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Das Waterloo in Wisconsin


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GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 19.10.2021

43. RYDER CUP

Artikelbild für den Artikel "Das Waterloo in Wisconsin" aus der Ausgabe 110/2021 von GOLF MAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 110/2021

Ein bisschen Bauchschmerzen musste man schon im Vorfeld haben. Ein so starkes US-Team (durchschnittlicher Weltranglistenplatz: 9) ist noch nie zum Ryder Cup angetreten. Es würde ein Heimspiel werden, der Platz war auf die US-Bedürfnisse hergerichtet, und europäische Fans würden wegen der Reisebeschränkungen nur kleckerweise in die USA kommen können, um ihre Mannschaft zu unterstützen.

Aber Europa-Fans blieben optimistisch, und es gab ja auch gute Gründe dafür: Die US-Amerikaner seien zwar auf dem Papier das stärkere Team, aber das waren sie ja in den letzten Jahren immer, oder? Und gab es nicht vorher Spannungen zwischen den US-Diven? Lieferten sich nicht Brooks Koepka und Bryson DeChambeau seit Monaten einen Kleinkrieg? Und Koepka redete den Ryder Cup ein paar Wochen vor Beginn sogar klein, als wäre es eine lästige Zirkusnummer – wie zuvor es schon so viele US-Stars getan hatten, ...

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... seinerzeit auch Tiger Woods. Würde sich das Team aus den zweifellos starken Einzelspielern möglicherweise erneut selbst ins Knie schießen?

Und würde Steve Stricker einer der üblichen schwachen Captains sein, der mit fragwürdigen Entscheidungen die Spieler gegen sich aufbringt? War er nicht selbst ein Spieler, der unter Druck selten Bestleistungen ablieferte und vom Ryder Cup 2012, als er das entscheidende Match gegen Martin Kaymer verlor, ein gehöriges Trauma mit sich herumschleppte?

Und würde nicht der Kampfgeist der Europäer den Ausschlag geben können? Rory McIlory, Ian Poulter, Paul Casey, Lee Westwood, – die würden es mit ihrem Teamspirit schon richten, und mit Jon Rahm spielte ja sogar die Nummer eins der Welt auf europäischer Seite mit! Und Sergio García hat in seiner Cup- Karriere genauso viele Punkte geholt wie das gesamte US-Team zusammengenommen.

Wie immer also: die USA Favorit, Europa die bessere Mannschaft. Oder?

TAG 1

Der Freitag beginnt mit einer Überraschung: Im Klassischen Vierer, der traditionellen amerikanischen Schwäche, holen die USA drei von vier Punkten. Nur Jon Rahm und Sergio García können sich gegen Justin Thomas und Jordan Spieth durchsetzen. Überraschend ist die deutliche 5&3-Packung, die Patrick Cantlay und Xander

Schauffele den Euro-Helden Rory McIlroy und Ian Poulter verabreichen – sicher nur ein Ausrutscher?

USA-Europa 3:1

Am Nachmittag beim Vierball-Bestball gewinnt Europa kein einziges Match, kann lediglich zwei Mal teilen. Wie schon am Vormittag kassiert Rory McIlroy eine heftige 5&3-Klatsche, dieses Mal mit Shane Lowry gegen Tony Finau und Harris English. Bernd Wiesberger kommt mit Paul Casey zu seinem ersten Ryder-Cup-Einsatz. Der Österreicher spielt gleich auf Bahn 1 ein Birdie, doch Dustin Johnson und Xander Schauffele sind zu stark. Und am Freitagabend ist klar, dass dieser Ryder Cup eine ganz harte Nuss für die Europäer wird. Am Samstag müssen dringend Punkte her.

USA-Europa 6:2

TAG 2

Im »Morning Foursome« ist auf das Traumduo Jon Rahm und Sergio García Verlass: Die Spanier gewinnen gegen Brooks Koepka und Daniel Berger. Doch der Rest des Scoreboards ist tiefrot – wie am Freitag gewinnen die US-Amerikaner drei Vierer-Matches, auch Bernd Wiesberger muss im Rookie-Team mit Viktor Hovland gegen Justin Thomas und Jordan Spieth einen weiteren Punktverlust hinnehmen. Die ersten drei Sessions gehen mit jeweils 3:1 an die USA. Was für ein Desaster! Wenn noch irgendetwas möglich sein soll, muss Europa den Nachmittag klar für sich entscheiden.

USA-Europa 9:3

Im Vierball sieht es zwischendurch nicht schlecht aus, zeitweise führen die Europäer in drei der vier Matches. Ist doch noch Leben im Team? Doch am Ende wird die Session mit 2:2 geteilt, auch weil DeChambeau und Scottie Scheffler das Match gegen die insgesamt enttäuschend spielenden Tommy Fleetwood und Viktor Hovland drehen können – und bei diesem Gesamtscore gibt es keine realistische Chance mehr auf einen Sieg. Es ist die höchste Führung eines Teams nach zwei Tagen seit fast 50 Jahren. Schon jetzt wird trotz aller Durchhalteparolen klar: Es geht für Europa nur noch um Schadensbegrenzung. Niemand glaubt ernsthaft daran, die Europäer könnten neun der zwölf Single- Matches gewinnen, um den Cup zu verteidigen.

USA-Europa 11:5

TAG 3

Am üblicherweise dramatischen Schlusstag der »Single-Matches« ist die Sache schnell klar: Zwar holt sich Rory McIlroy nach einem schon fast bemitleidenswert schwachen Cup endlich seinen ersten Punkt gegen Xander Schauffele, auch die ansonsten enttäuschenden Lee Westwood und Ian Poulter können ihre Matches gewinnen. Aber der Rest des Scoreboards zeigt die US-Spieler vorn. Dustin Johnson gewinnt den fünften von fünf möglichen Punkten – und ist der erste US-Amerikaner seit 1979, dem das gelingt.

Eigentlich ist der Ryder Cup schon am ersten Abschlag von Match 4 entschieden, als Bryson DeChambeau die Nerven hat, das Grün des Par 4 anzugreifen, was ihn mit einem 350-Meter- Drive tatsächlich gelingt. Schon auf der Teebox lässt er sich den Putter geben – und versenkt den Eagle gegen Sergio García. Was für ein Auftritt!

Und tatsächlich wird es ein Ryder Cup der Rekorde – der des höchsten Sieges eines Teams seit 1979. Leider steht Team Europa in diesem Fall auf der falschen Seite der Geschichtsbücher.

Endstand: USA-Europa 19:9

DAS PROBLEM DER »VERLORENEN GENERATION«

Anschließend: Champagner, US-Fahnen und Jubel – und sogar eine Versöhnungsumarmung zwischen Bryson DeChambeau und Brooks Koepka. Beide hatten, wie sich hinterher herausstellte, bei Steve Stricker darum gebeten, in einer der Sessions gemeinsam antreten zu dürfen. Bei Team Europa fließen dagegen Tränen – der Beweis dafür, wie viel allen Spielern der Ryder Cup bedeutet. Und vielleicht auch ein Indiz, wie hilflos sich die Spieler da draußen gegen die übermächtigen US-Amerikaner fühlten.

Team USA war nicht nur auf der Weltrangliste stärker, sondern auch noch auf den Punkt in Bestform. Kaum ein Euro-Spieler hatte in den letzten Monaten irgendwas gerissen. Dass auch ein »Pick« wie Ian Poulter enttäuschte, dass Rory Mclroy nur einen Punkt aus vier Matches holte und Viktor Hovland gar nur einen Punkt aus 5 – damit war schlicht nicht zu rechnen. Pádraig Harrington war darüber hinaus durch den rigiden und allzu European-Tour-lastigen Qualifikationsmodus gezwungen, eindeutig formschwache Spieler mitzunehmen (siehe Kommentar auf Seite 56).

Man kann dem irischen Kapitän nichts vorwerfen, so überlegen war das US-Team in allen Belangen. Und selbst mit einem anderen Qualifikationsmodus wäre zumindest in diesem Jahr wohl nichts zu holen gewesen. Und jetzt, wo die Amerikaner auch noch mannschaftliche Geschlossenheit zeigen, wird es ganz eng für Europa in den nächsten Jahren. Die US-Spieler sind gewissermaßen auf den Geschmack gekommen.

Zwei Jahre sind es bis zum nächsten Ryder Cup in Rom. Für alte Euro-Recken wie Lee Westwood und Ian Poulter war Whistling Straits vermutlich der letzte Cup-Auftritt. (Westwood, 48, wird schon als Kapitän für 2023 gehandelt.) Der Generationenwechsel, der den USA in diesem Jahr so brillant gelungen ist – sechs der zwölf Spieler des Teams waren Rookies, acht sind unter 30 –, steht den Europäern noch bevor. Es gibt nur zwei Probleme:

Erstens existiert in Europa eine »verlorene Generation« der Golfer im besten Alter von Mitte bis Ende dreißig, die von der Bildfläche verschwunden sind – die Major-Sieger Danny Willett, Francesco Molinari oder Martin Kaymer, aber auch Longhitter wie Nicolas Colsaerts, Álvaro Quirós oder sein Landsmann Rafa Cabrera Bello wären prädestiniert dafür gewesen, echte Ryder-Cup-Anker zu werden und junge Spieler heranzuführen, laufen aber seit Monaten oder Jahren ihrer einstigen Weltklasse-Form hinterher. Vergessen wir nicht, dass Martin Kaymer im Ryder Cup 2012 den Sieg-Putt versenkte und dass Francesco Molinari 2018 in Paris sensationelle fünf von fünf Punkten holte – es scheint eine Ewigkeit her zu sein.

Zweitens: Wo sind in Europa die jungen Talente, die die USA im Überfluss besitzen? Collin Morikawa ist gerade einmal 24 Jahre alt, Xander Schauffele ist 27. Jordan Spieth, schon bei seinem vierten Ryder Cup dabei, ist gerade mal 28, ebenso wie Bryson DeChambeau. Europa hat Jon Rahm und, trotz des grauenhaften

Cup-Debüts, Viktor Hovland – und danach kommt lange nichts. Wo sind die jungen Rorys und Sergios, die bei Major- Turnieren ganz vorn mitspielen können? Werden es die dänischen Højgaard-Zwillinge, der Italiener Guido Migliozzi, vielleicht sogar Matthias Schmid?

Klar ist: Der Ryder Cup ist immer nur eine Momentaufnahme. Niemand muss jetzt in totale Panik verfallen. Aber der dominante Sieg der USA bei einem gleichzeitigen Qualitätsverlust der European Tour stimmt nachdenklich. Andererseits: So ist es eben im Sport. Kein Team gewinnt immer, und auch die schönsten Serien reißen irgendwann. Gut möglich, dass wir uns in den nächsten Jahren mit einer US-Dominanz abfinden müssen.