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Das PERfEktE Pferd?


Züchterforum - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 12.09.2019

Sonderausstellung zur Geschichte der Pferdebeurteilung im Deutschen Pferdemuseum


Artikelbild für den Artikel "Das PERfEktE Pferd?" aus der Ausgabe 9/2019 von Züchterforum. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Züchterforum, Ausgabe 9/2019

Bereits in der Antike verdeutlichen Darstellungen von Pferden die große Bedeutung, die sie für die frühen Zivilisationen verkörperten (r.)


Das Deutsche Pferdemuseum in Verden gibt mit der vom 27. Juni bis 20. Oktober laufenden Sonderausstellung unter dem Titel „Das perfekte Pferd?“ einen hochinteressanten Einblick in die Geschichte der Pferdebeurteilung, Klassifizierung und dokumentativen Darstellung von Pferden über die Jahrhunderte einer zielgerichteten Zucht hinweg. Anhand von Gemälden, Graphiken und Skulpturen zeichnet ...

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Das Deutsche Pferdemuseum in Verden gibt mit der vom 27. Juni bis 20. Oktober laufenden Sonderausstellung unter dem Titel „Das perfekte Pferd?“ einen hochinteressanten Einblick in die Geschichte der Pferdebeurteilung, Klassifizierung und dokumentativen Darstellung von Pferden über die Jahrhunderte einer zielgerichteten Zucht hinweg. Anhand von Gemälden, Graphiken und Skulpturen zeichnet die Ausstellung die Geschichte der Pferdedokumentation und -beurteilung nach und stellt dar, wie sich über die Jahrhunderte diverse Schönheitsideale gebildet haben und welche Maßnahmen teils ergriffen wurden, um diesen gerecht zu werden. Dabei bieten die mannigfachen Exponate sowohl dem hippologischen Laien als auch dem zuchtorientierten Kenner der Pferdewelt eine Vielzahl von neuen Erkenntnissen, Sichtweisen und historischen Zusammenhängen. Zur Ausstattung der Sonderschau haben die Leitung der Verwaltung, Finanzen und Personal Ina Rohlfing und ihre Kollegin Christine Rüppell, wissenschaftliche Leiterin des Deutschen Pferdemuseums und Kuratorin der Ausstellung, eine ganze Reihe von Leihgaben, aber auch kulturhistorischen Preziosen aus dem Depot des Museums zusammengetragen. Die Interaktion der Bereiche Darstellung und Bewertung von Pferden wird ebenso verdeutlicht wie bereits frühzeitig dokumentierte Formen der „Optimierung“ des äußeren Erscheinungsbildes von Pferden, die teilweise auch den wenigsten Insidern bekannt sein dürften. In einem interessanten thematischen Bogen werden die unterschiedlichen Pferdetypen, ihre Entstehung, ihre jeweiligen Klassifizierungen und Bewertungen sowie der Zusammenhang von Nutzungsvorgaben, optischen Vorlieben und Schönheitsidealen in einen historischen Kontext gebracht. Die parallele Entwicklung von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und veränderter Bewertungsund Darstellungspraxis wird ebenfalls deutlich. Besonders den weniger pferdeaffinen Besucherinnen und Besuchern wird die große Bedeutung vermittelt und erläutert, die das Pferd für die Menschheitsgeschichte unter historisch-militärischen wie auch ökonomischen Gesichtspunkten besitzt.
Dieser ungemein große Einfluss auf die Geschichte der Menschheit, der in Gefahr gerät, im kollektiven Bewusstsein zunehmend zu verblassen, wird dabei auch dem züchterisch und reitsportlich interessierten Besucher eindrucksvoll in Erinnerung gebracht. Gemäß dem (nicht ganz zutreffenden) Leitsatz „Nach den Gesetzen der Aerodynamik kann die Hummel eigentlich nicht fliegen – doch weil sie das nicht weiß, tut sie es einfach!“ werden auch Erfolgspferde der jüngsten Geschichte unter dem Gesichtspunkt der Exterieurbewertung und -dokumentation beleuchtet. Dabei zeigen sich interessante Eindrücke, die gerade den zuchtinteressierten Besucher zum Nachdenken anregen dürften. In diesem Zusammenhang kommt in einer Videoinstallation und in Zitaten auch der große Pferdekenner Hans Joachim Köhler zu Wort. Die Ausstellung verweist auf die Tatsache, dass das Streben nach dem (vermeintlich) perfekten Pferd bis heute andauert und unter anderem zur Entwicklung der Biodynamik beigetragen hat. Verbindungen hin zu derzeit aktuellen Zuchtinstrumenten wie etwa der linearen Beschreibung werden erkennbar und leiten hin zu der Frage, ob man mittlerweile eine Antwort auf die Frage nach dem perfekten Pferd gefunden hat. Ein ganz besonderes Fazit vermag die Sonderausstellung dazu in ihrem abschließenden Ausstellungsraum zu geben, in dem eine Vielzahl von Pferdebesitzern – Fachleute, Profis und private Pferdeenthusiasten – ihre Statements zum Thema „das perfekte Pferd“ abgeben und ihre ganz persönlichen, perfekten Pferde vorstellen. Besonders dieser Raum läßt die besondere und herausgehobene Beziehung zwischen dem Haustier Pferd und dem Menschen sichtbar werden.

Die Abbildung des Pferdes im Seitenbild war über Jahrhunderte die vorherrschende Darstellungsform (rechte Seite, o. l.)


Besonders plastisch lassen sich Pferde in der dreidimensionalen Darstellung dokumentieren (rechte Seite, o. r.)


Neben eindrucksvollen Gemälden und Radierungen wird auch historische Literatur zum Pferd gezeigt (rechte Seite, u.)


“Ohne Geist und Seele ist alles Körperliche Fassade.” Hans Joachim Köhler, 1982


Dem zuchthistorisch interessierten Leser sei ein Besuch dieser gleichermaßen informativen wie auch optisch ansprechenden Sonderausstellung wärmstens empfohlen. Bis zum 20. Oktober haben interessierte Besucher hierzu noch die Gelegenheit. Dabei bietet das Deutsche Pferdemuseum zur Sonderausstellung ein ergänzendes Begleitprogramm mit Familienaktionen, Vorträgen und Podiumsgesprächen, das Besucher unter dem Linkhttps://www.dpm-verden.info/de/ausstellungen/sonderausstellung/ dpm_aktuelle-sonderausstellung-dpm.html jederzeit einsehen können. Das Deutsche Pferdemuseum befindet sich in Verden/Aller, Holzmarkt 9 und hat von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10.00 bis 17.00 Uhr durchgehend geöffnet.
Stephan Bischoff