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Das Waldviertel: Von Wackelsteinen und Mohnfeldern


Nationalpark - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 04.12.2019

Das Waldviertel in der Nordwestecke von Niederösterreich hat dem naturinteressierten Urlauber viel zu bieten.


Artikelbild für den Artikel "Das Waldviertel: Von Wackelsteinen und Mohnfeldern" aus der Ausgabe 4/2019 von Nationalpark. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Nationalpark, Ausgabe 4/2019

Nebel über den Mooren verleihen der Landschaft etwas Geheimnisvolles.


Neun Monate Winter und drei Monate kalt“, sagt ein geflügeltes Wort über das Waldviertel, angrenzend an Tschechien. Und ein bisschen Wahrheit steckt wohl dahinter, ist doch in Zwettl, mitten im Waldviertel, am 11. Februar 1929 die tiefste Temperatur in Siedlungen in Österreich gemessen worden: minus 36,6° Celsius. Aber das ist lange her.

Geologisch gehört das Waldviertel zur Böhmischen Masse, dem Granit- und Gneishochland, das ...

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... von Tschechien her bis zur Donau reicht. Die durchschnittliche Höhe liegt bei 500 bis 600 Metern, einzelne Hochlagen erreichen knapp über 1.000 Meter. Das Klima ist rau, aber nicht unwirtlich. Und es ist ein Reizklima, das sich die Betriebe der Gesundheitswelt zunutze machen. Die alten Ortschaften duckten sich trotzdem über Jahrhunderte in Mulden, so geschützt vor den kalten Winden.

Steinreiches Land

Das Waldviertel galt immer als karges, armes Land. Reich war es dagegen an Steinen. Vor allem im oberen Waldviertel finden sich zahlreiche Restlinge, die durch Verwitterung entstanden sind. Bei Gmünd sind sie im Naturpark Blockheide versammelt, tonnenschwere und doch manchmal scheinbar labil gelagerte Wackelsteine. Auch außerhalb des Naturparks stehen sie unter Naturschutz und dürfen nur mit behördlicher Genehmigung entfernt werden. Oft liegen sie auch in den Bächen und Flüssen als Reste einer uralten Landschaft, wie etwa beim Höllfall nahe Arbesbach oder in der Ysperklamm.

Und dann war das Waldviertel auch für seine Textilerzeugung bekannt. Flachs als Rohmaterial gedieh in dem rauen Klima auf kargen Böden. Die Hochblüte zeigte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stammt auch der BegriffBandlkramerlandl als Land der Bänderverkäufer. Im Textilmuseum Weitra kann man mehr dazu erfahren. Der größte Markt für die Textilien war Wien, und mancher Waldviertler wurde dort zum Unternehmer.

Und schließlich ist der Mohn Teil der Waldviertler Kulturgeschichte. So wie es anderswo Weinfeste gibt, wird im Mohndorf Armschlag alljährlich im September der Mohn gefeiert. In vielen Restaurants verarbeitet man Mohn in allerlei Speisen. Bekannt ist das Land aber auch für die Kartoffel, die hier hervorragend gedeiht. Und in den letzten Jahrzehnten hat so manche Sonderkultur den Bauern zu zusätzlichem Einkommen verholfen. Auch Arzneipflanzen sind darunter, unter anderem die Mariendistel, das Johanniskraut oder der Sonnenhut.

(Fotos: Dieter Manhart)

Land der Entschleunigung

Bis heute ist das Waldviertel kaum durch Infrastruktur zerschnitten. Man fährt hier eher auf kurvenreichen Straßen und dementsprechend langsamer. Wenn es nach dem Willen des ehemaligen Nationalparkdirektors und heutigen niederösterreichischen Verkehrslandesrates geht, dann sollte aber in ein paar Jahren eine Autobahn das Waldviertel queren. Mit allen negativen Auswirkungen auf die Wanderkorridore etwa der Wildkatze oder der Wölfe. Aber glücklicherweise geht im Waldviertel nicht alles so rasant vor sich. Die Wölfe haben sich übrigens vor ein paar Jahren auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig, einem Übungsplatz des Bundesheeres, niedergelassen und 2016 erstmals für Nachwuchs gesorgt. Beliebt sind sie nicht bei allen, vor allem nicht bei den Jägern.

Apropos Truppenübungsplatz: Zwischen 1938 und 1941 wurden mehr als 40 Dörfer abgesiedelt, darunter Döllersheim, Heimat der Großeltern Adolf Hitlers. Heute untersteht das über 150 Quadratkilometer große Gebiet dem österreichischen Bundesheer, rund zwei Drittel sind Europaschutzgebiet. Der große Anteil an Brachflächen und das strikte Betretungsverbot haben dazu geführt, dass zahlreiche bedrohte Arten hier ungestört leben, darunter Schwarzstorch, Seeadler, Wiesenweihe, Wachtelkönig, Mittelspecht, Heidelerche, Sperbergrasmücke, Neuntöter, Birkhuhn und Kornweihe. Und eben der Wolf. Die öffentliche Straße durch den Truppenübungsplatz kann in übungsfreien Zeiten befahren werden, dem Wolf wird man allerdings kaum begegnen.

Die Naturgeschichte des Waldviertels reicht aber weiter zurück. Ältere Besiedlungen hielten sich allerdings an den Rändern des Waldviertels. So richtig und systematisch besiedelt wurde das Land ab dem 11. Jahrhundert, als Klöster und Grundherrschaften begannen, den Ur-Wald zu roden. Trotzdem ist heute noch fast die Hälfte des Waldviertels bewaldet. Vielerorts wurden, wen wundert es, Fichten gepflanzt. In den Tälern der Thaya und des Kamps findet der Wanderer aber auch vielfältige Mischwälder.

Die Grundbesitzer waren auch Herren über die zahlreichen Teiche, die bei Klöstern und Burgen angelegt wurden. Aus diesen Fischteichen stammt heute noch ein guter Teil der Weihnachtskarpfen für Wien. Im Herbst ist das Abfischen mittlerweile zum Volksfest geworden. Natürlich finden auch Fischotter und Vögel hier ihre Nahrung, zum Leidwesen der Teichwirte.

Ein schräger Vogel

Oft wird das Waldviertel mit dem Begriff mystisch verbunden. Vielleicht hat das auch mit den Mooren zu tun, die es hier noch zahlreich gibt, und dem Nebel, der sich im Herbst über das Land legt. Mit rund 300 Hektar ist das Schremser Hochmoor das größte. Hier gibt es noch den äußerst seltenen Moorfrosch, die Sumpfschwertlilie oder die Gelbe Teichrose und den fleischfressenden Sonnentau. Im Unterwasserreich bei Schrems kann man vieles über die Moore und die geheimnisvolle Welt des Wassers erfahren.

Im Stadtbuch Waidhofen an der Thaya aus dem Jahr 1383 findet sich die Darstellung eines Waldrapps. Das brachte auf die Idee, den Waldrapp wieder nach Waidhofen zu bringen. Denn im 17. Jahrhundert starben diese Vögel wegen intensiver Bejagung in Mitteleuropa aus. Seit etwa 20 Jahren gibt es hier nun die größte Waldrappvoliere der Welt. Gemeinsam mit dem Tiergarten Schönbrunn bemüht man sich, diese extrem bedrohte Art in Mitteleuropa wieder anzusiedeln. Ein Besuch lohnt sich.

Das Waldviertel lag mehr als 40 Jahre am Eisernen Vorhang. Viele Waldviertler wurden zu Pendlern oder sind gleich nach Wien gezogen. Das hatte schon in der Monarchie Tradition. Heute ist es immer noch Abwanderungsgebiet, die Landesraumplanung scheint das Waldviertel fast vergessen zu haben. Der erste Pendlerzug fährt jeden Werktag schon um 3:50 Uhr von Gmünd Richtung Wien!

Wo ist der Fisch? Neugierige Fischotter fühlen sich wohl im Waldviertel.


Romantische Bachläufe, die zur Donau hin ganze Klammen ausgeformt haben.


Die Blockheide mit ihren Wackelsteinen ist ein beliebtes Ausflugsziel.


ROBERT BRUNNER hat seine Wurzeln im Waldviertel. Seine Großeltern wurden 1940 aus Döllersheim ausgesiedelt.


„Das Waldviertel liegt etwas abseits großer Verkehrsverbindungen. Gerade deshalb konnte es seine Ursprünglichkeit bewahren.“


Der Waldrapp soll wieder heimisch werden. (Fotos: waldrapp initiative waidhofen)

WALDVIERTEL AUF EINEN BLICK

ANREISEN

Mit dem Auto biegt man von der Westautobahn A1 bei Ybbs, Pöchlarn oder Melk ab, jenseits der Donau beginnt das Waldviertel. Die Franz-Josefs-Bahn – sie heißt tatsächlich noch immer so – quert das Waldviertel. Von Wien bis Gmünd an der tschechischen Grenze reist man gut zwei Stunden. Innerhalb des Waldviertels bedienen die Busse der Waldviertel-Linien viele Ortschaften.

ÜBERNACHTEN

Unterkünfte gibt es in allen Qualitätsstufen, zu den besten zählt die Schwarzalm bei Zwettl, www.schwarzalm.at, Tel. +43 2822 53173-0.
Empfehlenswert auch der Schüttkasten in Geras, www.schuettkastengeras.at, Tel. +43 (0) 29 12 300.
Bei der Suche und Buchung hilft gerneWaldviertel Incoming in Zwettl, www.waldviertel.at, Tel. +43 800 233830.

ESSEN UND TRINKEN

Unbedingt probieren: Waldviertler Erdäpfelknödel, etwa im Brauhotel Weitra, oder Saumeisen, das ist Hackfleisch im Schweinenetz geräuchert oder gegart. Und natürlich Karpfen, auf verschiedene Arten zubereitet. Dazu Bier aus Weitra oder Zwettl. Und danach Mohntorte oder Mohnzelten. Oder einen Schnaps von Kriecherln, einer Unterart der Pflaume.

ANSCHAUEN

Im Naturpark Blockheide in Gmünd, www.blockheide.at, kann man zahlreiche Restlinge sehen, im Unterwasserreich und Naturpark Hochmoor in Schrems, www.unterwasserreich.at, gibt es einen Einblick in das Wasserleben der Region.
Die Ysperklamm, www.ysperklamm.at, ist nur ein Beispiel für Wanderwege entlang des Wassers, auch im Thaya- und Kamptal sind beeindruckende Tageswanderungen möglich.
Zahlreiche Burgen und Schlösser, bespielsweise Rosenburg, Artstetten, Rosenau, Raabs, und Klöster wie Zwettl, Geras und Altenburg vermitteln Wissenswertes über die Geschichte der Region.
Bademöglichkeiten gibt es an vielen Teichen oder an den Stauseen im Kamptal.
Seltenheitswert hat die Waldrappvoliere in Waidhofen an der Thaya. Ganz im Nordosten, am Übergang zum Weinviertel, liegt der Nationalpark Thayatal. Informationen zu diesem reizvollen Schutzgebiet sind inNationalpark 128 (2005) oder auf www.np-thaytal.at nachzulesen.

INFORMIEREN

Othmar Pruckner,Das Waldviertel. Natur, Kultur, Essen, Trinken, Sport , Falter Verlag 2014, ISBN 978-3-85439-518-8. € 29,90. Nicht mehr ganz aktuell, aber wirklich lesenswert.

► www.waldviertel.at