Lesezeit ca. 6 Min.

Das Paludarium


Logo von aquaristik
aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 06.10.2021

KOMPAKT stellt Aquarienbewohner vor, die nicht in jedem becken zu finden sind. Diese unregelmäßige Serie soll Lust machen, neues auszuprobieren und den schnellen, praktischen einstieg erleichtern.

Artikelbild für den Artikel "Das Paludarium" aus der Ausgabe 6/2021 von aquaristik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Der Afrikanische Schmetterlings- Schlammspringer (Periophthalmus sp. ?Westafrika?).

Tipp

Ein Spaziergang am Ufer naturbelassener Fließgewässer, Seen oder Teiche verleiht einen plas tischen Eindruck davon, wie Sumpf- und Uferregionen in der Natur aussehen können. Es hilft, als Vorlage für später Fotos zu machen.

STRUKTURREICHE ÜBERGÄNGE

NATÜRLICHES VORBILD Charakteristisch für die dem Ufer vorgelagerte Sumpfzone natürlicher Gewässer ist ein flacher Wasserstand von wenigen Zentimetern bis hin zu etwa 20 cm Tiefe. Hier wachsen bevorzugt Pflanzen, die sich sowohl unter Wasser (submers) als auch über Wasser (emers) entwickeln können und oftmals unterschiedliche Wuchsformen für beide Bereiche ausprägen.

Bäume, lebend wie abgestorben, und Gesteinsformationen bilden strukturreiche Übergänge vom ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von aquaristik. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2021 von Liebe Aquaristik-Freunde,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Aquaristik-Freunde,
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von Weltzoonosentag: VDA bezieht Stellung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Weltzoonosentag: VDA bezieht Stellung
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von Aquarienverein ist Flutopfer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aquarienverein ist Flutopfer
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von Zwei neue Süßwasser-Stechrochen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zwei neue Süßwasser-Stechrochen
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Wunderschön und rar: Ein schwerge wichtiges Buch!
Vorheriger Artikel
Wunderschön und rar: Ein schwerge wichtiges Buch!
aqua JUNIOR
Nächster Artikel
aqua JUNIOR
Mehr Lesetipps

... Land ins flache Wasser. An die Sumpfzone schließt sich die Uferzone an, der unmittelbare Übergang vom Wasser zum Land, wo Moose und andere feuchtigkeitsliebende Pflanzen wachsen.

Der Silberlinien-Schlammspringer (Periophthalmus argentilineatus).

Die Japanische Sumpfschildkrö te (Mauremys japonica).

Tipp

Lass dich bei deiner Recherche nicht von Begriffen wie Paludarium, Aquaterrarium, Riparium („Uferbecken“) und Rivarium (Bachlaufterrarium) verunsichern. Alle diese Begriffe meinen im Kern das Gleiche:die Gestaltung eines Lebensraumes im Übergang von Wasser zu Land. Ich benutze in diesem Artikel den Begriff Paludarium als Oberbezeichnung für die verschiedenen Typen solcher Themenbecken.

PALUDARIEN-TYPEN Eine ganz „klassische“ Form gleicht einer Kombination aus Aquarium und Pflanzenvitrine. Hierbei gilt es, der schönen Unterwasserwelt eine ebenso beeindruckende emerse Pflanzenvielfalt zur Seite zu stellen. In den letzten Jahrzehnten sind aber Biotop-Paludarien immer stärker in Mode gekommen, die sich der Nachbildung eines natürlichen Lebensraumes verschreiben.

Je nachdem, ob dabei ein Ausschnitt eines Ufers an einem Meer, Fluss, Bach, See oder Tümpel als Vorlage dient, ergeben sich sehr unterschiedliche Miniaturlandschaften, angefangen bei der Fließgeschwindigkeit des Wassers bis hin zur Bepflanzung. Auch geografische und klimatische Aspekte spielen eine wichtige Rolle, ein tropisches Regenwaldpaludarium ist genauso denkbar wie eines aus unserer mitteleuropäischen gemäßigten Klimazone.

Beispiele für Paludarien-Typen

BEISPIEL UFERZONE: Der Übergang vom Wasser zum Land ist durch teils steil ansteigenden Bodengrund, Steine und Wurzelwerk strukturiert. Sowohl Sumpfpflanzen, die aus dem Wasser hinauswachsen, als auch Landpflanzen, deren Äste bis ins Wasser hineinreichen, begrünen diesen Lebensraum.

GRUNDSÄTZLICHE ÜBERLEGUNGEN ORAB

• Welcher Lebensraum soll nachgebildet werden? Zwischen Meeresküste, Mangrovenzone, Fluss, Bach und See sind die Gegebenheiten schon sehrunterschiedlich. Ein Tümpel oder gar eine Pfütze sind aber genauso spannende Lebensräume, etwa für viele Amphibien.

• In welcher geoklimatischen Zone (Tropen, Subtropen, gemäßigte Breitenusw.) soll der nachgebildete Lebensraum liegen? Dies hat insbesondere für die Technik (u.a. Licht, Beheizung) Konsequenzen.

• Welcher Ausschnitt aus dem Gewässer soll nachgebildet werden: Uferzone, vorgelagerte Sumpfzone oder beides? Oder nur eine kleine Pfütze, umgeben vom Unterholz eines Waldes?

• Diese Fragen entscheiden darüber, welche Bewohner in das Paludarium einziehen können. Bei aller Freude an der Gestaltung einer Miniaturlandha : rfn Ple ste

BEISPIEL SUMPFZONE: Hier wird die dem Ufer vorgelagerte Wasserregion nachgebildet. Ein niedriger Wasserstand, aus dem häufig größere Steine und totes Astwerk hinausragen und kleine Landzonen schaffen, sowie eine dichte Vegetation aus Sumpf-und Schwimmpflanzen prägen diesen Bereich.

WIE GROSS DARF ES SEIN? Auch ein Nano-Aquarienbecken lässt sich als Paludarium gestalten, hierbei reduzieren sich aber Land oder Wasser auf das Notwendigste. Ein oben offenes Nano-Aquarium, aus dem eine Sumpfpflanze ihre Zweige in den Himmel streckt, kann schon als Paludarium bezeichnet werden. Ebenso eine kleine Auftürmung aus Ziegelsteinen, bewachsen mit Moos und Farnen, die aus einem flachen Wasserstand herausragt. In solch kleinen Becken dürfen natürlich nur geeignete Tierarten gepflegt werden, die gängige Literatur über Nano-Aquarien und -terrarien hilft hier weiter.

Standarddaquarium geeignete Ausgangsbasis

Paludarien im XXL-Maßstab mit einer Größe von mehreren Quadratmetern sind echte Hingucker. Dabei sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt – so kann ein geräumiger Schrank ebenso ein Paludarium beherbergen wie ein Wintergarten. Ist ausreichend Raum verfügbar, kann auch ein komplettes Glasaquarium in ein Terrarium hineingebaut werden. Dabei muss man aber auf Gesamtgewicht und Statik achten.

DER EINSTIEG Für den Einstieg kann es gerne eine Nummer handlicher sein: Ein Standard-Aquarium stellt bereits eine geeignete Ausgangsbasis dar. Ein Terrarium kann auch genutzt werden, dabei muss man aber die Wasserhöhe im Blick behalten: Viele handelsübliche Terrarien erlauben nur einen niedrigen Wasserstand.

SCHRITT FÜR SCHRITT

Eine Glasscheibe als Abtrennung klebt man (nach sorgfältiger Säuberung) mit Silikon ein. So kann das Ergebnis eingerichtet als einfaches Paludarium aussehen:

Die Frage der Größe stellt sich auch bei den Proportionen zwischen Land und Wasser: Ob je zur Hälfte Land und Wasser oder 1/3 Land und 2/3 Wasser oder genau umgekehrt oder ganz anders, das muss sich an den Bedürfnissen der Pfleglinge orientieren.

DIE KUNST DES ÜBERGANGS Die Abtrennung zwischen Land-und Wasserteil kann auf ganz verschiedene Arten gelingen. Oft ist eine wasserdichte Trennung sinnvoll, um den Landteil nicht „auf nassem Grund“ auauen zu müssen. Manche Tierarten, die in einem Paludarium gepflegt werden können, benötigen trockene Stellen auf dem Landteil.

Eine Abtrennung aus Glas ist hierfür ein guter Weg: Ein entsprechend bemessener Glassteg wird mit Aquariensilikon ins Becken eingeklebt und trennt beide Teile voneinander. Mit Holz- oder Wur- zelstücken, Korkrinde oder größeren Steinen lässt sich der Übergang kaschieren und eine Kletterhilfe für die Bewohner schaffen. Alternativ lohnt ein Blick in die Literatur zur Gestaltung von Terrarienlandschaften, um Anregungen zur Realisierung eines wasserdichten und naturnah anmutenden Überganges zu be kommen.

Falls die Bereiche nicht wasserdicht getrennt werden müssen, können ein breiter Streifen Filterschwamm, eine Aufschüttung größerer Steine, Wurzelholz oder Korkrinde als Barriere genutzt werden. Bei solchen durchlässigen Übergängen ist es wichtig, den Landteil bis zur Höhe des Wasserstandes (und noch etwas darüber hinaus) mit Kies aufzufüllen. Erst darüber kann anderer Bodengrund aufgetragen werden. Wer sich für diese durchlässige Variante entscheidet, sollte stets die drei Bs im Blick haben, um spätere Probleme mit Fäulnis und Verschmutzung zu vermeiden: Beckengröße, Besatz und Bepflanzung.

Eine Vielzahl spannender Arten

Sumpecken, in denen der Landteil selten oder nur kurz aufgesucht wird, etwa zum Sonnenbaden, können auch ohne Aufteilung in Land- und Wasserteil strukturiert werden. Stattdessen können Steine wie Inseln aus dem Wasser ragen.

BESATZ Eine Vielzahl spannender Arten eignet sich für ein Paludarium, wobei insbesondere solche mit amphibischer Lebensweise – also dem Wechsel zwischen Land und Wasser – prädestiniert sind. Bei der Auswahl der Arten muss sichergestellt sein, dass die Tiere schwimmen kön-

BEPFLANZUNG Ein Paludarium kann unter wie über Wasser bepflanzt werden, vorausgesetzt die Bewohner lassen die Pflanzen in Ruhe und die sonstigen Parameter wie die Beleuchtung stimmen. Da viele beliebte Aquarienpflanzen eigentlich Sumpfpflanzen sind, bietet ihnen ein Paludarium die Möglichkeit, aus dem Wasser heraus zu wachsen und sich vollends zu entfalten.

Schwimmpflanzen können zusätzliche Möglichkeiten schaffen, damit amphibisch lebende Bewohner das Wasser verlassen können.nen und nicht im Wasser zu ertrinken drohen sowie dass das Platzangebot ausreichend groß und alle sonstigen Ansprüche erfüllt sind.

Hinsichtlich der Vergesellschaftung mehrerer Arten darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass ein solcher künstlich gestalteter Lebensraum hochgradig fragil ist. Unterschiedliche Bewohner mit verschiedenen Bedürfnissen in einem solchen Becken gleichermaßen optimal zu pflegen ist schwer. Daher sollte, insbesondere für den Einstieg, der Schwerpunkt zunächst auf einer einzelnen Art liegen.

Üppig begrünte Paludarien mit Wasserlauf, Nebler und hoher Luftfeuchtigkeit sehen zwar toll aus, sind aber oft für Amphibien und Reptilien zu feucht. Es gilt also, sich genau mit den Ansprüchen der Arten auseinanderzusetzen und die Gestaltung sowie technische Ausstattung darauf auszurichten.

einige beiSpiele fÜr bewohner wirbellose: Insbesondere Krabben. So kann etwa bei der Gestaltung eines Paludariums für Mangrovenkrabben (Sesarmidae) die charakteristische Mangrovenlandschaft als Vorbild dienen oder ein Wald für Süßwasserkrabben.

fische: Arten, die in der Ufer-und Sumpfregion leben, wie beispielsweise Schützenfische (Toxotes) und Schlammspringer (Periophthalmus). Auch Fischarten, die die Wasseroberfläche bevölkern, wie Beilbauchfische (Carnegiella), Halbschnäbler (Dermogenys) und Schmetterlingsfische (Pantodon buchholzi).

Amphibien: Froschlurche wie Unken (Bombina) und Chacofrösche (Lepidobatrachus) bevölkern die seichten Wasserregionen und nutzen mehr oder weniger stark einen Landteil oder übers

Wasser hinausragende Gegenstände. Molcharten wie Gelbbauchmolche (Taricha) oder Feuerbauchmolche (Cynops/Hypselotriton) verbringen zwar viel Zeit im Wasser, nutzen aber zugleich regelmäßig die Möglichkeit des Landgangs, der je nach Individuum auch von längerer Dauer sein kann.

REPTILIEN: Sumpfschildkröten und Wasserschildkröten benötigen zumindest zeitweise für Sonnenbad oder Eiablage eine Möglich-keit zum Landgang. Besonders geeignet und auch gut zu pflegen ist etwa die nordamerikanische Tropfenschildkröte (Clemmys guttata), die ihre Aufenthalte je zur Hälfte zwischen Land und Wasser aufteilt.

1 Der Schmetterlingsfisch (Pantodon buchholzi) lebt an der Wasseroberfläche vegetationsreicher Sümpfe. 2 Der Schützenfisch (Toxotes blythii) kann Insekten oberhalb der Wasseroberfläche abschießen. 3 Ein Jungtier der Tropfenschildkröte (Clemmys guttata). 4 Auch die meisten Süßwasserkrabben, hier die Thailändische Wasserfallkrabbe (Demanietta khirikhan), gehen zeitweise an Land.