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Das Streitthema Nr. 1 unter Paaren: „Immer bleibt alles an mir hängen“


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 12.02.2020

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Artikelbild für den Artikel "Das Streitthema Nr. 1 unter Paaren: „Immer bleibt alles an mir hängen“" aus der Ausgabe 8/2020 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Fotos: iStockphoto, Robert Hilton

Maike (40), Sekretärin

„Ich habe keine Lust, ihn ständig bitten zu müssen“

S o langsam platzt mir der Kragen. Es ist jeden Tag das Gleiche: Ich stehe um 6 Uhr auf, mache Frühstück und kutschiere unsere Töchter, sie sind jetzt 12 und 13, zur Schule. Wir wohnen in einer 400-Seelen-Gemeinde, und die nächste Bushaltestelle ist ein ganzes Stück entfernt. Dann fahre ich zur Arbeit. Um 14 Uhr habe ich Feierabend, kaufe ein und fahre nach Hause. Damit ist mein Tag aber noch lange nicht vorbei. Ich helfe den Mädels bei den Hausaufgaben oder bringe eine von ihnen zum Sport ...

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... oder Musikunterricht.

Und natürlich mache ich den Haushalt. Putzen, waschen, Abendessen vorbereiten - das Übliche halt. Jeden zweiten Tag schaue ich außerdem nach meinem Vater, der ein paar Straßen weiter wohnt. Meine Mutter ist vor vier Jahren gestorben, und seitdem baut er leider körperlich immer stärker ab. Den Haushalt schafft er als 80-Jähriger nun auch nicht mehr alleine. Das ist aber noch nicht alles. Immer bin ich es, die unseren Familien-Urlaub plant, an die Geburtstage von Verwandten denkt, die finanziellen Angelegenheiten regelt - und, und, und.

Abends falle ich dann oft todmüde ins Bett, ohne wirklich Zeit für mich gehabt zu haben. Wenn Steffen dagegen um kurz nach 18 Uhr nach Hause kommt, fläzt er sich sofort aufs Sofa und greift nach der Zeitung oder Fernbedienung. Oft geht er mit Kollegen nach Feierabend noch Billard spielen. Hat also eine richtig gute Zeit.


„Steffen denkt überhaupt nicht mit. Das geht mir so auf die Nerven“


Merkt er, an was ich alles denken muss oder wie anstrengend mein Tag dagegen ist? Natürlich nicht. Ich weiß schon, woher dieses Dilemma rührt: Als die Kinder noch klein waren, bin ich zu Hause geblieben. Klar, damals habe ich das gleiche Pensum geschafft. Aber seit zwei Jahren arbeite ich wieder. Zwar nur in Teilzeit, aber dennoch bin ich allmählich am Limit. Am meisten nervt mich eigentlich, dass Steffen überhaupt nicht mitdenkt. Ja, wenn ich ihn bitte, etwas zu erledigen, tut er es. Aber warum kommt er nicht von selber darauf, den Müll runterzubringen oder die Geschirrspülmaschine auszuräumen? Wieso muss ich ihn ständig daran erinnern, mal etwas zu tun? Gut, manchmal bin ich vielleicht etwas perfektionistisch. Vor Kurzem hat Steffen auf meine Bitte hin durchgesaugt. Aber der Wohnzimmerteppich war hinterher immer noch voller Krümel. Und als er einmal die Wäsche aufgehängt hat, hingen die Handtücher anschließend als zerknitterte Knäuel an der Leine. Ach und die Steuererklärung, die er machen sollte, hat er einfach vergessen. Da habe ich ihn schon ziemlich angeschnauzt.

So geht es jedenfalls nicht weiter. Das habe ich ihm neulich auch ganz klar gesagt. Und er? Guckte nur total verdutzt.“

Geben Sie Verantwortung ab, und setzen Sie klare Grenzen!

Eric Hegmann

Paarberater und Parship-Coach

www.eric-hegmann.de

Bleibt wirklich mehr an den Frauen hängen?
Das ist mein Eindruck, und das erlebe ich auch so in der Beratung. Bei mir beschweren sich selten Männer darüber, dass sie alleine den Haushalt schmeißen müssen.

Warum fühlen sich Männer weniger verantwortlich?
Viel kommt da immer noch von der Familienprägung. Mütter sagen ihren Söhnen auch heute selten: Kannst du mal putzen? Das sagen sie aber ihren Töchtern. So wird schon sehr früh Verantwortlichkeit gelernt für bestimmte Bereiche.

Kann frau den Partner in der Hinsicht noch „umerziehen“?
Das Verständnis, der Mann müsse „helfen“, ist ja bereits nicht mehr auf Augenhöhe. Es ist völlig selbstverständlich, dass die Partner sich beide um die Dinge kümmern müssen, die im Haushalt anfallen. Der Mann muss für sich annehmen, dass es nicht um Hilfe geht, sondern um seinen Anteil am gemeinsamen Leben. An dieser Perspektive würde ich arbeiten, weg von dem Gedanken, er würde ihr einen Gefallen tun, und sie müsse darum bitten. Dazu gehört auch, dass die Partnerin ihrerseits Grenzen zieht.

Was kann Maike tun, damit Steffen ihr mehr unter die Arme greift?
Ich würde Maike raten, Verantwortung abzugeben und bestimmte Bereiche ohne Wenn und Aber ihrem Partner zu übertragen. Das heißt, macht er es nicht, macht es niemand. Und wenn er das nicht so macht, wie sie das machen würde, dann muss sie damit allerdings auch leben. Er wird das schon lernen mit etwas Übung. Keine guten Ratschläge und keine Kritik. So wenig wie sie seine Putzhilfe ist, ist sie sein Coach. Auch sollte Maike ihre Dealbreaker definieren und rote Linien aufzeigen. Das heißt konkret: Mit ihrem Mann verhandeln, wozu sie nicht mehr bereit ist und was aufgeteilt werden kann und wie hier Gleichberechtigung entstehen kann.

Was soll man machen, wenn sich alte Muster wieder einschleichen?
Dazu gehören immer zwei. In diesem Fall einer, der vielleicht in alte Muster zurückfällt, und eine, die das zulässt. Keine Angst vor der Konfrontation! An Konflikten reift ein Paar. Unzufriedenheit zerstört eine Beziehung hingegen.

Er sagt:

Steffen (42), Mechatroniker

„Ich verstehe Maike nicht. Es läuft doch alles ganz wunderbar“

E hrlich gesagt: So ganz kann ich Maikes Ärger nicht nachvollziehen. Dass sie sauer ist, merke ich. Aber warum sagt sie mir nicht klipp und klar, was ihr durch den Kopf geht? Mit diesem klischeehaften Satz: ,Immer bleibt alles an mir hängen‘ kann ich nichts anfangen. In meinen Augen stimmt das auch gar nicht. Gut, die Steuererklärung habe ich vergessen. Aber in der Firma ist auch momentan ziemlich viel zu tun. Oft arbeite ich zehn Stunden am Stück. Da kann es schon mal passieren, dass mir Dinge durchrutschen. Das sollte sie mir nachsehen und nicht immer wieder vorwerfen. So was fühlt sich echt nicht toll an. Ansonsten bin ich doch immer sofort zur Stelle, wenn sie etwas von mir will. Aber dabei habe ich das Gefühl, dass ich ihr nichts recht machen kann. Hänge ich die Wäsche auf, ist sie ihr zu knitterig. Sauge ich durch, findet sie immer noch Krümel. Warum soll ich überhaupt helfen, wenn sie mich anschließend nur anschnauzt?

Wie schon gesagt, mein Tag ist auch immer ziemlich lang. Ich fahre um 7 Uhr zur Arbeit und brauche gut eine Stunde bis zur Firma, oft sogar länger. Wenn ich dann abends nach Hause komme, bin ich total erschöpft und brauche meine Ruhe, um mich zu entspannen und fit für den nächsten Tag zu sein. Ich habe dann einfach nicht die Kraft, um noch einzukaufen, daran zu denken, den Müll runterzubringen, oder mit den Mädels Hausaufgaben zu machen. Maike kann ohnehin mit unseren Töchtern besser.

Neulich klagte Maike auch darüber, dass ihr Vater immer mehr Aufmerksamkeit fordert. Ob ich nicht auch mal nach ihm sehen kann? Aber ehrlich gesagt: Ich habe mich nie gut mit Wolfgang verstanden und habe keine Zeit, ihn tagsüber zu betüdeln. Und nach Feierabend noch zu ihm fahren? Garantiert nicht. In meiner Freizeit ist es mir wichtig, meine Freundschaften zu pflegen. Mal ein Bierchen trinken zu gehen und Billard zu spielen. Das brauche ich einfach als Ausgleich. Soll sich Maike doch eine Pflegekraft für ihren Vater suchen. Dann wäre das Problem gelöst. Gut, ich sehe ja ein, dass meine Frau wegen ihres Jobs nicht mehr so viel Zeit hat für alles andere wie noch vor ein paar Jahren. Aber ihr geht doch alles superschnell von der Hand, das lässt sich nicht abstreiten.


„Wenn sie mich um Hilfe bittet, bin ich sofort da für sie“


Unter uns gesagt: Ich finde manchmal, dass Maike ein wenig zu perfektionistisch ist. Wenn es nach mir ginge, müsste das Bad nicht jeden Tag geputzt werden. Und irgendwie scheint sie sich schwer damit zu tun, Verantwortung abzugeben. Ich meinte letztens zu ihr, dass sie doch unsere Töchter mal mehr in den Haushalt einspannen soll. Aber davon wollte sie nichts hören. Also ich weiß nicht, was ich tun soll.“