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DAS SECHS-STUFEN-PROGRAMM: Fotomontagen nach Plan


DOCMA - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 03.06.2020

Composing, Compositing, Foto-Bashing - ja selbst von Matte Painting wird gern gesprochen, wenn es doch nur um das Zusammenfügen verschiedener Foto-Elemente zu einem neuen Bild geht. Wir nennen das Ganze ganz unprätentiös Fotomontage. Olaf Giermann zeigt Ihnen Tipps und Tricks für die sechs Stufen jedes Montage- Prozesses, die Ihnen dabei helfen, ein glaubwürdiges Ergebnis zu erzielen.


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Bildquelle: DOCMA, Ausgabe 3/2020

Die Bildidee: „Den Business-Riesen schert doch so ein kleiner Baby-Drache nicht!“


Fotomontagen sind anspruchsvoll. Denn anders als Fotografen haben es Monteure nicht nur mit einem einzigen zu optimierenden Foto zu tun, ...

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... sondern sie müssen mehrere, oft aus unterschiedlichen Quellen stammende Fotos optimieren und passend zueinander abstimmen. Wenn wir die Retusche von Bildmakeln einmal außen vor lassen, gibt es sechs Stufen, die Sie bei jeder Fotomontage beachten müssen.

Die sechs Stufen zur gelungenen Fotomontage
Anhand meiner Monkey-Island-Montage zeige ich Ihnen unten die sechs essenziellen Schritte jeder Fotomontage. Das vollständige Tutorial finden Sie übrigens in DOCMA 77 oder kostenlos unter www.docma.info/21814

@@1. Idee entwickeln, Referenzen und Material zusammenstellen


@@2. Rohmontage I: Freistellen


@@3. Rohmontage II: perspektivisches Anordnen der Elemente


@@4. Feinschliff: Kontrast und Farbe


@@5. Feinschliff: Licht und Schatten


@@6. Finish (Look und Effekte)


Die Themen im Überblick

Einzelheiten zu den sechs Schritten und die dafür wichtigen Techniken finden Sie auf diesen Seiten:

18 Idee und Fotos
Tipps zur Ideenfindung sowie Beschaffung geeigneten Ausgangsmaterials.

20 Freistellen
Wie Sie am besten vorgehen, um möglichst wenig Zeit für das Freistellen zu verschwenden.

22 Perspektive-Basics
Die wichtigsten Aspekte korrekter Perspektive finden Sie auf dieser Doppelseite.

24 Kontrast und Farbe
Mit den hier beschriebenen Techniken passen Sie Kontrast und Farbe der montierten Elemente gezielt an - und zwar getrennt voneinander.

26 Licht und Schatten
Wir zeigen Ihnen, wie Sie Schatten hinzufügen und einmontierte Elemente digital nachbeleuchten.

28 Finish
Im letzten Schritt vereinheitlichen und stilisieren Sie die Fotomontage mit Körnung, Texturen und Farblooks - und fügen bei Bedarf visuelle Effekte hinzu.

30 Tipps für das Fotoarchiv
Doc Baumann beschreibt, worauf er achtet, wenn er Bilder für sein Bildarchiv mit Montage-Elementen aufnimmt.

ARBEITSMATERIALIEN FINDEN SIE UNTER www.docma.info/21829

Bildideen entwickeln

Für eine Fotomontage braucht es zunächst einmal eine Idee, falls Sie nicht einfach verschiedene Elemente ohne jede Beziehung zusammenwürfeln wollen. Verlassen Sie sich dabei nicht allein auf Geistesblitze, sondern suchen Sie gezielt nach Inspiration - oft kommt dann eins zum anderen.

Ein herkömmliches Skizzenbuch wie mein hier gezeigtes funktioniert auch ohne Strom, hat aber ein Problem, das jeder von Ihnen kennt: Anders als ein Smartphone habe ich das Buch - inklusive dem nötigen Stift - nicht immer dabei.


01 Spontane Ideen festhalten

Ein Kreativmensch ist (im positiven Sinn) ein „Spinner“ - also jemand, der Spaß daran findet, die gesehenen, gehörten, gefühlten, gelesenen Dinge zu visualisieren, sie zu hinterfragen, sie anders zu sehen, sie zu übersteigern, sie weiterzuentwickeln und neu zu interpretieren. Bewahren Sie sich eine kindliche Mentalität, denn dieses „Kribbeln im Kopf“ führt situationsbedingt häufig zu ganz neuen Bildideen. Das Problem: Spontane Ideen vergisst jeder genauso schnell, wie er sie bekommen hat. Machen Sie es sich also zur Gewohnheit, zumindest die besten Ideen sofort festzuhalten. Ein Skizzenbuch wäre hilfreich, aber viel wahrscheinlicher werden Sie eher immer Ihr Smartphone dabei haben. Nutzen Sie es, um Ihren Geistesblitz festzuhalten! Falls Sie keine Muße haben, Ihre Idee als Skizze zu fixieren, geben Sie zumindest den Grundgedanken und ein paar beschreibende Stichworte als Notiz ein oder nehmen Sie eine Audio-Sprachmemo auf. Falls Sie letztere nicht regelmäßig abhören und umsetzen, sollten Sie lieber auf die Diktierfunktion mit Spracherkennung setzen, die durchsuchbaren Text erzeugt. Denn sonst finden Sie eine Idee nur mit großem Aufwand wieder, da sie alle Aufzeichnungen erneut anhören müssten.

TIPP : Beginnen Sie Textdiktate immer mit dem gleichen Schlagwort (zum Beispiel „Bildidee“ oder „Geistesblitz“), um sie später per Textsuche aufrufen zu können.

Die Bildidee zu meinem makabren Bild „Culpa lata“ entstand, als ich jemanden ungekonnt und leichtfertig mit einer Sense hantieren sah. Daraus erwuchs eine ganze Serie an weiteren Bildideen, für die ich alle nötigen Fotos mit einem guten Freund und einem - natürlich unverletzten - Schaf an einem einzigen Tag aufnahm. Alle Bilder: www.docma.info/21815


02 Inspiration finden und speichern

Sie können Ihrer Kreativität auf die Beine helfen, indem Sie sich inspirieren lassen. Das Kopfkino kann dabei schon beim Durchsehen des eigenen Fotoarchivs starten. Effektiver ist es aber, wenn Sie Bildsammlungen anlegen und durchsehen, in denen Sie Ideen, Kunstwerke und Fotos aus verschiedenen Quellen (zum Beispiel Behance) gesammelt haben, die Sie stilistisch, emotional oder intellektuell berühren und zur spielerischen Nachahmung motivieren. Pinterest etwa wurde für genau dieses Sammeln erfunden. Falls Sie Ihre Entdeckungsreise aber nicht mit anderen teilen wollen, reicht auch das Speichern von Screenshots und Links in Ordnern auf dem Smartphone oder Rechner völlig aus, um interessante Model-Posen, Szenen, Stimmungen („Mood boards“) oder ganze Bildideen als Referenzen abzuspeichern. Dabei geht es nicht darum, diese später einfach zu kopieren, sondern auf ihnen aufbauend etwas Neues und Eigenes zu erschaffen.

03 Brainstorming und die sieben W-Fragen

Beim Entwickeln von Ideen können auch Mindmaps helfen. Beginnen Sie mit einem zentralen Thema/Stichwort und schreiben Sie alle Assoziationen, die Ihnen dazu einfallen, zunächst ohne Wertung auf. Bringen Sie die gefundenen Begriffe erst später in einen sinnvollen Zusammenhang, falls nötig. Mindmapping- Software (meine Empfehlung für Mac-, iPad und iPhone-Anwender: iThoughts) vereinfacht dabei das Sortieren, Gruppieren und Querverweisen, während Sie beim herkömmlichen Mindmapping auf Papier immer wieder vieles neu schreiben müssten. Bei Startschwierigkeiten stellen Sie sich die sieben W-Fragen: Wer soll zu sehen sein? Oder was? Wann (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft)? Wo? Warum (der Hintergrund der gezeigten Story)? Wie soll die Szene aussehen (Stimmung, Licht …)? Wozu (was möchten Sie mit dem Bild bezwecken?)?

Ausgangsmaterial aufnehmen und finden

Steht die Idee, benötigen Sie die passenden Bildmaterialien, um sie umzusetzen. Am flexibelsten, aber auch am aufwendigsten ist es, Ihr Bild oder einzelne Elemente dafür in einer 3D-Software zu erzeugen. Davon abgesehen haben Sie nur zwei weitere Möglichkeiten: Sie fotografieren das Ausgangsmaterial selbst oder Sie besorgen sich passende Stockfotos.

01 Fotos selbst fotografieren

Jede Fotomontage ist ein Kompromiss. Denn wenn es möglich wäre, eine Szene genauso zu fotografieren, wie sie einem vorschwebt, dann würde das wohl jeder bevorzugen. Doch geht das meist aus verschiedenen Gründen nicht. Das Budget könnte nicht ausreichen, um mit dem gewünschten Model an den gewünschten Zielort zu reisen oder mal eben die gewünschte Szene wie die großen Hollywood-Firmen nachzubauen (zum Beispiel die Titanic oder das Innere eines Raumschiffes); die Bildidee könnte zu gefährlich (Model im Wind an einer Klippe) oder unmöglich sein (Aufnahmen im Weltraum). Doch die Fotomontage gestattet es, Einzelteile zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen. Die dafür benötigten Elemente sollten Sie am besten gezielt für ein konkretes Projekt fotografieren, denn so können Sie sicherstellen, dass sie in Perspektive und Beleuchtung perfekt zueinanderpassen - denn diese zwei Aspekte sind nachträglich am schwersten zu korrigieren - wenn überhaupt. Was Sie benötigen (lesen Sie dazu auch Doc Baumanns Ausführungen ab Seite 30):

• Vordergrundelemente (Objekte, wie zum Beispiel ein Auto oder Haushaltsgegenstände, oder Akteure wie etwa Personen oder Tiere)
• Hintergrundelemente (komplette Hintergründe oder Teile davon, wie beispielsweise Böden, Wände, Himmel, Wolken …)

Wenn Sie einzelne benötigte Elemente nicht selbst fotografieren können (zum Beispiel Luftaufnahmen einer Burg oder exotische Landschaften), sollten Sie diese zuerst zum Beispiel bei Stockagenturen suchen (siehe Schritt 2) und dann die übrigen Bildbestandteile passend dazu aufnehmen. Hilfreich zur Planung von Licht und Perspektive ist hier die Software „Set.a.light 3D“ (siehe die DOCMA-Lichtakademie auf www.docma.info/21816).

Die Software Set.a.light 3D ermöglicht es, spielerisch verschiedene Licht-Setups auszuprobieren und zu planen. Selbst komplexe Szenen wie die hier gezeigte sind möglich und helfen, das passende Studiolicht für eine Bildidee zu finden.


02 Stockfotos finden

Heute ist es so einfach und günstig wie nie zuvor, passendes Stockmaterial im Internet zu finden. Dafür sollten Sie nicht einfach googeln und die Bildtreffer für Ihre Montagen benutzen, da Sie so gegen das Urheberrecht verstoßen. Nutzen Sie stattdessen Stockplattformen, bei denen die Bildrechte geklärt sind, wie etwa Adobe Stock, das einen integrierten Workflow mit Photoshop CC ermöglicht, oder kostenlose Anbieter wie zum Beispiel unsplash.com, pixabay.com und pexels.com. Das Problem bei allen Stockfotos ist leider, dass Sie zum einen erst einmal geeignete Fotos im passenden Licht und Blickwinkel finden müssen, und dass die Fotos zum anderen meistens bereits so stark bearbeitet wurden, dass Sie kaum noch für eine Fotomontage einsetzbar sind. Planen Sie für die Suche nach Stockfotos also schon einmal viel Zeit ein.

Rohmontage: Freistellen

Genaues Freistellen kann sehr viel Zeit kosten. Machen Sie es sich daher zur Angewohnheit, nur dort wirklich genau zu maskieren, wo es in der späteren Fotomontage auffallen würde. Wenn Sie jemandem zum Beispiel eine Krone aufs Haupt setzen, verschenken Sie viel Zeit, wenn Sie zuvor alle Haare penibel maskieren. Beim klassischen Freistellen müssen Sie dabei etwas mehr Sorgfalt walten lassen als beim einfachen Ersetzen des grauen Hintergrunds bei einem Studiofoto.

Klassisches Maskieren

01 Auswählen und Maskieren

Beim klassischen Maskieren entfernen Sie den Originalhintergrund komplett. Das ist je nach Kontrastunterschied mehr oder weniger schwierig. Für die Rohmontage, also das Anordnen der einzelnen Elemente, reicht es zunächst, die Objekte nur Quick & Dirty auszuwählen, zum Beispiel mit »Schnellauswahl« (a) oder - wie hier bei dem blauen Hintergrund mit »Auswahl > Farbbereiche«. Noch schneller geht es in Photoshop 2020 mit dem »Objektauswahlwerkzeug« (b). Wenden Sie die Auswahl anschließend als Ebenenmaske an, indem Sie in der Ebenenpalette auf » Ebenenmaske hinzufügen« klicken.

TIPP : In Photoshop 2020 können Sie das Hauptmotiv einer Ebene mit nur einem Klick vollautomatisch freistellen, indem Sie im »Eigenschaften«-Bedienfeld auf »Hintergrund entfernen« klicken (c) - perfekt für die schnelle Rohmontage von sehr vielen Einzelelementen. Die Ebene „Hintergrund“ müssen Sie jedoch zuvor entsperren.

Hier lässt Daenerys Targaryen aus „Game of Thrones“ einen ihrer Baby-Drachen fliegen.


02 Maske verfeinern

Die im ersten Schritt erzeugten Masken sind in den seltensten Fällen perfekt für die finale Montage geeignet. Am besten markieren Sie die so erzeugten Ebenen zunächst mit Rot, um nicht zu vergessen, die Maske später zu optimieren. Wie bereits erwähnt, sollten Sie sich dabei auf die später in der Montage sichtbaren Kanten konzentrieren. Hilfreich bei der Maskenkorrektur ist »Auswahl > Auswählen und Maskieren« in der Ansicht »Überlagerung «, da die rote Farbe Maskenfehler deutlich erkennbar macht.

Grauen Studio-Hintergrund schnell mit Füllmethoden ersetzen

Hintergrundfoto: Henning - Adobe Stock # 335669631

01 Füllmethode anwenden

Dieses Verfahren eignet sich nur für Fotos, die vor einem einheitlichen Studiohintergrund mit passendem Licht aufgenommen wurden. Da der Studiohintergrund nur durch den neuen Hintergrund überlagert wird, bleiben die Schatten (a) erhalten. Außerdem fallen Maskierungsfehler nicht so schnell auf. Anders als beim klassischen Maskieren legen Sie hier den Hintergrund nicht unter, sondern über die Ebene mit dem Model. Probieren Sie verschiedene Füllmethoden aus. In der Regel sind bei einem grauen Studiohintergrund die Modi »Ineinanderkopieren« (b) oder »Hartes Licht« geeignet.

02 Zwei-Ebenen-Lösung

Das Model wird ebenfalls durch den Hintergrund überlagert (a). Im Prinzip bräuchten Sie den Hintergrund nur kräftig weichzuzeichnen und diese Weichzeichnung per Smartfiltermaske auf das Model zu beschränken (erst das Model auswählen, dann den Filter »Gaußscher Weichzeichner « anwenden), um die Details zu entfernen, die Kontraststeigerung und die Durchschnittsfarbe des Hintergrunds aber zu behalten (b). Das funktioniert jedoch nicht bei allen eingefügten Hintergründen so gut wie in diesem Beispiel. In solchen Fällen benötigen Sie eine weitere Ebene.

03 Drei-Ebenen-Lösung

Mehr Kontrolle haben Sie, wenn Sie die Modelebene duplizieren, sie im Ebenenstapel ganz nach oben ziehen und deren Hintergrund entfernen (siehe Schritt 1 auf der linken Seite, oder indem Sie die Smartfilter-Maske per »Strg/Cmd«-Klick als Auswahl laden und als Maske hinzufügen). Auf diese Weise können Sie Helligkeit, Kontrast und Farbe des Models anpassen, falls die Zwei-Ebenen-Lösung zu keinem brauchbaren Ergebnis geführt haben sollte. Indem Sie den Smartfilter aus Schritt 2 behalten, können Sie die Deckkraft der oberen Ebene nutzen, um Original und überlagerte Version zu mischen (a) oder mit Einstellungsebenen (b) Anpassungen vorzunehmen.

Rohmontage: Basiswissen Perspektive

Elemente perspektivisch passend zueinander anzuordnen, ist ein komplexes und nicht ganz einfaches Thema. Kein Wunder, dass selbst Profis aus der Werbung Perspektive-Fehler unterlaufen. An dieser Stelle möchten wir Ihnen nur die wichtigsten Prinzipien zeigen und Tipps zur Überprüfung der Perspektive geben. Mehr erfahren Sie im E-Paper „Photoshop-Enzyklopädie: Perspektive“, das im DOCMA-Shop unter www.docma.info/21817 erhältlich ist.

01 Perspektive und Brennweite

a


b


c


Die Perspektive hängt nicht von der Brennweite ab, sondern ausschließlich von der Entfernung und relativen Position der Kamera zum Motiv. Bei gleichem Abstand zum Motiv und identischer Aufnahmehöhe produziert ein 24-mm-Objektiv (a) verglichen mit einem 70-mm-Objektiv (b) in Bezug auf die Perspektive exakt dasselbe Ergebnis (c). Deshalb müssen in einer Fotomontage zueinander passende Fotos auch nicht mit demselben Objektiv bei derselben Brennweite aufgenommen werden. Aber Achtung: Das Weitwinkel-Objektiv bildet die Büste natürlich viel kleiner ab als das Tele. Elemente für Fotomontagen sollten Sie deshalb für die beste Qualität möglichst formatfüllend fotografieren.

02 Fluchtlinien und Horizont

In der Realität zueinander parallele, horizontale Linien (a), hier cyan dargestellt, laufen im einfachsten Fall (Ein- Punkt-Perspektive) in der Tiefe des Bildes auf einen gemeinsamen Fluchtpunkt zu (b). Ziehen Sie durch diesen Punkt eine waagerechte Linie (c), ist das der Horizont des Bildes (hier: rot). Selbst die Fluchtlinien (hier: orange) abweichend angeordneter Gebäude schneiden sich in einem Fluchtpunkt auf diesem Horizont (d). Der Horizont liegt dabei immer in Höhe der Kameraposition in waagerechter Richtung.

DIE BEDEUTUNG DER HORIZONTLINIE : Wichtig ist die Horizontlinie bei Fotomontagen neben der Kontrolle der Fluchtlinien vor allem auch für die glaubhafte perspektivische Kombination zweier Elemente; denn deren Horizont muss auf derselben Höhe liegen. Ist das gegeben, wirkt die Montage formal richtig, auch wenn ein Element dadurch je nach Position größer oder kleiner als in der Realität wirken kann.

03 Horizont-Beispiel

Zwergenstockfoto: storm - Adobe Stock #268911033

Das Hintergrund-Foto nahm ich ungefähr aus Hüfthöhe auf. Die Aufnahmehöhe des 3D-Modells eines Zwerges liegt ungefähr auf dessen Bauchhöhe. In der korrekten Ausrichtung beider Bilder wäre der Zwerg ein Riese (a). Man könnte ihn zwar verkleinern (b), aber dabei träten einige Unstimmigkeiten zutage: Man kann unter Kinn und Achsel sehen, obwohl man nach unten blickt, und die Hacken scheinen im Boden zu versinken; die Figur scheint nach hinten zu kippen. Damit der Zwerg stimmig klein wirkt, müsste man ihn entweder von oben herab betrachtet „fotografieren“ oder aber das Hintergrundfoto von einem tieferen Standpunkt aus aufnehmen - so dass der Horizont auch hier auf Bauchhöhe des Zwerges zu liegen käme.

04 Perspektive-Hilfen

Sie können sich bei einem Shooting notieren, auf welcher Höhe Sie das Model fotografiert haben, um später den Horizont direkt einzeichnen zu können. Sicherheitshalber legen Sie ein Blatt Papier waagerecht (!) auf den Boden und fotografieren es mit, um mit seiner Hilfe die Fluchtlinien zu ermitteln, falls die Umgebung (Studio, Strand, Wiese) keine klare Perspektivlinien aufweisen (a). Mit dem »Linienzeichnerwerkzeug« oder mit geeigneten Perspektivstern-Pinselspitzen (b) zeichnen Sie dann Fluchtlinien und Horizont ein. Alternativ können Sie auch den Filter »Fluchtpunkt« nutzen, um perspektivische Gitter als Hilfslinien zu erzeugen und auf einer Ebene auszugeben (c). Selbst komplexe Perspektivgitter erzeugen Sie schnell und mit wenigen Klicks mit der empfehlenswerten Photoshop-Erweiterung „Perspective Tools“ (d). Mehr Infos unter www.docma.info/21819

05 Luftperspektive

Foto: Sergey Nivens - Adobe Stock #165798125

Staub und Dunst in der Atmosphäre sorgen mit zunehmender Entfernung zu einer Minderung von Kontrast und Sättigung. Das können Sie sich zunutze machen, um Personen oder Objekte riesig erscheinen zu lassen. Erzeugen Sie dazu eine Einstellungsebene vom Typ »Farbton/Sättigung «, heben Sie die »Helligkeit« an und reduzieren Sie die »Sättigung«. Mit einem linearen Verlauf beschränken Sie den Effekt auf die oberen Bereiche des zuvor freigestellten „Riesen“.

Feinschliff: Kontrast und Farbe

Damit sich die Elemente einer Fotomontage stimmig zusammenfügen, müssen Sie Kontrast und Farbe abstimmen. Das machen Sie am besten in getrennten Schritten auf eigenen Ebenen.

Kontrast angleichen

01 Farben ausblenden

Damit Sie sich ganz auf das Optimieren der Tonwerte konzentrieren können, sollten Sie die Farben ausblenden. Um korrekte Luminanzwerte zu erhalten, nutzen Sie nicht die Einstellungsebene »Schwarzweiß «, sondern erzeugen Sie über »Ebene > Neue Füllebene« eine »Farbfläche« (a), in der Sie als Farbe Schwarz, Grau oder Weiß wählen. Ändern Sie den Modus der Ebene auf »Farbe« (b).

02 Tonwerte anpassen

Legen Sie eine Einstellungsebene vom Typ »Gradationskurve« an, deren Wirkung Sie per Schnittmaske auf die Ebene mit dem freigestellten Motiv beschränken. Ändern Sie zunächst Schwarzund Weißpunkt, so dass die dunkelsten und hellsten Stellen des Motivs in der Helligkeit denen des neuen Hintergrunds entsprechen. Passen Sie dann mit einem weiteren Punkt die Helligkeit der Mitteltöne an. Die Hilfsebene »Farbfläche« können Sie nun ausblenden oder löschen.

03 Luftperspektive?

In Schritt 2 orientieren Sie sich an den kontrastreichen Stellen des Hintergrunds. Möchten Sie später Dunst hinzufügen, ihr Model in den Hintergrund verschieben oder zu einem Riesen vergrößern, sollten Sie, statt die angleichende Kurve aus Schritt 2 dafür zu benutzen, die Luftperspektive auf einer extra Ebene einfügen - entweder wiederum mit einer Einstellungsebene vom Typ »Gradationskurve« oder mit »Farbton/Sättigung« wie auf Seite 23 unten beschrieben.

Farben anpassen

01 Basics

Haben Sie alle Fotos selbst fotografiert, sollten Sonnenstand und Beleuchtung zueinander passen - Sie müssten nur noch den passenden Weißabgleich einstellen. Farbabweichungen können Sie bis zu einem gewissen Grad auch schnell und unkompliziert mit »Bild > Korrekturen > Gleiche Farbe« angleichen (siehe ausführlicher im Artikel von Doc Baumann ab Seite 96). Der große Nachteil an »Gleiche Farbe« ist, dass Sie Smartobjekte für dessen Anwendung sowohl als Ziel- als auch als Quellbild rastern müssen.

02 Überlagerungstricks

Zur Farbanpassung können Sie geeignete Farben einmalen, indem Sie mit der Pipette und einem großen Aufnahmebereich (a) passende Farben aus dem Hintergrund aufnehmen und diese Farbe auf einer leeren Ebene (als Schnittmaske über der Model-Ebene) einmalen. Probieren Sie dann verschiedene Ebenenmodi und Deckkrafteinstellungen aus. »Farbe« überschreibt alle Farben, ist bei geringer »Deckkraft« aber mitunter nützlich, »Weiches Licht« (b) mischt die Durchschnittsfarbe mit den Originalfarben des Models. »Sättigung« und »Farbton« vereinheitlichen den jeweiligen Parameter, was sich auch als nützlich erweisen kann.

03 Manuelles Angleichen

Unter Sichtkontrolle nutzen Sie am besten zwei Einstellungsebenen: Passen Sie zunächst mit »Farbton/Sättigung« die Sättigung des einmontierten Elements an den Hintergrund an. Einzelne Farbbereiche können Sie damit auch leicht im »Farbton« ändern. Getrennte Farbkorrekturen für die Schatten, Mitteltöne und Lichter führen Sie am einfachsten mit der »Farbbalance« durch. Beginnen Sie dabei mit den Mitteltönen.

TIPP : Die dunkelsten Bildbereiche sollten in der Regel neutral bleiben. Nutzen Sie also die »Farbbalance«, um diesen Tonwertbereich farblich zu neutralisieren.

Feinschliff: Licht, Schatten und Spiegelungen

Selbst wenn die Ausgangsfotos von der Hauptlichtrichtung her perfekt zusammenpassen, prüfen Sie, ob der neue Hintergrund nicht zu einer abweichenden Beleuchtung des Objekts führen würde. Natürlich dürfen auch die Schatten nicht fehlen. Hier sehen Sie die Anpassung an das Aufmachermotiv. Kontrast und Farbe gleichen Sie dabei genauso wie auf Seite 24 und 25 beschrieben an.

Schatten erzeugen

01 Schlagschatten

a


b


c


d


Bei einer Studiomontage per Füllmethode müssen Sie sich um die Schatten nicht mehr kümmern, da diese erhalten bleiben. Haben Sie klassisch maskiert, müssen Sie einen Schatten hinzufügen: Erzeugen Sie eine neue leere Ebene unterhalb des Models, wählen Sie den Schattenverlauf mit dem Lasso aus (a) und füllen Sie den Bereich mit Grau (b). Die Auswahl heben Sie auf. Ändern Sie den Modus der Ebene in »Multiplizieren« (c) und nutzen Sie einen Weichzeichner, um die harten Kanten zu soften. Soll die Kante entlang des Schattenverlaufs unterschiedlich stark weichgezeichnet sein, benutzen Sie den Filter »Tilt-Shift« (d). Zu starke Schatten mildern Sie durch Verringern der Ebenen- Deckkraft ab oder selektiv durch Radieren/ Maskieren mit einer geringen Werkzeug- Deckkraft.

02 Kontaktschatten

Dort wo zum Beispiel der Fuß eines Models oder der Reifen eines Autos den Boden berührt, ist in einem sehr schmalen Bereich die Menge des einfallenden Lichts reduziert - das ist meist eine der dunkelsten Stellen im Bild. Sollten Sie vergessen, diesen „Kontaktschatten“ hinzuzufügen, wirkt es, als würde die einmontierte Person oder das Objekt schweben. Malen Sie auf einer Ebene unter dem Motiv am einfachsten mit einer kleinen Pinselspitze und schwarzer Farbe eng entlang der Kontaktstelle - und zwar so, dass Sie nur einen winzigen Teil des Striches sehen können. Nutzen Sie dann den »Gaußschen Weichzeichner«, um diesen Strich zu soften und den Kontaktschatten anzupassen.

Licht und Schatten auf dem Model/Objekt anpassen

01 Körperschatten/-licht

Da Härte und Richtung des Lichts von Motiv und Hintergrund zusammenpassen sollten, müssen Sie hier nur noch lokale Anpassungen vornehmen. Mit Dodge & Burn (per neutralgrauer Ebene oder mittels »Gradationskurven«) hellen Sie selektiv Bildstellen auf und dunkeln andere ab, so dass sich das Motiv besser einfügt. So müssen Sie beispielsweise mitunter die Kanten nahe des Kontaktschattens abdunkeln, falls das Model oder das Objekt nicht auf einem hellen Untergrund steht, oder umgekehrt aufhellen falls doch. Fehlende Streiflichter ergänzen Sie auf die gleiche Weise oder fügen sie per Ebenenstil »Schein nach innen« hinzu. Als Modus empfiehlt sich hier »Farbig abwedeln «.

02 Überstrahlungen

Dieser auch als Blooming benannte Effekt tritt an Objektkanten vor einer hellen Lichtquelle auf. Sie erzeugen ihn, indem Sie die Farbe der Lichtquelle aufnehmen und mit einem weichen Pinsel und geringer Deckkraft auf einer neuen Ebene über die Kanten malen. Was in der Fotografie als Bildfehler gilt, lässt Objekt und Hintergrund glaubhafter verschmelzen - zumal Sie „Überstrahlungen“ auch abdunkelnd einmalen können. Denn (Achtung!): Nichts in einem Bild darf heller sein als die Hauptlichtquelle. Nutzen Sie also kein reines Weiß für das Blooming, wenn der Hintergrund entlang der Kante dunkler ist.

03 Reflexionen

Ein Objekt bewirkt auf den meisten Oberflächen auch eine gewisse Spiegelung, deren Stärke sowohl von der Beschaffenheit der Oberfläche als auch von deren Betrachtungswinkel abhängt. So zeigen selbst wenig reflektive Oberflächen Spiegelungen, wenn man in einem flachen Winkel auf sie blickt (Fresnel-Effekt). Einen solchen Effekt erzeugen Sie, indem Sie das Model/Objekt duplizieren, spiegeln (Mitte) und per Deckkraft an die jeweilige Oberfläche anpassen (rechts).

Finish: Effekte und Looks

Die hier beschriebenen letzten Schritte für eine Fotomontage sind motivabhängig und optional. Falls Sie eine Science-Fiction-Szene gebastelt haben, möchten Sie vielleicht futuristische Lichteffekte und Lensflares hinzufügen. Oder Sie möchten die Montage mit Ihrer eigenen Handschrift versehen, indem Sie ihr einen speziellen Farblook verleihen oder das Bild durch Überlagern mit Texturen stilisieren.

Lichteffekte und Texturen

01 Licht- und Feuer

Fotos von Blendenflecken (Lensflares) und Lichtlecks (Lightleaks), Blitzen, Feuer und Funken haben eines gemeinsam: Die Strukturen liegen auf einem schwarzen Hintergrund vor. Das macht den Einsatz solcher Effekte einfach: Platzieren Sie die Bilder in der Fotomontage und ändern Sie den Ebenenmodus auf »Negativ multiplizieren «. Skalieren Sie die Ebenen auf die Zielgröße und bringen Sie sie in Position (a). Radieren oder maskieren Sie anschließend die Texturebene an den Stellen, wo der eingefügte Effekt stört.

TIPP : Das AI-Visualizer Panel (b) für Photoshop (www.docma.info/21820) ist ziemlich teuer, vereinfacht aber das Finden passender Texturen ungemein - und für die Einmalzahlung von circa 200 $ erhält man Zugriff auf tausende frei verwendbarer Vorgaben. Voraussetzung ist jedoch eine (schnelle) Online-Verbindung.

02 Regen- und Rauch

a


b


c


Regentexturen erhalten Sie beispielsweise, indem Sie mit der Kamera und einem Blitz in den nächtlichen Regen hineinfotografieren (a). Eine solche Textur lässt sich wie in Schritt 1 beschrieben anwenden (b). Sie können sie aber auch umkehren (»Strg/Cmd-I«) und dann mit der Füllmethode »Multiplizieren« verwenden, um dunkle Partikel (zum Beispiel Ascheteilchen) zu erzeugen (c). Auf ähnliche Weise nutzen Sie auch Wolkenformationen invertiert, um beispielsweise Qualm- und Raucheffekte zu erhalten.

TIPP : Aus Texturen können Sie auch eigene Pinselspitzen generieren. Kontrollieren Sie dabei, ob sich nicht auch die invertierte Version einer Textur für interessante Pinselspitzen und damit Effekte nutzen lässt.

03 Strukturen überlagern

a


b


c


Fotos von Oberflächen (a) können Sie einsetzen, um ein Bild zu stilisieren, virtuell altern zu lassen oder Rahmeneffekte zu erzeugen. Geeignete Modi sind hier vor allem »Weiches Licht«, »Ineinanderkopieren « (b), »Multiplizieren« und mitunter auch »Strahlendes Licht« (c). Nutzen Sie Ebenenmasken, um festzulegen, was von welcher Ebene an welcher Stelle zu sehen sein soll und was nicht.

Looks finden und anwenden

01 Herkömmlicher Weg

In Photoshop und Affinity Photo können Sie den Look des Bildes mit den vorhandenen Einstellungs- beziehungsweise Anpassungsebenen abstimmen. Hervorzuheben sind hier LUT-Vorgaben, von denen eine Vielzahl kostenlos im Netz zu finden sind. Zur individuellen Feinabstimmung bietet sich dagegen der Dialog »Gradationskurve« an. Zusammen mit Masken und Misch-Optionen bleiben im Grunde keine Wünsche offen. Doch das Übertragen aller getroffenen Einstellungen auf ein weiteres Bild gestaltet sich mitunter schwierig. Einfacher ist die Endabstimmung einer Fotomontage in Photoshop deshalb mit Hilfe des Camera Raw-Filters.

02 Camera Raw-Filter als letzter Schritt

Der »Camera Raw-Filter« vereinigt viele praktische Werkzeuge unter einem Dach, wodurch er sich perfekt zur finalen Abstimmung der Fotomontage eignet. Fassen Sie alle bisherigen Ebenen mit »Strg/Cmd-Alt- Shift-E« zu einer neuen Ebene zusammen, konvertieren Sie die Ebene in ein Smartobjekt und wenden Sie den Filter an. Nutzen Sie das »Effekte«-Panel, um eine Körnung hinzuzufügen, die dafür sorgt, dass die Elemente der Montage einheitlicher wirken. Über Profile und Vorgaben können Sie auf die Schnelle vorgefertigte Bildlooks zuweisen, die auf anderem Wege in Photoshop deutlich mehr Zeit benötigen würden. Mehr über die Möglichkeiten des Camera Raw- Filters und warum Sie in Affinity Photo die ähnliche Develop-Persona meiden sollten, erfahren Sie in der DOCMA-Akademie ab Seite 76.

Aus der Praxis: Montagematerial in Doc Baumanns Foto-Archiv

Ein erheblicher Teil des Foto-Archivs von Doc Baumann besteht aus Bildern, die er aufgenommen hat, um sie später einmal in einer Montage verwenden zu können. Hier beschreibt er, worauf er besonders achtet, wenn er solche Aufnahmen macht.

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Alle Fotos: Doc Baumann

Mit dem Sammeln von Bildvorlagen habe ich in den Siebzigerjahren begonnen. Nicht für Montagen, sondern für Zeichnungen und Gemälde. Damals schnitt ich aus Illustrierten Landschaften, Strukturen, Menschen, Wolken, Wasseroberflächen, Bäume und vieles andere aus und steckte die Drucke in thematisch geordnete Hängeregistertaschen.

Später setzte ich das mit ordentlich verschlagworteten Dias fort, und ab Ende der Neunzigerjahre kam schließlich das digitale Foto-Archiv hinzu.

Da man nie weiß, welches Material man später einmal für eine Montage benötigen wird, sollte man alles aufnehmen, was einem vor die Linse kommt. Denn eines weiß ich aus langer Erfahrung: Die allermeisten Fotos aus Bilddatenbanken sind für solche Zwecke ungeeignet, weil sie mit dem Anspruch fotografiert werden, als eigenständiges Bild zu wirken. Gerade darum aber geht es hier nicht - im Gegenteil!

Ich erinnere mich an viele Situationen, in denen ich ein paar Aufnahmen einer verputzten Wand, eines Stücks Boden oder einer Baumrinde fotografiert habe. Menschen gingen mit verwundertem Blick vorbei, und wenn ich mich irgendwann umdrehte, waren sie oft zu der Stelle zurückgekehrt und schauten neugierig nach, was es denn da zu sehen gäbe. Nichts Besonderes!

Einiges von dem, was ich in den Jahren meines Fotografierens und Sammelns gelernt habe, möchte ich hier kurz vorstellen. Ganz wichtig: Das beste Archiv ist praktisch nutzlos, wenn Sie es nicht gut verschlagwortet haben.

01 Hintergründe

Benötigen Sie für eine Montage einen Hintergrund, vor dem Sie später etwa ein Model platzieren wollen, reicht nicht nur eine Wand - Sie brauchen auch einen Boden, auf dem es steht. Szenen ohne harte Beleuchtung und entsprechende Schatten sind am besten geeignet. Nehmen Sie mehrere Fotos aus unterschiedlicher Höhe auf.

02 Bodenstrukturen

Die Berücksichtigung der Höhe gilt auch hier. Fotografieren Sie möglichst ausgedehnte Flächen (a); kleinere Ausschnitte (b) sind selten brauchbar. Senkrecht Aufgenommenes lässt sich oft als Basis einer Musterfüllung nutzen; mit einer solchen Beleuchtung wäre das aber sehr aufwendig (c). Musterfüllungen helfen, wenn nichts anderes verfügbar ist. Hier habe ich aus dem unteren Teil des Fotos (d) ein repetitives Muster gemacht (e), damit eine Fläche gefüllt und die Struktur perspektivisch verzerrt (f); der künstliche Lichtreflex (g) macht die Wiederholung fast unsichtbar.

03 Wolken

Nur in wenigen Fällen können Sie in Montagen etwas mit Wolkenfotos anfangen, bei denen die Kamera schräg nach oben gerichtet wurde (und die man oft in Bilddatenbanken findet). Für eine übliche Montage brauchen Sie den Himmel vom Horizont an aufwärts (a). Dabei sollte die Horizontlinie möglichst wenig durch aufragende Objekte gestört sein (es sei denn, in der Montage würden die durch Vordergrundobjekte ohnehin überlagert). Das schließt nicht aus, einzelne Wolken fürs Archiv zu fotografieren (b); auch sie lassen sich später vielleicht einmal in einem neuen Zusammenhang verwenden.

04 Strukturen I

Eine Struktur muss nicht immer eine Oberflächeneigenschaft eines Gegenstands sein. Als Strukturen lassen sich in unserem Zusammenhang auch Bilder definieren, die einem anderen Foto überlagert werden können - sei es wie hier als realistische Ergänzung von Objekten, sei es zur Strukturierung von Tonwerten oder Farben, etwa zur künstlichen Alterung. Der Ausgangsszene (a) habe ich hier das Bild eines Vogelschwarms, das noch aus Dia-Zeiten stammt (b), multiplizierend überlagert (c); weil sich dabei auch einige Bereiche des Himmels hinter den Vögeln abdunkelnd bemerkbar machten, setzte ich ergänzend eine Ebenenmaske und »Mischen, wenn« (»Ausblenden«) ein.

05 Strukturen II

Die Frage, ob man Strukturen frontal oder perspektivisch fotografieren sollte, stellt sich eigentlich nicht - wenn Sie die Möglichkeit haben, tun Sie das eine (a) wie das andere (b). Sie wissen ja vorher nie, wie die Montage aussehen wird, in die Sie dieses Element einbauen werden. Nur zweidimensionale Strukturen wie c und d lassen sich nachträglich in Photoshop per- spektivisch glaubwürdig verzerren und einer Szene anpassen; sie braucht man also immer nur frontal aufzunehmen. Bei Beispiel a würde das nicht funktionieren - das würde perspektivisch verzerrt aussehen wie eine Plakatwand. Wie bei den Bodenstrukturen gilt auch hier: Nehmen Sie Bereiche immer so ausgedehnt wie möglich auf; natürlich sollte auch die Auflösung hoch sein. Personen oder Objekte fotografieren Sie einfach bildfüllend.

DIE VIER KATEGORIEN VON FOTOS

Anders als viele Fotografen denken, gibt es nicht nur eine Zielstellung beim Einsatz des Fotoapparats. Ich teile Fotos für meine Anwendungszwecke in vier Kategorien ein:

I. Das Foto an sich

Hierzu zählen sämtliche Katalog-, Urlaubs- und Reportagefotos, aber auch künstlerisch anspruchsvolle Fotografien. Das Foto oder eine Fotoserie steht für sich und braucht gegebenenfalls nur Farbkorrektur und Retusche. Im Prinzip sind dies Fotos, die Sie sich direkt an die Wand hängen könnten.

II. Fotos für Montagen

Diese Art von Fotos sollen nur den Zweck erfüllen, möglichst gut für eine Fotomontage geeignet zu sein. Dazu muss das Foto nicht notwendigerweise für sich allein funktionieren, also etwa hübsch oder schön arrangiert sein, jedoch das nötige Element gut abbilden. Hierzu zählen nicht nur extra arrangierte Studiofotos, sondern auch Fotos von Hintergründen aller Art, Himmeln, Böden, einzelnen Elementen und dergleichen. Im weitesten Sinn zählen auch die Einzelaufnahmen einer Serie für Panorama- oder HDR-Fotos zu dieser Kategorie.

III. Fotos für Texturen

Fotos von Oberflächen oder Lichteffekten, die einem Bild (oder einem 3D-Objekt) überlagert werden können - möglichst scharf und ohne Verzerrungen.

IV. Referenzfotos

Diese Bilder dienen im Grunde nur als Gedächtnisstütze und spätere Beurteilungshilfe. Sie sind vor allem für Zeichner, Maler und 3D-Künstler relevant, die zum Beispiel ein Detail einer Ritterrüstung zur Inspiration festhalten.