen deutschen Privatsenderlandschaft sogar einen Vorreiter um Haaresbreite findet. So führt der Programmplan des 1984 gestarteten Kabelpilotprojektsenders musicbox (später Tele 5) ab 1986 die von Annette Hopfenmüller moderierte Spartensendung ‘Hard ’n Heavy’ auf, die dem deutschen Publikum die neuesten Clips aus der Metal-Szene präsentiert.

Wer sich 1987 der Dauerrotation von Whitney Houstons ‘I Wanna Dance With Somebody (Who Loves Me)’, Rick Astleys ‘Never Gonna Give You Up’ oder Michael Jacksons ‘Bad’ entziehen will, kann sich auf einmal eben auch daran ergötzen, dass Bon Jovis ‘Livin’ On A Prayer’ global auf allen Kanälen rauf und runter läuft und zu einem der weltweit größten Singlehits des Jahres avanciert. Ein Fokuswechsel von Heavy- zu Pop Metal (respektive Hedonisten-Hard Rock) lässt sich im Folgenden beobachten – sogar die selbsternannten Trueness-Gralshüter Manowar gehen mit ‘Blow Your Speakers’ auf Kuschelkurs mit einem Fantasy-fernen Party-Rocker-Publikum –, welcher bis zum Aufkommen der Grunge-Bewegung in den Neunzigern andauern soll. Was nicht heißt, dass es 1987 trotz massiv voranschreitender Metal-Mainstreamisierung nicht weiterhin auch derbe im Untergrund brodelt. So profilieren sich Death als todesmetallische Genre-Pioniere mit SCREAM BLOODY GORE und liefern Bathory mit UNDER THE SIGN OF THE BLACK MARK eine bedeutende Black Metal-Blaupause ab. Nicht minder stark präsentiert sich die Thrasher-Szene (selbst ohne Veröffentlichungen von Metallica, Slayer oder Megadeth) mit Debütanten wie Testament, Sacred Reich oder den Extreme Metal-Borderlinern Holy Moses. Und zu guter Letzt legt die künftige Grindcore-Instanz Napalm Death mit SCUM den ausgemachten klanglichen und ideologischen Gegenentwurf zu jeglicher (metallischer) Kommerzialisierung vor. Unterm Strich ein für die harte (und irgendwie nicht mehr ganz so harte) Musik also ein durchaus entscheidendes Jahr. Aber begebt euch doch einfach selbst auf Albumentdeckungsreise in das Metal-Jahr 1987 ...

AEROSMITH

PERMANENT VACATION Hatte sich die Originalbesetzung 1985 für das anvisierte Comeback DONE WITH MIRRORS wieder zusammengefunden, gelingt Aerosmiths Rückkehr in den Rock-Olymp erst zwei Jahre später. Bruce Fairbairns Produktion ist dicht am Puls der Hair-Band-Ära, externe Songwriter wie Desmond Child oder Jim Vallance zimmern Hits. Dabei gelingt Tyler & Co. der Spagat zwischen US-Rolling-Stones-Image und neuen MTV-Helden vortrefflich. Fünf Millionen verkaufte Alben und Evergreens wie ‘Dude (Looks Like A Lady)’ oder ‘Rag Doll’ sprechen eine deutliche Sprache. (FT)

AGENT STEEL

UNSTOPPABLE FORCE Meine Fresse, war diese Band mal heiß wie Frittenfett! Auf ihrem zweiten Studioalbum strotzen John Cyriis und seine ebenfalls in den Staaten ansässigen Alien-Kollegen nur so vor Selbstvertrauen. Denn genau so muss Speed Metal klingen: Rasend schnelle Riffs, die damals noch kristallklare Stimme von Obermarsianer Cyriis und einfach nur geniale Songs im endlosen Spiel zwischen Raum und Zeit. Bis heute lässt sich UNSTOPPABLE FORCE als unverzichtbares Pflichtwerk für alle Freaks von hier bis zum Neptun einordnen. (MH)

ALICE COOPER

RAISE YOUR FIST AND YELL Nach New Wave-Experimenten findet Cooper in Verbund mit Rambo-Gitarrist Kane Roberts sein Glam Metal-Publikum. Vom furiosen Fäusteschwinger ‘Freedom’ bis zu ‘Roses On White Lace’ spielt der Schock-Rock-Pate in folterkammerentsprungenen Liveset-Bauten genüsslich die Horrorkarte und lässt sich von Metal-Muskelmann Roberts’ Shred-Attacken flankieren. Dass Kip Winger zu jener Zeit bei Cooper den Bass bediente, weiß außer ‘Beavis And Butt-Head’s Stewart Stevenson heute vermutlich kaum einer mehr. (FT)

ANTHRAX

AMONG THE LIVING Led Zeppelin, Woodstock, Kiss – sicher nicht die ersten Namen, die einem in den Kopf kommen, wenn es um die Thrash-Irren Anthrax geht. Schlagzeuger Charlie Benante sieht das glücklicherweise anders und schlägt vor, Kultknöpfchendreher Eddie Kramer als Co-Produzent für das dritte Album an Bord zu holen. Selbst wenn es im Studio unterschiedliche Ansichten bezüglich des endgültigen Sounds gibt, hebt diese Kooperation die New Yorker auf eine neue Ebene und öffnet der Band die Stadiontore. Wer im Vorhinein gedacht hatte, dass Kramer die Band in eine kommerziellere Richtung drücken könnte, sieht sich getäuscht. Die Songs sind pfeilschnell, präsentieren rassige Riffs, aber eben auch griffigere Hooklines als auf den beiden vorherigen Scheiben. Das dritte Album wird nicht selten als Moment der Wahrheit gesehen – AMONG THE LIVING katapultiert Anthrax auf eine neue klangliche wie kompositorische Ebene. ‘Caught In A Mosh’ und ‘Indians’ verdrehen noch heute einer ganzen Metal-Generation die Nackenwirbel und gehören im Konzert genauso zum Anthrax-Standardprogramm wie der Titel-Song oder ‘I Am The Law’. Das Album ist Metallica-Bassist Cliff Burton gewidmet, der ein Jahr zuvor auf der gemeinsamen Europatournee tödlich verunglückt war. (MW)

DEF LEPPARD

HYSTERIA Der Vorlauf des vierten Albums, mit dem Def Leppard endgültig zur erfolgreichsten Band weltweit avancieren wollen (zur Einordnung: Der Vorgänger PYROMANIA war 1983 in den Charts nur von Michael Jacksons THRILLER geschlagen worden), avanciert zur persönlichen Tragödie: Auf der Fahrt zu einer Silvesterfeier 1984 verliert Drummer Rick Allen bei einem Überholmanöver die Kontrolle über sein Auto – und in der Folge seinen linken Arm. Gemeinsam mit der Firma Simmons wird ein elektronisches Schlagzeug entwickelt, womit Allen mit dem verbliebenen Arm und vor allem den Füßen spielen kann. Der Tag beim Monsters Of Rock-Festival 1986, an dem Allen erstmals wieder mit der Band live auftritt, mutiert zur emotionalen Abschussrampe, woraufhin HYSTERIA komplett abhebt. Der Versuch mit Produzent Jim Steinman (unter anderem Meat Loaf, Bonnie Tyler) wird aufgrund unterschiedlicher Auffassungen verworfen, Stammproduzent Mutt Lange nimmt sich THRILLER zur Vorlage und will „ein Album mit sieben Singles produzieren.“ Der herrschende Zeitgeist, vermehrt Elektronik in Rock-Strukturen zu integrieren, hilft den Briten bei der Rekonstruktion ihres Sounds. Die Singles ‘Animal’, ‘Women’, ‘Pour Some Sugar On Me’, ‘Hysteria’, ‘Armageddon It’, ‘Love Bites’ und ‘Rocket’ machen HYSTERIA zu einem der erfolgreichsten Rock-Alben aller Zeiten. Bis heute gehen weltweit mehr als zwanzig Millionen Exemplare über die Ladentheke. (MW)

DEATH

SCREAM BLOODY GORE Das Album, mit dem alles angefangen hat. Wirklich alles? Na ja, es gibt da eine Vorgeschichte: SEVEN CHURCHES von Possessed (1985) beansprucht den Titel „Erstes Death Metal-Album“ ebenso für sich – SCREAM BLOODY GORE aber formuliert die Markenzeichen des Genres unumstößlich aus und gilt fortan als Blaupause. Dem Debütalbum voraus gehen eine ganze Reihe von Probe-Tapes, Live-Aufnahmen und Demos (DEATH BY METAL 1984 noch unter dem Namen Mantas). Sieben der zwölf CD-Tracks (fünf von ursprünglich nur zehn auf Tape und Vinyl) sind daher schon bekannt, werden aber noch mal neu aufgenommen. Womit wir zu den von Death begründeten Traditionen kommen: Es rumpelt. Nicht musikalisch, sondern organisatorisch. Die ersten Aufnahmen, die Chuck Schuldiner und der 17-jährige Schlagzeuger Chris Reifert in Florida einspielen, gefallen dem Label nicht – also Neustart mit Produzent Randy Burns in Los Angeles. Diesmal knallen ‘Evil Dead’, ‘Mutilation’, ‘Denial Of Life’ und Konsorten wie bestellt. Ed Repka setzt mit seinem Artwork Klang, Horror-Song-Texte und Attitüde perfekt um und etabliert sich als unverkennbarer Szene-Cover-Künstler. Zu einer der unschöneren Band-Traditionen wird das sich wild drehende Besetzungskarussell: John Hand ist zwar als Gitarrist aufgeführt und abgebildet, auf SCREAM BLOODY GORE aber mit keinem Ton zu hören und danach schon wieder raus – genau wie Chris Reifert (der im Nachgang Autopsy gründet). (SK)

DIO

DREAM EVIL Was wurde eigentlich aus Murray? Zum letzten Mal taucht er (offiziell und in seiner ursprünglichen Form) vor 35 Jahren in diesem Coverartwork auf. Ob das Band-Maskottchen auf der anderen Seite des Fensters über das schlafende Kind wacht oder Teil der alptraumhaften Armada aus Tentakel, Troll, Kristallkugel und Co. ist, bleibt der Fantasie überlassen. Träume und Angst vor dem Dunkel (klingelt da etwas?) bestimmen das offene Konzept des vierten Dio-Albums. Stilistisch setzen Ronnie James und seine Mannschaft auf Altbewährtes mit dezent neuem Dreh: Nachdem der direkte Vorgänger SACRED HEART (1985) ein My rockig-kommerzieller ausgefallen war, geht es auf DREAM EVIL – den Song-Inhalten entsprechend – wieder ein klein wenig metallischer und düsterer zu. Vor allem das Keyboard zaubert geisterhafte Synthiesounds (besonders eindringlich etwa in ‘When A Woman Cries’) und trägt somit zu jener Atmosphäre dabei. Selbstredend thront die einzigartige, warme Stimme von Ronnie James Dio über allem, die Melodien zünden und die Riffs (erster Albumaufschlag von Craig Goldy) und verspielten Fills packen. Schön: Sowohl der Titel-Track als auch das bluesige ‘Overlove’ verneigen sich vor dem Rainbow-Klassiker ‘Man On The Silver Mountain’. Das pumpende ‘Sunset Superman’ und die Ballade ‘All The Fools Sail Away’ zählen zu den oft übersehenen Höhepunkten der Dio-Diskografie. Im Nachgang des Albums verabschieden sich neben Murray auch alle anderen Band-Mitglieder. (SK)

ANVIL

STRENGTH OF STEEL Mit ihrem vierten Album steigen die kanadischen Ambosse zum ersten Mal in die amerikanischen Charts ein – allerdings nur auf Platz 191. Nichtsdestotrotz beweisen Steve Lips und Co. abermals, dass sie verstanden haben, wie man dreckige Texte mit noch dreckigeren Riffs verbindet. Leider ist STRENGTH OF STEEL das letzte wirklich klassische Anvil-Album, das nur aus Hits besteht. Danach geht es bedauerlicherweise kommerziell und kreativ etwas abwärts. (SL)

BLACK SABBATH

THE ETERNAL IDOL Aufgrund seines kurzfristigen Einstiegs ist Tony Martin auf seinem Sabbath-Debüt lediglich Stimme und nicht Co-Autor. Mag er auch nicht das Stimmvolumen von Ronnie James Dio oder das Charisma von Ozzy Osbourne besitzen, ist sein Einstand doch weit davon entfernt, zu langweilen. Iommis Riffs sind im typischen Achtziger-Dio-Duktus majestätischer, polierter und hymnischer als die frühen Doom-Schlepper, jedoch können Songs wie das brodelnde ‘The Shining’ oder das unheilvolle ‘Ancient Warrior’ durchaus punkten. (FT)

CARNIVORE

RETALIATION Schon der Einsteiger ‘Jack Daniel’s And Pizza’, bestehend aus Würge- samt anschließenden Toilettenspritzergeräuschen, zeigt allen Hörenden den Mittelfinger. Verantwortlich für diese kreativen Ergüsse ist ein gewisser Peter Steele. Die schnellen Hardcore-/Punk-Riffs des zweiten und letzten Carnivore-Albums nehmen bereits vorweg, was er später bei Type O Negative immer wieder als Rückbesinnung auf die Anfangstage einstreuen wird. (FB)

ARMORED SAINT

RAISING FEAR Anstatt den Ausstieg von Gitarrist Phil Sandoval zu kompensieren, machen Armored Saint kurzerhand als Quartett weiter und setzen sich bei einem regulären Studioalbum erstmals selbst hinters Mischpult. Das Experiment schlägt trotz gutklassiger Songs fehl und die Band verliert ihren Plattenvertrag. RAISING FEAR ist das letzte Werk mit Gitarrist Dave Prichard, der 1990 im Alter von 26 Jahren an Leukämie verstirbt. (MW)

BONFIRE

FIREWORKS Einmal, und nur wenige Jahre, stehen die Ingolstädter Bonfire vor einem internationalen Durchbruch. Mit ihrem zweiten Album und dessen beiden stärksten Momenten ‘Ready 4 Reaction’ und ‘Sweet Obsession’ scheint es klappen zu können. Doch leider kann die Band mit dem Nachfolger POINT BLANK (1989), auf dem der kurzzeitige Pretty Maids-Gitarrist Angel Schleifer die Soli veredelt, nicht adäquat nachlegen. So gilt FIREWORKS als stärkste Bonfire-Scheibe – und bleibt dies vermutlich auch. (MM)

CELTIC FROST

INTO THE PANDEMONIUM Tom G. Warrior und Martin Eric Ain werden mit Celtic Frosts zweiter Studioplatte einmal mehr zu Vorreitern des Vor-den-Kopf-Stoßens. Nach der EP MORBID TALES (1984) sowie TO MEGA THERION (1985) präsentieren sich die Schweizer sprunghaft zwischen Dark Rock, Gothic Metal, Pop und Doom Metal. Zwischen Verrat witternden Vorwürfen des Ausverkaufs und Lobgesängen auf ihren experimentellen Mut dürfte INTO THE PANDEMONIUM wohl jede denkbare Reaktion hervorgerufen haben. (TL)

BATHORY

UNDER THE SIGN OF THE BLACK MARK Mit ihrem Drittwerk nehmen Bathory viele Trademarks der sich langsam formierenden zweiten Welle des Black Metal vorweg. Trotz generell wüstem Liedgut verzichtet Mastermind Quorthon auf UNDER THE SIGN OF THE BLACK MARK keinesfalls auf Hit-Potenzial: Mit ‘Woman Of Dark Desires’, ‘Call From The Grave’ oder ‘Enter The Eternal Fire’ schafft er teuflische Hymnen und bringt seine klassische Black Metal-Phase zu einem fulminanten Abschluss. (TL)

CANDLEMASS

NIGHTFALL Mit ihrer zweiten Platte öffnet sich für Candlemass ein neues Kapitel. Nachdem sie nur ein Jahr zuvor mit EPICUS DOOMICUS METALLICUS mal eben die Blaupause für modernen Doom Metal erschaffen haben, perfektionieren sie selbigen nun mit ihrem neuen Sänger Messiah Marcolin. Epischer und musikalisch raffinierter, mit Momenten der Dunkelheit wie auch des Lichts. Ein wegweisendes Meisterwerk, das höchstens von seinem Vorgänger übertroffen wird. Aber da scheiden sich die Geister. (SL)

CORONER

R.I.P. Im Sommer 1987 tritt eine bis heute schmerzlich unterschätzte Combo aus dem Schatten: Coroner aus der Schweiz bieten schon auf ihrem Debüt technischen Thrash der Extraklasse, der seiner Zeit vielleicht ein bisschen voraus war. Trotzdem oder gerade deswegen lohnt die (Neu-)Entdeckung solcher Perlen wie ‘Reborn Through Hate’, ‘When Angels Die’ oder ‘Coma’ (was für Riffs!) unbedingt. Diese Platte ist ganz großer Sport. (MH)

THE CULT

ELECTRIC Auf ihrem dritten Album wagen die Briten einen Stilwechsel: Rick Rubin soll der Band einen angesagten Rock-Sound verpassen und tut dies mit radikaler Riff-Reduktion sowie AC/DC im Hinterkopf. Optisch tauscht man Trockennebel und Paisley gegen Jeans-Weste, Trapper-Mütze und Biker-Boots. Bleiben ‘Wild Flower’ und das ‘Start Me Up’-Simulakrum ‘Love Removal Machine’ ewige Set-Konstanten, ziehen The Cult erst mit dem breitbeinigen Hochglanz-Hard Rock von SONIC TEMPLE das große kommerzielle Los. (FT)

D.R.I.

CROSSOVER Die Dirty Rotten Imbeciles (kurz D.R.I.) hätten es sich bestimmt nicht träumen lassen, dass ihr Albumname Jahre später den Mix aus Rap und Rock definieren sollte. Trefflich ist er trotzdem, weil die Berserker aus Houston, Texas, auf ihrem dritten Album den bisherigen Thrashcore-Shortys abschwören und einen ebenso frischen wie energischen Sound präsentieren, der Fans von Thrash und Punk ebenso gefallen dürfte wie jenen des Hardcore. (MW)

DEATH ANGEL

THE ULTRA-VIOLENCE Auf ihrem Debüt zeigen sich die damals noch nicht volljährigen, miteinander verwandten Bay Area-Aufsteiger in angriffslustiger Thrash-Laune. Die Dreiviertelstunde beinhaltet einige Kracher nebst dreier Stücke des von Kirk Hammett produzierten Demos (1985), darunter das über zehnminütige Titelinstrumental. THE ULTRA-VIOLENCE markiert den Beginn einer soliden, nach drei Alben unterbrochenen Karriere, die dank Gitarrist Rob Cavestany und Vokalist Mark Osegueda bis heute andauert. (KR)

GUNS N’ ROSES

APPETITE FOR DESTRUCTION Ähnlich wie Def Leppards HYSTERIA war auch APPETITE FOR DESTRUCTION zunächst ein Spätzünder, der die Hilfe von massivem MTV-Airplay benötigte, um schließlich durch die Decke zu gehen. Das sind aber auch schon die einzigen Parallelen der beiden Platten. Ist HYSTERIA der große Pop-Metal-Blockbuster, haben wir es beim Debütalbum der (hier noch funktional-) dysfunktionalen Truppe mit einer wahren Gossen-Rock-Großtat zu tun. Schon das Personal weist kaum Gemeinsamkeiten mit der damals in L.A. vorherrschenden Glameria-Szene auf. Da hätten wir den wasserstoffblondierten Seattle-Straßenköter Duff McKagan am Bass, den unbedarften Surfer-Sunnyboy Steven Adler an den Drums, Izzy Stradlin an der Rolling Stones-geschulten Rhythmusgitarre und den Led Zeppelin- und Aerosmith-Fan sowie ikonischen Zylinderausnahmegitarristen Slash an der Lead-Gitarre. Und dann ist da noch der Sänger. W. Axl Rose. Eine Stimme, die sich unmittelbar in den Gehörgang einschneidet, aber stets genügend emotionale Tiefe und Siebziger-Classic Rock-Verständnis atmet. Unter dem dreckigen Song-Dutzend finden sich alle frühen und hinlänglich bekannten Klassiker der Band. Und selbst Deepcuts wie ‘My Michelle’ oder ‘Rocket Queen’ sind Killer. Fraglos eines der besten (Debüt-)Alben aller Zeiten. (FT)

HELLOWEEN

KEEPER OF THE SEVEN KEYS PART 1 Auf das ungestüme Debüt WALLS OF JERICHO (1985) folgt 1987 der alles entscheidende Paradigmenwechsel für Helloween: Die Hamburger Kürbisse rekrutieren den jungen Ausnahmesänger Michael Kiske von der Band Ill Prophecy (noch aus dieser Zeit stammt beispielsweise ‘A Little Time’) und komponieren neue Stücke explizit für dessen Stimme, während sich Kai Hansen fortan hauptsächlich auf Gitarre und Songwriting konzentriert – der Großteil der Scheibe stammt aus seiner Feder. Ursprünglich will das Quintett ein Doppelalbum auf den Markt bringen, doch ihre damalige Plattenfirma veröffentlicht die Saga lieber in zwei aufeinanderfolgenden Werken. Bereits auf PART 1 finden sich packende Nummern wie ‘I’m Alive’ oder ‘Twilight Of The Gods’ sowie die herzergreifenden Hits ‘Future World’ und ‘Halloween’, die bis heute im Liveset der Gruppe auftauchen und gefeiert werden. PART 2 legt ein Jahr später noch potenter mit unter anderem ‘Eagle Fly Free’, ‘Dr. Stein’, ‘I Want Out’ sowie dem epochalen ‘Keeper Of The Seven Keys’ nach. Eine in allen Belangen geglückte Dramaturgie – das Zusammenwirken von furioser, schwer melodischer Riff-Kunst, gesanglicher Dominanz bis in höchste Höhen und ehrlicher Emotionalität gilt seit diesem (auch kommerziell erfolgreichen) Doppelschlag als Blaupause für europäischen Power Metal. (KR)

DOKKEN

BACK FOR THE ATTACK Die erfolgreichste Platte der Dauerwellenkönige – der Einstieg ‘Kiss Of Death’ ist bis heute ein gern gesehenes Stück in der Setlist. Wer denkt, dass die Amis hiermit noch mehr in Richtung Charts schielen, dem sei mit dem instrumentalen ‘Mr. Scary’ das Gegenteil bewiesen. Das Schlusslicht ‘Dream Warriors’ bietet wieder astreinen Radio-/ Stadion-Rock. Zwei Jahre später trennen sich Dokken zum ersten Mal. (FB)

EXODUS

PLEASURES OF THE FLESH Nur selten stellte ein zweites Album eine derartige Zäsur in einer Band-Karriere dar: Auf Exodus’ PLEASURES OF THE FLESH ersetzt Vokalist Steve Souza die noch auf BONDED BY BLOOD (1985) zu hörende Stimme von Ur-Frontmann Paul Baloff. Dem Geschwindigkeitswahn der Bay Area-Thrasher tut dies allerdings keinen Abbruch. Songs wie ‘Pleasures Of The Flesh’, ‘Chemi-Kill’ und ‘Braindead’ eifern fleißig der Debütscheibe nach. (TL)

FREHLEY’S COMET

FREHLEY’S COMET Der Spaceman landet nach fünf Jahren (Studio)-Abwesenheit wieder in der Musikwelt – und hinterlässt mit dem Debüt seiner Solo-Band einen ordentlichen Einschlagkrater. Mit dem semibiografischen Ohrwurm ‘Rock Soldiers’ oder der Achtziger-Cheese-Hymne ‘Into The Night’ beweist Ace Frehley, dass er auch ohne Kiss Erfolg haben kann. Wie heißt es so schön im Opener? „Ace is back and I told you so!“ (SL)

GREAT WHITE

ONCE BITTEN Mit ONCE BITTEN veröffentlichen Great White das erste von zwei zumindest äußerlich zusammengehörenden Werken, basierend auf dem Ian Hunter-Track ‘Once Bitten, Twice Shy’. Der kommerzielle Erfolg des ersten Kapitels ist nicht ganz so bombastisch wie der des mit Doppelplatin dekorierten TWICE SHY (1989). Für die Kalifornier schießt das Erfolgsbarometer 1987 aber auch deshalb in die Höhe, weil ONCE BITTEN mit dem Kult-Rocker ‘Rock Me’ und Jack Russells Gänsehautballade ‘Save Your Love’ stark vorlegt. (MM)

GRIM REAPER

ROCK YOU TO HELL Der dritte Schlag der NWOBHM-Legenden um den kürzlich tragischerweise verstorbenen Steve Grimmett landet direkt im Gesicht, klingt etwas härter als die Vorgänger und ist zudem näher am amerikanischen Markt – was sich durchaus auf die Verkaufszahlen des Albums auswirkt. Leider soll es aufgrund ewiger Rechtsstreitereien mit dem Label für lange Zeit auch das letzte Werk der Band sein. Umso mehr gilt es, Hymnen wie ‘Lust For Freedom’ oder den ikonischen Titel-Song zu genießen. (SL)

HEATHEN

BREAKING THE SILENCE Zur Zeit ihres Debüts sieht es für die Bay Area-Thrasher ziemlich hoffnungsvoll aus: Im Untergrund haben sich Heathen bereits einen Namen gemacht, das The Sweet-Cover ‘Set Me Free’ rotiert im Radio sowie bei MTVs ‘Headbangers Ball’, und auch die eigenen Stücke zeugen von kompositorischer Klasse. Es folgen Umbesetzungen, progressive(re) Tendenzen sowie eine Band-Pause von 1993 bis 2001. Gitarrist Lee Altus und Sänger David White sind die Konstanten auf allen vier Alben, zuletzt EMPIRE OF THE BLIND 2020. (KR)

HOLY MOSES

FINISHED WITH THE DOGS Was Sabina und ihr damaliger Mann Andy Classen auf ihrem zweiten Album von der Leine lassen, ist durchaus harter Tobak: Stimme, Gitarren, Bass und Schlagzeug (Uli Kusch, später Helloween und andere) scheinen sich permanent zu überschlagen und gegenseitig zu überholen. Dieses von Ralph Hubert (Mekong Delta) produzierte Monster fällt auch heute noch unter „Extrem-Metal“ und hat nichts von seiner Faszination verloren. (MH)

KREATOR

TERRIBLE CERTAINTY Neben dem Kultalbum PLEASURE TO KILL (1986) wird Kreators Drittwerk oft übersehen. Dabei präsentieren sich die Thrasher (unter Beteiligung von Kurzzeitgitarrist Tritze) nach ihrer ersten Tournee wandlungsfähiger und versierter als je zuvor, ohne an Aggressivität zu sparen – Hits wie ‘Storming With Menace’, der (bis heute live gespielte) Titel-Track, das umweltthematische ‘Toxic Trace’ oder die Abschlussgranate ‘Behind The Mirror’ sprechen für sich und ebnen der Band den Weg nach Amerika. (KR)

JUDAS PRIEST

PRIEST... LIVE! Dass Judas Priest live nach wie vor eine Macht sind, beweisen sie stetig. Trotzdem treibt einem PRIEST... LIVE! stählerne Freudentränen in die Augen: So viel Energie, kraftvoller Gesang und feurige Soli! Von jenen entdecken Gitarrenfetischisten in diesen Aufnahmen von ‘Breaking The Law’ und ‘Heading Out To The Highway’ übrigens zusätzliche zu den Studioversionen. An zwei Abenden der TURBO-Tournee aufgezeichnet, komprimiert dieses Zeitzeugnis den „Judas Priest-Style Heavy Metal“ der Achtziger auf beeindruckende Weise – auch auf VHS, Betamax und Laserdisc (!). (SK)

LIZZY BORDEN

VISUAL LIES Mit der Hereinnahme des späteren David Lee Roth- und Ozzy-Gitarristen Joe Holmes verändern Lizzy Borden ihr Profil. Anstatt schnellem (und mitunter leicht schrulligem) Heavy Metal alter Schule beinhaltet das dritte Album deutliche Hard Rock-Akzente, welche die Die Hard-Anhängerschaft verschrecken, die Kalifornier aber die nächste kommerzielle Stufe erklimmen lässt – Soundtrack-Beitrag zum Streifen ‘Black Roses’ (1988) inklusive. (MW)

KISS

CRAZY NIGHTS Das Make-up ist schon seit 1983 ab, der Lack inzwischen aber auch. Während Gene Simmons lieber den Produzenten oder Schauspieler gibt, wird Kiss hierauf zu Stanleys musikalischem Sprachrohr. An der Bon Jovi-Blaupause seiner Zeit geschult, geben Keyboards den Ton an und offerieren Kiss neben dem unwiderstehlichen Party-Rocker ‘Crazy Crazy Nights’ mit ‘My Way’ und ‘Reason To Live’ zwei fantastische Balladenepen. Der Rest ist leider recht redundant. (FT)

DIE 0,6 DER 66,6 METALLICA

THE $5.98 EP Als lockerer Aufgalopp für den Einstieg von Bassist Jason Newsted geplant, genießt diese Cover-EP unter den Fans mittlerweile absoluten Kultstatus. Das liegt nicht allein an den gecoverten Liedern von The Misfits, Budgie oder Diamond Head, sondern auch an der Art der Präsentation: Sechs Tage Aufnahmezeit, Booklet-Fotos aus der Dusche mit dem Zusatz „Not very produced by Metallica“. Der letzte Underground-Gruß dieser Band vor dem Mainstream-Durchbruch. (MW)

KING DIAMOND

ABIGAIL Mit ABIGAIL gelingt dem King der größte Wurf seiner Karriere. Nach seinem ersten Solowerk FATAL PORTRAIT (ebenfalls ein absoluter Heavy Metal-Meilenstein) zeigt er mit dem Nachfolger, welch ein großartiger Geschichtenerzähler er doch ist. Das erste Konzeptalbum seiner Karriere (auf das noch einige folgen werden) handelt von einem jungen Liebespaar, das ein düsteres, uraltes Spukhaus erbt. Nach dem Einzug kommen sie in Kontakt mit dem verstorbenen Ahnen, der ihnen von der tragisch-blutigen Familiengeschichte erzählt – deren neuestes Kapitel nun von den beiden Turteltäubchen erlebt wird. Was folgt, sind schwarze Reiter, Exorzismen und grausame Morde. Alles dargeboten durch King Diamonds unverkennbare Mischung aus Falsett und kehligem Gesang. Große Ehre gebührt ebenso den beiden damals noch nahezu unbeschriebenen Blättern Andy LaRocque und Mikkey Dee. Ersterer zaubert in gnadenlosen Riff-Monstern wie ‘The Possession’ oder ‘Omens’ virtuose Gitarrenkunst hervor, die einerseits an Mercyful Fate erinnert, andererseits auch einen starken, moderneren Sound integriert. ABIGAIL ist ein rundum perfektes Werk – eine musikalische Geisterfahrt und klarer kreativer Höhepunkt des dänischen Ausnahmetalents. (SL)

MANOWAR

FIGHTING THE WORLD Wir schauen gar nicht mal so schlau aus der Wäsche, als wir Manowars fünftes Studioalbum in den Händen halten: Die Herrschaften tragen plötzlich keine Schlüpfer aus Waschbärenfell mehr, sondern Jeans. Ihre Pferde haben sie gegen Motorräder eingetauscht. Und sie ziehen auch nicht mehr in historischmystische Schlachten, sondern wollen plötzlich Party machen. Zumindest streckenweise, wie ‘Blow Your Speakers’ oder das Titelstück belegen. Für die ganz harten Puristen sind Manowar damit gestorben (wenn die damals geahnt hätten, was noch kommen würde ...); die anderen schütteln ihre Mähnen zu Krachern wie ‘Violence And Bloodshed’, ‘Holy War’ und natürlich ‘Black Wind, Fire And Steel’. Das mächtige ‘Defender’ besänftigt die Old School-Fraktion ein wenig, während ‘Carry On’ beweist, dass diese Band auch regelrechte Stadionhymnen schreiben kann. Interessant ist, dass das Album von Joey DeMaio fast im Alleingang komponiert wurde, Ross „The Boss“ Friedman hat seine Finger nur bei zwei Stücken im Spiel. FIGHTING THE WORLD gibt die Richtung für die folgenden Alben vor, die Epik weicht der Eingängigkeit, aber noch halten die Männer aus dem Norden der USA trotz allem ein gewisses Niveau. (MH)

NAPALM DEATH

SCUM Wer glaubt, mit Slayers REIGN IN BLOOD (1986) sei der Geschwindigkeitswettkampf im Extreme Metal vorerst entschieden, der irrt gewaltig: Mit SCUM drücken Napalm Death noch einmal gehörig auf die Tube. Von Radiolegende John Peel salonfähig gemacht, lassen die Briten auf ihrem Debüt hartgesottene Punk-Rowdies wie G.B.H., Discharge oder Social Distortion wie Weicheier aussehen. Band-interne Querelen sorgen unterdessen nicht nur dafür, dass die Aufnahmen für mehr als ein Jahr pausieren, sondern auch für eine Fast-Rundumneubesetzung sowie stilistische Zweigliederung. Unterteilt in eine von Hardcore Punk geprägte A-Seite und eine metallischer orientierte B-Seite holzen Napalm Death mit 28 Songs alles kurz und klein. Einzig Schlagzeuger Mick Harris – der mit dem Anspruch, der schnellste Drummer der Welt zu werden, die Platte einprügelt – ist während der gesamten Spielzeit zu hören. ‘Scum’, ‘Instinct Of Survival’ und ‘Life?’ erheben das Album zu einem brachialen Lärmmanifest; ‘You Suffer’ hält mit einer Sekunde bis heute den Rekord für den kürzesten Song. Napalm Death heben mit SCUM den Grindcore nicht nur als eigenständige Spielart aus der Taufe, es ist auch die endgültige Genre-Definition. (TL)

OZZY OSBOURNE

TRIBUTE (LIVE) Wer an den Ozzy Osbourne der Achtziger Jahre denkt, denkt normalerweise automatisch auch an Randy Rhoads – den charmanten, schmal gebauten Gitarrengenius, der Ozzys Solokarriere mit seinem mehr als virtuosen Spiel richtig ins Rollen brachte. Technisch versiert, mit einem Fuß in der Klassik stehend, mit dem anderen mit voller Wucht im Heavy Metal verwurzelt. Doch nicht nur durch sein gottgleiches Saitentalent wuchs er Ozzy schnell ans Herz: Für ihn war er vielmehr ein Bruder als bloß Hired Gun. Umso härter traf es den Prince Of Darkness, dass Randy 1982 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. TRIBUTE ist, wie man am Namen erraten kann, ein Tribut an Randy. Die Doppel-LP besteht aus Liveperformances, die 1981 in Cleveland aufgenommen wurden. Sie sind Zeugnis des unglaublichen Talents, das der Gitarrist auf der Bühne präsentierte. Und natürlich dessen von Ozzy selbst, der in jedem Track seine damals noch kraftvolle, ikonisch-nasale Stimme zum Besten gibt. Schon beim ‘Carmina Burana’-Intro, das in den Opener ‘I Don’t Know’ einleitet, fühlt man sich zurückversetzt in eine Zeit, in der die ganz Großen noch auf dem Höhepunkt ihres Könnens waren. Dass sich dessen auch das damalige Publikum bewusst ist, zeigen die ekstatischen Rufe bei folgenden Bangern wie ‘Mr. Crowley’ oder ‘Iron Man’. (SL)

MÖTLEY CRÜE

GIRLS, GIRLS, GIRLS Auch wenn nur der Titel-Track bis heute richtig im Gedächtnis bleibt, ist die Platte neben SHOUT AT THE DEVIL (1983) und DR. FEELGOOD (1989) das Vorzeigewerk von Mötley Crüe. Ihr damaliger Erfolg wird vom von Vince Neil verursachten Unfalltod des Hanoi Rocks-Schlagzeugers Razzle überschattet. Kurz vor der Veröffentlichung der Scheibe sitzt der damals exzentrische Sänger seine Strafe ab. (FB)

MOTÖRHEAD

ROCK ’N’ ROLL Mit Phil „Philthy Animal“ Taylor zurück an Bord kann eigentlich nichts schiefgehen. Bereits der Opener ‘Rock ’N’ Roll’ ist eine Liebeserklärung an Lemmys gesündestes Lebenselixier. Im Anschluss bekommt die feine Gesellschaft mit ‘Eat The Rich’, was sie verdient. Kommerziell bleiben Motörhead auch mit ihrer achten Studioplatte weiterhin Underdogs – ein Umstand, mit dem man sich ohnehin schon abgefunden hat. (FB)

NEUROSIS

PAIN OF MIND Neurosis tanzen mit PAIN OF MIND auf der Schwelle zwischen Post Hardcore und Thrash Metal. Die nicht selten weniger als drei Minuten langen Prügelorgien thematisieren dazu passend finstere Themen wie Suizid (‘Life On Your Knees’) und kritische Betrachtungen paternalistischer Lebensweisen (‘Pain Of Mind’). Die Mischung geht auf – doch mit späteren Werken wenden sich Neurosis einer verstärkt metallischen Ausrichtung zu. (TL)

OVERKILL

TAKING OVER Als vielleicht bestes Album neben THE YEARS OF DECAY (1989) markiert die zweite Platte den Durchbruch der Thrash-Veteranen aus New Jersey. Die wilden Klassiker ‘Wrecking Crew’ und ‘In Union We Stand’ sind bis heute Live-Standards. Für den epochalen Einstieg ‘Deny The Cross’ haben sie damals eventuell dezent bei Metallica abgeguckt. Bis auf das uninspirierte, legendär schlechte Artwork stimmt hier für Nackenpeiniger alles. (FB)

PARADOX

PRODUCT OF IMAGINATION Charly Steinhauer entwickelte sich mit dem Debüt seiner Combo innerhalb weniger Monate zu einer der deutschen Thrash-Hoffnungen. Unüberhörbar von Metallica beeinflusst, knattert dieses Album mit noch immer hörbarer Spielfreude durch die Boxen. Hätte Steinhauer in seiner Karriere ein wenig mehr Glück gehabt, würden Paradox ganz woanders stehen. Man höre ‘Pray To The Godz Of Wrath’ und headbange. (MH)

PENTAGRAM

DAY OF RECKONING Pentagram könnten zu den ganz Großen gehören. Doch der selbstzerstörerische Lebensstil von Bobby Liebling stand dem kommerziellen Erfolg oft im Weg. Ihre zweite Platte DAY OF RECKONING ist heute ein Doom-Klassiker und gehört in Fan-Kreisen zu den besseren Werken. Damals findet sie jedoch keinen großen Anklang. Ein Jahr später zerschellt die Band bereits zum dritten Mal. 1994 folgt eine von vielen Reunionen. (FB)

PRETTY MAIDS

FUTURE WORLD

Gleich mit ihrem zweiten Album landen Pretty Maids im April 1987 einen Meilenstein, der die Band zeitweise in die Höhen von Europe katapultiert und an Treat vorbeiziehen lässt. Ein Opus wie ein Inferno, mit grandiosen Songs voll übersprudelnder Energie und Sänger Ronnie Atkins als stärkstem Trumpf im Ärmel. Allein der fünfminütige Titel-Song ist das Geld wert, dazu das fesselnde ‘Yello Rain’, der traditionelle Riff-Rocker ‘Rodeo’ und die Radio-

Rock-Nummer ‘Love Games’ – hier stimmt jeder Ton, jede Hookline, jeder Refrain. (MM)

RAGE

EXECUTION GUARANTEED Offiziell handelt es sich um Rages zweite Platte – zählt man PRAYERS OF STEEL der Vorgänger Avenger mit, sprechen wir vom Drittwerk. Peavy Wagners charakteristisch hoher Gesang (und Videospielgeräusche) akzentuieren den versierten Heavy-/Power-/Speed Metal. Obwohl sie auf dem Album nicht mitspielen, sind im ‘Down By Law’-Video bereits Manni Schmidt und Chris Efthimiadis zu sehen, die 1988 mit PERFECT MAN die Glanzphase der Band einläuten. (KR)

RAVEN

LIFE’S A BITCH

Bei den englischen Heavy-Metallern stehen die Zeichen im Sommer 1987 auf Sturm: Ihre sechste Scheibe soll die beiden schwächeren Vorgänger STAY HARD (1985) und THE PACK IS BACK (1986) korrigieren und wieder an die Klassiker ROCK UNTIL YOU DROP (1981) und ALL FOR ONE (1983) anknüpfen. Diese Mission gelingt nur teilweise, denn trotz Highlights wie dem Titel-Track oder den rassigen Songs ‘Overload’ und ‘The Savage

And The Hungry’ ist der „mainstreamige“ Gesamteindruck eher durchwachsen. (MM)

RUSH

HOLD YOUR FIRE

So cool und abgeklärt wie 1987 klangen die Kanadier nie zuvor, obgleich aus Prog Rock nun fast Mainstream geworden ist. Das 50-minütige HOLD YOUR FIRE beginnt mit einem Paukenschlag, dem toll groovenden, fast lasziven ‘Force Ten’, und entlässt die Fans nach der weiteren Perle ‘Prime Mover’ mit dem Prog-Parforce-Ritt ‘High Water’. Das Dutzend Rush-Alben ist voll, wenn auch mit leicht veränderter musikalischer Direktive. (MM)

SACRED REICH

IGNORANCE Im Herbst 1987 tauchen Sacred Reich mit ihrem Debüt aus dem Nichts auf und können im Handumdrehen ganze Heerscharen begeistern. Überall werden plötzlich Shirts und Aufnäher der Band gesichtet. ‘Death Squad’ oder ‘Ignorance’ deuten an, wozu Mister Rind und seine Mannen noch fähig sein werden. Bisweilen stumpfer, politischer, großartiger Thrash Metal, der bis heute die Massen vor die Festival-Bühnen lockt. (MH)

SATAN

SUSPENDED SENTENCE Auf Satans zweiter Scheibe steht noch Michael Jackson (natürlich nicht der „King Of Pop“) am Mikro – und klingt die meiste Zeit etwas heiser. Zwar sind mit ‘Who Dies Wins’ und ‘Suicidal Justice’ gute Songs vertreten, doch der Platte fehlt es an Aussagekraft. Unter den bis dato sechs Studiowerken der Engländer wird SUSPENDED SENTENCE im hinteren Bereich eingeordnet; es folgte eine lange Band-Pause. (FB)

DAS METAL-JAH R 1987

RUNNING WILD

UNDER JOLLY ROGER Bei diesem Albumtitel muss man sich zurückhalten, um ihn beim Lesen nicht laut hinauszugrölen. Die dritte Platte der Hamburger markiert den Image-Wechsel vom Okkulten und von Fantasy-Thematik hin zu Deutschlands einzig ernst zu nehmender Piraten-Band. Damals wird der Stilbruch als lächerlich empfunden – auch, weil es Running Wild etwas plump und wenig selbstironisch angehen. So erzählt ‘Diamonds Of The Black Chest’ ziemlich klischeehaft von einer Schatzsuche. Doch auch wenn neben dem Titel-Track nur ‘Raise Your Fist’ als bleibender Hit heraussticht, ist dies bis heute die wichtigste Scheibe von Kapitän „Rock’n’Rolf“ Kasparek und seiner Gefolgschaft. Nun unter der Freibeuterflagge umherziehend, werden die Speed-Metaller auch kommerziell siegessicher: Running Wild haben einen regelrechten Lauf und können in den Folgejahren jährlich einen Klassiker auf den Markt bringen, etwa PORT ROYAL (1988) oder DEATH OR GLORY (1989). Doch leider gibt es auch unerfreuliche Nachrichten: Auf Running Wilds Tournee durch Deutschland, Dänemark und Polen gehen Schlagzeuger Wolfgang „Hasche“ Hagemann und Bassist Stephan Boriss für immer von Bord. Dennoch sind die Segel gehisst, und Running Wild steuern in Richtung Erfolg. (FB)

SAVATAGE

HALL OF THE MOUNTAIN KING In der Reihe großer Savatage-Klassiker nimmt HALL OF THE MOUNTAIN KING eine ganz besondere Rolle ein. Denn es markiert zwei essenzielle personelle Veränderungen: Paul O’Neill produziert erstmals ein Album der Band und führt Savatage aus dem künstlerischen Tief, in das die Gruppe nach dem enttäuschenden Vorgänger FIGHT FOR THE ROCK (1986) zu versinken droht. Zudem empfiehlt er nach den Aufnahmen dem vierköpfigen Line-up einen Neuzugang: Um die fabelhaften Fähigkeiten von Sologitarrist Criss Oliva noch wirksamer in Szene zu setzen, schlägt er die Verpflichtung des Rhythmusgitarristen Chris Caffery vor. Diese Maßnahme zündet nachhaltig: Caffery fliegt auf eigene Kosten nach Tampa/Florida, überzeugt Savatage und bringt gemeinsam mit O’Neill die Band letztlich in jene Spur, die zwei Jahre später im Jahrhundertwerk GUTTER BALLET (1989) ihr Ziel findet. Die meisterlichen Vorzeichen sind bereits hier klar erkennbar: Vor allem der Riff-gewaltige Titel-Track und der nicht minder fesselnde Opener ‘24 Hours Ago’ mit Sänger Jon Oliva in Höchstform reanimieren auf eindrucksvolle Weise das überragende Talent der Band und bringen kurzzeitig zweifelnde Fans sofort wieder auf Kurs. (MM)

JOE SATRIANI

SURFING WITH THE ALIEN A new star is born! Gleich mit seiner zweiten Soloscheibe schafft es der amerikanische Gitarrenhexer, die Welt der Shreddermaniacs zu begeistern. Dabei sind es bei Joe Satriani andere Werte als reine Mach-3-Geschwindigkeit, sondern vielmehr ein zum Niederknien fesselnder Ton, atemberaubende Technik und untrügliches Melodieverständnis! Zudem gibt es gleich zwei Hymnen: den rasanten Titel-Song mit seinem Tsunami aus WahWah- und Tremolo-Tricksereien sowie das herzzerreißende ‘Always With Me, Always With You’. (MM)

SEPULTURA

SCHIZOPHRENIA Sepultura setzen mit ihrem zweiten, nur geringfügig „sanfteren“ Werk zum großen Sprung an. Andreas Kisser sorgt nicht nur für Verstärkung an der Gitarrenfront, sondern bringt auch schwermetallische Einflüsse mit. Trotzdem klingt SCHIZOPHRENIA so räudig, wie man es von den Brasilianern gewohnt ist. Stücke wie ‘From The Past Comes The Storms’ und ‘R.I.P. (Rest In Pain)’ kanalisieren dieselbe Wut, welche Sepultura bereits auf ihrem 1986 erschienenen Debüt MORBID VISIONS auszeichnete. (TL)

SINNER

DANGEROUS CHARM Das Personalkarussell steht bei den Süddeutschen auf DANGEROUS CHARM abermals nicht still. Dies macht sich auch in der Breite des Materials bemerkbar, das zwischen melodischem Hard Rock und AOR/Mainstream-Attitüden pendelt – zumal manch ein Track wie am Reißbrett entstanden klingt (‘Desperate Heart’, ‘Back In My Arms’) und auch textlich allzu offenkundig auf Radioeinsätze schielt. Mat Sinner verordnet seiner Band in der Folge eine längere Denk- und Schaffenspause. (MM)

TANKARD

CHEMICAL INVASION Die zweite Errungenschaft der Frankfurter beginnt mit Schluckgeräuschen und enthält Lieder wie ‘Total Addiction’, ‘Puke’, das Instrumental ‘For A Thousand Beers’ sowie das Gang Green-Cover ‘Alcohol’. Dennoch zeichnet sich im Titel(-Track) sowie in ‘Don’t Panic’ bereits der Wille der Thrasher ab, auch ernste Themen anzusprechen. Die starken Songs sowie die folgende erste Tournee führen 1988 zum Vorzeigewerk THE MORNING AFTER. (KR)

SUICIDAL TENDENCIES

JOIN THE ARMY Das Cover sieht aus wie ein ‘Rambo’-Malwettbewerb des Kindergartens Rotzendorf und die Produktion scheppert – aber inhaltlich liefern Suicidal Tendencies zum letzten Mal die originäre DNS samt Underground-Charme: Der Mix aus Punk und Hardcore ist noch heute einnehmend, Bandhits wie der Titel-Song, ‘Possessed To Skate’ oder ‘War Inside My Head’ inklusive. JOIN THE ARMY markiert den ersten Chart-Einstieg der Amis in ihrer Heimat. (MW)

TROUBLE

RUN TO THE LIGHT Obwohl es in ihrer Diskografie oft übersehen wird, ist RUN TO THE LIGHT ein makelloses Beispiel für das Können der Doom-Pioniere aus den Staaten. Mit dem Einsatz eines Keyboards in Glanzstücken wie ‘The Misery Shows’ oder ‘The Beginning’ gelingt es Trouble sogar, einige neue Elemente zu ihrem düsteren, schwermütigen sowie schlicht und einfach tonnenschweren Sound hinzuzufügen. Kern der Musik bleibt jedoch Eric Wagners einzigartige, klagende Stimme. (SL)

SODOM

PERSECUTION MANIA Mit einem vollen Album und zwei EPs haben sich Sodom bereits einen Namen gemacht. Aber niemand traut ihnen 1987 wohl solch einen Schritt nach vorne zu, wie er auf PERSECUTION MANIA zu hören ist. Mit Frank Blackfire an der Gitarre stehen dem Ruhrpotttrio plötzlich ganz andere Möglichkeiten offen. Und diese nutzen sie in ihrer gnadenlosen Art aus. ‘Nuclear Winter’, ‘Electrocution’, ‘Christ Passion’, das großartige Cover von ‘Iron Fist’ (Motörhead) und natürlich ‘Bombenhagel’ (mit einem Gitarrensolo von Produzent Harris Johns) gehören bald zum musikalischen Vokabular einer ganzen Generation von Thrashern, Death- und Black Metal-Heads. Sodom wenden sich auf diesem Album langsam von den satanischen Jugendsünden ab und beschäftigen sich in ihren Texten fortan lieber mit „Naturkatastroofen, Kriech und so“ (Angelrippers kultige Ansage auf der folgenden Tournee). Trotzdem bleibt das Image düster, was sich nicht zuletzt im genialen Artwork von Johannes Beck niederschlägt. Erstaunlicherweise zeichnet Beck anschließend nie wieder für eine Metal-Band. Sodom gehen den eingeschlagenen Weg weiter und werden zu einer der erfolgreichsten Thrash-Bands Europas, die sie bis heute geblieben sind. (MH)

TESTAMENT

THE LEGACY Über die Ungerechtigkeit, gewisse Bands zu „Großen“ zu erklären und andere außen vor zu lassen, lässt sich streiten. Wie viele ihrer berühmteren Kollegen stammen die von Gitarrist Eric Peterson formierten Testament aus der Bay Area und beginnen Anfang bis Mitte der Achtziger ihre Karriere – zunächst noch unter dem Namen The Legacy und mit Steve Souza (heute Exodus) als Sänger. Aus rechtlichen Gründen muss ein neuer Name her, und THE LEGACY wird kurzerhand zum Titel des Debüts erklärt, in welchem drei Songs des Demos von 1985 – jetzt mit Chuck Billy am Mikro – neu aufgehen (‘Burnt Offerings’, ‘Raging Waters’, ‘Alone In The Dark’). Qualitativ lässt sich Testaments wuchtiger, dabei aber melodie- wie Riff-verliebter und nicht selten an Metallica erinnernder Thrash bereits als Ausrufezeichen werten. Dies ermöglicht ihnen nicht nur, ein Video zu drehen und somit die Aufmerksamkeit des MTV-Publikums zu erhaschen, sondern auch eine Amerikasowie Europatournee mit ihren Genre-Kollegen Anthrax. Die Tatsache, dass diese heute neben Metallica, Slayer und Megadeth zu den „Big Four“ zählen, dürften Testament angesichts ihrer eigenen, bis heute erfolgreichen und wohlrespektierten Karriere verschmerzen können. (KR)

WARLOCK

TRIUMPH AND AGONY „All we are, we are, we are all, all we need!“ Kaum ein Metaller, der zu dieser Hymne nicht einmal in seinem Leben grölend die Faust gen Himmel gestreckt hat. Mit TRIUMPH AND AGONY gelingt Warlock der Sprung von einem deutschen Phänomen zu einem international bekannten Act – genau das war das Ziel, wenn man die Rahmenbedingungen betrachtet. Das Line-up wurde mit US-amerikanischen Musikern ergänzt, Drummer Cozy Powell (unter anderem Whitesnake) hat einen Gastauftritt, Produzent Joey Balin trimmte die Lieder klanglich auf US-Radio-Format, und dazu gibt es ein legendäres Cover, das die Inhalte des Albums perfekt transportiert. Neben dem anfangs erwähnten Gassenhauer finden sich mit ‘I Rule The Ruins’, ‘Metal Tango’ und der Überballade ‘Für immer’ weitere Lieder auf dem Album, die bis heute die Setlist von Frontfrau Doro prägen – diese löst sich nämlich nach TRIUMPH AND AGONY von Warlock, vermarktet sich fortan unter ihrem eigenen Namen und richtet in den Folgejahren ihren Blick vermehrt in den Hard Rock-Bereich. 2021 erscheint der Konzertmitschnitt WARLOCK – TRIUMPH AND AGONY LIVE, worauf Doro die komplette Platte abreißt und Platz vier der Charts erobert. Auch das zeigt, welchen Stellenwert TRIUMPH AND AGONY bis heute genießt. (MW)

WHITESNAKE

1987 / WHITESNAKE Aerosmith haben es getan, Kiss ebenso. Nun orientieren sich auch die britischen Blues-Hard-Rocker Whitesnake am dominanten Glam Metal-Sound der Zeit. Mit neuem Logo und einer musikalischen Metamorphose, die Blues-Puristen vermutlich ähnlich unangenehm aufgestoßen ist wie die Soft Rock-Transformation von Fleetwood Mac, fokussieren sich Whitesnake auf den US-Markt und verkaufen in der Folge acht Millionen Einheiten ihres Band-betitelten, ebenfalls unter seiner Erscheinungsjahreszahl geläufigen siebten Albums. Dabei gibt Gitarrist John Sykes den perfekten Songwriting-Sparrings-Partner für Sänger David Coverdale. Dass sich unter den zwei Mega-Singles ‘Is This Love’ und ‘Here I Go Again ’87’ mit Letzterem ein Remake aus älteren Tagen findet, ist Ironie des Schicksals – vermutlich gilt auch hier, dass der Ton die Musik macht. Und dieser ist im Fall von WHITESNAKEs im Breitwand-Hard Rock-Format gehaltenem Power-Sound zudem auch noch ein wenig schlüpfrig. Zumindest, wenn man sich die die erfolgsfördernde Videotrilogie mit der damaligen Coverdale-Gespielin Tawny Kitaen ins Gedächtnis ruft. Dass sich seitdem kein Videomodel mehr lasziver auf einer Kühlerhaube geräkelt und Millionen Pubertierenden schlaflose Nächte bereitet hat, dürfte als gesichert gelten. Es waren unschuldigere Zeiten. (FT)

TWISTED SISTER

LOVE IS FOR SUCKERS Eigentlich als Soloalbum für Frontsau Dee Snider erdacht, war dies das letzte Album der Band bis zu ihrer Reunion in den 2000er Jahren – und warum das so war, lässt sich an den Songs erahnen: Statt rotzigem Mittelfinger-Metal geben sich die verdrehten Schwestern eher soft und schmusebedürftig. Dennoch gibt es neben zeitgemäßen Glamern auch härtere Hits wie die Antizensurnummer ‘Wake Up (The Sleeping Giant)’, die das Werk hörenswert machen! (SL)

U.D.O.

ANIMAL HOUSE Nach dem Split von Accept (nach RUSSIAN ROULETTE) wandelt Udo Dirkschneider mit seiner neu formierten Gruppe auf Solopfaden. Als Starthilfe für seinen neuen Karriereabschnitt wurde das Debüt zum Großteil noch von seiner alten Band (und Gabi „Deafy“ Hoffmann) komponiert. Daher ähnelt der kernige Heavy Metal (abgesehen vom ‘They Want War’-Kinderchor und der Ballade ‘In The Darkness’) dem gewohnten Klangbild – und übertrumpft EAT THE HEAT mit David Reece. (KR)

VENOM

CALM BEFORE THE STORM Mit CALM BEFORE THE STORM ergattern Venom den langersehnten Majordeal. Aber zu welchem Preis? Noch vor den Aufnahmen verlässt Urgitarrist Mantas die Band im Streit. Die Neuzugänge Mykus und Jim C. bauen die Truppe zum Quartett aus. Inhaltlich gibt’s weniger Satan und mehr Fantasy – genug, dass Sänger Cronos, der nach dem Album Venom ebenfalls den Rücken kehrte, CALM BEFORE THE STORM am liebsten aus dem Back-Katalog verbannen würde. (TL)

VOIVOD

KILLING TECHNOLOGY Auf KILLING TECHNOLOGY vereinen sich die Talente Voïvods zur Meisterleistung: Inspiriert von Klassik und Progressive Rock machen die Kanadier eine 180°-Wende in puncto musikalische Finesse. Textlich reagiert das Songwriter-Duo D’Amour/Thériault auf durch technisches Versagen und menschliche Fehlleistungen hervorgerufene Unfälle wie das Challenger-Unglück oder die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. (TL)

VICTORY

HUNGRY HEARTS Knackiger Rock/ Metal aus Hannover kann nur von den Scorpions kommen? Irrtum, denn spätestens mit ihrem dritten Album etablieren sich Victory in der Traumbesetzung Huhn/Newton/ Frank/Knorn/Randow als ernste Alternative. ‘The Bigger They Are (The Harder They Fall)’ war in der Metal-Blase des Verfassers damals sogar ein richtiger Hit. Dieses Album wird in Zukunft definitiv wieder häufiger aus der Sammlung gezogen. (MH)

WHITE LION

PRIDE In einer gerechteren Welt hätten der Exil-Däne/Sänger Mike Tramp und sein kongenialer Klampfenpartner Vito Bratta Bon Jovis Posterboy-Karriere wiederholen können. Zumindest stehen die Weichen dafür mit ihrem zweiten Album, einem Zwei-Millionen-Seller, nicht schlecht. Neben Singlehits wie ‘Wait’ und dem ultimativen Rührstück ‘When The Children Cry’ bietet PRIDE vor allem die technisch exquisite, stets höchstmelodische Gitarrenarbeit des emotional distinguierten Shredders Bratta. (FT)

FLORIAN BLUMANN, MARC HALUPCZOK, SEBASTIAN KESSLER, TOM LUBOWSKI, SIMON LUDWIG, MATTHIAS MINEUR, KATRIN RIEDL, FRANK THIESSIES, MATTHIAS WECKMANN