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„Das wird ein heißer Tanz gegen Kloppo“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 02.03.2022

INTERNATIONAL

Artikelbild für den Artikel "„Das wird ein heißer Tanz gegen Kloppo“" aus der Ausgabe 9/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 9/2022

SPORT BILD: Herr Gündogan, Sie stehen am Sonntag im Derby gegen Manchester United vor Ihrem 150. Einsatz in der Premier League. Verraten Sie uns mal, wie es vor Ihrem ersten Spiel war – mussten Sie da tanzen oder singen, wie es in England üblich ist?

ILKAY GÜNDOGAN (31): Zum Glück weder noch! Das wurde damals einfach vergessen, weil ich nach einer Verletzung zu City kam und erst später richtig starten konnte. Prinzipiell gibt es das Singen aber bei uns.

Wer hat sich in Ihren sechs Jahren bei City am besten geschlagen?

Beim Champions-League-Turnier in Portugal 2020 haben ein paar Jungs Tanz-und Gesangs-Einlagen hingelegt. Auch Felix Nmecha, der jetzt in Wolfsburg ist. Das war ein Highlight!

Sie haben bald mehr Erstliga-Spiele in England als in der Bundesliga (152). Wussten Sie immer, dass Sie in der Premier League sofort mithalten können?

Richtig gezweifelt habe ich nie, sonst hätte ich ...

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... den Transfer auch nicht gemacht. Mit dem Klub, dem Trainer, der Mannschaft und der Liga habe ich mich sofort wohlgefühlt. Ich wusste, dass mich der Schritt extrem weiterbringen wird und empfinde es bis heute als Privileg, hier zu spielen.

„Es ist wie vor zwei Jahren, daher sollten wir mit dem Druck von Liverpool umgehen können“

Zunächst stoppten Sie allerdings Verletzungen.

Ja, ich habe nur zwei, drei Monate gespielt und dann wieder einen Kreuzbandriss im selben Knie wie zuvor erlitten. Das war extrem bitter, da es zuvor schon Highlights gab und ich einige Tore erzielen konnte.

Welches war bisher das schönste Spiel?

Spontan fällt mir das 4:1 in Anfield bei Liverpool aus der vergangenen Saison ein. Das war außergewöhnlich, nicht nur wegen des Ergebnisses. Vor leeren Rängen in diesem historischen Stadion herrschte eine komische Atmosphäre. Ich persönlich habe zwei Tore geschossen, einen Elfer verschossen. Ein Spiel mit Auf und Abs.

Und das härteste Spiel?

Wir hatten einige Niederlagen: auswärts in Norwich, gegen Liverpool. Aber ich wüsste jetzt keine, die ich rauspicken würde. Ein unvergessener Moment wird immer die Saison vor zwei Jahren bleiben, als wir mit einem Punkt vor Liverpool am letzten Spieltag in Brighton die Meisterschaft geholt haben.

Eine Saison, die City mit 98 Punkten und Liverpool mit 97 Zählern beendete – was für die Reds in jeder anderen Saison der Geschichte zum Titel gereicht hätte!

Am letzten Spieltag sind wir früh in Rückstand geraten, haben das Spiel aber noch vor der Pause gedreht auf 2:1. Dann ging es weiter, 3:1, 4:1. Dass zwei rivalisierende Mannschaften am letzten Spieltag die Meisterschaft entschieden haben, war ein echter Thriller und extrem gut für die ganze Liga.

Ihr härtester Gegenspieler bisher?

N’Golo Kanté vom FC Chelsea. Nicht, weil er extrem hart agiert. Sondern weil man an ihm vorbeidribbelt und denkt, der kommt nicht mehr ran, und zwei Sekunden später ist er wieder da – unglaublich! Sonst erinnere ich mich auch an Yerry Mina von Everton …

… ein harter, kolumbianischer Innenverteidiger.

Er benutzt gerne mal im Zweikampf seine Hände, kratzt oder kneift einem in den Rücken, wenn der Schiri gerade nicht guckt. Das habe ich ein-, zweimal erlebt.

Er kneift Ihnen in den Rücken?

Ja, aber gar nicht so sehr auf die dreckige Art und Weise. Er lächelt dir sogar freundlich ins Gesicht und ist dadurch auf komische Art und Weise sympathisch. In den Rücken zu kneifen kannte ich vorher gar nicht …

Wie lang hat es gedauert, bis Sie auf dem Platz alles verstanden haben?

Oh, das hat gedauert! Mein Englisch war in der Schule eigentlich immer richtig gut, aber als ich hierherkam, habe ich nur gedacht: Okay, du hast die falsche Sprache gelernt, du verstehst kein Wort! Wenn die Engländer mit ihrem Dialekt loslegen, muss man genau hinhören, um zumindest ein paar Wörter zu verstehen. Der Manchester-Dialekt ist sogar noch okay, aber mit dem Liverpool-Dialekt, dem „Scouse“, tue ich mich heute noch schwer.

„Man dribbelt an Kanté vorbei, und zwei Sekunden später ist er wieder da, unglaublich!“

Zuletzt haben Sie Man City als Kapitän aufs Feld geführt, sind von Pep Guardiola zum Vize-Kapitän befördert worden. Wann hat er Ihnen konkret gesagt, dass Sie diesen Job übernehmen sollen?

Pep hat es gar nicht bestimmt: Wir machen jedes Jahr Wahlen, da hat jeder Spieler und der engere Betreuerstab ein Stimmrecht. 60 bis 70 Leute wählen insgesamt die Kapitäne, den Vize und drei weitere Stellvertreter. So hat sich das ergeben. Ich denke, dass ich mit meinem Charakter und meiner ruhigen Art recht angesehen bin im Klub. Ich bin einer der älteren Spieler im Kader mit reichlich Erfahrung. Es ist ein großes Privileg, in so einer großen Mannschaft zu den Kapitänen zu gehören.

Citys Vorsprung auf Liverpool schmilzt: Wie sehr fürchten Sie Ihren Ex-BVB-Trainer Jürgen Klopp im Titelkampf wieder?

Was heißt fürchten? Für die Liga ist das extrem spannend und gut. Das Gute für uns ist, dass es keine ungewohnte Situation ist. Es ist wie vor zwei Jahren, dementsprechend sollten wir in der Lage sein, mit dem Druck umzugehen, den Liverpool versucht aufzubauen. Wir wissen, dass wir eine sehr starke Mannschaft, extrem gute Spieler haben. Und dass wir noch zu Hause gegen sie spielen. Alles ist offen: Es wird ein heißer Tanz. Aber dafür spielen wir Fußball!

Wie hat Ihnen Klopp, zu dem Sie ein super Verhältnis haben, zu den letzten Titeln gratuliert? Ruft er an, schreibt er eine WhatsApp?

Das passiert eigentlich über WhatsApp.

Wie intensiv ist während der Saison der Au stausch?

Wir schreiben uns mal zum Geburts-tag, aber das war es dann auch. Wenn wir uns aber bei den Spielen sehen, freuen wir uns beide immer extrem darüber, haben bei aller Rivalität ein Lächeln im Gesicht. Wir umarmen uns herzlich und freuen uns über eine echte Freundschaft, die über Jahre gewachsen ist.

Können Sie drei Gründe nennen, warum Sie den Titel holen und nicht Klopp?

Weil wir genügend Qualität in der Mannschaft haben. Weil wir die Erfahrung der letzten Jahre haben, gerade in der Endphase der Saison voll da zu sein. Und weil wir es unbedingt wollen und alles daran setzen werden, es in die Tat umzusetzen!

Ihr Jubiläum steigt im Derby gegen United. Gab es mal Kontakt zu Ralf Rangnick?

Nein. Ich habe ihn nur einmal vor einigen Jahren kurz kennengelernt. Aber grundsätzlich ist Man United immer noch ein starker Gegner. Sie haben richtig gute Spieler, viel Qualität und uns in der Vergangenheit oft das Leben schwergemacht. Komischerweise auch recht häufig, wenn wir zu Hause gespielt haben. Sie haben jetzt mit Rangnick eine intensive Spielweise, die nicht leicht zu bespielen ist. Und das im Mix mit ihrer Qualität ist gefährlich.

Ist ein Derby-Sieg gegen United so emotional wie ein BVB-Sieg gegen Schalke?

Die Emotionen rund um das Spiel sind in Deutschland noch etwas größer. Vielleicht schätzen es die Menschen in England mehr so ein: Das ist jetzt Fußball, 90 Minuten, wir wollen gewinnen. Klar lassen sie auch ihren Frust raus, wenn sie verlieren, aber danach gehen sie nach Hause und schalten ab. Das ist in Deutschland etwas anders. Gerade im Ruhrgebiet, wo ich herkomme, weiß man, was den Leuten der Fußball bedeutet. Dort geht man fünf Tage die Woche arbeiten, um sich ein Ticket leisten zu können. Dafür ist das Manchester-Derby vom Niveau etwas höher anzusiedeln als das Ruhr-Derby.

„Rangnicks Spiel-Idee im Mix mit der Qualität von Manchster United ist gefährlich“

MAN CITY MAN UNITED

Sonntag, 6. März, 17.30 Uhr live bei Sky.

SPORTING

Mittwoch, 9. März, 21 Uhr live bei DAZN

Ihr Vertrag bei City läuft 2023 aus. Reizt Sie noch etwas Neues?

Da würde mir wahrscheinlich schon etwas einfallen, aber ich bin sehr glücklich hier: Ich mag das Leben, liebe den Klub und fühle mich extrem wohl. Deshalb kann ich mir vorstellen, über 2023 hinaus zu bleiben. Ich habe noch über ein Jahr Vertrag und bin relativ entspannt. Ich lasse das auf mich zukommen.

Zum Abschluss ein ernstes Thema: Wegen des Krieges findet das Champions-League- Finale nicht in St. Petersburg in Russland sondern in Paris statt. Wie verfolgen Sie, was in der Ukraine passiert?

Ich verfolge das alles über die Medien, lese viele Nachrichten. Es ist sehr traurig zu sehen, was in der Ukraine gerade passiert. Mir tun all die unschuldigen Menschen, die dort hineingezogen werden, einfach nur leid. In einem Krieg gibt es immer nur Verlierer. Wir wollen nicht, dass Menschen ihre Leben lassen müssen. Dementsprechend müssen wir alle alles daran setzen, das zu vermeiden. Ich hoffe, dass sich die Lage beruhigen wird und bete für die Menschen dort, dass sie ganz schnell wieder in Frieden leben können.

Können Sie sich aktuell vorstellen, dass Sportveranstaltungen in Russland ausgetragen werden?

Es geht gerade um Menschenleben, das hat absolute Priorität. Der Sport und alles andere ist da nicht mehr wichtig. Es ist richtig, den Fokus darauf zu legen, so schnell wie möglich für Frieden zu sorgen. Alles andere ist sehr ungewiss. Man kann kein Finale planen, wenn man nicht weiß, wie die Lage am nächsten Tag aussehen wird. Wir können nur hoffen und beten, dass so schnell wie möglich wieder Frieden herrscht.