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Das volle Programm


Das Satiremagazin EULENSPIEGEL - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 29.07.2021

Artikelbild für den Artikel "Das volle Programm" aus der Ausgabe 8/2021 von Das Satiremagazin EULENSPIEGEL. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Das Satiremagazin EULENSPIEGEL, Ausgabe 8/2021

JAN TOMASCHOFF

Deutschland im Sommer 2021: Wie alle vier Jahre steuert die Politik auf einen Höhepunkt zu, und wie bei den verflossenen Wahlkämpfen haben die Bürger Besseres zu tun, als sich um alberne Themen zu balgen. An die 160 Millionen Augen richten sich stattdessen auf das todbringende Triell zwischen Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz, zwischen der Guten, dem Bösen und dem Hässlichen, wie es Westernregisseur Sergio Leone schon 1966 auf den entscheidenden, den tödlichen Punkt brachte. Ob es Annalena »Clint« Baerbock gelingen wird, den einen der »zwei glorreichen Halunken« niederzuwalzen, den anderen als bloßes Häufchen Elend zurückzulassen und höchstselbst mit den Satteltaschen volle Wählerstimmen in Deutschlands Zukunft zu reiten, wis- sen nur die Auguren zu vermuten.

Durch und durch zu erwarten ist, dass das Wahlvolk bis zum Shootout am 26. September mit Schmutz- und Schmierkampagnen ...

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... gefüttert wird. Was restlos übersehen und vergessen wird, ist, dass sich danach die Zeit endlich weiterdreht – und dann kommen die Themen aus den Löchern. Es hat also seinen solide vernähten Sinn, nicht nur gespannt dem Kampf der drei Bestien zu folgen, sondern heimlich schon mal auf die Parteien zu schauen, die ihnen die Daumen drücken bzw. den verlängerten Rücken zukehren. Im Klartext: Werfen Sie einen kalten Blick auf die Programme!

In der CDU-Schrift findet sich zunächst wenig Überraschendes. Vater und Mutter sollen geehrt, die Unterwäsche regelmäßig lenorfrisch geniegelt und genagelt sein. Und Armin Laschets Sohn soll endlich einer vernunftbegabten Beschäftigung hinterhermalochen. Soll heißen, er möge nicht mehr seinen alten Beruf des Modebloggers auftragen. So weit, so glasklar vorhersehbar. Umweltpolitisch will man weiter den Badebereich des Biggestausees vom gröbsten Unrat bereinigen. Rentner bekommen eine Abwrackprämie für jede Hüfte, die länger als zehn überreife Jahre lang durch die Buschanei getragen wurde, damit sie sie nicht auf den wilden Deponien entsorgen.

Überhaupt steht die Nachhaltigkeit bei der Organisation mit dem monströsen C unübersehbar auf der Speisekarte. So macht die Partei der christlichen Autobahnfahrt »7 von 10 Punkten auf der Nachhaltigkeitsskala« zur absoluten Mindestbedingung, um mit Armin Laschet am Kabinettstisch einen Biojoghurt zu schmausen. Ganz besondere Aufmerksamkeit erfährt das blutdruckhochwichtige Thema der Genderei. Die Damen und Herren von der CDU setzen auf einen Mix aus Gendersternverbot und Todesstrafe für Sprachenschänder.

In diesem Bereich gibt es überlappende Ansatzpunkte zur AfD, die der Einfachheit halber alle weiblichen Formen der deutschen Sprache durch ein fest verzurrtes generisches Maskulinum vertäuen möchte. Künftig sollen alle Eltern unabhängig ihres Geschlechts als »Vater« bezeichnet werden, »Huren« werden zu »Sexarbeitern« oder zum frisch zusammengenagelten »Nutterich«. Die »Hebamme« wird »Hebhammer« heißen und »Alice Weidel« wird in »Björn Höcke« umbenamst. Zu einer vermuteten schießschartenhohen Überraschung der Wähler und Wähler dürfte sorgen, dass die Grenzen weiterhin scheunentorweit offen bleiben sollen. Die Jagdrechte werden aber von der blaublutenden Familie von Storch verwaltet.

Die FDP setzt hingegen auf einen inhaltlichen Mix aus Legen und Föhnen. Künftig soll der Markt Christian Lindners Frisur regeln, wie es ersterer bereits bei jedem gut geölten Aktienunternehmen tut. Schwere staatliche Eingriffe wie eine neuerliche Haartransplantation lehnt die Partei in ihrem Wahlprogramm ab. Schließlich hat der arme Lindner nach der Umpflanzung aus dem Nackenbereich nur noch seine Augenbrauen als runzelnde Haarreserve. Lieber will man mit steuerlichen Anreizen das Haupt des Parteiführers verbuschen lassen wie ein unreguliertes Brombeerfeld. Neu ist bei den Liberalen auch die patriotische Zuspitzung auf schwarz-rot-blonde Spitzen. Dermaßen gut aufgestellt hofft man am Wahlabend auf eine föhne Bescherung, obwohl Plagiatsprüfer bereits vermuten, dass weite Teile des Programms von der Friseur - innung abgeschrieben wurden. Beim Wahlkampfschwerpunkt Gen - dern setzt die FDP wiederum auf den vogelwilden und -freien Markt, wo die Grammatik von hippen Start-ups »neu gedacht« werden soll.

Die Grünen punkten mit einem Allerlei aus diesem und jenem, wobei der inhaltliche Schwerpunkt eindeutig auf die Inhalte fällt, die dem Wahlvolk jetzt nur noch eingehend verknuspert werden müssen wie ein zwiegebackener Dinkelkeks aus ökologischen Zutaten. Erwartbar war der Absatz über »die Freiheit, ›Negerschwanz‹ zu sagen«, den die Fundis in der Partei nur mit knirschendem Augenrollen gegen die übermächtige Front der Realos rund um Boris Palmer einstecken mussten. Aber diese Dinge machen die Schrift rund und gut lesbar (Arial, 12 Punkt!). Das Megathema Gendern ist für die als Verbotspartei geschmähte Verbotspartei ein Megathema, bei dem man auf Vielfalt setzt: Ob Japanisch, Englisch oder Farsi – solange gegendert wird, ist man oder frau oder divers im grünen Bereich, alle anderen müssen zusätzliche CO 2 -Abgaben leisten.

Der CSU ist dieses Mal alles egal. Das Wahlprogramm liegt darum nur auf dem Klo der bayerischen Staatskanzlei aus, wo es von jedem eingesehen werden kann, der sich vorher vom innerlich stark ange -gnatzten Markus Söder den Weg dorthin zeigen und die Kloschlüssel geben ließ. Neben Kot-und Urinflecken findet man in der eilig dahingedrechselten Schrift keinen einzigen Satz zu einer drohenden Abnabelung Bayerns vom deutschen Mutterland in Sachen Bienenschutz. Selbst das die Wahl entscheidende Problem des Genderns spielt nur bei der einleitenden Anrede der Leser eine Rolle, wo es neutral heißt: »Liebe bayerische Landsleut’!« Die Wut von Söder nach der verpassten Ausrufung zum Kanzlerkandidaten der Herzen ist nachvollziehbar, aber ob er auf diese Art seinen Honig vom Wahlvolk abholen kann?

Bleiben nur noch SPD und Linke, die beiden schlimm verfeindeten linken Stiefschwestern, die stets den Bruderkampf zelebrieren: Während die SPD sich selbst in streng stalinistischer Tradition unter Mütterchen Angela Merkel durchaus gekonnt eingenordet hat, punktet die Linke auch in ihrem neuen Wahlprogramm gerade beim jungen Wahlvieh mit erfrischenden trotzkistischen Ansätzen wie der Weiterführung der Weltrevolution nebst leichter Erhöhung des Mindestlohns. Außerdem sollen EinkommensmilliardärInnen 50 Prozent häufiger das Binnen-I verwenden müssen. In diesem allerwichtigsten aller Punkte ist man sich mit der SPD fast einig, die nur 30 Prozent fordert, sich aber wie immer gerne runter-oder hochhandeln lässt. Die Verherrlichung von Olaf Scholz im Programm der SPD als »Commandante mit der Bazooka« könnte den Genossen vom anderen Ufer jedoch übel aufstoßen. Genauso wie sich die alte Tante mit der Forderung von der Die Linke schwertun wird, das Willy-Brandt-Haus in Erich-Honecker-Zentrum umzubenennen. Da wird man wohl wieder eher nicht zusammenkommen, was anhand der zahlreichen Alternativen aber weit weniger schwer wiegt als der Sammelband der Schriften Marx’ und Engels’.

Also, liebe Wählerin und lieber Wähler, wer soll Ihr Herzblatt sein? Entscheiden Sie sich jetzt anhand der Programme, dann können Sie sich an den bevorstehenden Schlammkampagnen hemmungslos ergötzen. Es lebe unsere pluralistische Demokratie!

PAUL SCHABACKER / MANFRED BEUTER