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Das Wasser ist mein Bett!


karpfen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 22.11.2019

Für Mathis Korn hat sein Schlauchboot das Ufer komplett ersetzt. Er angelt, wo möglich, nur noch vom Boot – aus gutem Grund.


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Bildquelle: karpfen, Ausgabe 10/2020

Grüne Hänge, azurblaues Wasser: Mathis fischt am liebsten in den schönen Seen und Flüssen Frankreich von seinem Boot.


Alles begann mit einem Trip mit meinem Freund Markus im vergangenen Jahr. Er lud mich auf sein Boot ein, an einem alpinen See im Süden Österreichs. Der Komfort in diesem Kajütboot der Extraklasse beeindruckte mich, außerdem war der Spotwechsel innerhalb von Minuten geschehen. Kurzum – ich bin seitdem vom Bootsangeln infiziert. Nur der hohe Preis eines Bootes hielt ...

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... mich anfangs davon ab, mich intensiver damit zu beschäftigen. Doch bereits wenige Monate später sehe ich durch Zufall auf Facebook die ideale Lösung – es handelt sich um das iBoat 500. Ein Schlauchboot, groß genug für zwei Personen, solide verarbeitet und gut durchdacht. Gekauft! Ich besorge mir noch ein spezielles Bootszelt von Black Cat, das mit wenigen Handgriffen schnell aufgebaut ist. Die Innenseite des Bootes ist am Spiegel 1,20 Meter breit, aber auch in der Mitte bietet es genügend Platz für zwei Liegen. Dazwischen ist immer noch ein etwa 40 Zentimeter breiter Gang. Unter der Schlaffläche befindet sich jede Menge Platz für Taschen, Futter, Fotokoffer und Proviant – alles was auf einem Bootstrip benötigt wird. Dank des Aluminiumbodens ist auch Kochen kein Problem.

Bootsausstattung

Doch wie soll ich dieses Monstrum von Boot nur ins Wasser bringen? Zu zweit – wie geplant – ist das unmöglich. Ich skizziere wilde Theorien mit zusammenklappbaren Slippwägen und selbstgeschweißten Konstruktionen auf Papier, bis ich auf die entscheidende Idee komme: Kanuwagen. Jeweils einer unter jedem Schlauch am Heck und schon lässt sich das große Boot von nur einer Person ins Wasser befördern. Angetrieben wird das Boot von einem vier-PS-starkem Haswing Protura 3.0-Elektromotor (eine etwas günstigere Alternative zum Torqeedo), der von einer Lithium Ionen-Batterie (200 Ah/24 V) gespeist wird. Dieser Motor hat auch bei Wind genügend Kraft, das Boot auf den gewünschten Spot zu manövrieren.

2,60 Meter lang sollte das Beiboot sein, um Futtermittel und andere Utensilien zwischenlagern zu können.


Mit zwei Kanuwägen am Heck kann Mathis das Schlauchboot allein zu Wasser lassen.


Dank des Beiboots kann Mathis gehakten Fischen entgegenfahren und sie gegebenenfalls aus Totholz oder anderen Hindernissen befrejen.


Verankert wird das Boot in Zukunft mit vier Ankerleinen (je 30 Meter Länge), an denen vier Flussanker mit je 20 Kilo Gewicht hängen. Die Vierpunktverankerung ist wichtig, um das Boot auch bei Wind und Wellen möglichst an einer Stelle zu halten. Somit melden sich die Bissanzeiger nur bei einem Biss!

Hinzu kommt noch ein Beiboot. Ich benutze ein 2,60 Meter langes Schlauchboot, mit dem ich die vier Anker des Hauptbootes setze, Ruten auslege und füttere, drille – und wenn nötig – ans Ufer fahre. Auch dieses Boot verfügt über einen kleineren Elektromotor, eine Batterie, Echolot mit GPS und weitere Kleinmaterialien, die ich benötige, um meine Ruten schnell beködern zu können. Ein kleineres Boot würde ich nicht empfehlen, da hier keine Materialien wie Futter „zwischengelagert“ werden können. Auch das Thema Sicherheit ist hier zu beachten, größere Boote liegen stabi-ler im Wasser als kleinere Boote. Das Beiboot wird lediglich mit einem Karabiner am Hauptboot fixiert, damit ich bei einem Biss schnell dem Fisch entgegenfahren kann.

Acht Ruten, zwei Liegen, Zelt und zubehör: Wer gut organisiert ist, kann sein Boot ganz schön vollpacken.


Dicke Vorteile

Das Angeln vom Boot bietet zu jeder Jahreszeit große Vorteile, besonders aber im Frühjahr, wenn sich die Fische im Flachwasser oder im Schilf aufhalten. Die Karpfen können dann vom Boot aus direkt und auf kurze Distanz beangelt werden. Auch interessant sind natürlich Gewässerabschnitte, die schlecht oder gar nicht zugänglich sind, wie Naturschutzgebiete, Inseln, Steilwände, Uferböschungen und Häfen. Vorausgesetzt man darf diese Bereiche mit dem Boot be-, bzw. anfahren. Zudem ist vom Boot aus die Bisserkennung sensibler und man ist schneller am Fisch als auf lange Distanz. Im Sommer profitiert man auch vom Bootsangeln: Man kann schnell auf springende Fische reagieren, indem man in wenigen Minuten den Platz wechselt. Montagen und Anker einholen – und schon kann der neue Platz angesteuert werden. Auch das Angeln in stark verkrauteten Gewässern wird einfacher. Ich ankere in der Nähe von Krautlöchern und kann somit die freien Plätze gezielt beangeln. Auch hier bekomme ich den Biss schneller mit – ein großer Vorteil. Kurzum, wo man sonst über hunderte Meter hin angeln würde, besteht nun die Möglichkeit, auf nur wenige Meter punktgenau zu fischen. Im Herbst fahre ich oft mehrere Plätze ab, die ich täglich seit Tourbeginn vorgefüttert habe. All dies wird mit dem Beiboot erledigt. Im Winter merkt man die Kälte des Wassers und jeden Luftzug außerhalb des Bootszeltes. Im Bootszelt selbst verwende ich eine Gasheizung (Heatbox) mit Sauerstoffmangelregler. Beangelt werden dann die tieferen Teile der Seen, wie z.B. Bereiche vor den Staumauern oder tiefe Löcher in Baggerseen.

Platzwechsel lassen sich dank des Bootes innerhalb von Minuten bewerkstelligen


Zwanzig Kilo Plus: Mathis`Freude über seinen ersten großen Bootskarpfen ist unbeschreiblich.


Trip Nr. 1

Nachdem ich mir also mein Boot zugelegt habe, ging es Mitte März desselben Jahres ab aufs Wasser. Und zwar in Südfrankreich, gemeinsam mit meiner Freundin. Die Sonne strahlt und wir entladen das Hausboot samt Beiboot. Durch den Probeaufbau im Innenhof läuft alles wie am Schnürchen.

Nach knapp einer Stunde haben wir die Boote beladen und stechen in See. Der Motor pfeift und wir gleiten rasch über das türkisfarbene Wasser. Der Spot, den ich mir bereits vorher bei Google Maps rausgesucht habe ist frei – perfekt. Nach wenigen Minuten sind die vier Anker gesetzt und das Boot steht wie eine Eins vor dem dichten Unterholz. Perfekt getarnt und vom Ufer aus nur bei genauem Hinsehen zu entdecken. Da im Boot bereits alles hergerichtet ist, fangen wir an, die acht Ruten auf unterschiedlichsten Tiefen im Gewässer zu verteilen. Es dauert gefühlt eine halbe Ewigkeit, bis die letzte Montage ihren Platz gefunden hat. Die Sonne geht bereits unter, als wir im Außenbereich des Bootes sitzen und uns Abendessen kochen. Am See kehrt Ruhe ein. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Die Wellen klatschen gegen das Boot, der warme Südwind lässt das Zelt flattern und wir genießen den sternenklaren Himmel bei einem Glas Rosè.

Noch bevor das Glas leer ist, läuft der erste Fisch ab – was für ein genialer Start. Schnell ins Beiboot und schon geht es dem ersten Bootskarpfen entgegen. Hier und da hängt die Schnur in Unterwasserhindernissen fest, doch lässt sich diese nach ein paar Wendemanövern lösen – der 50er Schlagschnur sei Dank. Während die letzten Sonnenstrahlen des Tages über den See schimmern, ziehe ich einen Schuppi über die Keschermaschen. Glücksgefühle und Erleichterung machen sich in mir breit. Alles hat bisher wie geplant geklappt – das kommt nicht oft vor. In der Nacht bleiben die ersehnten Bisse aus und wir schlafen bis uns die ersten Sonnenstrahlen des Tages wecken. Ausgeschlafen und gut gelaunt, mache ich mich nach einem ausgiebigen Frühstück auf die Suche nach neuen Spots, die ich vorfüttern möchte. Sollte tagsüber nichts mehr passieren, habe ich somit weitere Optionen, um den einen oder anderen Fisch zu überlisten. Gerade im Frühjahr, wenn die Fische noch nicht so viel ziehen, muss man flexibel sein.

Bereits nach dem ersten Tag kehrt auf dem Boot Routine ein. Jeder Handgriff sitzt und auch die Landgänge tagsüber kann man an einer Hand abzählen – anders als erwartet. Auch das Wetter spielt bis auf einen kurzen Schauer mit. Wir sonnen uns gerade im Außenbereich des Bootes und genießen die Zeit, als ein heftiger Vollrun die Rute fast aus dem Rod Pod reißt. Also ab ins Boot und dem Fisch zur Seemitte entgegen. Der starke Elektromotor steht auf Vollgas. Ich komme kaum noch mit dem Kurbeln nach und werde gezwungen, langsamer zu fahren. Hoffentlich verfängt sich die Schnur nicht wieder in Unterwasserhindernissen. Kaum über dem Spot angekommen, tobt der Fisch unter meinem Boot. Er zieht am Boden des Gewässers lang und sucht förmlich nach Hindernissen. Doch irgendwann gelingt es mir auch, diesen Fisch zu landen – ein richtiger Brocken! Ein alter Fisch, der die magische 20-Kilogramm-Marke überschreitet. Ich hätte mir nicht erträumen können, gleich beim ersten Trip solch einen Fisch landen zu können. Wahnsinn! Und er blieb nicht der einzige große Fisch, den ich von meinem Schlauchboot fing. Bootsangeln ist genau mein Ding.

Spezielle Boots-Pods lassen sich am Spiegel fixieren und halten die Ruten zuverlässig am Platz.


Bootsangeln:

Das muss mit!

• Stabile und variable Rod Pods (2-4 Ruten) mit Bootshalterung
• Mindestens zwei Schwimmwesten (allein sollte man nicht unbedingt vom Boot aus angeln)
• Signalmittel
• Besonders leise und starke Elektro-Bootsmotoren (z.B. Haswig Protura 3.0)
• Praktisches Bootszelt (z.B. Black Cat Cave II)
• Bissanzeiger mit Sensibilitätsverstellung (ansonsten bei Wellengang ein großer Störfaktor)
• Liegeflächen (können separat bestellt werden) auf denen Isomatten platziert werden können
• vier 20 Kilo-Anker
• Beiboot
• kurze, handliche 10ft-Ruten