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Das sitzt!


Landlust Zuhaus - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 15.01.2020

Schön sind sie alle, aber auf Dauer auch bequem und praktisch? Es braucht Zeit, ein Sofa zu finden, bei dem Form und Innenleben zu den eigenen Bedürfnissen passen.


Artikelbild für den Artikel "Das sitzt!" aus der Ausgabe 1/2020 von Landlust Zuhaus. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust Zuhaus, Ausgabe 1/2020

Die geschwungene Rückenlehne verleiht dem Sofa La Collina von Bretz eine besondere Silhouette.


Britischer Sofa-Klassiker: Das Modell Couch von Ercol, hier mit Eschenholzgestell, wird seit 1956 handwerklich hergestellt.


Mit seinem asymmetrischen Aufbau, dem Spiel aus Farben und Strukturen tanzt Polder von Vitra aus der Reihe.


Rauf aufs Sofa und die Beine hochlegen. Wenn nur nicht diese kleinen Störfaktoren wären. Zum Beispiel mühseliges Aufstehen, ...

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... bedingt durch die niedrige Höhe und zu weiche Sitzpolster mit Federfüllung, die jeden Tag aufgeschüttelt werden müssen. „Die Ausgangssituation im eigenen Zuhause ist immer ein guter Maßstab, um herauszufinden, was einem gefällt und was man bei einem neuen Sofa gern anders haben möchte“, sagt Angelika Géronne-Mundt, Leiterin des Schulungszentrums von Rolf Benz in Nagold. Seit 20 Jahren gibt sie Verkaufspersonal von Möbelhäusern das Rüstzeug mit, um Kunden rund ums Sofa gut zu beraten.

Kombinierbar: Die Serie Bellice von Leolux umfasst 50 Elemente.


Rückenlehne ein- und ausgeklappt: Avalanche von Cor kann beides.


Form und Stil

Heutzutage sind Sofas in allen Stilen und Formen zu haben. „Die Zusammenstellung ist ganz individuell. Standards gibt es nicht mehr. Einen guten Berater erkennt man daran, dass er sehr genau nach den persönlichen Vorlieben und der Raumarchitektur fragt“, sagt Angelika Géronne-Mundt. Wichtig ist, wie ein Sofa genutzt werden soll. Eher zum Liegen oder Sitzen oder beides? Zu den Klassikern zählt die 3-2-1-Kombination aus Dreisitzer, Zweisitzer und einem Sessel. Die Elemente können immer wieder anders angeordnet werden. Mindestens ebenso wandlungsfähig sind variable Sofalandschaften, die sich zu einer großen Liegefläche zusammenschieben oder als Ecksofa mit ein oder zwei Polsterhockern verwenden lassen. Eine große Familie, die viel Platz hat, könnte sich in einem Riesensofa bei einer Sitztiefe von bis zu 100 Zentimeter oder mehr wohlfühlen. Es bietet viel Raum zum Ausruhen. Möchte man aufrecht sitzen, geben zusätzliche Sofakissen den nötigen Rückhalt. Manche Hersteller bieten eine große Vielfalt mit unterschiedlichsten Funktionen an. Wer gerne liegt, sollte darauf achten, dass die Armlehnen etwas breiter, abgerundet und nicht zu hoch sind, damit sie sich als Nackenstütze eignen.

In kleineren Räumen

Sitzen und Liegen in einem, das geht ganz bequem mit Zwei- oder Dreisitzern, die über Eck mit einer Récamiere verbunden sind. Diese Eck- oder L-Sofas sparen Platz und können eine Alternative zu den in kleinen Wohnzimmern sonst üblichen Zwei- und Dreisitzern sein. Eine clevere Lösung, wenn man zugleich sitzen und ausruhen möchte, sind sogenannte Funktionssofas, die sich mit wenigen Handgriffen in eine Liege oder zwei Liegen mit individuell einstellbaren Kopf- und Fußteilen verwandeln lassen (z. B. von Rolf Benz). Sie bieten viel Komfort und sind praktisch, wenn Gäste überraschend über Nacht bleiben wollen. Wird das Sofa regelmäßig als Bett genutzt, sollte es ein richtiges Schlafsofa sein, mit einer darauf abgestimmten Polsterung mit Matratzenqualität und einem guten Lattenrost.

Maße ermitteln

Ob mit oder ohne Zusatzfunktionen: Viele Hersteller bieten Modulsofas oder Anreihsofas an, die sich je nach vorhandener Wohnfläche in kleiner oder großer Ausführung zusammenstellen lassen. Praktische Tischchen und Ablageflächen lockern das Gesamtbild auf. Wichtig ist, zu klären, wie viel Sofa ein Raum verträgt, damit das Polstermöbel nicht zu wuchtig wirkt. Die Maße mit Malerkrepp auf dem Boden markiert oder mit Zeitungspapier ausgelegt, bringt eine erste Vorstellung von den Dimensionen. Mittlerweile bieten manche Hersteller Apps an, mit deren Hilfe sich das Wunschsofa schon mal virtuell in das Wohnzimmer integrieren lässt. Nicht vergessen: Vor dem Kauf prüfen, ob das Möbel zu Hause durch die Türen und das Treppenhaus passt.

Der Hochlehner Hannah von Raumfreunde hat bombierte Rücken- und Sitzflächen.


Sofa-Expertin bei Rolf Benz; Angelika Géronne-Mundt.


Eine hohe Lehne entspannt den Nacken: Vivi von Sofacompany gibt es auch als Sessel.


PFLEGE

Übers Jahr wird das Sofa mit der Staubdüse vom Staubsauger gepflegt. Bei synthetischen Stoffbezügen ab und zu mit einem leicht feuchten Frotteehandtuch darüberwischen. Das reduziert die Neigung dieser Stoffe, sich elektrostatisch aufzuladen. Auch Ledersofas bleiben länger schön, wenn sie ab und zu mit einem weißen Frotteehandtuch abgewischt werden, das mit destilliertem Wasser angefeuchtet ist. Für die gründliche Reinigung von Textilbezügen hat Angelika Géronne-Mundt, Sofa-Expertin bei Rolf Benz, eine wirksame Methode: Sie nimmt ein Handwaschmittel (z. B. Rei in der Tube oder für Schurwolle ein Wollwaschmittel) und leiht sich im Baumarkt ein Sprühextraktionsgerät. Das Waschmittel wird in lauwarmes Wasser gerührt, bis es schäumt. Mit einem Schwamm auftragen und gründlich reinigen. Danach den befüllten Extrator auf die Oberfläche halten. Er sprüht Wasser auf und saugt es gleich wieder samt der Schmutzpartikel ein. Den Vorgang wiederholen, bis die Flüssigkeit bei der Extraktion klar bleibt.

Angenehmes Sitzen

Sitzkomfort ist eine individuelle Sache. Manche versinken gerne tief in den Polstern, andere sitzen lieber aufrecht. Wer eine gerade Position bevorzugt, sollte bei der Sitzhöhe darauf achten, dass die Füße bis auf den Boden kommen und die Beine an der Vorderkante einen rechten Winkel bilden. Ist der Sitz zu hoch, drückt die Vorderkante auf Dauer unangenehm gegen die Oberschenkel. Ist die Sitzfläche zu niedrig, kann das Aufstehen anstrengend werden. Große Menschen oder solche, die gerne liegen, wählen eine größere Sitztiefe. Unterschiedlich dicke und feste Sofakissen eigenen sich gut, um die Sitztiefe individuell zu regeln.

Farbkonzepte

Falls das Sofa für ein bereits eingerichtetes Wohnzimmer gedacht ist, sollte es farblich auf Wände, Vorhänge und Mobiliar abgestimmt werden. „Am besten nimmt man sich größere Stoffproben der Bezüge mit nach Hause, um zu sehen, wie sie bei den Lichtverhältnissen vor Ort wirken“, sagt Angelika Géronne-Mundt. Neben einer einheitlichen Farbe ist bei den Bezügen ein Mix aus Farbtönen, Mustern oder Strukturen möglich. Manche Hersteller bieten Kollektionen mit abgestimmten Farb- und Musterkonzepten an. Das erleichtert die Auswahl.

BEZÜGE

Hochwertiges Nappaleder wird ausschließlich in Naturtönen gefärbt.


Naturfasern: Reine Schafschurwolle oder Schurwolle mit einem Polyamid-Anteil von fünf Prozent sind für robuste Bezüge geeignet. Der nachwachsende Rohstoff knittert kaum, ist sehr farbbeständig und nimmt wegen des Wollfetts wenig Gerüche und Schmutz an. Das Lanolin verhindert schnelles Eindringen von Flüssigkeiten, eine Fleckschutzausrüstung ist also unnötig. Schurwolle muss nicht kratzen: Die Firma Rohi etwa verwendet feinstes 4-fach gezwirntes Kammgarn. Und um Knötchenbildung zu vermeiden, werden abstehende Härchen abgeflammt. Für eine robuste Qualität sollte das Gewebe fest verarbeitet sein. Das gilt auch für Baumwollstoffe, die hautsympathisch und sehr saugfähig sind. Daher wird ein Fleckschutz empfohlen.

Synthetik: Stoffe aus Polyester und Polyamid, auch als Mischung mit Naturfasern, halten viel aus. Die Kunstfasern aus Erdöl sind scheuerbeständig, lichtecht und pflegeleicht. Manche Sofabezüge werden inzwischen aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Die meisten Synthetikstoffe sind in vielen Mustern und Farben zu haben, auch als Samt oder Velours. „Allerdings ist das Material hitzeempfindlich. Nutzt man auf einem Velours oder Samt aus Polyester eine heiße Wärmflasche kann ein Abdruck entstehen, der sich nicht mehr entfernen lässt“, gibt Angelika Géronne-Mundt zu bedenken. Am besten ein Handtuch unterlegen. In vielen Mischgeweben findet sich ein Anteil Viskose. Das Ausgangsmaterial ist chemisch aus Holzfasern gewonnene Cellulose. Sie verleiht Bezugstoffen farbliche Brillanz, einen weichen Griff und seidigen Glanz.

Leder: Naturbelassenes Nappaleder (Anilinleder) wird aus der obersten Hautschicht des Rindes gewonnen und zeigt alle Poren und Narben des Tieres. Es ist sehr hochwertig, weich und atmungsaktiv, lässt sich aber nur in wenigen Naturtönen färben. Das Leder sollte vor zu viel Sonne geschützt und zweimal im Jahr gepflegt werden (www.lederpflege.de), damit es nicht vorzeitig ausbleicht. Leicht pigmentiertes Nappaleder (Semianilinleder) ist unempfindlicher und angenehm im Griff. Nach der Färbung im Fass werden Farbpigmente auf die Oberfläche aufgetragen. Pigmentiertes Nappaleder erhält eine deckende Farbschicht, was das Leder weniger anschmiegsam macht. Es ist in nahezu allen Farben erhältlich und gilt als pflegeleichter. Das samtig-weiche Nubuk ist ein angeschliffenes Leder, das relativ viel Pflege benötigt. Charakteristisch ist der Schreibeffekt, wie man ihn von Veloursleder kennt. „Regelmäßiges weiches Abbürsten oder Abwischen mit einen speziellen Nubuk-Tuch verhindert, dass die Oberfläche speckig aussieht“, weiß Angelika Géronne-Mundt.

Lederimitat: In der Regel besteht Kunstleder aus einem textilen Trägerstoff und einer Kunststoffschicht. Es gibt auch rein textile Lederimitate aus synthetischen Mikrofasern, etwa Alcantara.

Zum Sofaprogramm Ziggy von Pode gibt es unterschiedlichste Kissen und praktische Tabletts.


Beim Dreisitzer Henderson von Marie’s Corner sind Federung und Polster teilweise aus Recyclingmaterial.


L’imprévu von Ligne Roset lässt sich mit einem zweiten Exemplar als Bett oder Ecksofa nutzen.


Baker von Marie’s Corner ist als Sessel, Eineinhalb- oder Zweisitzer zu haben.


Die Lücke im Modulsofa Alma von Rolf Benz lockert auf und bietet zwischendurch eine freie Sicht.

POLSTER

Je ausführlicher ein Hersteller über die Polsterung informiert, desto hochwertiger ist das Sofa-Innenleben in der Regel. Den Sitz modellieren die Polsterer aus verschiedenen Schaumstoffschichten: vorne fester für problemloses Aufstehen, hinten weicher für bequemes Sitzen. Dafür werden Polyetherschäume (PUR-Schaum) in unterschiedlichen Härten verwendet sowie Kaltschäume (HRSchaum, hochelastisch). Letzterer ist wegen seiner unregelmäßigen Poren atmungsaktiver und passt sich dem Körper besser an. Noch anschmiegsamer ist Viscoschaum (Memory-Effekt). Wie lange Polster bequem bleiben, ohne sich platt zu sitzen, hängt vom Raumgewicht und der Stauchhärte des Schaumstoffs ab. Das Raumgewicht (RG) gibt an, wie viel Kilo Schaum auf einem Kubikmeter verarbeitet wurden. Je höher das Gewicht, desto stabiler und haltbarer. Die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel (www.dgm-moebel.de) empfiehlt mindestens 28 kg/m3 RG für die Rückenpolsterung und 35 kg/m3 für die Sitzpolsterung. Die Stauchhärte wird in Kilopascal (kPa) angegeben. Ein Wert um die 2,0 bis 3,0 kPa bedeutet relativ weich. Solche Stauchhärten werden für Sitze und Lehnen verwendet. Schaumstoffe mit über 3,5 kPa eignen sich für alle Polsterbereiche. Zuletzt wird alles mit einer Matte abgedeckt. Bei einer Vliesschaumverbundmatte entsteht eine glatte Oberfläche. Für einen legeren Einrichtungsstil gibt es Matten mit Schaumstoffstäbchen. Sie sind knuffiger und zerknautschen leichter.


Text: Micaela Buchholz, Fotos: Rolf Benz (3), Marie’s Corner (2), Bretz, Cor, Ercol, Leolux, Ligne Roset, Pode, Raumfreunde, Sofacompany, Vitra