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Das »Warum« finden und dem Leben einen Sinn geben


founders magazin - epaper ⋅ Ausgabe 26/2021 vom 30.06.2021

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Bildquelle: founders magazin, Ausgabe 26/2021

Du hattest eine bewegte Vergangenheit. Mit 13 Jahren musstest du aus deiner Heimat in Baku, damals ein Teil der ehemaligen Sowjetunion, fliehen und kamst mit deiner Familie schließlich nach Deutschland. Rückblickend konntest du feststellen, dass diese traumatischen Erfahrungen dein Leben zum Positiven verändert haben.

Wie war das möglich?

»Wenn dir das bewusst wird, merkst du, wie viele Dinge eigentlich unwichtig sind, über die wir uns sonst den Kopf zerbrechen.«

Meistens ist es ja so, dass Menschen, die schwierige Erfahrungen hinter sich gebracht haben, das Leben mit anderen Augen betrachten. So eine Erfahrung war bei mir die Todesangst. Auch wenn, als wir in Deutschland ankamen, erst einmal nicht alles super war, war eines weg – das Gefühl der Todesangst. Alle anderen Probleme, die wir hier in Deutschland haben, sind im Vergleich dazu, und auch im Vergleich mit anderen Problemen in dieser Welt, winzig klein. Wenn dir das bewusst wird, merkst du, wie viele Dinge eigentlich unwichtig sind, über die wir uns sonst den Kopf zerbrechen. So ist dann der Wille entstanden, meine Berufung anzugehen, denn ich denke, es hat einen Grund, wieso ich noch am Leben bin.

Du hast 17 Jahre lang in Anstellungsverhältnissen gearbeitet, bevor du dich dazu entschlossen hast, dein eigenes Unternehmen zu gründen. Was hat dich dazu bewogen und wie hast du es in Angriff genommen?

Nachdem wir in Deutschland ankamen, war ja alles neu für mich. Ich musste erst einmal die Sprache lernen und auch die Kultur verstehen. Ich kam direkt in die achte Klasse der Realschule und war froh, dass ich erfolgreich meinen Abschluss schaffte. Wie das so ist, sagten mir meine Eltern, ich solle einen vernünftigen Beruf erlernen, also machte ich eine kaufmännische Ausbildung und habe dann die ersten zehn Jahre ganz normal »funktioniert«. Ich merkte aber mit der Zeit, dass das nicht mein Weg war. Nach und nach stellte ich fest, dass ich Menschen positiv beeinflussen und motivieren kann, doch hätte ich niemals gedacht, dass es irgendwann mein Beruf werden könnte. Als dann Facebook nach Deutschland kam, fing ich dort an, motivierende Sprüche zu posten und entdeckte Social Media für mich. All das ganz ohne Businessgedanken, sondern um dieser inneren Stimme, meiner Berufung zu folgen, nämlich andere Menschen glücklich zu machen.

Dann, nach 17 Jahren Angestelltenverhältnis, bin ich gesprungen und da ging mein Fallschirm auf, mit all meinen Talenten, Stärken und Fähigkeiten. Ich hatte noch keinen Masterplan, wie vieles funktioniert, doch wenn man sich traut, den ersten Schritt zu gehen, folgen die anderen automatisch. Ich startete zunächst im Bereich Marketing und wurde in dem Bereich immer größer und mit der Zeit gründete ich dann weitere Unternehmen. Es ist aber noch lange nicht vorbei, ich bin immer noch auf der Reise und sie wird auch nicht so schnell enden.

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In deinen Coachings und Seminaren geht es darum, der eigenen Leidenschaft zu folgen. Suchen auch Menschen bei dir Hilfe, die noch gar nicht wissen, was ihre Leidenschaft wirklich ist? Und wenn ja, wie hilfst du ihnen dabei, sie zu finden?

Ja, das tun sie. Auf der einen Seite begleite ich Menschen über mehrere Monate und helfe ihnen dabei, ihre Leidenschaft bzw. Berufung zu finden. Dort zeige ich ihnen genau den Weg, den ich gegangen bin und gebe das Wissen weiter, das ich von meinen eigenen Mentoren und Weiterbildungen lernen durfte.

Zudem zeige ich den Menschen, deren Berufung es ist zu coachen, wie sie ihre Berufung auch im Business umsetzen und am Ende davon leben können. In einer knapp einjährigen Begleitung zeige ich ihnen dort ganz konkret, was funktioniert und auch, was nicht funktioniert. Vor allem im Marketingbereich, damit sie auch die richtigen Menschen anziehen und diese sicher von A nach B bringen können. Denn ich glaube fest daran, dass jeder Mensch ein Geschenk hat, welches nur er der Welt geben kann.

»Oft ist es der allererste Schritt, die Entscheidung zu treffen, überhaupt zu starten.«

Welche sind die häufigsten Hindernisse, über die du deinen KundInnen und TeilnehmerInnen auf dem Weg zur Erfüllung ihrer Träume hinweghilfst?

Oft ist es der allererste Schritt, die Entscheidung zu treffen, überhaupt zu starten. Dort stellen sie sich meist die Fragen »Wie genau starte ich?« »Was muss ich tun?«. Genau dort geben wir unseren KundInnen einen glasklaren Weg, den sie gehen können und auch, wie sie die Hindernisse umgehen, die vor ihnen liegen.

Wie viel hat Selbstbewusstsein mit einem erfüllten Leben zu tun?

Ich bin der Meinung, dass beides stark miteinander zusammenhängt. Selbstbewusstsein sorgt dafür, dass man sich selbst bewusst ist. Man weiß also, wer man ist und was man kann. Dadurch traut man sich eher, neue Dinge anzugehen, seine Meinung zu vertreten und auch seine Wünsche in die Realität umzusetzen.

Ich selbst hatte viele Phasen, in denen ich kein Selbstbewusstsein hatte und mir wie ein Niemand vorkam. Vor allem nach dem Krieg oder in meiner Schulzeit, in der ich täglich Mobbing erfahren musste aufgrund meiner anderen Herkunft. Da war mein sehnlichster Wunsch, ein anderer Mensch zu sein, am liebsten mit blonden Haaren. Seitdem ich mich mit der Persönlichkeitsentwicklung befasst und auch immer mehr neue Dinge ausprobiert habe, ist mein Selbstbewusstsein automatisch mitgewachsen. Ein erfülltes Leben bedeutet ja, dass man auch mal Dinge tut, die vielleicht auf den ersten Blick unangenehm erscheinen, die einen aber wachsen lassen. Dadurch werden die Probleme automatisch kleiner, weil du mehr lernst, mehr kannst, mehr weißt und dich von deinen Ängsten nicht mehr kontrollieren lässt.

Ein wichtiger Aspekt in deinem Coaching- Konzept ist das ›Warum‹. Weshalb ist dies so wichtig und was ist dein großes ›Warum‹?

Mark Twain sagte einmal: »Die zwei wichtigsten Tage im Leben sind der Tag, an dem man geboren wird, und der Tag, an dem man herausfindet, warum«.

Mein »Warum» ist es, anderen Menschen zu helfen, ihr »Warum« zu finden. Denn als ich selbst angestellt war, wurde ich nie wirklich glücklich, weil ich genau dieses »Warum« jahrelang unterdrückte. Ich glaube fest daran, dass wir alle eine gewisse Mission mit auf den Weg bekommen haben und auch etwas in uns tragen, was wir der Welt geben sollten. Viele Menschen spüren das, aber sie trauen sich nicht, dieser Stimme zu folgen. Wir spüren ja, wenn wir nicht dort sind, wo wir hingehören. Meiner Meinung nach ist es extrem wichtig, genau das herauszufinden. Denn wie heißt es so schön: »Suche nicht nach dem Sinn des Lebens, sondern gib dem Leben einen Sinn.«

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, wenn man die Leidenschaft zum Beruf machen und ein eigenes Unternehmen gründen und erfolgreich führen möchte? Kann man möglicherweise fehlende Voraussetzungen noch erlernen oder kompensieren?

»Was ich persönlich für sehr wichtig halte ist, sich jemanden zu suchen, der bereits dort steht, wo man hin will.«

Ich denke, nicht jeder bringt die Voraussetzungen mit, ein Unternehmen zu gründen. Das sollte auch nicht das Ziel eines jeden sein. Aber jeder bringt die Voraussetzung mit, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Es gibt auch viele Menschen, die ihrer Leidenschaft nachgehen und im Angestelltenverhältnis sind. Daher schafft es auch nicht jeder in unser zweites Coaching, in dem es nicht mehr nur um das »Warum«, sondern um unternehmerische Aspekte geht. Eine Voraussetzung, die man auf jeden Fall mitbringen sollte, ist die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. Auch wenn es mal schlecht läuft, muss man kontinuierlich dranbleiben. Ich selbst hatte die ersten drei Jahre Existenzängste und schlaflose Nächte. Doch wenn man der inneren Stimme folgt und es wirklich will, gibt es keinen Grund aufzugeben.

»Doch es kostete mich am Ende deutlich mehr Zeit, mehr Energie und auch mehr Geld, als wenn ich bereits jemanden an meiner Seite gehabt hätte, der den Weg schon einmal gegangen ist.«

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Was möchtest du frisch gebackenen oder noch in den Startlöchern stehenden GründerInnen unbedingt mit auf den Weg geben?

»Eine Voraussetzung, die man auf jeden Fall mitbringen sollte, ist die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen.«

Was ich persönlich für sehr wichtig halte ist, sich jemanden zu suchen, der bereits dort steht, wo man hin will. Denn Mentoren haben all diese Phasen schon erlebt und helfen einem, all das zu umgehen oder leichter zu überstehen. Viele wollen erst einmal ihren eigenen Weg gehen und versuchen, alles selbst zu schaffen. Ich selbst war auch so. Ich wollte mein Geld sparen, weil ich dachte, es sei günstiger, wenn ich es alleine mache.

Doch es kostete mich am Ende deutlich mehr Zeit, mehr Energie und auch mehr Geld, als wenn ich bereits jemanden an meiner Seite gehabt hätte, der den Weg schon einmal gegangen ist.

Ich selbst durfte viel von meinen Mentoren lernen und genau dieses Wissen gebe ich jetzt weiter. Vor allem unternehmerisch und auch im Marketingbereich zeige ich Menschen die konkreten Schritte, was wann zu tun ist.

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