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DAS ÖFFENTLICHE PROJEKT: AUS LIEBE ZUM BIER


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 16.11.2018
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Seit zwei Jahren übertreffen die Besucherzahlen des Bayreuther Liebesbier alle Erwartungen. Zum Erfolg trägt auch der Biergarten bei.


Fotos: Brauerei Gebr. Maisel KG, Plan: Plan+GartenWerkstatt

DAS ÖFFENTLICHE PROJEKT

Als im Februar 2016 in Bayreuth das „Liebesbier“ eröffnete, hatte sich nicht nur für Jeff Maisel, Inhaber der Brauerei Gebrüder Maisel, ein Herzenswunsch erfüllt, sondern auch für die Gestalter der Außenanlagen. „So ein tolles Projekt hat man wahrscheinlich nur einmal im Leben“, schwärmt Silvia Eichner von der Plan+GartenWerkstatt im benachbarten Neudrossenfeld. Sie zeichnet zusammen mit ...

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... ihrem Mann Wolfgang Schmitt und dem Mitarbeiter-Team für den Liebesbier-Garten verantwortlich – und gewann mit dem Konzept bei den TASPO-AWARDS 2018 in der Kategorie „Gartendesigner des Jahres“.

Der Herzenswunsch

1887 fingen die Brüder Hans und Eberhardt Maisel in Bayreuth an, Bier zu brauen. Bis heute ist die Brauerei Maisel dort beheimatet. Als in den 1970er-Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft neue Betriebsgebäude errichtet wurden, blieb die alte Brauerei als Museum erhalten. Damals waren Maschinenhaus, Sudhaus und Büttnerei für Jeff Maisel ein Ort für spannende Abenteuer und Geschichten. Ein Erlebnis war es für den 49-Jährigen auch, die alten Kellerräume wiederzubeleben und dort traditionelles Handwerk mit modernem Gastronomiekonzept zu vereinen. „Ich habe mir damit einen Herzenswunsch erfüllt“, sagt Maisel.

Die Inspiration

Neben dem Wunsch, die alten Gemäuer nicht nur als Museum zu nutzen, war das Projekt auch ein wichtiger Schritt, um die Zukunft der mittelständischen Brauerei zu sichern. In der von der Gastronomie umgebenen „Maisel & Friends Brauwerkstatt“ werden die Craftbiere der Maisel-Brauerei vor den Augen der Gäste hergestellt. Das Konzept, Bier wieder traditionell in kleinen, unabhängigen Brauereien herzustellen, entstand in den 1970er-Jahren in den USA und „schwappte“ nach Deutschland über, obgleich die handwerklichen Brauereien hierzulande im Vergleich mit anderen Ländern schon immer eine relativ große Bedeutung hatten – vor allem im Bierland Franken. Die Craftbeer-Szene in Deutschland zeichnet sich auch durch ihre Experimentierfreude und die Verwendung unkonventioneller Hopfen- und Malzsorten aus. So entstehen Bierspezialitäten, die mal Eingang ins Standardsortiment finden, ein anderes Mal limitiert verkauft werden.

Die Herstellung und vor allem den Verkauf und die Präsentation von Craftbeer dort erleben, wo die Bewegung ihre Wurzeln hat – dieser Wunsch führte Jeff Maisel zusammen mit Thomas Wenk, Gastronom und Geschäftsführer des Liebesbier, nach Kalifornien. Dort gibt es mittlerweile 850 Brauereien, die alle ihre Abnehmer finden. „Ungewöhnlich war die Gestaltung der Gastro-Gärten. Das sind nicht wie bei uns ebenerdige Biergärten mit möglichst vielen Tischen, sondern Flächen, in denen es ganz verschiedene Bereiche gibt.“ Inspiriert von diesen Konzepten reisten Maisel und Wenk zurück nach Bayreuth.

Die Grundidee

Verschiedene Bereiche zu einem harmonischen Ganzen zusammenzuführen – was bei den historischen Gebäuden anfing, sollte im Biergarten fortgesetzt werden. Für die Planung des Außenbereiches fanden Maisel und Wenk in der Plan+Garten-Werkstatt den passenden Partner. Das GaLaBau-Unternehmen war 2003 von Silvia Eichner und ihrem Mann Wolfgang Schmitt in Neudrossenfeld nahe Bayreuth gegründet worden. Mit 17 Mitarbeitern ist die Firma für überwiegend private Auftraggeber tätig.

DIE WÜNSCHE DES BAUHERRN

• Eine Bier-Erlebnis-Welt mit Gastrogarten, in der sich Moderne und Tradition verbinden

• Ein Biergarten für 250 bis 300 Gäste, der nicht typisch bayerisch ist

• Einbindung der Elemente Feuer und Wasser

• Regionale, authentische Materialien

Die alten Gebäude der Brauerei Gebr. Maisel wurden zu einer Biererlebniswelt umgestaltet – mit jeweils 300 Plätzen drinnen und draußen. Jeff Maisel (u.l.) hat sich damit einen Traum erfüllt und mit Gastronom Thomas Wenk (u.r.) sowie dem Team der Plan+GartenWerkstatt die richtigen Partner zur Seite.


Fotos: Brauerei Gebr. Maisel KG, Plan+GartenWerkstatt

Das Kennenlernen

Die Plan+GartenWerkstatt war für Jeff Maisel keine Unbekannte. In den denkmalgeschützten Außenanlagen des GaLaBau-Betriebes hatte er schon einmal eine Veranstaltung besucht. Viel wichtiger war ihm aber, dass die Chemie stimmt. „Ich wollte mit jemandem zusammenarbeiten, der kreativ ist, aber offen genug, eine Idee gemeinsam im Team weiterzuentwickeln.“

Statt einen Planer für die Außenanlagen erst nach dem Umbau der Gebäude hinzuzuziehen, holte Jeff Maisel die Landschaftsarchitektin Silvia Eichner von Beginn an mit ins Boot. „Ich habe das Projekt über drei Jahre begleitet und auch das Konzept für die Erschließung des Grundstücks mitentwickelt“, sagt Eichner. „Am Anfang haben wir gemeinsam mit dem Bauherrn natürlich solide abgewogen, dass wir eine so große Aufgabe auch stemmen können. Wir sind ja keine große Firma.“

Die Wünsche

Eine Bier-Erlebnis-Welt schaffen – das war das Ziel des Bayreuther Projektes. Der Außenbereich sollte in diese Erlebniswelt passen, authentisch und natürlich sein, Tradition und Moderne verbinden. 250 bis 300 Gäste sollten dort Platz finden, ohne dass das eher hemdsärmelige Flair eines typisch bayerischen Biergartens vermittelt wird. Die Liebe zum Bier und zum Brauen sollte im Liebesbier-Garten sichtbar werden, die dafür wichtigen Elemente Feuer und Wasser eine Rolle spielen.

Der Entwurf

Denkmalgeschützte, düstere Gebäude, die dank des Neu- und Umbaus vom Gewölbekeller bis zum Wintergarten immer heller und transparenter werden; ein Raumkonzept, in dem der Hauptgastraum in verschiedene Zonen unterteilt ist; ehrliche, lebendige Materialien – es lag nahe, diese Ideen für den Innenbereich auch in den Außenraum zu übertragen. Silvia Eichner entwickelte für den 600 Quadratmeter großen Biergarten ein Gestaltungskonzept, das Offenheit und Intimität verbindet und dabei auch die Vorgaben an den mitten durch das Gelände führenden öffentlichen Rad- und Fußweg sowie die erforderlichen Parkplätze erfüllt. Vielfältige Nutzungsansprüche sollten gleichermaßen existieren können, ohne sich jedoch gegenseitig zu stören. „Unsere Vision war, die ebene Fläche in einen Biergarten der besonderen Art zu verwandeln und einen Lieblingsort zu schaffen“, sagt Silvia Eichner. „Wir wollten mit Pflanzen, Materialien, Farben und Formen die Bestandteile des Bieres und des Brauens nachempfinden.“ Alle Bereiche sollten ineinander übergehen und dennoch ein vielgestaltiges Raumgefühl vermitteln. Schnell war klar: Um diese verschiedenen Räume zu schaffen, muss man auch mit Höhen spielen. Dementsprechend befinden sich die einzelnen Bereiche auf unterschiedlichen Ebenen.

PROJEKTDATEN

• Projekt: Liebesbier in Bayreuth; Erlebnisgastronomie mit Biergarten

• Gebäude: 480 Quadratmeter

• Außenanlagen: 600 Quadratmeter

• Sitzplätze: je 300 innen und außen

• Architekten: Stiefler und Seiler Architekten, Bayreuth; HKR Hofmann Keicher Ring Architekten, Würzburg

• Planung und Bau der Außenanlagen: Plan+GartenWerkstatt, Neudrossenfeld, Silvia Eichner, Landschaftsarchitektin

• Bauzeit Außenanlagen: drei Monate, von November 2015 bis Januar 2016

Die Bereiche

Vom großen Gastraum gelangt man durch einen Wintergarten zum modern gestalteten Freisitz. „Er bildet den Übergang vom Gebäude in den eigentlichen Garten“, erklärt Silvia Eichner. Zwei Stufen führen von dort entweder auf das Sonnendeck oder zur „Langen Bank“, einem Holzdeck mit wenigen, aber großen Tischen und zwei langen Holzbänken, die in Blickrichtung zum Garten stehen. Als „Mittendrin“ bezeichnet Eichner den Bereich, der wiederum zwei Stufen tiefer liegt und mit seinen großen und kleinen Tischen noch am ehesten an einen klassischen Biergarten erinnert. Selbstbedienung gibt es im Liebesbier übrigens nicht – alle Bereiche werden von Servicepersonal betreut. „Wir wollten keine Abstriche bei der Servicequalität zwischen innen und außen machen“, erklärt Maisel.

Die Wasserbar

Über zwei Stufen abwärts gelangt man vom großen Sitzbereich in das Highlight des Gartens: die Wasserbar. Entlang einer s-förmigen Theke genießen die Gäste mit Blick auf den Teich und eine an Berge erinnernde Sichtschutzwand aus stehenden Fichtelgebirgs-Granitscheiben ihr Bier und kulinarische Köstlichkeiten. Das Spiel mit den Höhen wurde bei der Wasserbar perfektioniert. Am modernen Tresen aus Sichtbeton kann man auf Barhockern bequem sitzen. Die Teichoberfläche befindet sich etwa 20 Zentimeter unter der Thekenoberseite. „Wir haben das gemauerte Becken komplett aus dem Bodenniveau herausgehoben“, erklärt Eichner. Bei der Bergkulisse, die dem Tresen gegenüberliegt, handelt es sich um drei Meter hohe Granitscheiben mit Wasserfall. Sie sind in ganzer Höhe nur vom tiefer gelegenen Parkplatz zu sehen, der sich geschickt dahinter verbirgt. Damit sind sie nicht nur ein Hingucker für die Gäste, sondern schirmen den Lärm ab und dienen als Sichtschutz. „Obwohl es keine große Fläche ist, hören und sehen Sie nichts von den Fahrzeugen“, freut sich Eichner.

Dank separater und trotzdem zusammenhängender Gartenbereiche wie „Unterm Dach“ (o.r.) und der Hopfenlounge wirkt der Liebesbier-Garten auch beim größten Trubel nicht überfüllt. Die 12-Meter-Rutsche ist die Attraktion im Monster-Outdoor-Camp.


Fotos: Gebr. Maisel (3)

Der Spielbereich

Gemütlich sitzen, sich unterhalten und dabei die Kinder im Blick haben – das wünschen sich viele Eltern beim Biergartenbesuch. Im Liebesbier schließt der Spielplatz – das Monster-Outdoor-Camp – direkt an die Wasserbar und den größeren Sitzbereich an. Bei der zwölf Meter langen Tunnelrutsche verbindet sich Angenehmes mit Nützlichem. Ein aus Brandschutzgründen geforderter Fluchtturm am Gebäude mit Fluchttreppe dient gleichzeitig als Aufstiegshilfe zur fünf Meter hohen Rutsche.

Die Lieblingsplätze

Von der Wasserbar gelangt man an der anderen Seite in die Outdoor-Grillkitchen, den höchstgelegenen Punkt des Gartens. Dort können die Gäste entweder selbst das grillen, was sie in der Küche ordern, oder werden mit Leckereien verköstigt. Mit der Outdoor-Küche wird das Element Feuer ins Spiel gebracht. Rote Kastanien, Roter Fächerahorn und rotblühende Stauden unterstreichen dieses Thema. Die Pflanzen dominieren im „Grünen Dach“, im Schirmplatanen-Bereich und in der Laube, die man alle wiederum über ein bis zwei Treppen nach oben oder unten erreicht. In der Hopfenlounge spendet die Kletterpflanze Schatten und findet im September ihren Weg in das selbst gebraute Grünhopfenbier, das dann unter dem Namen „Maisel & Friends Wet Hop Lager“ angeboten wird. Wärmender Abschluss und der am tiefsten gelegenen Punkt des Biergartens ist der Feuerplatz mit arenaartigen Sitzebenen aus Stahl und schwarzem Basalt. Abgetrennt sind die verschiedenen Räume mit Heckenblöcken, die mit ihrem wellenförmigen Schnitt den nahliegenden Mistelbach aufgreifen, aber auch das fürs Brauen notwendige Wasser symbolisieren. Niedrige Mauern und individuell gestaltete Pflanzkästen mit Kräutern, Duftstauden und Gewürzen unterstreichen die räumliche Gliederung. Ein angenehmer Nebeneffekt der Raumaufteilung: Einzelne Bereiche lassen sich unkompliziert schließen – da genügt ein Seil. „Bei uns sieht es auch mit 100 Gästen voll aus“, sagt Jeff Maisel.

Die Herausforderungen

Drei Jahre dauerte es vom ersten Gespräch über das Projekt bis zum fertigen Garten. Drei Jahre, in denen Silvia Eichner in ständigem Kontakt mit Jeff Maisel und Thomas Wenk stand. Die Herausforderungen beim Gesamtprojekt fanden sich im Innen-ebenso wie im Außenbereich. So mussten Böden in einigen Räumen tiefer gelegt werden. Dabei stieß man auf spröden Sandstein, was bedeutete, das Gebäude zu unterfangen und den Stein im Untertagebau auszutauschen. Auf dem Gelände hatte sich ehemals eine Tankstelle befunden, die eigentlich als unproblematisch eingestuft worden war. „Überall, wo wir Bodenproben entnommen hatten, war alles in Ordnung. Beim Rückbau gab es dann unliebsame Überraschungen“, erinnert sich Jeff Maisel. Als es beim Aushub für den Garten und den Parkplatz plötzlich nach Diesel roch, erhöhten sich die Projektkosten kurzerhand um 500.000 Euro für die Bodensanierung.

Der Bau des Gartens im Winter war eine Herausforderung. Bierzelte schützten Menschen, Maschinen und Material.


Fotos: Plan+GartenWerkstatt (3)

Der Bau

Die Höhenunterschiede im Biergarten bedeuteten jede Menge Erdarbeiten – das macht ein Projekt teuer. Mit der MFK Service GmbH hatte die Brauerei Maisel eine Firma an der Seite, an deren Gründung sie 2001 selbst beteiligt war. Damals wurde der Bereich Bautechnik und Wartung aus der Brauerei in ein eigenständiges Unternehmen überführt. Bei den Tiefbauarbeiten für das Liebesbier wurden nur Material und Stunden in Rechnung gestellt, was vor allem bei den umfangreichen Sanierungsarbeiten für einen vernünftigen Preis sorgte.

Schon früh stand mit dem 5. Februar 2016 der Termin für die Eröffnung der Erlebnisgastronomie fest. Bis dahin musste auch der Biergarten fertig sein, denn Baumaschinen wollte man nicht zu Gast haben. Drei Monate Bauzeit waren eingeplant – von November 2015 bis Januar 2016. „Der Winter in Bayreuth war nass, ab und zu hat es auch gefroren und geschneit” erinnert sich Silvia Eichner. Große Brauereizelte wurden aufgestellt, hielten Mensch, Material und Maschine trocken und sorgten für Temperaturen, bei denen man arbeiten konnte.

Die Materialien

Die historische Bausubstanz brachte es mit sich, dass die im Innenausbau verwendeten Materialien regional und authentisch sind. Altes wurde wiederverwendet und neu interpretiert. Nach dem Motto „Wie innen, so außen“ wurde diese Philosophie von Silvia Eichner für den Außenbereich übernommen. „Es handelt sich häufig um gelebtes, ehrliches Material“, sagt sie. Verwendet wurden hochwertiges Eichenholz, gebrauchter, abgewitterter Fichtelgebirgs-Granit, ausgewählte Granitfindlinge, traditioneller Sandstein für Mauern, Beläge und Verkleidungen sowie Muschelkalk und Basalt aus der Region. Pflaster wurden nach alten Verlegemustern verlegt, verfugt wurde mit kunstharzgebundenen Fugensanden.

Die Beleuchtung

Tüpfelchen auf dem i ist die Beleuchtung. Tagsüber sind die Leuchten im Garten beinahe unsichtbar. Dezent verbergen sie sich in Mauern, Belägen und an Stufen. Bei Dunkelheit gliedern sie die Räume, unterstreichen die Formen der Flächen und unterstützen Habitus und Farbe ausgesuchter Pflanzen.

LIEBESBIER

In der „Maisel‘s Bier-Erlebnis-Welt“ in Bayreuth werden die Besucher auf eine Reise durch vier Generationen Brautradition und Leidenschaft zum Bier mitgenommen. Im historischen Gebäude der Brauerei Gebr. Maisel befindet sich neben Maisel‘s Brauereimuseum auch die „Maisel & Friends Brauwerkstatt“. Die Besucher können dort handwerkliche Braukunst und den kompletten Brauprozess live erleben – von der Malzschroterei, über Sudhaus und Gärkeller bis zur Holzfassreifung. In der Gastronomie „Liebesbier“ sitzen die Gäste inmitten der Brauerei und können den Braumeistern bei der Arbeit zusehen und das Bier genießen, das dort gebraut wurde.

• www.liebesbier.de

• www.biererlebniswelt.de

• www.maiselandfriends.com

Zu jeder Jahreszeit dominiert eine andere Farbe in den Pflanzbereichen des Liebesbier-Gartens. Nachts werden Habitus und Farben der Pflanzen mit Leuchten unterstützt. Auch die räumliche Gliederung wird durch das Licht unterstrichen.


Fotos: Gebr. Maisel

Die Bepflanzung

Ein Garten, der Struktur hat und dennoch wie natürlich gewachsen wirkt, Pflanzen, die mit ihren Blatt- und Blütenfarben die Besonderheiten der Jahreszeiten unterstreichen und auch im Winter ein gewisses Maß an Privatheit gewährleisten – das waren die Ansprüche, die die Pflanzplanung von Silvia Eichner auf den relativ kleinen Pflanzflächen erfüllen musste. Ihr Rezept, um im Jahresverlauf auch auf kleinem Raum Blütenfülle und Farbenpracht zu schaffen: Weniger ist mehr. „Kleine Flächen wirken üppig, wenn Sie sich bei der Pflanzenauswahl beschränken. Ein Knaller zur richtigen Jahreszeit, der während der Folgemonate zurücktritt und dann andere zur Geltung kommen lässt – das wirkt. Wenn Sie versuchen, an jeder Stelle zu jeder Zeit Highlights zu setzen, wird das nicht funktionieren.“

Im Fokus stehen die immergrünen Pflanzen, die als Gerüst im Winter dienen. Im Frühjahr setzt der Storchschnabel frische Akzente im Grün. „In den drei Wochen, in denen er blüht, ist er toll. Dann tritt er in den Hintergrund und macht den Hortensien Platz.“ Diese lassen zusammen mit anderen weißen, cremefarbenen, karminroten und blauvioletten Blütenstauden den Frühsommer leuchten. „Der Herbst ist ein einmaliges Indian-Summer-Schauspiel“, schwärmt Silvia Eichner. Rote Blutbuchenhecken, Gräser und rotlaubige Gehölze bringen Feuer und Lebendigkeit auch auf die Pflanzflächen.

Die Zusammenarbeit

Gebäude restaurieren und erweitern, eine komplette Bier-Erlebnis-Welt mit Gastronomie einrichten, einen Gastrogarten neu bauen, die höchsten Ansprüche nie aus den Augen verlieren und drei Jahre nach Planungsbeginn pünktlich fertig werden – das funktioniert nur, wenn alle Beteiligten Hand in Hand arbeiten. Jeff Maisel erinnert sich an einen Bodenleger: „Er ging mittags nach Hause und meinte, er arbeitet lieber heute Nacht.“ So hatte er Ruhe und hielt seinerseits keine anderen Gewerke auf. „Wenn’s eng wird muss man auch mal flexibel sein.“ Für Silvia Eichner ist Kommunikation das A und O bei einem derartigen Großprojekt: „Es ist ganz wichtig, dass man ehrlich und konstruktiv miteinander umgeht. Hier darf man nicht mit Verzugsmeldungen kommen. Es wurde tatsächlich sehr wenig geschrieben, stattdessen um so mehr miteinander gesprochen.“

Der Erfolg

Vom Tag der Eröffnung an war die Gastronomie Liebesbier ein Erfolg. „Das geplante Budget für den Bau mussten wir noch mal um fast die Hälfte aufstocken, dafür ist der Umsatz mittlerweile dop pelt so hoch wie geplant“, freut sich Jeff Maisel. Dass sich Einheimische und Besucher in der Erlebnisgastronomie so wohl fühlen, liegt nicht nur an der Getränkekarte, dem Essen und der Atmosphäre. Jeff Maisel ist überzeugt, dass die Detailverliebtheit, die alle Beteiligten bei der Planung und beim Bau an den Tag gelegt haben, spürbar ist. „Vielleicht hätte man das eine oder andere billiger machen können. Dann wäre aber auch die Wirkung billiger gewesen.“