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DAS PARKHAUS DER TRÄUME


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 42/2022 vom 20.10.2022

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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 42/2022

Herzschmerz-Abteilung: Hier parken die Rallye-quattro von Walter Röhrl aus den 80er-Jahren

ALSVOR DEN URQUATTROSdas Herz pocht und geradewegs in die Hose rutschen will, da sagt der Mann von Audi Tradition ganz beiläufig diesen einen Satz: „Wir haben noch mal einen Schwung gekauft, weil wir glaubten, dass wir davon zu wenig haben.“ Zu wenig Urquattros haben, nee, das geht ja gar nicht! Erst recht nicht für die Firma, die zwischen 1980 und 1991 genau 11 452 Exemplare des Sportcoupés hergestellt hat.

Audi öffnet uns seine heiligen Hallen, ein Jahr lang haben wir an der Tür gekratzt. Jetzt stehen wir im Parkhaus der Träume, und das ist auch gut so, denn nächstes Jahr geht der Mann, der fast alles über Audi und noch mehr über DKW weiß, in Rente. Heute zeigt uns Ralf Hornung (62), woran er seit 1984 mitgearbeitet hat, erst als Praktikant, dann als Diplomand, jetzt als Traditionspfleger, Auto-Aufkäufer und wandelndes Lexikon. Beginnen wir vorn, bei Nummer 1.

Es war 1984, Audi ...

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... sponserte die Olympischen Spiele in Los Angeles, da kam ein Amerikaner auf die Bayern zu, bot ihnen sein altes Auto an, einen Horch 780 von 1933. Ingolstadt kaufte, bezahlte mit einem nagelneuen Audi 5000 S, stellte den Horch erst mal weg. Und so stand er sich in der Feuerwehrhalle die Reifen platt. „Keiner hatte eine Idee, was damit zu machen war“, sagt Hornung. Heute ist das 5,10 Meter lange Sport-Cabrio mit 4,9-Liter-V8 und 100 PS und der Exponaten-Nummer 001 der perfekt restaurierte Start der Audi-Sammlung. 727 Autos und 200 Motorräder stehen in fünf Hallen und diversen Museen.

Wir klappern alle vier Ebenen des Parkhauses in der, nee, Straße sagen wir nicht, in Ingolstadt ab. Hier kümmern sich 35 Mitarbeiter um die Audi-Historie, archivieren Filme, pflegen Autos – und sammeln sie. Bevor wir nachsehen, was Sie alles haben, Herr Hornung: Was fehlt Ihnen? Antwort: „Ein zweitüriger Audi 100 vom Typ C2 Ende der 70er, die sind selten und leider rostig.“

Dass es überhaupt eine Audi-Sammlung gibt, ist einer unscheinbaren Limousine mit dem Kennzeichen IN-A 1965 H zu verdanken. Der Audi 72 ist eigentlich ein DKW und stammt aus einer Zeit, als die Auto Union die ungeliebte Tochter von Mercedes war. DKW, das war immer Frontantrieb und Zweitakter und Mitte der 60er technisch überholt. Mit dem intern F103 genannten Wagen entwickelte man den alten DKW weiter und baute einen Mercedes-Vierzylinder ein, 1,7 Liter, 72 PS, am Thermostat prangt der Stern, die Ingenieure nannten ihn einen Bastard. Es war die unruhige Zeit, in der VW die Auto Union übernahm und der Wagen schließlich Audi heißen und die vier Ringe tragen durfte. Und in der Technik-Direktor Ludwig Kraus klammheimlich und entgegen der Ansage aus Wolfsburg ein neues Auto entwickelte, den späteren Audi 100. „Es war irgendwann 1966“, referiert Audi-Lexikon Hornung, „da stellte man VW-Vorstand Nordhoff das Projekt vor.“ Der Legende nach entschied der Chef zweierlei: Ihr dürft das Auto bauen, es darf die vier Ringe tragen. Hornung: „Das war die Lebensversicherung für Audi, sonst wären wir jetzt wohl Werk 21 von VW.“

Vielleicht hatte der Big Boss einfach nur einen guten Riecher, denn Audi wurde noch sehr wichtig für die Wolfsburger. Wir stehen vor einem Audi 50, diesem 3,51 Meter kurzen Kleinwagen. „Haben wir erfunden, wurde bei VW gebaut, die Spar-Version ohne Luxus und Chrom hieß Polo.“ Wir gehen weiter zum ersten Audi 80 von 1972. „Hat Ludwig Kraus von Anfang bis Ende entwickelt, inklusive des 1.6ers, der später im Golf GTI mit 110 PS Karriere machte.“

DER POLO AUS BAYERNDer Audi 50 ist ein 3,51-Meter-Zwerg. Die Bayern haben ihn 1974 vorgestellt. Die Sparversion von VW hieß Polo

GELIEBTE KURZWARE1984 und 85 hat Audi 220 Sport quattro verkauft, in Rot, Weiß, Grün und Blau. Früher 200 000 Mark, jetzt 400 000 Euro

Und dann stehen wir vor vier Autos, für die Fans einen Einbruch inklusive Knast riskieren würden. Audi Sport quattro, die verkürzte und verschärfte Form des Urquattro. Sie haben alle vier Farben, die es damals zu kaufen gab: Tornadorot, Alpinweiß, Kopenhagenblau, Malachitgrün. „Der Grüne war das Auto für die Presse“, sagt Hornung, „Kennzeichen damals: IN-NE 90.“ Durfte aber nicht jeder fahren, weil: 2,1-Liter-Turbo mit 306 PS, in 4,5 Sekunden auf 100 km/h, 248 Sachen Spitze, ein Auto, vor dem du Respekt haben musst wie vorm Schuldirektor. Preis 1985: 203850 Mark, 220 Exemplare wurden gebaut. Heute zahlen Fans über 300 000 Euro und würden alles geben für diese eine Rohkarosserie, die Audi vor Kurzem und ganz zufällig, weil akkurat verhüllt, hinter einem Reifenlager fand. Eine nagelneue Karosserie des begehrtesten Audi der Weltgeschichte. Eine Welt-Geschichte. „Die Karosserie bleibt, wie sie ist“, sagt Hornung, „vielleicht brauchen wir sie mal.“

Die vier Sport quattro waren alle so zwei, drei Jahre aufs Werk zugelassen, kamen dann zur Tradition. Andere Fahrzeuge musste sich die Altauto-Abteilung teils umständlich und über viele Umwege sichern. Zum Beispiel den 16-Zylinder-Bergrennwagen von 1939, der Silberpfeil in der Audi-Sammlung. Nach der Wende tauchte der „Riga-Rennwagen“ in Lettland auf. Audi schlug zu, ließ den Wagen in England restaurieren.

Oder der letzte Horch, den ein Amerikaner vor dem Schrottplatz rettete und den die Ingolstädter 2008 in Texas kauften. Den Wagen haben sie 1953 für den damaligen Chef der Auto Union, Doppel-Doktor Richard Bruhn, als Einzelstück hergestellt, ein Geschenk zu dessen 67. Geburtstag. Das Chassis ist von 1940, der Aufbau voluminös. Vier Jahre später kaufte ihn ein US-Soldat und nahm ihn mit nach Hause. Wohl ab 1967 stand der Horch mit Getriebeschaden unter texanischer Sonne – und texanischem Regen. Audi lässt den Wagen so, wie er ist: als verwitterten Zeitzeugen zwischen all den hochglänzenden Karossen.

BUCHTIPP

Druckfrisch und mit vielen Fotos aus den geheimen Hallen von Audi: Das neue Buch „Einblicke“ bietet auf 258 Seiten einen tollen Überblick über die Fahrzeugsammlung. Delius Klasing, 59 Euro.

An andere Autos kommt Hornung, seit 45 Jahren aktiv im DKW-Club, dank seiner Spürnase. Der gebürtige Münchner sah irgendwann Ende der 80er am Münchner Waldfriedhof einen DKW F12/65, grauer Lack, Kennzeichen M-WW 849, hinterließ einen Zettel an der Scheibe, erzählt: „Nach ein paar Wochen rief Herr Hiltner wirklich an. Ja, der Herr Hiltner, ein wirklich lieber Mensch.“ Die beiden freundeten sich an, 1996 verkaufte der liebe Herr Hiltner seinen 45-PS-DKW an Audi, mit original 30 000 Kilometern auf dem Tacho.

„Ich habe immer darauf geachtet, dass wir marktgerechte Preise zahlen“, sagt Hornung. Nur weil man Audi sei, könne man doch keine Mondpreise akzeptieren. Sonst hätte das Geld für all die Schätze nie gereicht: DKW Schnellaster als Verbrenner und mit E-Antrieb (1955–60), DKW-Typen mit Holzkarosserie aus den 30ern, Kleinserien wie den Malzoni GT, von dem es noch 15 Stück gibt, davon einen in Europa (bei Audi), oder den Monza, mit noch 30 Exemplaren auch so ein Exot.

Und dann stehen wir vor den Urquattro, dem „Schwung“, den sich Audi gesichert hat aus Angst, zu wenige zu besitzen, daneben der letzte je gebaute, und Hornung erzählt, wie Walter Röhrl im April 1991 zum Abschlussfoto anreiste und den Wagen am liebsten mitgenommen hätte. Vielleicht sollten sie bei Audi demnächst mal mit Herrn Hornung durch die Hallen gehen und seine besten Storys aufnehmen, so kurz vor der Rente.