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Das Super hormon


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

Schönheit

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Bildquelle: Donna, Ausgabe 8/2021

In den USA der absolute Hit: DHEA- Pillen versprechen ewige Jugend

Nicht überall auf der Welt wird Altern als Volkskrankheit behandelt, die man mit Anti-Aging-Mitteln bekämpfen muss. Auf den „Inseln der Hundertjährigen“, zu denen auch Okinawa gehört, gilt: je älter, desto angesehener. Selbst 105-jährige Frauen und Männer spielen im äußersten Süden Japans Kricket, gehen fischen, essen selbst geerntetes Gemüse, lachen, feiern, trainieren begeistert Karate. Sie sind topfit, stehen zu jeder einzelnen Falte und sehen genau deshalb fantastisch aus. Älterwerden ist bei denen eine wunderbar entspannte Sache, im Gegensatz zu unserer vom Jugendwahn gepeinigten Gesellschaft, wo man mit über 50 oft quasi unsichtbar ist. Wer jung bleiben oder so aussehen will, kann Sport plus Intervallfasten machen oder zum Beauty-Doc gehen. Oder man glaubt den Parolen einer weltweit wachsenden Fraktion von Anti- Aging-Ärzten, die versprechen: „Vergiss Botox! Altern ist jetzt auch ...

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... von innen heilbar!“ Solche Aussagen stammen meist von braun gebrannten Strahlemännern jenseits der 70, die völlig faltenlos im Internet für ihre Institute werben. Auch bei uns ist diese Spezies auf dem Vormarsch, die sich selbst als lebenden Beweis für den Erfolg ihrer Therapie stilisieren, die da lautet: jung dank Hormonen.Hormone, so deren Credo, helfen bei Wechseljahrsbeschwerden, sorgen aber auch für eine schlanke Figur, straffe Haut und schöne Haare. Als ultimativer Jungbrunnen wird derzeit das seit über 80 Jahren bekannte Dehydroepiandrosteron, kurz DHEA, gefeiert. Das Steroidhormon wird bei Frauen wie bei Männern vorwiegend in der Nebennierenrinde erzeugt und gilt als Vorstufe anderer wichtiger Geschlechtshormone, allen voran des Testosterons, aber auch verschiedener Östrogene. Der DHEA-Spiegel ist bei jungen Leuten hoch und fällt im Laufe des Lebens ab. Eine Tatsache, aus der die Anhänger ihre Überzeugung zimmern: Wer den hohen Spiegel der Jugend durch die Einnahme von DHEA-Kapseln aufrechterhält, kann das Altern stoppen.

Anti-Aging-Ärzte sagen: Vergesst Botox – Altern ist von innen heilbar

Die Einnahme von DHEA ist in den USA längst business as usual. Dort macht man seit Jahren ein Supergeschäft mit dem Superhormon. Jeder kann es in Drugstores erwerben – die US-Industrie verdient jährlich über 50 Millionen Dollar damit. In Deutschland ist DHEA verschreibungspflichtig und wird nur in speziellen Apotheken angemischt. Aus gutem Grund: Hormone sind potente körpereigene Topmanager, die den Stoffwechsel steuern. Schon ein kleiner Mangel oder Überschuss genügt, um das fragile System zu stören, schlimmstenfalls ernsthafte Beschwerden auszulösen.

Die stetig wachsende Fangemeide beeindruckt das wenig. Viele besorgen sich die Kapseln in den USA und schwärmen in den höchsten Tönen. „Dieses Superhormon reduziert Körperfett, beschert jugendliche Kraft, steigert das Wohlbefinden und bremst den Alterungsprozess“, jubelt der Biochemiker Stephen Cherniske in seinem Buch „DHEA: Die Pille für ein langes Leben“ (Rowohlt). Und auf der Website des Hormonzentrums an der Oper in München heißt es: „DHEA fördert die Kollagenbildung, verbessert damit Hautelastizität und reduziert Falten.“ Wie bei jedem Hype formiert sich aber auch die Fraktion der Skeptiker: Es gebe „beträchtliche Kontroversen um die biologische Bedeutung des DHEA“, schreibt das Journal of Clinical Pharmacology, andere Experten halten das Hormon wahlweise für gefährlich, schlecht erforscht oder völlig wirkungslos.

Wunderwaffe oder Gesundheitsrisiko? Weder noch, erklärt Professor Andreas Pfeiffer, Leiter der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin an der Berliner Charité. „Es ist ein ziemlich schwaches Steroid und hat keine großen Effekte auf die Stimmung, die Hautqualität und das Gewicht. Allenfalls, so haben Studien ergeben, scheint es die abdominelle Adipositas etwas zu reduzieren.“ Sprich: die viszerale Fettablagerung am Bauch, die viele Frauen ab der Menopause entwickeln. Doch mehr sei nicht drin. „Altern ist ein komplexes Zusammenspiel aus Genetik, Lebensführung und Umwelteinflüssen, das alle Komponenten des Körpers umfasst und nicht durch Hormone aufgehalten werden kann“, so der Experte. „Die Lifestyle-Mediziner, die behaupten, DHEA könne eine 55-jährige Frau in eine 40-Jährige verwandeln, wollen nur ihre Produkte verkaufen.“ Auch die Gynäkologin Dr. Sheila de Liz, Autorin des Buches „Woman on Fire“, sieht die Versprechungen kritisch: „Wir wissen nicht, warum der DHEA- Spiegel im Laufe des Lebens sinkt und ob das Hormon tatsächlich zuständig für eine jugendliche Erscheinung ist.“ Die Annahme, man müsse DHEA nur zuführen, damit der Körper aus dem Hormon das baut, was ihm gerade fehlt, basiere auf keiner wissenschaftlichen Grundlage. Für die Ärztin liegt darin ein Gedankenfehler: „Das ist ungefähr so, als würden wir, wenn wir Klamotten aus den 80ern anziehen, automatisch jünger werden.“

Altern ist ein komplexes Spiel aus Genetik, Lebensstil und Umwelteinflüssen

Der Wiener „Hormonpapst“ Professor Dr. Johannes Huber sieht das anders, er werfe einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen: „In Sachen Gesundheit, Wohlbefinden und Schönheit muss man den besten Experten zurate ziehen, den es gibt, und das ist die Natur und der eigene Körper.“ Eine Frau mit niedrigem DHEA-Spiegel, die über Beschwerden wie Energiemangel, Libidoverlust und Gewichtszunahme klage und sich nach der Einnahme besser fühle, mache alles richtig. „Wer heilt, hat recht.“

Fest steht: Erst nach ausführlicher Blutuntersuchung, bei der ein Mangel sichtbar wurde, darf das Hormon vom Arzt verschrieben werden. Andreas Pfeiffer warnt davor, DHEA im Internet zu bestellen und einfach mal auszuprobieren: „In den USA gibt es öfter das Problem mit Verunreinigungen.“ Auch die Gefahr der Überdosierung dürfe nicht unterschätzt werden: „Man kann mit 25 mg anfangen und langsam auf 50 mg täglich steigern, aber immer in Abstim-mung mit dem Arzt. Bei Frauen, die zu viel einnehmen, kann es zu Akne, Bartwuchs und einer tieferen Stimme kommen. Sind die Stimmbänder lang, ist das nicht mehr rückgängig zu machen.“ Bei vernünftiger Dosierung passiere jedoch nichts – vermutlich im wahrsten Sinne des Wortes. Laut dem Experten habe DHEA einen nicht zu unterschätzenden Placebo-Effekt. Wer daran glaube, sehe womöglich minimale Veränderungen.

Viel Wind um wenig Wirkung. Doch da gibt’s ja noch ein paar andere „Wunderhormone“, die die Anti-Aging-Szene für sich entdeckt hat. Neuerdings fühlen sich auch jüngere Frauen mit normalen Hormonspiegeln magisch von der Hormonersatz-Therapie angezogen, die eigentlich bei Frauen in der Menopause gegen Beschwerden wie Hitzewallungen und Gelenkschmerzen eingesetzt wird. Die Substitution von Östrogen und Progesteron, so die Hoffnung der Jüngeren, sorge bei ihnen für schönere Haut und eine schlankere Taille. „Kein vernünftiger Arzt würde einer gesunden Frau Hormone verschreiben, damit sie dünner wird oder schöne Haut bekommt. Das ist unseriös“, so Sheila de Liz. Ähnlich kritisch sehen Experten die Einnahme des immer wieder gehypten Schwangerschaftshormons Beta-HCG und des Wachstumshormons HGH, um Gewicht zu verlieren. „Die Frauen bekamen bei dieser Diät Beta-HCG gespritzt und durften am Tag nur 800 Kalorien zu sich nehmen“, so Sheila de Liz. „Klar, dass sie bei dieser Kalorienreduktion massiv abgenommen haben – das Beta-HCG hatte wohl keinerlei Effekt.“ Auch das Wachstumshormon zeige, oral eingenommen, keine Wirkung, so Andreas Pfeiffer. Den HGH- Spiegel könne man durch Sport und proteinreiche Ernährung erhöhen.

Körpereigenes DHEA bildet sich durch Sport, wenig Stress und gesunde Ernährung

Besser, als Mittelchen einzunehmen, sei ohnehin, die Bildung von DHEA und Co. auf natürlichem Weg anzukurbeln – durch weniger Stress, mehr Sport, gesunde Ernährung. „Das ‚Überessungssyndrom‘ ist in unserer Gesellschaft der Hauptgrund für vorzeitiges Altern“, so Johannes Huber. Wer möglichst lang jung aussehen will, solle zwischen 16 Uhr und dem nächsten Morgen nichts essen und keinen Alkohol trinken.

Oder man orientiert sich an den Bewohnern Okinawas, die vor Lebensfreude strotzen und die das Unabänderliche akzeptieren. Kein Hormon dieser Welt macht jünger und schöner als Gelassenheit.

Pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel mit hormonähnlicher Wirkung

1 Spermidin

Ein körpereigener Botenstoff, der die Autophagie (natürlicher Vorgang, bei dem die körpereigenen Zellen gereinigt werden) anregt und so jung hält. Spermidin steckt hochkonzentriert in Weizenkeimen und fermentiertem Soja, gibt’s auch als Kapsel oder Pulver (z. B. von Ringana).

2 Isoflavone

Die sekundären Pflanzenstoffe zählen zu den wichtigsten Phytoöstrogenen im menschlichen Stoffwechsel. Sie regulieren den Hormonspiegel, wirken antioxidativ und verbessern die Hautdichte. Isoflavone sind in Sojabohnen und Tofu enthalten, besser für den Körper verfügbar in Rotklee. Gibt’s als Tee, Kapseln und Tinktur.

3 Lignane

Eine Phytoöstrogengruppe, die in Leinsamen, Sesam, Kürbis- und Sonnenblumenkernen enthalten ist. Lignane wirken antioxidativ, verjüngend und tumorhemmend. Täglich Ölsaaten essen.

4 Vitalpilze

Als Anti-Aging-Spezialisten gelten fettabbauende Cordyceps und hautstraffende Reishi. In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden die Pilze individuell zusammengestellt, bei uns gibt’s sie als Pulver oder Kapseln (z. B. von Ylumi).