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DAS SERIEN FINALE GOMORRHA STAFFEL 5


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Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 08.04.2022

Serie

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Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 2/2022

Die 2006 erschienene Romanvorlage „Gomorrha“ wurde vom 1979 in Neapel geborenen Autor Roberto Saviano verfasst, der als investigativer Journalist über die wirtschaftlich kriminellen Machenschaften der Camorra in Neapel berichtete. Das Buch ist halb fiktional, halb dokumentarisch gehalten und der Titel soll ein Wortspiel darstellen, um aus dem von der Camorra beherrschten Neapel einen biblischen Sündenpfuhl zu machen. Seit dem Erscheinen seines Romans lebt Saviano unter ständigem Polizeischutz. „Dieses Buch hat mein Leben zerstört.“, berichtete der Autor im Mai 2013 der „Welt am Sonntag“.

In den folgenden Jahren erschienen ein Theaterstück sowie ein Film unter der Regie von Matteo Garrone. Die Kinoverfilmung „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“ (2008) erhielt eine Nominierung für den besten ausländischen Film bei den Golden Globes. Neben der Mafia, der Cosa Nostra und der ’Ndrangheta ist ...

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... die Camorra eine der ältesten „Familienclans“ in Italien. Dieser besteht seit dem 16. Jahrhundert und hat seinen Sitz in Neapel. Ihr Geld verdient die kriminelle Vereinigung mit Machenschaften wie Drogen, Waffenhandel, Schattenproduktion, Produktpiraterie und natürlich Schutzgelderpressung. Viele Einzelhändler müssen etwa 20 bis 30 Prozent ihres Gewinns, den sogenannten Pizzo, an den Clan abgeben. Wer nicht zahlt, bekommt nicht gesetzesmäßige Repressalien zu spüren. Die Camorra agiert auch heute noch europaweit.

Die Serie: Was bisher geschah (SPOILER!)

In der ersten Staffel der seit 2014 bestehenden italienischen Serie „Gomorrha“ kommt Pietro (Fortunato Cerlino), der Patriarch der Familie Savastano, im Zuge einer simplen Fahrzeugkontrolle hinter Gitter. Daraufhin kämpfen seine Frau Immacolata (Maria Pia Calzone), sein Sohn Gennaro (Salvatore Esposito) und seine rechte Hand, der Soldat Ciro Di Marzio (Marco D’Amore) – auch genannt „Der Unsterbliche“ – um die Machtverhältnisse innerhalb der Familie. Sie alle zusammen liegen ebenfalls im Clinch mit dem in Spanien agierenden Salvatore Conte (Marco Palvetti). Im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Parteien wird Gennaro von Ciro niedergeschossen, was dieser jedoch überlebt. Am Ende der Staffel wird Pietro aus der Gefangenschaft befreit.

Zu Beginn der zweiten „Gomorrha“-Staffel kristallisieren sich neue Fronten aus den nun verschobenen Machtverhältnissen. Pietro Savastano steht mit Gennaro auf der einen und Ciro Di Marzio mit Conte auf der anderen Seite. Nach dem Loslösen von seinem Vater wechselt Gennaro zeitweise die Seiten. Dennoch folgt der Jungkriminelle immer noch seinen ganz eigenen Herrschaftsplänen. Diese Staffel beschäftigt sich zudem mehr mit dem Familienleben der handelnden Akteure. Gennaro bekommt mit Azzura (Ivana Lotito) eine Partnerin zur Seite gestellt, die mit ihm eine Familie samt Kind aufbaut. Sein Vater Pietro versteckt sich in dieser Zeit vor der Welt. Ihm zur Seite steht seine ihm persönlich zugestellte Sekretärin Patrizia (Cristana Dell’Anna), in die er sich alsbald verliebt. Derweil wird die Familie Ciros nacheinander zerstört, wofür sich der Unsterbliche letztendlich rächt.

In Staffel Drei stellt sich heraus, dass es tatsächlich Gennaro war, der eine Zusammenarbeit mit Ciro eingegangen ist. Die Machtverhältnisse haben sich erneut verschoben. Und nun versuchen verschiedene, vor allem junge Kräfte die Kontrolle über Neapel zu ergreifen. Pietros Sekretärin Patrizia schließt sich Donna Annalisa „Scianel“ Magliocca (Christina Donadio) an, die gleichfalls mit Azzuras Vater, den Capaccio-Brüdern und dem Levante-Clan ein Bündnis schließt, um Gennaro und Ciro aufzuhalten und um ein profitorientiertes Wirtschaftsnetz aufbauen zu können, das sich auf die Drogengeschäfte konzentriert anstatt auf Machtstreitigkeiten bzw. Bandenkriege. Als dritte Partei etablieren sich Enzo Sangue Blu, der Hochwohlgeborene (Arturo Muselli) und seine Leute, mit denen sich Ciro und Gennaro letztendlich zusammentun. Nach viel hin und her wird das Bündnis zerschlagen. Gennaro muss Ciro erschießen, weil dieser Enzos Schwester ermordet hat.

Eine Waffenruhe zwischen den sich bekriegenden Clans wird zu Beginn der vierten Staffel ausgerufen. Gennaro möchte sich mit Azzura ins Familienleben zurückziehen. Er überlässt Patrizia die Leitung der Geschäfte, wodurch sie sich als geborene Anführerin und Geschäftsfrau beweisen kann. Diese verbündet sich erneut mit dem Levante-Clan. Doch im Verlauf der Staffel versuchen immer wieder die alten Kräfte in Form der Capaccio-Brüder und Enzos die Herrschaft an sich zu reißen. Gennaros (vermeintliche) Pläne, seine kriminelle Karriere hinter sich zu lassen, scheitern zusammen mit seinem angestrebten Flugplatz. Am Ende bricht er alle Brücken zur Vergangenheit ab und begibt sich auf unbestimmte Zeit in einen winzigen Geheim-Bunker, einem selbstgewählten Gefängnis, das ihn vor den Augen der Staatsgewalt verbergen soll.

Mit Authentizität zum Erfolg

Was „Gomorrha – Die Serie“ so besonders macht, ist ihr Hang zum Authentischen. So wurde beispielsweise an den Originalschauplätzen der Verbrechenswellen gedreht. Die Vele (Segel) di Scampia, ein riesiges Stadtviertel im nördlichen Teil Neapels, ist eine Brutstätte der Kriminalität und auch der Armut. Die Camorra kommt hier leicht an Nachwuchs, träumen die Jugendlichen und Kinder doch von einem besseren Leben, was ihnen anscheinend eher die Mafia als der Staat geben kann. Auch ist dieser Ort eine Hochburg für kleinkriminelle Drogenhändler.

Die Dreharbeiten litten aus diesen Gründen zu Beginn zeitweise unter Spannungen zwischen den Anwohnern und dem Drehteam. In der Serie wird die Vele di Scampia mit einem vergilbten Sepia-Filter in Szene gesetzt, um eine verfallene Stimmung zu erzeugen. Im Laufe der Zeit kehrt „Gomorrha“ immer wieder an diesen Ort zurück, da hier die Wurzel allen Übels begraben liegt, die Armut. Wie bei der amerikanischen Kultserie „The Wire“ werden hier wirtschaftliche Zusammenhänge erklärt, die ein ganzes Netz spinnen und auch eng mit der legalen Wirtschaft verwoben sind. Aber auch für den Aufbau intriganter Strategien und sehr persönlicher Momente wird sich viel Zeit gelassen. In der Serie wird im Original Italienisch mit neapolitanischem Akzent gesprochen.

Die Inszenierung ist einer bodenständigen Natürlichkeit untergeordnet. Die Bilder sind von der Stimmung her kühl gehalten. Der Schnitt ist zumeist unaufgeregt, außer natürlich bei den vereinzelten, keineswegs zu unterschätzenden Action-Sequenzen. All dies soll den Stil einer dokumentarischen Erzählung verdeutlichen. Es wird nicht versucht, die Figuren sympathisch darzustellen. Es sind allesamt unethisch handelnde Charaktere, die teils ohne Skrupel töten. Die Gewalt kommt wie aus dem Nichts. So plötzlich wie sie auftaucht und das Geschehen auf dem Bildschirm dominiert, so schnell verschwindet sie wieder. Außerhalb dieser erbarmungslosen Sekunden wird das normale, ruhige Leben und Wirken Neapels gezeigt. Die Brutalität bricht stets in die Stille des Alltags ein und macht sie deshalb unerwartet, unästhetisch und schockierend. Sie wird somit für die Zuschauer spürbar realistisch. Auch ist keine Figur sicher. Selbst Hauptakteure können schnell das Zeitliche segnen. Die Serie ist vor allem in Italien ein großer Erfolg. Viele Szenen von „Gomorrha“ werden in Comedy-Formaten persifliert.

1. – 4. Staffel auf Blu ray

Alle bisherigen vier Gomorrha-Staffeln sind über den Vertrieb von Polyband auf Blu-ray erhältlich. Wobei die ersten 3 Staffeln aktuell 11–13 Euro kosten, verlangt Staffel 4 um die 24 Euro

Der Unsterbliche (SPOILER)

Mit dem Spielfilm „The Immortal“ feiert die Serie „Gomorrha“ die Rückkehr eines ihrer wichtigsten narrativen Zugpferde. Namentlich die von Marco D’Amore verkörperte Figur des Ciro Di Marzio. Der von seinem Partner-in-Crime Gennaro Savastano in der dritten Staffel unfreiwillig beseitigte Anti-Held macht in diesem Spielfilm seinem Namen „Der Unsterbliche“ wieder einmal alle Ehre und überlebt den ihm zugefügten Bauchschuss.

In den Sekunden vor dem nahen Tod ziehen nochmal Erinnerungen an seine frühe Kindheit an ihm vorbei. Im Detail handelt es sich um das zuvor viel zitierte Erdbeben von 1980, das seine Geburt mit dem tragischen Ableben seiner Mutter verknüpfte. Und, Oh Wunder, der mütterliche Körper schützte Baby-Ciro vor den Trümmern, was ihm den Spitznamen „Der Unsterbliche“ einbrachte. In der Gegenwart wird Ciros Körper von Handlangern des Mafia-Bosses Don Aniello Pastore (Nello Mascia) aus dem Wasser gefischt. Nach seiner Genesung schickt ihn dieser als „Bote“ nach Lettland in die Hauptstadt Riga. Dort soll er mit dem russischen Mafiaboss Yuri Dobeshenko (Aleksey Guskov) als Hauptabnehmer den Drogenhandel für Pastore ankurbeln. Allerdings macht er ebenso die unfreiwillige Bekanntschaft mit einem lettischen Clan, der ihn mit Waffengewalt in einen Drogen-Krieg hineinzieht. Vor Ort steht ihm der Organisator eines Markenkleider-Fälscher-Rings zur Seite, den Ciro als eine frühere Vaterfigur wiedererkennt. Doch seine Beziehung zu seinem alten Mentor Bruno (Salvatore D’Onofrio), welcher Ciro als Waisenkind aufnahm und ihm das kriminelle Handwerk lehrte, ist kompliziert.

Hauptdarsteller Marco D’Amore hat sich eine kleine Auszeit bei seinem seriellen Steckenpferd genommen und diese Zeit genutzt, um sein Handwerk der Schauspielerei mit Regieund Drehbucharbeit zu ergänzen. Schon in der vierten Staffel inszenierte D’Amore bereits zwei Folgen. In der aktuell fünften Staffel kommen sechs weitere Episoden hinzu. Und auch am Drehbuch von „The Immortal“ war der vielseitige Schauspieler beteiligt. Dafür gab es in Italien gleich mehrere Auszeichnungen wie den „David di Donatello“, den „Golden Ciak“ und den „Italian National Syndicate of Film Journalists“-Preis für den besten Newcomer-Regisseur.

Gomorrha in den 80ern

Der Spielfilm ist in zwei Teile gegliedert. Von der Laufzeit her gesehen handelt es sich bei „The Immortal“ um zwei vollwertige „Gomorrha“-Folgen, die aufgrund des 2.39:1-Widescreen-Formats und des sichtbar höheren Kinobudgets stärker in Blockbuster-Nähe rücken. Ein Teil findet zeitlich parallel zu den Ereignissen von Staffel Vier statt, die hier in einigen Dialogen als Gerüchte oder Neuigkeiten angedeutet werden. Am Ende des Films befinden wir uns quasi am Beginn der zweiten Episode von Staffel Fünf. Der andere Teil handelt von den Geschehnissen, die sich in Ciros Kindheit im Neapel der 1980er Jahre abspielten. Diese beiden Handlungsstränge werden miteinander verwoben. Der Film wechselt an wichtigen Stellen den Zeitstrang, um in jeweils beiden Fällen den Spannungsbogen aufzuziehen und Parallelen bzw. elementare Zusammenhänge deutlich zu machen. Regisseur D’Amore orientiert sich vom Stil her an Kriminalgeschichten aus eben jenen 1980er Jahren wie beispielsweise „Miami Vice“, indem er u.a. eine Schnellboot-Verfolgungsjagd einbaut.

Auch musikalisch wird vermehrt auf dieses Jahrzehnt angespielt. So werden die vertrauten Klänge des „Simple Minds“-Songs „Don’t You (Forget About Me)“ aus John Hughes Film „The Breakfast Club“ („Der Frühstücksclub“) in einer düsteren und sinistren Fassung wiedergegeben. Der Song soll wahrscheinlich Ciro immer dazu ermahnen, was er ist und wo er herkommt.

Ansonsten sind die üblichen und auch eindringlichen „Gomorrha“-Klänge zu vernehmen, welche die Grundstimmung der Gangster-Serie ausmachen. Ein langes Ziehen begleitet von Tönen, die wie Störgeräuschen gleich eine unkomfortable auditive Situation schaffen. Die musikalischen Stücke dieses Franchises steigern sich von einem leisen eindringlichen Ton hin zu einem unangenehmen Crescendo der Kakophonie. Die heftigen Gewaltszenen in der Serie werden mittels Percussion, die einem pulsierenden Herzschlag gleicht, intensiviert. Doch einer Sache muss sich der Film am Ende dennoch stellen. Und das ist die immerwährende Frage nach dem Sinn eines Prequels. Begeht man damit nicht eine Entmystifizierung von beliebten wie auch geheimnisvollen Figuren? Mystische Charaktere sind vor allem wegen ihrer unklaren Vergangenheit zur Berühmtheit gelangt. Vor allem, wenn es darum geht, Ciros ambivalentes Wesen sowohl als Anti-Held als auch als Antagonist zu erforschen, bietet der Film noch einmal die Gelegenheit, sich sein bisheriges Handeln ins Gedächtnis zu rufen – quasi als tiefes Luftholen, bevor mit der fünften Staffel zum großen Finale ausgeholt wird.

Gomorrha, die finale Staffel (SPOILER)

Ciro ist wieder auferstanden. Nachdem Gennaro mit dem Überbleibsel der Capaccio-Brüder und deren Onkel fertig geworden ist, holt er seinen alten Freund, seinen geliebten „Bruder“ und Ex-Widersacher zurück ins Spiel. Beide führt der Weg dahin zurück, wo für sie alles angefangen hat: Neapel. Auch in der fünften und finalen Staffel werden wieder Intrigen zwischen mehreren Parteien gesponnen. Der Levante-Clan hat in Secondigliano an Stärke verloren, weshalb die Platzherren von Secondigliano nun in O’Munaciello (Carmine Paternoster) ihren eigenen „Gewerkschaftssprecher“ gefunden haben, der für die kleinen Fische mit den Levantes verhandelt. Derweil versucht Genny das Viertel mit einer Kokain-Ladung für sich zurück zu gewinnen. Doch der zentrale Kern der Handlung spielt sich zwischen den beiden Stars der Serie ab. Werden Ciro und Gennaro gemeinsam Secondigliano zurück erobern und zu neuem Glanz verhelfen können? Oder werden sie doch wieder zu Gegnern, die einander bekämpfen? Oder trennen sich ihre Wege einfach auf Nimmerwiedersehen?

Das Drama der letzten Folgen kann mühelos mit dem Rest der Serie mithalten. Was jedoch eine klare Steigerung darstellt, sind die vortrefflich inszenierten Action-Szenen, die einen Hauch „Heat“ und „The Dark Knight“ mit einfließen lassen. Was sich hier auch nicht missen lässt, sind die überraschenden Handlungswendungen in Form vom spontanen Ableben mehr oder minder wichtiger Personen. Schon in der ersten Staffelhälfte sammelt sich ein nennenswerter Bodycount an. Wer wird am Ende übrig bleiben? Wer wird obsiegen?

Der Tod in Gomorrha

Die Serie bewegt sich auf den Pfaden einer Vision, die Jenseits von romantisierten und

verkitschten Gangster-Klischees liegt. Die handelnden Figuren vollbringen keinerlei Heldentaten, sondern agieren ganz nach ihrem eigenen egozentrischen Weltbild. Andererseits kommt solch ein Drama auch nicht ohne Romantik aus, weshalb beispielsweise Freundschaften mit viel Verve und Emotionen aufgebaut werden, nur um sie zur rechten Zeit in Sekundenschnelle zerstören zu können. Der Tod an sich ist ein ständiger Begleiter in „Gomorrha“. Er befällt wichtige wie auch unwichtige Charaktere und macht selbst vor den Hauptakteuren keinen Rückzieher. Und das hat der Serie wohl einen ähnlich berüchtigten Ruf eingebracht wie einst „Lost“ oder auch „Game Of Thrones“. Die Serie schafft es, den Zuschauern ein Gefühl der Angst und Unberechenbarkeit zu vermitteln. Nie ist wirklich sicher, wie ein Zusammentreffen zweier oder mehrerer verfeindeter Charaktere ausgeht. Manchmal steht auch die Frage im Raum, was wichtiger für den jeweiligen Charakter ist, die zwischenmenschliche Beziehung oder das kalte Business.

Der Tod selbst ist häufig zwar nicht sehr abschreckend inszeniert, aber die Skrupellosigkeit oder manchmal auch Zufälligkeit hat dennoch eine große Schockwirkung. Die Menschen in „Gomorrha“ werden meist schnell und sauber erschossen. Ab und zu sieht man eine klaffende Schusswunde. Die Angeschossenen klappen im Allgemeinen einfach zusammen. Selten wird explizit gelitten. Dieses Schicksal und die damit einhergehende Verzweiflung verweilt bei den Hinterbliebenen, die unglaubliches Leid über sich ergehen lassen müssen und somit ebenfalls Opfer der Mafia sind. Interessant ist, dass Ciro als „Der Unsterbliche“ ein anderes Verhältnis zum Tod hat als die anderen Seriencharaktere. Nach so vielen verstörenden Ereignissen, die insbesondere sein eigenes Privatleben betrafen, steht die Frage im Raum, ob er überhaupt noch Respekt vor dem (eigenen) Tod hat. Sein ehemaliger „Schüler“ Genny steht ihm in Kaltblütigkeit und Kalkül jedoch in nichts nach. „Gomorrha“ verteidigt mit diesem Finale also auf jeden Fall den wohlverdienten Rang als eine der effektivsten, authentischsten, spannendsten und besten Mafia-Serien aller Zeiten.

LARS ZSCHOKE, FALKO THEUNER