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Das verspätete Weihnachtsgeschenk


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Sieben Tage - epaper ⋅ Ausgabe 52/2022 vom 24.12.2022

Liebesroman der Woche

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Bildquelle: Sieben Tage, Ausgabe 52/2022

Es war kurz nach 17 Uhr und bereits dunkel, als sich Sabrina an diesem Silvesterabend mit dem Fahrrad auf den Weg zu einer Freundin machte, um mit ihr und ein paar Freunden Silvester zu feiern. Der kleine Feldweg, der einen Stadtteil mit dem anderen verband und durch ein kleines Stück Wald führte, war leicht zu fahren. Dennoch trat Sabrina missmutig in die Pedale.

Wie immer am Ende eines Jahres fragte sie sich, welche ihrer Ziele sie inzwischen erreicht hatte. Eigentlich keine, musste sie sich eingestehen, obwohl sie ihre Wünsche ans Universum schon mehr als einmal deutlich formuliert hatte: Sabrina wollte zum einen nicht mehr Single sein und zum anderen wünschte sie sich einen Hund.

Als alleinstehende, berufstätige Frau wäre sie einem Tier nicht gerecht geworden, das wusste sie. In einer Partnerschaft, in der man sich absprechen und abwechseln konnte, war es leichter, einen ...

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... Hund zu halten. Doch dazu fehlte ihr noch immer der Partner …

Spätestens zu Weihnachten hatte sie mit Mann und Hund unter einer geschmückten Tanne stehen wollen, aber wieder war sie alleine gewesen. Vielleicht nächstes Jahr, dachte Sabrina traurig.

„Sie schickt mir der Himmel“

Als sie aus dem Wald herausfuhr und am Stadtrand ankam, fiel ihr unter der Wegbeleuchtung eine kleine, helle Silhouette auf, die sich schnell auf sie zubewegte. Eine Katze? Nein, dafür war das Tier zu groß. Ein Hund?

Sabrina hielt ihr Fahrrad an und stieg ab. Weit hinter dem kleinen Hund rannte ein verzweifelt wirkender junger Mann her, der verzweifelt rief: „Filou, stopp! Komm, Filou, komm“, doch der Hund reagierte nicht. Irgendetwas musste ihn erschreckt haben.

„Hallo, Filou“, flüsterte Sabrina und ging in die Hocke. Sie tat so, als hätte sie ein Leckerli in der Hand, das sie dem Hund hinhielt. Es war ein keck wirkender Cockerspaniel, der sie jetzt misstrauisch beäugte. Immerhin hatte er angehalten, doch sein aufgeregtes Herrchen, das hinter ihm herrief, ignorierte er noch immer.

„Feines Hundchen“, gurrte Sabrina, „komm her, schau, ich habe etwas für dich …“ Vorsichtig kam der Hund näher, und Sabrina redete weiter beruhigend und lockend auf ihn ein.

Mittlerweile schien auch sein Herrchen zu erkennen, dass es wenig brachte, lauthals hinter einem flüchtenden Hund herzujagen. Er hielt an, schnappte nach Luft und bewegte sich dann mit leisen Schritten in ihre Richtung.

Mittlerweile hatte Filou anscheinend genug Vertrauen gefasst, um wenigstens an Sabrinas Fingern schnüffeln zu wollen. Diese Gelegenheit ergriff Sabrina und griff mit der anderen Hand beherzt an Filous Halsband. Jetzt hatte sie ihn!

„Oh, Gott sei Dank“, sagte der Mann, der mittlerweile bei ihnen angekommen war und Filou anleinen konnte. „Sie schickt mir der Himmel! Ich habe diesen Hund erst seit Weihnachten, und er hört noch nicht richtig auf mich. Dann ging eben beim Gassigehen ein Böller in seiner Nähe los, und er spurtete davon …“ Der Mann kratzte sich am Kopf. „Wir sind jetzt etwa zwei Kilometer von der Stelle entfernt, wo er losgelaufen ist. Wenn Filou jetzt im Wald verschwunden wäre … nicht auszudenken!“ „Es war leichtsinnig, ihn Silvester abzuleinen“, rügte Sabrina den Mann, der sich daraufhin verlegen am Kopf kratzte.

„Es ist mein erster Hund“, erklärte er. „Ich habe ihn aus dem Tierheim, und es klappt ganz gut mit ihm, aber die Feinheiten habe ich wohl noch nicht so drauf.“

Sabrina lächelte ihn versöhnlich an. „Ein hübscher Hund“, sagte sie.

„Ja, nicht wahr. Und beinahe wäre er für immer verschwunden. Wenn Sie ihn nicht angelockt hätten … Wie kann ich Ihnen danken? Darf ich Sie zu einem Kaffee oder Wein einladen?“

„Ach, das war doch nicht der Rede wert“, wich Sabrina aus und griff nach ihrem Fahrrad.

„Sie scheinen ein Händchen für Hunde zu haben, haben Sie selbst einen?“

„Nein, noch nicht, aber ich wünsche mir einen.“

„Was steht dem im Weg? Die Tierheime sind voll mit Hunden“, wollte der Mann wissen, der jetzt mit Filou neben Sabrina herlief.

Sabrinas Wünsche werden erfüllt

„Ach“, antwortete Sabrina vage, denn sie wollte ihre geheimen Wünsche nicht einem Fremden offenbaren. Dann aber gab sie sich einen Ruck und sagte: „Alleine ist es schwierig mit einem Hund.“

„Das stimmt“, sagte der Mann nachdenklich, und die beiden liefen ein paar Schritte schweigsam nebeneinander. „Ich merke das jetzt auch. Ich kümmere mich viel um Filou, aber manchmal … es wäre schöner, man hätte wenigstens einen Hundesitter. Oder eine Hundesitterin. Am liebsten eine wie Sie!“

Er sah Sabrina direkt an. „Sie möchten nicht zufällig meine Hundesitterin sein?“, fragte er sie leise.

Sabrina überlegte. Der Mann gefiel ihr. Der Hund auch. „Warum nicht?“, fragte sie also. „Aber ich weiß noch nicht einmal, wer Sie sind!“

„Tut mir leid, das hatte ich vergessen. Mein Name ist Benno Hofmann, ich wohne in der Bergmüllerstraße 22 und hoffe, Sie im neuen Jahr wiederzusehen.“

„Ich bin Sabrina aus der Kaiserstraße“, lachte Sabrina. „Aber jetzt muss ich mich beeilen. Ich habe einer Freundin versprochen, ihr bei der Vorbereitung der Silvesterparty zu helfen und bin spät dran.“

„Sehen wir uns dann morgen und besprechen die Details?“, fragte Benno.

Sabrina nickte. „Morgennachmittag gegen 15 Uhr? Treffpunkt vor der Bergmüllerstraße 22 zum gemeinsamen Gassigang?“

„Abgemacht“, strahlte Benno und gab ihr die Hand.

Es war ein merkwürdiger Silvesterabend für Sabrina, die ihn geistesabwesend mit ihren Freundinnen und Freunden verbrachte. War die Begegnung mit Benno und Filou vielleicht das verspätete Weihnachtsgeschenk des Universums an sie gewesen? Ihr Herz klopfte heftig, wenn sie an diese Möglichkeit dachte.

Ihr Herz klopfte immer noch, als sie am nächsten Tag vor Bennos Wohnung stand und schlug auch beim gemeinsamen Gassigang noch immer heftig gegen ihre Rippen.

Auf ihrem langen Spaziergang durch den Wald redeten sie über Gott und die Welt, ihre Lebensumstände und ihre Wünsche an die Zukunft. Als Sabrina erkannte, dass auch Bennos Herz klopfte, wenn er sie ansah, war alles plötzlich ganz einfach. Das Jahr war nur wenige Stunden alt, da wusste sie schon, dass es ihr alles gebracht hatte, was sie sich immer schon gewünscht hatte: die langersehnte Liebe und einen Hund!

Ende