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DAS STEHT FEST


digit! - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 15.02.2019

Das Stativ ist trotz High-ISO-Kameras mit Bildstabilisierung ein sinnvolles Zubehör. Mit dieser Marktübersicht wollen wir ein paar Entscheidungshilfen für den Kauf einer Stativ-Stativkopf-Kombination geben. Von Michael Marczok


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Gestern wie heute. Stative gab und gibt es in verschiedensten Ausführungen für verschiedenste Anwendungen. Foto: Archiv Gitzo


In den Anfängen der Fotografie ging es gar nicht ohne, aber auch heute, in Zeiten von extrem hohen ISO-Bereichen, haben Stative ihre Notwendigkeit. Egal, ob bei wenig Licht gearbeitet, eine Panorama- oder HDR-Aufnahme geschossen oder ein exakt in Waage ...
Der Markt für Stative und Stativköpfe ist umfangreich. Beim Stativkauf sollte man sich einige grundsätzliche und ein paar ins Detail gehende Fragen stellen. Möchte ich fotografieren, Videos aufnehmen oder beides? Muss das Stativ leicht sein oder besonders hoch oder sehr tief einstellbar sein? Wie schwer muss ich es belasten können? Brauche ich Anschlüsse für Zubehör, und sollte das Stativ modular aufgebaut sein? Die oftmals entscheidende Frage ist die nach dem Budget. ...

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In den Anfängen der Fotografie ging es gar nicht ohne, aber auch heute, in Zeiten von extrem hohen ISO-Bereichen, haben Stative ihre Notwendigkeit. Egal, ob bei wenig Licht gearbeitet, eine Panorama- oder HDR-Aufnahme geschossen oder ein exakt in Waage ausgerichtetes Architekturfoto gemacht werden muss: In allen Fällen geht das nicht oder nur mit Einschränkungen aus der freien Hand.
Der Markt für Stative und Stativköpfe ist umfangreich. Beim Stativkauf sollte man sich einige grundsätzliche und ein paar ins Detail gehende Fragen stellen. Möchte ich fotografieren, Videos aufnehmen oder beides? Muss das Stativ leicht sein oder besonders hoch oder sehr tief einstellbar sein? Wie schwer muss ich es belasten können? Brauche ich Anschlüsse für Zubehör, und sollte das Stativ modular aufgebaut sein? Die oftmals entscheidende Frage ist die nach dem Budget.

Das Material

Das Material entscheidet über das Gesamtgewicht eines Stativs, aber auch über die Stabilität und die maximale Beladung. Die meisten Stative sind aus Aluminium oder Carbon oder einem Mix aus beidem gefertigt. Titan spielt nur eine untergeordnete Rolle bei einigen Produkten, die mit einem Materialmix mit Carbon arbeiten.
Aluminium ist das klassische Material für Stative. Es ist leicht bei relativ hoher Stabilität. Stativbeine aus Aluminium sind entweder Hohlrohre oder mit einem Profil versehen. Nachteile sind eine mögliche Biegung bei falscher Belastung, die Temperaturleitfähigkeit – also kalt wenn die Umgebungstemperatur niedrig und heiß wenn sie hoch ist – und die im Gegensatz zu Carbonfasern geringere Belastbarkeit senkrecht zum Rohr. Für ein Aluminiumstativ ist bei größerer maximaler Zuladung ein höheres Eigengewicht erforderlich als bei Produkten aus Carbon.
Stative aus Carbonfasern haben die Nachteile von denen aus Aluminium nicht. Carbon ist extrem fest und superleicht, allerdings auch spröde. Es würde also brechen, statt zu verbiegen. Die Herstellungsverfahren sind mittlerweile so ausgereift, dass ein Brechen eines Stativbeins eher unwahrscheinlich ist. Die aufwändige Herstellung macht Carbonstative relativ teuer. Außerdem kann ein Stativ nicht komplett aus Carbon gefertigt werden: Verbindungsteile und bewegliche Teile sind aus Metall. Dank neuer Verfahrenstechniken werden die Stabilität weiter gesteigert und die Kosten Wildlife- oder Sportfotografen ebenso wie Landschafts-, Reise- und Architekturfotografen werden demnach eher zu den leichten und stabilen Carbonstativen greifen, da das Gewicht ausschlaggebend ist. Für die Erfordernisse von Hochzeits- oder Portraitfotografen sind die Zuladungen geringer. Hier kann es ein günstigeres Stativ aus Aluminium sein. Im Studio kommt es nicht so sehr auf ein geringes Eigengewicht an, sondern auf die maximale Zuladung, zum Beispiel für eine Mittelformatkamera. Auch die Möglichkeit, Zubehör wie Querträger und zusätzliche Mittelsäulen anzubringen oder Anschlüsse für Computerhalterungen, ist entscheidend, weniger das Material.

Drei Beispiele für die unglaubliche Um- und Ausbaufähigkeit der Novoflex-Stative, hier ein Quadro- Pod mit unterschiedlichen Beinen und angebautem Zubehör. Total unterschiedliche Beine können auch an der Gelenkspinne angebracht werden.


Stative für Foto und Video

Hightech für Video. Der Nitrotech-Fluid-Videoneiger von Manfrotto wartet mit technischen Feinheiten wie einer speziellen Nitrotech- Dämpfung für einen kontinuierlichen Gewichtsausgleich, einer variablen Friktionskontrolle für zwei Achsen und einer zweifach gesicherten Schnellwechseleinheit auf.


Stative für die Fotografie und Videografie unterscheiden sich in einigen Konstruktionsmerkmalen. So bestehen Fotostative meist aus runden, ineinandergesteckten Hohlrohren oder Profilrohren. Durch die Kombination der Anzahl und Länge der Rohre entsteht eine Vielzahl von möglichen Längen und Packmaßen. Solche Stative haben immer drei Beine. Eine Ausnahme sind die Einbeinstative. Die Verschlüsse für die einzelnen Segmente der Beine variieren zwischen Verschraubungen und Verklemmungen. Bei den Profilrohren gibt es nur Verklemmungen. Der Vorteil der Verschraubungen ist die Haltbarkeit. Verklemmungen können bei häufiger Belastung irgendwann ausleiern, wenn sie nicht sehr sorgfältig gefertigt werden.
Ein weiteres Merkmal einiger Fotostativreihen ist die Möglichkeit, eine ausfahrbare Mittelsäule anzubringen, die einerseits die maximale Auszugshöhe verlängert, andererseits eine einfachere Höhenverstellung in einem bestimmten Bereich ermöglicht, da nicht alle drei Beine verstellt werden müssen, sondern nur die Mittelsäule.
Videostative sind anders aufgebaut. Hier kommen zwar auch Hohlund Profilrohre zum Einsatz, diese sind aber nicht ineinandergesteckt, sondern nebeneinander angeordnet. So besteht zum Beispiel ein Videostativ von Sachtler, einem der professionellsten und bekanntesten Hersteller, aus zwei weit auseinanderstehenden Rohren, zwischen denen zwei enger zusammenstehende Rohre laufen und dazwischen wiederum eines, die dann den Auszug bilden. Die Verschlüsse bei Videostativen sind immer Klemmungen, die mit einer Hand bedient werden können, die andere Hand sichert die schwere Kamera. Die Spreizung der Stativbeine wird mithilfe von sogenannten Spinnen stufenlos begrenzt und voreingestellt. Fotostative dagegen haben meist feste Winkeleinstellungen. Die gesamte Konstruktion ist darauf ausgelegt, dass das Aufstellen, Spreizen und die Höhenverstellung einhändig geschehen kann.

Links oben: Freischwinger. Detail des Rollei-Lion-Rock-Gimbals für die Aufnahme mit langen Teleobjektiven und Kamera für die Tierfotografie. Zusätzlich hat dieser Kopf unten einen Panorama-Drehteller. Links unten: Ebenfalls von Rollei: das Allrounder Carbon, das Eines-für-alles-Stativ. Bei vielen Stativen ist es üblich, ein oder alle Beine abzupolstern, um den Tragekomfort zu erhöhen. Nur bei Alustativen dient das auch der Kälte- oder Wärmeabsorbierung. Rechts: Benro versteht sich als Spezialist für den Outdoorbereich, hier ein Mach3-Stativ mit Gimbal-Kopf im Feld.


Ein weiterer Unterschied ist die Aufnahme der Stativköpfe. Sind die Köpfe nicht fest verbaut, was es in der Regel nur bei Fotostativen gibt, ist bei professionellen Stativen für die Aufnahme eine Auslassung vorgesehen, in die Köpfe mit ihrer Grundplatte eingelassen und befestigt werden. Diese Auslassung, auch „Head Fitting“ genannt, ist bei den professionellen Videostativen größer, etwa 100 bis 150 mm bei Video, im Vergleich zu etwa 70 mm bei Foto.
Viele Fotostative haben nur eine ¼-Zoll-Schraube für die Aufnahme eines Kopfes. Je größer und stabiler das Head Fitting ist, desto größer und stabiler kann auch der zu nutzende Kopf sein, und folglich kann schwereres Equipment angesetzt werden. Extreme Videostative können Kameras und Zubehör bis über 100 kg aufnehmen, bei den Fotostativen geht es selten über 50 kg hinaus. Natürlich gibt es auch Stative, die sowohl für Video als auch für Foto genutzt werden können. Tatsächlich kommt es beim Videodreh auf einen speziellen Stativkopf an, und der muss auf das Stativ passen. Jeder Stativhersteller, auch wenn er nur reine Fotostative anbietet, hat spezielle Produkte, sogenannte Fluid-Köpfe, im Programm, die speziell für Fotografen vorgesehen sind, die mit ihrer DSLR Video filmen möchten. Geht es darüber hinaus, muss auf jeden Fall besonderes Equipment her.

Stativköpfe, Gimbals, Neiger

Eine deutlich höhere Ausdifferenzierung bezüglich der Anwendung gibt es bei den Stativköpfen. Die Unterscheidung von Videound Fotoköpfen habe ich schon kurz angesprochen. Diese meist Fluid- oder Videokopf genannten Produkte zeichnen sich durch eine Dämpfung der Bewegung durch eine mehr oder weniger Gel-artige Flüssigkeit aus. Diese Dämpfung sorgt für ruckelfreie, sanfte und gleichmäßige Schwenks, die mit nicht gedämpften Stativköpfen unmöglich sind.
Bei den Stativköpfen für die Fotografie gibt es Neiger, mit denen die Kamera in festen Richtungen eben geneigt werden kann. Zweiund Dreiwegeneiger sind üblich. Die Gelenke für die Bewegungsrichtungen werden gelöst, dann wird die Kamera in die Position gebracht und wieder befestigt.
Eine weitere weitverbreitete Art sind Kugelköpfe. Hier sitzt die Kamera auf einer Kugel, die in einer Fassung mehr oder weniger frei drehbar ist und mit einer Klemmung in der gewünschten Position gehalten wird. Es gilt: je größer die Kugel, desto geschmeidiger die Bewegung. Neiger und die Kugelköpfe haben gemeinsam, dass eine Position eigentlich nicht sehr genau sein kann, eine Ausrichtung in Waage ist damit immer eine Fummelei. Wer also die Kamera in jedem Winkel fein und genau justieren möchte und auch die Zeit dazu hat, wird auf einen Getriebeneiger zurückgreifen. Bei diesen besonders für die Architektur-, aber auch für die Studiofotografie, speziell geeigneten Köpfen werden die Positionswinkel über Getriebe und Drehräder eingestellt, ohne dass man die Gelenke losoder feststellen müsste, und das besonders genau.

Ein Spezialfall sind sogenannte Gimbals

Links: Alle Carbon-Stative sind aus einem Materialmix hergestellt. Die Beine und die Mittelsäule aus Carbon, die Spinne und Gelenke aus Aluguss oder Stahl. Hier ein Benro-Mach3- Stativ. Rechts: Die Details entscheiden neben der Verarbeitungs- und Materialqualität. Bei diesem Benro-Stativ gibt es eine Schlaufe für Zubehör oder die Kameratasche und eine Libelle. Andere Stative bieten da noch mehr.


Gimbal ist der englische Begriff für eine kardanische Aufhängung oder kardanische Lagerung, also die Aufhängung eines Gegenstandes an einem Gestell mithilfe von zwei sich schneidenden, zueinander rechtwinkligen Drehlagern.

In Gimbals werden Kameras angebracht, um in allen Bewegungsrichtungen frei beweglich … und gegenüber der Bewegung zum Bei-spiel einer Drohne stabil zu arbeiten. Ursprünglich stammt die kardanische Aufhängung aus der Schifffahrt. Kreiselkompasse wurden so aufgehängt, dass die Schiffsbewegung keinen Einfluss auf die Anzeige hatte.
Gimbals halten in letzter Zeit aber auch Einzug in den Bereich der Fotografie. So hat Gitzo einen Stativkopf, bei dem eine Richtung, das Neigen, frei erfolgt (siehe auch Praxistest S. 38). Eine kardanische Aufhängung ist auch bei den Video- Steadycams zu finden. Im Kleinen gibt es Einhand-Halterungen für DSLRs, bei denen alle drei Raumrichtungen stabil gehalten werden. Für Video gibt es kardanische Aufhängungen schon länger.

Das Zubehör

Mit G-Lock lassen sich Gitzo-Stative besonders leicht bedienen, ein kleiner Dreh aus dem Handgelenk und schon sind die Beine frei oder fest.


Die Anbringung einer Kamera am Stativkopf kann entweder einfach über den Schraubanschluss unter der Kamera erfolgen, was okay, aber langsam ist, oder über Schnellverschlüsse. Solche Verschlüsse sind zweiteilig. Auf der einen Seite muss unter der Kamera ein Kupplungsschuh angebracht werden, der dann mit einem einfachen Handgriff in die Spezialhalterung auf dem Kopf, dem zweiten Teil, greift und entweder automatisch arretiert oder festgeschraubt wird. Bei Videokameras geht es gar nicht anders. Es gibt ein paar standardisierte Schnellkupplungen wie das Arca- Swiss-System, auf das verschiedene Hersteller setzen. Ansonsten sind die Kupplungen herstellereigen
Für den Videodreh sind Halterungen für externe Monitore wichtig, für die Fotografie Ablagen für Tablets oder Laptops. Einige Hersteller bieten direkt Anschlüsse für solches Zubehör, bei anderen wird es an den Stativbeinen befestigt.
Zusätzliche Mittelsäulen, die zum Beispiel einen Kurbelantrieb haben oder quer als Ausleger montiert werden können, sind ebenfalls verbreitet.
Einbeinstative sind eine Sonderform der Stative und werden meist als Zubehör zum herkömmlichen Stativ angeschafft. Mit einem solchen Stativ ist man schneller als mit drei Beinen, dafür steht es aber auch nicht so stabil. Sportfotografen setzen ihre Kameras sehr häufig auf Einbeinstative.
Dann gibt es noch spezielle Füße für spezielle Untergründe oder Polsterungen für Stativbeine und vieles mehr.

Sportfotografen brauchen einerseits stabile Stative für schwere Teleobjektive, andererseits aber auch ein sehr schnell bewegliches System. So gut wie jeder Hersteller hat die Einbeinigen im Programm, einige bieten zudem Stative, bei denen ein Bein als Einbeinstativ ausgekoppelt werden kann.
Ansonsten sind es die leichten Carbon-Stative, die eine Zuladung von mindestens 6 Kilogramm für eine Profikamera mit langem Tele plus dem Gewicht des Stativkopfs aufnehmen, die für den Sportfotografen infrage kommen.
Bei den Stativköpfen geht es auch wieder um Beweglichkeit. Gimbal- Köpfe bieten eine solche Beweglichkeit, allerdings nicht in allen Raumrichtungen. Wenn rauf und runter sowie links und rechts ausreichen, dann sind diese Köpfe sehr interessant, da, wie beschrieben, das Feststellen entfällt.
Auch fluidgedämpfte Neiger oder Kugelköpfe mit einer Friktionskontrolle entsprechen diesen Anforderungen. Hier gilt: Je länger das Tele, also je schwerer die Kombis aus Objektiv und Kamera, desto größer sollte die Kugel im Kopf sein, um eine gleichmäßige Bewegung zu gewährleisten, z. B. beim Gitzo GH3382QD mit Friktionskontrolle.

Studiofotografie

Links: So könnte eine professionelle Kombination eines Reisestativs mit einem passenden Kugelkopf und angesetzter Kamera aussehen – hier ein Manfrotto-Befree-GT-Stativ mit einem Manfrotto-Kugelkopf mit Schnellwechselplatte. Rechts: Der Anstellwinkel der Beine bei Videostativen wird mit solch einer Spinne vorgewählt. Beim Zusammenklappen des Stativs faltet sich diese Spinne mit ein, beim nächsten Aufbau ist der Winkel schon vorgewählt.


Im Studio kommt es nicht so sehr auf das Eigengewicht eines Stativs, sondern auf seine Standfestigkeit, Stabilität, Zuladung und das verwendbare Zubehör an. Gitzo bietet dies alles mit der Stativreihe Systematic an. Bei Benro gibt es die Combination Collection, bei Manfrotto die 290-Serie und bei Bilora die mit der Bezeichnung Perfect Pro II.
Die Wahl des Stativkopfs wird im Studio vom Sujet bestimmt. In der Produktfotografie muss die Ausrichtung der Kamera in allen Richungen frei möglich und arretierbar sein. Auch ist hier die Geschwindig-keit von untergeordneter Rolle. Getriebeneiger können dies sehr gut. Aber auch stabile 3-Wege-Neiger tun ihren Dienst im Studio.

Reisefotografie

Präzise Verbindung von Kamera und Stativ: Die Novoflex-Schnellkupplung Q=base II sorgt für eine sichere Fixierung und einfache Handhabung.


Wieder ist das Eigengewicht von Stativen und Köpfen gefragt – bei der Reisefotografie. Fotografen müssen hier einen Kompromiss zwischen möglichst wenig Gewicht und möglichst hoher Stabilität eingehen. Es kommen eigentlich nur Carbon-Stative infrage. Viele Hersteller haben Reihen mit Bezeichnungen im Programm, die auf diese Anwendung hinweisen. Bei den anderen versteckt sich eine Empfehlung für das Einsatzgebiet in den Beschreibungen zu den Produkten. Viele Internetseiten kann man nach Materialwünschen filtern, z. B. nach dem Stichwort Carbon.
Auch die Stativköpfe könnten leichter und kompakter sein. Ein Getriebeneiger eignet sich gut für Fotografen, die auf der Reise Zeit haben und viel in Städten arbeiten. Kugelköpfe sind die kompaktesten Köpfe überhaupt. Bei der Wahl sollte man ein wenig mehr Zuladung einkalkulieren, als das aktuelle Kameraequipment vorgibt. Einige Hersteller haben besondere Neiger, die kompakt und leicht sind, siehe Tabelle.

Architekturfotografie

Bei der Architekturfotografie gilt vieles, was auch für die Produktfotografie im Studio gilt. Profis werden Mitteloder Großformatkameras nutzen. Für Stative bedeutet das maximale Zuladung und Stabilität, das Eigengewicht ist nebensächlich. Mit einer maximalen Zuladung von 40 Kilogramm ist hier ganz vorn die Systematic-Reihe von Gitzo zu nennen.
Speziell für dieses fotografische Genre wurden die jetzt schon öfter erwähnten Getriebeneiger entwickelt. Mit ihnen kann die Kamera exakt in Waage oder in dem gewünschten Winkel gebracht werden.

Tierfotografie

Dieses Genre umfasst verschiedenste Anforderungen an Stative und Stativköpfe. Natürlich gilt auch hier: je größer und schwerer die Kameraausrüstung, desto stabiler Stativ und Kopf. Wenn schon Kamera und Objektiv schwer sind, soll nicht auch noch das Stativ zusätzlich zu viel Gewicht mitbringen.
Makro-Fotografen, die draußen die ganz kleinen Dinge fotografieren, haben andere Ansprüche an ein Stativ. Geht es in den Makrobereich, zum Beispiel wenn Pflanzen oder Insekten aufgenommen werden, ist eine Mittelsäule hilfreich, die beweglich ist, das heißt quer gestellt oder umgekehrt montiert werden kann. Auf jeden Fall muss die Kamera so positioniert werden können, dass die Stativbeine nicht im Weg sind und man dicht genug an das Motiv herankommt. Bei vielen Herstellern gibt es quer liegende Mittelsäulen als Zubehör. Die Mittelsäule umkehren, wie es bei den Novoflex TriPods möglich ist, kann man ebenfalls bei mehreren Herstellern.
Auch für die Wildlife- und Tierfotografen gibt es einen speziell entwickelten Stativkopf, den Gimbal-Kopf. Wie beschrieben, entfällt das Feststellen der Kameraposition, und die Nachführung ist so gedämpft, dass sie sowohl für die Fotografie als auch für Video sanft und gleichmäßig funktioniert. Eine Besonderheit sind Kugelköpfe mit Auslöserhandgriff wie die Vanguard-GH-Serie.

Fazit

Das Angebot an Stativen und Stativköpfen ist riesig. Die Unterschiede der einzelnen Produkte scheinen dagegen bisweilen klein. Markenhersteller wie Manfrotto und Gitzo fertigen in Europa. Strenge Prüfkriterien sorgen für hohe Qualitätsstandards, den andere Marken, die in Fernost fertigen lassen und zu Billigpreisen anbieten, nicht gewährleisten können. Letztlich sollte man beim Zubehör die gleichen Ansprüche an Qualität und Nachhaltigkeit anlegen wie bei der Kamera, die damit gehalten werden soll.

STATIVE UND KÖPFE IM EINSATZ