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DAS PFERD – LEBENDES KULTURGUT RGUT


Feine Hilfen - epaper ⋅ Ausgabe 32/2018 vom 07.12.2018

„DAS WISSEN UM DIE GESCHICHTE DES PFERDES, UM SEINE BEDÜRFNISSE SOWIE DIE KENNTNISSE IM UMGANG MIT DEM PFERD SIND KULTURGESCHICHTLICHE GÜTER. DIESE GILT ES ZU WAHREN UND ZU VERMITTELN UND NACHFOLGENDEN GENERATIONEN ZU ÜBERMITTELN.“


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Anja Beran mit P.R.E.-Hengst Ofendido.


(Foto: Maresa Mader)

5. ETHISCHER GRUNDSATZ des Pferdefreundes (Deutsche Reiterliche Vereinigung, 1995)

Der Stellenwert dieses ethischen Grundsatzes war sicherlich in unserer Vergangenheit essenziell, war doch das Pferd unabdingbar mit dem Leben des Menschen verbunden. Als Gefährte im Krieg, als Arbeiter in der Landwirtschaft, zum Transport ...

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Der Stellenwert dieses ethischen Grundsatzes war sicherlich in unserer Vergangenheit essenziell, war doch das Pferd unabdingbar mit dem Leben des Menschen verbunden. Als Gefährte im Krieg, als Arbeiter in der Landwirtschaft, zum Transport von Gütern, aber auch zum Personenverkehr oder schlicht als Nachrichtenübermittler war das Pferd allgegenwärtig! Wichtig, wenn nicht sogar überlebenswichtig, war daher das gesamte Wissen rund um dieses besondere Tier, das dem Menschen so bedingungslos diente und den Menschen auf dem Weg seiner Geschichte für lange Zeit so nah verbunden war!
Heute stellt sich die Frage, was nachfolgende Generationen mit diesem Grundsatz noch zu tun haben könnten?
Niemand ist in unserer modernen Zeit noch auf das Pferd angewiesen, und ein Großteil der Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, hatten vielleicht sogar noch niemals Kontakt mit einem Pferd oder werden diesen niemals haben. Das Pferd wurde aus allen lebenswichtigen Bereichen verdrängt und fristet heute nicht selten ein Leben als reines Luxusgut. Als Statussymbol dient es den Wohlhabenden und beschert seinen Besitzern aufgrund von Erfolgen im Reit- und Pferderennsport viel Ansehen und manchmal auch ein beachtliches Vermögen. Um diese Pferde kümmern sich in der Regel Fachleute, während die Eigentümer sich meist nur an ihrem Besitz erfreuen und keine großen Kenntnisse über Pferde und deren Bedürfnisse haben. Zum Großteil werden Pferde heutzutage aber von Liebhabern gehalten, die sie zum reinen Freizeitvergnügen besitzen. Gerade letztgenannter Personenkreis ist extrem wissbegierig und versucht meist alles an alten und neuen Kenntnissen über ihr Lieblingstier herauszufinden und beschäftigt sich intensiv mit allen Fragen der Haltung, Fütterung und Ausbildung. Die Personengruppe, die sich mithilfe des Pferdes profilieren möchte oder Profit erwartet, ist ebenfalls darauf erpicht, möglichst viel Wissen um das Pferd anzuhäufen, könnte sie doch damit eventuell eine Leistungssteigerung herbeiführen.



„EIN GUTER REITER BRAUCHT EINEN GUTEN CHARAKTER, ES GEHT ALSO AUCH UM MENTALITÄT UND GEIST.“


Charles de Kunffy

Die Motivation ist heutzutage, genauso wie oftmals auch in der Vergangenheit, nicht eine ethische, das heißt man möchte sich die Kenntnisse nicht unbedingt aus dem Grund aneignen, um dem Pferd gerecht zu werden und ihm keinen Schaden zuzufügen, sondern eigene Interessen stehen meist im Vordergrund. Dabei hat das Pferd als lebendes Kulturgut so viel mehr zu bieten, verlangt seine Ausbildung und Nutzung als Reit- und Fahrpferd doch sehr viel von uns.
Menschliche Eigenschaften, die als Grundwerte unserer Gesellschaft gelten, werden durch den Umgang mit dem Pferd gefördert. Dass die Arbeit mit dem Pferd stets auch Arbeit an uns selbst bedeutet, sollten wir uns immer wieder vergegenwärtigen.
Werte wie Fleiß, Disziplin, Demut, Respekt und Geduld sind nur einige wenige Eigenschaften, die das Pferd bei uns fördern kann. Dazu kommt natürlich ein konsequentes Training an unserer körperlichen Haltung und Fitness, die wir als Reiter benötigen.
Dieses Annehmen von Haltung kann uns übrigens auch in vielen anderen Bereichen des Lebens von großem Nutzen sein. Nicht umsonst wurden in der Geschichte die jungen Adligen mit der Reitkunst vertraut gemacht und durchliefen eine gründliche Ausbildung. Reaktionsschnelligkeit und Gefühl sind weitere Eigenschaften, die die Pferde uns abverlangen. Zwischen dem Ende der „Ära des Pferdes“, also nach dem Zweiten Weltkrieg, und der Neuentdeckung des Pferdes als Freizeit- und Sportpartner, aber auch als Prestigeobjekt, lag eine Zeitspanne, in der sicherlich viel altes Wissen verloren gegangen ist. Die Förderung des Reitens als Breitensport, mit dem Unterricht, der zunächst die vereinfachte Militärreiterei als Basis hatte, ließ wenig Raum für die Vermittlung von tiefgreifendem Wissen und hoher Reitkunst – Reiten war ja nun nur noch Hobby!
Glücklicherweise hat sich das Pferd inzwischen einen stabilen Stellenwert in der modernen Welt zurückerobert, sodass es nun an der Zeit wäre, sich endlich ohne den Druck des Krieges, des Überlebens oder des sportlichen Ehrgeizes, dem Pferd zu widmen. Ja, ihm sogar einen Teil dessen zurückzugeben, Danke zu sagen für das, was es in der Geschichte für uns geleistet hat.
Dass wir bei der Beschäftigung mit dem Pferd als Mensch enorm profitieren können, sofern wir es zulassen und uns darauf einlassen, steht außer Frage.


„REITEN IST SUCHE NACH SCHÖNHEIT, GERADLINIGKEIT UND WAHRHEIT.“


Nuno Oliveira


„DIE GOLDENE REGEL IM UMGANG MIT RÖSSERN IST, SICH IHNEN NIE IM ÄRGER ZU NÄHERN.“


Xenophon

Daher ist die Vermittlung des Wissens rund ums Pferd jetzt wichtiger denn je und sollte den nachfolgenden Generationen unbedingt nahegebracht werden!
Viele Reitmeister in der Geschichte waren sicher, dass die Reitkunst aussterben wird, denn sie ist die schwerste aller Künste! Nur sie verlangt vom Ausübenden hohe körperliche Fähigkeiten, Gefühl, Charakter, denn er arbeitet mit einem Lebewesen, und Geist. Die Reitkunst muss auch in ihrer Theorie als Wissenschaft verstanden werden. Keine andere Kunst verlangt diese vielfältigen Eigenschaften und formt daher den gesamten Menschen. Grund genug, die Beschäftigung des Menschen mit dem Pferd weiterhin zu fördern, selbstverständlich unter Beachtung des obigen Grundsatzes, dass tiefes Wissen über Haltung, Umgang und geschichtlichen Hintergrund auch weiterhin vermittelt wird.

Fazit

Derzeit gibt es Tendenzen, die die Existenz des Pferdes abermals bedrohen könnten: Tierschützer, die keine Verbundenheit mit dem Pferd mehr haben und somit auch kein Wissen darüber besitzen, werden immer lauter und kritisieren – oft völlig zu Recht – den Reitsport. Schuld daran sind wir Reiter selbst, denn das Produzieren nicht nachlassender negativer Schlagzeilen hat dem Image des Reitsports sehr geschadet. Man denke nur an die Blood Rule, die Rollkur, Dopingfälle, tote Pferde bei Military und Distanzritten und vieles mehr. Sollte sich diese Negativberichterstattung fortsetzen, wird die Akzeptanz des Reitsports in der Öffentlichkeit mehr und mehr sinken, und der Ruf nach einem Verbot wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das wäre das Aus für das Pferd!

Anja Beran mit Lusitano Olé in der Freiarbeit.


(Foto: Maresa Mader)


„DAS WISSEN UM DIE WAHRE NATUR DER PFERDE IST DIE ERSTE GRUNDLAGE DER REITKUNST, UND JEDER REITER MUSS DARAUS SEIN HAUPTFACH MACHEN.“


François Robichon de la Guérinière

Es hätte keine Existenzberechtigung mehr, die Rassenvielfalt, die pferdegerechte Haltung, die wir ihm heute durchaus bieten können, die traditionsreichen Wettbewerbe und die Verbundenheit des Menschen mit dem Partner, der ihn viele Jahrhunderte begleitet hat, wäre endgültig Geschichte! Ein großer Verlust für Mensch und Pferd! Daher sollten wir Reiter uns besinnen und die Ausbeutung des Pferdes beenden und ein Siegen um jeden Preis hintanstellen, um Manipulationen zu vermeiden. Im Freizeitbereich sollten wir uns gut informieren und uns umfassende Kenntnisse aneignen, um Fehler, die aus Unwissenheit geschehen und die dem Pferd ungewollt großen Schaden zufügen können, zu vermeiden. Ein respektvoller Umgang mit der Kreatur und die Beachtung der ethischen Grundsätze, die eine Ausbeutung des Pferdes ausschließen, ist in der aktuellen Situation wichtiger denn je, und nur dieses Verhalten von uns Reitern kann den Pferdebestand langfristig sichern! Positive Nachrichten aus der Pferdeszene müssen wieder in den Umlauf geraten, um das negative Image, das sich die Reiter selbst zuzuschreiben haben, wieder zurechtzurücken. Packen wir es an!

ANJA BERAN

Namhafte Ausbilder wie Luis Valenca, Manuel Jorge de Oliveira und Marc de Broissia prägten ihren reiterlichen Werdegang und trugen dazu bei, dass die engagierte Reiterin umfangreiche Erfahrungen mit vielen verschiedenen Pferden sammeln konnte.
Heute führt Anja Beran ihren eigenen Ausbildungsstall Gut Rosenhof im bayerischen Ruderatsried.

Weitere Infos: www.anjaberan.de

BUCHTIPP:

Anja Beran
Pferde im Profil

Facetten der klassischen Dressur


Cadmos Verlag
ISBN 978-3-8404-1078-9, 29,95 €