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DAS RICHTIGE GEBISS: GUTE KOMMUNIKATION


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 14.09.2018

Doppelt gebrochen, einfach,D-Ring oder Olivenkopf – es gibt so viele verschiedene Gebisse, dass die wenigsten wissen,wofür sich welches eigentlich genau eignet. Wir erklären,welches Gebiss zu welchem Pferd passt und was sie unterscheidet


Artikelbild für den Artikel "DAS RICHTIGE GEBISS: GUTE KOMMUNIKATION" aus der Ausgabe 100/2018 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 100/2018

Gebisse unterscheiden sich in Stärke, Material, Form und den Ringformen


Das richtige Gebiss zu finden ist für manche Reiter-Pferd-Paare eine lange, mühselige Aufgabe, die immer wieder zu Frustrationen führt. Mal ist das Gebiss zu kurz, mal zu lang, dann hat es nicht die gewünschte Wirkung, und das Pferd läuft mit dem neuen, teuren Gebiss noch unzufriedener als ...

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... zuvor. Die richtige Wahl zu treffen ist bei der riesigen Auswahl und den verschiedenen Formen und Materialien allerdings auch als schwer. Jedoch ist es besonders wichtig, dass sich das Pferd mit dem Gebiss wohlfühlt, da es ein wichtiger Bestandteil der Verbindung zwischen Pferd und Reiter ist. Das Gebiss kann allerdings weder Mängel im Sitz und der Einwirkung noch in der Ausbildung des Pferdes ausgleichen.

Das Gebiss muss den anatomischen Verhältnissen des Pferdes angepasst sein, was bedeutet, dass es den Platz, der zwischen Ober- und Unterkiefer ist, nicht überschreiten darf. Dieser Raum, in dem das Gebiss zum Liegen kommt, ist nur etwa 1,5 cm groß. Pferdemäuler und deren Platz für das Gebiss unterscheiden sich stark. Bei manchen Tieren kann man schon gut von außen einschätzen, ob das Platzvolumen groß oder klein ist. Hat das Pferd eine kurze Maulspalte, kleine Lefzen mit wenig Fleisch und eine Zunge, die den kompletten Gebiss-Bereich ausfüllt, so wird schnell klar, dass nur sehr wenig Platz für ein Gebiss bleibt. In einem Maul eines Pferdes, welches nicht zu wenig und nicht zu viel Fleisch an den Lefzen hat und außerdem eine nicht zu dicke Zunge, liegt so gut wie jedes Gebiss in jeder Stärke gut.

WUSSTEN SIE SCHON?

Bei Gebissen mit festen Ringen wird der Druck direkter auf die Zunge übertragen als bei Wassertrensen

Eine richtig verschnallte Trense: Die Backenstücke berühren nicht das Jochbein, und der Nasenriemen ist weit genug vom Ende des Knochens entfernt


Die richtige Gebissstärke

Die meisten Gebisse gibt es in 16 mm und 18 mm Stärke. Welche Stärke die richtige für das eigene Pferd ist, hängt davon ab, wie groß die Maulspalte ist. Gebisse werden in den meisten Fällen von außen nach innen schmaler. Ist das Gebiss zu dick für das jeweilige Maul, so entsteht an der Oberkieferlage und dem Gaumenbereich Druck, wie die Gebissexpertin Brigitte Lüdemann, die bei der Entwicklung von Gebissen bei Sprenger mitwirkt, bestätigt: „Früher ging man davon aus, dass ein dickes Gebiss weicher ist, da man damit auch eine breitere Auflagefläche hat. Doch wenn wenig Platz im Maul ist und ein zu dickes Gebiss gewählt wird, dann besteht die Gefahr, dass Druck auf den empfindlichen Gaumen ausgeübt wird. Dadurch können Druckstellen und Verletzungen entstehen, in jedem Fall ist das aber unangenehm für das Pferd. Dieses Problem tritt in der Praxis relativ häufig auf und kann zu Kopfschlagen, Aufsperren des Maules oder, sich auf die Hand legen‘ führen.“ Eine Studie ergab, dass der Platz im Pferdemaul deutlich kleiner und flacher ist, als man bisher annahm, so die Expertin.

Um den Platz im Pferdemaul zu bestimmen, ist der Pferdezahnarzt die erste Wahl. Allerdings gibt es auch eine Möglichkeit, es selbst herauszufinden. Mit Hilfe des sogenannten „Zwei-Finger-Tests“ lässt sich herausfinden welche Gebissstärke für das eigene Pferd gewählt werden sollte. Hierzu legt man einfach die zusammengelegten Zeige- und Mittelfinger an die Stelle ins Pferdemaul an der das Gebiss eingelegt wird. „Ist der Abstand zwischen der oberen und unteren Lade gering, verspürt man Druck auf beiden Fingern. Die empfohlene Stärke liegt dann bei 14–16 mm. Bei größerem Abstand zwischen oberer und unterer Lade verspürt man kaum Druck auf den Fingern und kann sie noch leicht nach oben bewegen. Die empfohlene Stärke liegt dann bei 16–18 mm“, erklärt Lüdemann.

Gebissweite

Die Länge des Gebisses wird grundsätzlich von Lochinnenmaß zu Lochinnenmaß gemessen, was bedeutet, dass man das Maßband am inneren Lochrand anlegt und auch nur bis zu diesem auf der anderen Seite misst. Bei einem zu langen Gebiss wird bei der Zügelannahme eine zu starke Winkelung des Gebisses herbeigeführt, wodurch Anlehnungsprobleme entstehen. Bei einem zu kurzen Gebiss und einem losen Ring wird die Haut am Maul eingeklemmt, was ebenfalls zu Schmerzen führt. Olivenkopfgebisse, D-Ring-Trensen und Schenkeltrensen, also alle Gebisse mit festen Seitenteilen, werden 1 bis 1,5 cm kleiner gewählt als Wassertrensen. Damit wird erzeugt, dass der seitliche, feste Steg direkt an der Lefze anliegt. Ringtrensen sollten in der Größe so gewählt werden, dass sie die Lefze nicht einklemmen und der Abstand zwischen Ringloch und Maulwinkel nicht größer als 0,5 cm pro Seite beträgt.

Zwei Finger sollten auf dem Nasenbein unter den Nasenriemen passen


Empfindliche Punkte des Pferdekopfes

Fotos: Holger Schupp (1), IMAGO/ Gerhard Leber (1), slawik.com (3)

Welche Materialien gibt es?

Als Gebissmaterialien werden Edelstahl, Kupferlegierung, Gummi und Kunststoff verwendet. Edelstahl ist sehr hart, geschmacksneutral und die Oberfläche ist sehr glatt. Bei Gebissen aus einer Kupferlegierung gibt es Varianten, die süßlich schmecken, wodurch Pferde zum Kauen angeregt werden. Das Material ist weicher als Edelstahl, sodass immer darauf geachtet werden muss, dass nirgendwo Kanten entstanden sind, die das Pferd verletzen könnten.

Auf die Frage hin, was die Gebissexpertin für ein Material empfiehlt, hat sie klare Favoriten: „Wir empfehlen Aurigan und Sensogan. Dies sind spezielle Kupferlegierungen, die wir in enger Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) entwickelt haben. Aurigan ist das erste Gebissmaterial, das speziell für den Gebrauch im Pferdemaul eingesetzt wird, Sensogan ist eine Weiterentwicklung mit etwas anderer Zusammensetzung. Beide Materialien haben eine hohe Festigkeit, sind nickelfrei und wurden von der TiHo Hannover toxikologisch untersucht und als gesundheitlich unbedenklich eingestuft.“

Kupfer eigne sich aufgrund seiner natürlichen Oxidationseigenschaften als Gebissmaterial, denn dadurch würde die Kautätigkeit des Pferdes angeregt. „Beide Materialien fördern den Speichelfluss und die Kautätigkeit des Pferdes, was sich wiederum positiv auf dessen Wohlbefinden, die Konzentration und die Leistungsbereitschaft auswirkt“, so Lüdemann.

Gummigebisse sind sehr weich. Dabei ist wichtig, dass nur Pferde damit geritten werden, die von sich aus viel speicheln, damit kein „Radiergummi-Effekt“ entsteht. Auch hier können scharfe Kanten entstehen, wenn Pferde auf das Gebiss beißen, sodass Gruben im Material zurückbleiben. Gummi ist nicht so UV-beständig wie andere Gebissmaterialien, weshalb das Material irgendwann nachgibt und brechen kann, wodurch Unfälle entstehen können. Aus Kunststoff sind häufig Stangengebisse, die es in weicher, biegsamer oder starrer Ausführung gibt. Findet man in diesen Gebissen Einkerbungen, so sollten sie entsorgt werden.

Die richtige Verschnallung des Gebisses

Das Gebiss funktioniert nur, wenn es auch richtig in der Trense verschnallt ist. Das Anlegen der Trense sollte locker möglich sein, ohne dass dabei besonderer Druck aufs Maul ausgeübt werden muss, damit die Trense über die Ohren gezogen werden kann. Andernfalls ist das Gebiss zu hoch verschnallt. Das Reithalfter muss so verschnallt sein, dass zwei Finger vorne Platz finden. Der Platz zwischen Reithalfter und Jochbein sollte ein bis zwei Finger breit betragen. Bei Zügelaufnahme und einem zu locker verschnallten Gebiss bäumt sich das Reithalfter seitlich auf. Ist das Gebiss zu hoch verschnallt, so entstehen zwei bis drei Falten am Maul, und das Gebiss wird über das Backenstück aus dem Maul herausgezogen. Das Gebiss drückt bei Zügelannahme auf den Backenzahn. Dadurch ist keine richtige Einwirkung möglich. Eine Trense mit hannoveranischem Reithalfter sollte so verschnallt sein, dass das Reithalfter auf dem freitragenden Nasenbein liegt. Es darf nicht zu fest verschnallt sein und auf keinen Fall zu tief, da das Nasenbein hier sehr empfindlich ist. Beim Micklem ist darauf zu achten, dass es am Kinnriemen nicht zu eng verschnallt ist, damit die Kaubewegung noch möglich ist. Bei einem mexikanischen Reithalfter ist darauf zu achten, dass das Seitenteil des Reithalfters nur bis zum Jochbein führt und nicht darauf aufliegt.

Gebissringe werden nur dann genutzt, wenn das Gebiss nicht passt. Entweder es ist zu lang, oder die Lefzen werden von den Ringen eingeklemmt


„OB EIN NUSSKNACKER-EFFEKT EINTRITT, KOMMT AUF DIE GEWÄHLTE GEBISSGRÖSSE UND AUF DIE MAULHÖHLE DES EINZELNEN PFERDES AN. BEI ZÜGELANZUG STELLT SICH EIN EINFACH GEBROCHENES GEBISS – IM GEGENSATZ ZU EINEM DOPPELT GEBROCHENEN – IM PFERDEMAUL LEICHT AUF, DAS GELENK BEWEGT SICH IN RICHTUNG GAUMEN, WAS IN DER REGEL KEIN PROBLEM IST. WIRD EIN EINFACH GEBROCHENES GEBISS ALLERDINGS ZU GROSS GEWÄHLT, BESTEHT DIE GEFAHR, DASS DIE GELENKÖSE IN DEN SENSIBLEN GAUMEN DRÜCKEN KANN, INSBESONDERE BEI PFERDEN MIT EINEM FLACHEN GAUMENBOGEN.“
Brigitte Lüdemann