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DAS WEITE SUCHEN


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Outdoor - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 08.11.2022
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Bildquelle: Outdoor, Ausgabe 12/2022

»Island in the Sky« heißt der nördliche Teil des Canyonlands National Parks.

Es gibt Landschaften, von denen man so viele Bilder gesehen hat, dass man meint, sie zu kennen, ohne je dort gewesen zu sein. Und vermutlich habe ich von keinem Teil der Welt so viele Bilder gesehen wie von den Nationalparks im Südwesten der USA. All die bekannten Namen, all die Fotos vom Monument Valley, den Arches, dem Bryce Canyon, Zion, dem Grand Canyon. Diese Landschaften zu betreten, davor habe ich immer ein wenig Respekt gehabt. Weil ich befürchtete, dass die Realität nicht mit den Fotos mithalten kann. Dass mir zu viele Leute durch mein Bild laufen. Dass irgendein Kiosk ein Eisfähnchen hineinhält. Und dass es diese Landschaften vielleicht überhaupt nicht gibt – oder jedenfalls nicht so schön wie in meinem Kopf.

Und jetzt sind wir unterwegs dorthin, mit drei Wochen Zeit wollen Moni und ich ab Phoenix, Arizona, eine große Runde gegen den Uhrzeigersinn drehen, von Nationalpark zu Nationalpark, ...

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... unter diesem großen amerikanischen Himmel, der sich im Südwesten noch etwas weiter spannt als anderswo in den USA. Man kann sich verloren vorkommen darunter, und es erscheint vermessen, hier wandern zu wollen. New Mexico, Arizona, Colorado und Utah nehmen zusammen dreimal so viel Fläche ein wie Deutschland. Was dort an Felsformationen namenlos und oft auch ganz ohne Nationalpark neben dem Highway in der Sonne brütet, wäre in Deutschland fast ausnahmslos eine Attraktion. Und nirgendwo sind die Farben des Gesteins wärmer und leuchtet der Himmel mehr als im Südwesten.

Niemand hat das schöner verewigt als die Malerin Georgia O’Keeffe, die ihr halbes Leben in New Mexico verbrachte. In den 1930ern kaufte sie 100

Kilometer nordwestlich von Santa Fe ein Haus auf dem Areal der Ghost Ranch, zu Füßen bunter, mächtiger Tafelberge. Sie verbrachte viel Zeit in der Mesa, und wenn etwas ihr Interesse weckte, nahm sie es mit – Tierknochen, Steine, Schlangenskelette, Federn. Vermutlich hätte sie ihre Tätigkeit nicht als Wandern bezeichnet, aber sie war viel zu Fuß unterwegs. Auf Fotos sieht man, dass sie die Falten der Leute um die Augen hatte, die viel unter der Sonne unterwegs sind. Manchmal nahm sie auch das Auto, und wenn es ihr zu heiß wurde beim Malen, legte sie sich darunter. Sie wurde 98 Jahre alt, ihre Asche wurde auf dem 3000 Meter hohen Gipfel des Cerro Pedernal verstreut.

Wir sehen den Tafelberg in der Ferne, als wir an der Ghost Ranch ankommen, in der heute Presbyterianer eine Art Tagungszentrum betreiben. Eigentlich wollten wir uns nur kurz auf dem Gelände umschauen, ich trage Chucks und keine Wanderschuhe, aber die Landschaft saugt uns ein, und wir folgen einem staubigen Weg unter hoch aufschießenden Felsen, um eine Biegung und noch eine. Kein Mensch ist hier unterwegs. Wir haben Oktober auf einer Höhe von rund 2000 Meter, angenehme Wärme umgibt uns – während uns am Flughafen in Phoenix noch 37 Grad Hitze entgegenschlugen. Der Weg führt in eine Schlucht, wir klettern über Felsen, ducken uns unter quer liegende Baumstämme und gelangen zu einem friedlichen kleinen See. Zurück an der Ghost Ranch entdecken wir eine grobe Übersichtskarte – offenkundig waren wir im Box Canyon. O’Keeffe-Country gefällt uns so gut, dass wir gleich noch einen Weg anhängen, dem Schild Kitchen Mesa Trail folgend einen rötlichen Hang aus Stein und Erde hinauf. Oben blicken wir in ein felsumkränztes Becken, aus dem struppiges Grün spitzt. Wir vermuten, dass es sich um die Kitchen Mesa handelt. Falls wir den Trail nicht verloren haben. Es gab nur dieses eine Schild zu Beginn, und als wir weitergehen, stehen wir plötzlich vor einer fünf Meter hohen Felswand. Freundliche Seelen haben ein paar Griffe und Tritte hineingeschlagen. »Der TÜV arbeitet hier nicht«, sagt meine Frau.

WANDERN IM SÜDWESTEN

Die schönsten Touren auf einem Trip ab Phoenix.

1| Ghost Ranch, NM

Viele kurze Wege beginnen an der Ghost Ranch. Wer den Box Canyon Trail (6,5 km, 120 Hm) und den Kitchen Mesa Trail (8 km, 180 Hm) geht, braucht zusammen vier bis fünf

2| Mesa Verde, Colorado

Am Chapin Mesa Archeological Museum starten zwei Runden: Spruce Canyon und Petroglyph Point Trail, zusammen 8 spannende Kilometer. 250 Hm, 2,5 h

3| Monument Valley, AZ

Man darf hier ohne Guide nur auf einem Weg zu Fuß gehen: dem Wildcat Trail, 6,5 km. Los geht es gleich am Parkplatz des Visitor Centers.

4| Arches, Utah

Der Devil’s Garden Trail verbindet vom gleichnamigen Trailhead aus sieben der berühmten Felsbögen. 12,5 km, 140 Hm, 4 h

5| Canyonlands, Utah

Tipp 1: Der geröllige False Kiva Trail von der Parkbucht Alvove Spring aus (3 km, 100 Hm, 2 h) Tipp 2: Der Murphy Loop Trail ab dem Murphy Trailhead Parking. 17,4 km, 450 Hm, 5 h

FÜR DIE LETZTE HALBE MEILE BRAUCHT MAN GUTE NERVEN – UND NEUER-DINGS AUCH EIN PERMIT.

Das Rätsel der Anasazi

Dreihundert Autokilometer weiter nordwestlich sollen wir zurückdenken an die Kletterpartie: auf der Mesa Verde. Das Plateau des 2600 Meter hohen Tafelbergs misst 25 Kilometer im Durchmesser und erhebt sich deutlich über das Hochland im Südwesten von Colorado. Kiefern, Wacholder, Pappeln und kaum fünf Meter hohe Eichen ziehen sich aus dem Boden, was sie an Feuchtigkeit bekommen können – für Südwestverhältnisse eine Oase, durchzogen von Canyons. Bis ins 13. Jahrhundert lebten hier die Anasazi, mit denen es sich wie mit Shakespeare verhält: Man kennt ihre Werke, über sie selbst weiß man nicht allerwenigsten, warum sie Mesa Verde verließen – überhastet, wie manche sagen, und nicht ohne der grübelnden Nachwelt um die 600 Siedlungen zu hinterlassen, darunter Pueblos, kunstvoll aus Sandstein errichtet. Den mit 150 Räumen größten und bekanntesten, Cliff Palace, haben die Anasazi unter ein Felsdach eingepasst. Darüber, oben auf der Mesa, bauten sie Mais an, »die Kolben waren damals nur daumendick«, erklärt der Nationalpark-Ranger. »Und wie sind die Leute da hochgekommen?« Der Ranger weist auf Griffe und Tritte in der Felswand. Man weiß nicht viel über die Anasazi.Aber so viel steht fest: Mut hatten sie.

Die wenigen Wanderungen in Mesa Verde fallen kurz aus, aber wer den Petroglyph und den Spruce Canyon Trail verbindet, kommt auf zehn Kilometer Pfade entlang von Felsen und hartblättrigem Grün, blickt in Schluchten und stößt auf Felszeichnungen. Wir gehen sie nachmittags und im warmen Licht des Abends – und begegnen nur einem anderen Paar. Erstaunlich, kaum jemand nutzt die Wandermöglichkeiten.

Im Monument Valley in Arizona machen wir dieselbe Erfahrung. Die prominenten Felsen sind ein Heiligtum der Navajo, und man darf sich ihnen nur auf einem einzigen Weg zu Fuß nähern: dem Wildcat Trail. Niemand geht ihn außer uns und, wie wir später feststellen, einem anderen Paar (nein, nicht dasselbe wie in Mesa Verde). Er führt um den West Mitten Butte, der zu seinem Namen kam, weil er wie ein Fäustling aus der Wüste schaut: schlank, 260 Meter hoch und umso fragiler wirkend, je genauer man hinschaut. Gleich dahinter sein Pendant, der East Mitten Butte, links der Riegel des Sentinel Rock und am Scheitelpunkt der Runde, gut versteckt hinter dem West Mitten: ein Plumpsklo. Schutzgebiete, kommt es mir vor, sind in den USA immer etwas weniger wild als die Gegenden drum herum.

Vom Arches National Park in Utah könnte man sagen, dass er das Naherholungsgebiet des 5300-Seelen-Städtchens Moab ist. Der Schriftsteller Edward Abbey arbeitete Ende der 1960er ein halbes Jahr als Ranger im Park, schloss Freundschaft mit einer Gophernatter (weil sie ihm die Klapperschlangen vom Leib hielt) und versuchte, dem Werden und Vergehen in der Wüste möglichst nüchtern ins Auge zu sehen – nachzulesen in seinem BerichtDesertSolitaire. ZumGeleit warnt Abbey, es habe überhaupt keinen Sinn, die Arches vom Auto aus zu betrachten (was ein Stück weit möglich ist). Man sehe rein gar nichts aus der »gottverdammten Kiste«, man solle gefälligst »wandern, besser noch kriechen, auf Händen und Knien, über den Sandstein und durch die Dornen und Kakteen«. Erst wenn das erste Blut den Weg benetze, werde man etwas sehen, »vielleicht«. Puh, ist ja gut,wir gehen schon: den vierstündigen Desert Garden Trail im Norden des 25 Kilometer langen Parks. Blut fließt keines, aber feiner Sand staubt uns ein, wir halten Ausschau nach den nächsten Steinmännchen, hier und da nehmen wir die Hände zu Hilfe auf dem Weg über Felsen jeglicher Form.Alleine ist man hier nicht.Trotzdem geben die Bögen, der Landscape Arch mit seinen fast 100 Metern Spannweite, der doppelstöckige Double Arch und viele andere, dem Neuankömmling das Gefühl, er sehe sie als Erster. Im Süden zeichnen sich die schneebedeckten La Sal Mountains ab, fast 4000 Meter hoch.

Im benachbarten und weitaus größeren Canyonlands National Park winden sich zwei mächtige Flüsse durch das Colorado-Plateau: der Green River und eben der Colorado. Ihre Kraft sieht man ihnen nicht an, es sieht aus, als würden sie Siesoutdoor-magazin ta halten. Doch sie haben riesige Schluchten geschaffen und weite Becken, in denen sich Inselberge in die Ferne staffeln. Wenn abends Wolken und Regenfahnen darüber hängen, wirkt die Landschaft wie eine Fata Morgana – nicht zufällig heißt der populärste Teil der Canyonlands Island in the Sky. Einen der besten Blicke darauf bekommt man im Norden des Parks auf dem False Kiva Trail, auf dem es von der Canyonkante durch Geröll hinabgeht zu einer saalgroßen Höhle – eine kurze Tour, auf der wir niemandem begegnen. Zehn Kilometer weiter südlich wartet der fünfstündige Murphy Loop Trail. Und wer zwei bis drei Tage Zeit hat und ein Bike, fährt den 170 Kilometer langen White Rim Trail durch die Wildnis. Notiz an uns selbst: noch einmal herkommen.

WANDERN IM SÜDWESTEN

Vom Capitol Reef National Park zum Grand Canyon.

6| Capitol Reef, Utah

Der Cassidy Arch Trail führt zu einem der größten Felsbögen der USA. Start am Grand Wash Parking, nach ein paar Minuten hinauf zum Rand der Schlucht. 5 km, 200 Hm, 3 h

7| Bryce Canyon, Utah

Am meisten von den Zinnen, den Hoodoos, bekommt man auf einer Kombi von Queens Garden und Navajo Loop Trail mit. Wegbeginn am Sunset Point Parking. 4,5 km, 180 Hm, 3 h

8| Zion-Nationalpark, Utah

Auf dem Angel’s Landing Trail ist auf den letzten 800 Metern Schwindelfreiheit gefragt: Die Tour führt an Ketten zum Festhalten über einen steil abfallenden Felsrücken, es geht 450 Meter runter. Start: Shuttlebus-Haltestelle »The Grotto«. 7,6 km, 460 Hm, 4 h

9| Grand Canyon, Arizona

Konditionsstarken bietet der Bright Angel Trail die Chance, ohne Übernachtung in den Grand Canyon hinab- und wieder hinaufzusteigen. Zwölf Stunden sollte man dafür rechnen. Nicht in den Sommermonaten gehen. 25 km, 1400 Hm

ES GIBT WOHL NICHT VIELE WANDERWEGE AUF DER WELT, DIE NACH EINEM BANKRÄUBER BENANNT SIND.

Auf dem Weg zum Bryce Canyon halten wir im Capitol Reef National Park. Ohne ein bis zwei Nationalparks am Tag fühlen wir uns auf unserer dreiwöchigen Tour einfach nicht wohl, und Moni hat dort im Wanderführer den Cassidy Arch Trail entdeckt – einer der wenigen Wanderwege, die nach einem Bankräuber benannt wurden: dem legendären Butch Cassidy (1866–1908). Ziel der Tour ist ein gewaltiger Felsbogen, der von Weitem wie eine Höhle aussieht. Lohnt sich.

Bryce Canyon liegt auf 2500 Meter, und unterwegs dorthin erinnern uns gelb flammende Wälder an ein Phänomen, das man im Südwesten leicht vergisst: Herbst. Der Park nimmt nicht mehr Fläche ein als eine deutsche Mittelstadt, es besuchen ihn jährlich über zwei Millionen. Aber weil die Felszinnen so schön sind, geht man eben doch los, mit all den anderen – am besten kombiniert man Queens Garden und Navajo Loop Trail.

Im Zion National Park im Südwesten von Utah tummeln sich im Jahr über vier Millionen.Trotzdem würden wir ihn noch einmal besuchen, aber vielleicht eher im Winter. Jetzt im Oktober rollen bis auf den letzten Platz besetzte Busse in engem Takt in den Park, und die Hoffnung, der Trubel werde sich schon legen, sobald es beim Wandern etwas länger und steiler wird, trügt. Selbst auf dem fünfstündigen und oben leicht heiklen Angel’s Landing Trail staut es sich, vor allem am Schluss, wenn man sich an Ketten hält und ein paar hundert Meter tief hinab in die Schlucht des tiefgrün funkelnden Virgin River schaut. Starker Trost: Es ist ein Anblick, den selbst der größte Stau am Berg nicht kaputtkriegt.

Der Sog des Grand Canyons

Als wir morgens auf den Parkplätzen im Grand Canyon Village einfahren, um auf dem Bright Angel Trail zu wandern, sind wir aufs Schlimmste gefasst. Doch es ist längst nicht so voll, wie wir dachten, und hier funktioniert es: Die meisten vertreten sich nur die Füße, sagen ihr Ah und Oh und drehen um. Wir nicht. Ein weiter Bogen führt uns in die Tiefe, und ich merke, dass ich meine Vorstellung vom Grand Canyon revidieren muss.Aus irgendeinem Grund, und alle Bilder der Welt konnten daran anscheinend nichts ändern, hatte ich ihn mir als zwei senkrechte Wände vorgestellt, 1600 Meter runter.Tatsächlich ähnelt die Schlucht einem Trichter – und die Oberkanten liegen hier 20 Kilometer auseinander.

Bald werden die Kehren enger, sie winden sich hinab zum Indian Garden, einer Oase auf einem Absatz 900 Meter tief in der Schlucht. Eigentlich wollten wir dort umkehren. Aber der Schlund zieht uns hinab. Immer dichter rücken die Wände zusammen, wir reden wenig und staunen viel. Stillschweigend haben wir uns darauf geeinigt, dass wir nicht umdrehen werden, ehe wir unten stehen. Zwölf Kilometer Weg wandern wir hinab, und dann sehen wir ihn vor uns, den Colorado – grün und friedlich wie am ersten Tag. Wir machen ein paar Bilder, sie sehen schön aus. Aber fotografier mal ein Gefühl.

MEINE TIPPS

GUNNAR HOMANNREDAKTEUR

ZEIT NEHMEN

Es verlockt, eine Runde durch den Südwesten der USA auf Kalifornien auszuweiten. Wer etwas davon haben will, sollte dann mindestens vier Wochen Zeit für die Reise mitbringen.

PASS KAUFEN

Die Einfahrtspreise für berühmte Nationalparks wie Arches oder Grand Canyon liegen bei 35 Dollar pro Auto. Es lohnt sich ziemlich schnell, den Annual Pass für 80 Dollar zu kaufen.

AUGEN AUFFür die Einreise in die USA benötigt man eine elektronische Genehmigung (ESTA). Agenturen im Netz bieten an, den Antrag zu übernehmen, verlangen aber etwa das Doppelte der offiziellen Gebühr von 21 Dollar. Lieber hier:

PLANEN

Hinkommen

Die vorgestellte Tour startet in Phoenix, lässt sich aber auch von Las Vegas aus aufzäumen – derzeit gibt es dorthin die günstigeren Flüge für den nächsten September/ Oktober: Direktverbindungen von Frankfurt ab etwa 500 Euro.

Herumkommen

Der Leihwagen ist das Mittel der Wahl. Die Preise beginnen bei ungefähr 35 Euro pro Tag.

Einreise

Neben dem gültigen Reisepass ist eine elektronische Einreisegenehmigung (ESTA) notwendig. Sie sollte mindestens 72 Stunden vor Reiseantritt beantragt werden, das Ausfüllen dauert laut Department of Homeland Security im Schnitt 23 Minuten.

Beste Zeit

September und Oktober sind die besten Reisemonate für New Mexico, Südcolorado, Utah und Arizona. Alternativ kommt der Mai in Frage. Im Hochsommer wird es im Südwesten fürs Wandern zu heiß, vor allem für Abstiege in den Grand Canyon.

Informieren

Auf den Websites der Nationalparks finden sich Übersichtskarten, viele Informationen zum Wandern und anderen Aktivitäten und zum Camping. Die zentrale Website für die Parks ist

Permits

Für den letzten Teil des Angels Landing Trail im Zion-Nationalpark braucht man ein Permit. Es wird verlost, wahlweise kann man am Tag vor der Wanderung oder schon länger im Voraus teilnehmen, Info: angels landing-hiking-permits.htm Möchte man auf einem Campingplatz im Grand Canyon zelten, benötigt man dafür ein Backcountry Permit, das man mit einigen Monaten Vorlauf und nur innerhalb bestimmter Zeiträume beantragen kann: nps.gov/grca/planyourvisit/ backcountry-permit.htm

Wanderführer

Der Rother Wanderführer USA/ Südwesten beschreibt 50 Wanderungen inklusive einer Menge Touren in Kalifornien, 18,90 Euro. Weitere Wanderungen auf den Websites der Parks:

UNTERKUNFT

Motels

Die Preise für Motels sind kräftig gestiegen – sie liegen zwischen 70 und 250 Euro pro Nacht und Doppelzimmer. Je näher man einem Nationalpark kommt, desto höher die Übernachtungskosten.

Camping

Günstig übernachtet man auf den Campingpätzen der Nationalparks – 20 bis 30 Euro pro Nacht. Allerdings sind sie lange im Voraus ausgebucht. Man kann in der Regel ein halbes Jahr vorab reservieren. Noch preiswerter zeltet man außerhalb der Nationalparks in National Forests, die oft an Nationalparks anschließen:

ESSEN

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Georgia O’Keeffe stammte aus Wisconsin, war aber so fasziniert von New Mexico, dass sie sich dort niederließ. In Santa Fe hat man ihren expressiven Gemälden ein Museum gewidmet – das Besuche auch an sonnigen Tagen lohnt.