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DAS WIRD ENG


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 30/2022 vom 28.07.2022
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Nicht nur die Farbe, sondern auch die Form macht den Astra auffälliger als den Golf

MANCHE DINGE WERDEN NIE LANGWEILIG. Etwa klassische Kulturgüter wie „Dinner for One“, Fußball-Länderspiele gegen unsere niederländischen Nachbarn oder der seit 1991 ausgetragene Zweikampf zwischen Opel Astra und VW Golf. In der Vergangenheit wackelte der Wolfsburger dabei zwar hin und wieder mal, fiel bisher aber nicht.

Um das zu ändern, geht der Astra L jetzt ganz neue Wege. Ausdrucksstarkes Design, technische Verwandtschaft zu den Stellantis-Brüdern (Peugeot 308, Citroën C4, DS 4) und zum ersten Mal in der Modellgeschichte ein Plug-in-Hybrid – reicht das, um 2022 zum Golf-Schläger zu werden?

Astra L gegen Golf 8: Selten ging es bei den Kompakten so knapp zu wie im aktuellen Vergleich

DAS BIETEN SIE: DER ASTRA IST NUR AUSSEN GRÖSSER

In der ersten Reihe sitzen wir tatsächlich erste Klasse – bei beiden.

Das Platzangebot überzeugt auch große Fahrer von knapp zwei Metern, Gleiches gilt für die wunderbar ...

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... ins Auto integrierte Sitzposition. Die Polster mit ordentlichem Seitenhalt und ausziehbarer Beinauflage sind beide von der „Aktion gesunder Rücken“ empfohlen, das offizielle Siegel trägt aber nur der Astra. Dank angenehmer Polsterung und guter Körperkontur steigen wir aber auch aus dem Golf selbst nach vielen Kilometern am Stück noch sehr entspannt (und keineswegs verspannt) aus. Das war nicht immer so.

In Reihe zwei finden sich dann mehr Unterschiede, vor allem beim Raumangebot. Obwohl der Astra bei Länge, Breite und auch Radstand jeweils ein paar Zentimeter mehr bietet als der Golf, gleichzeitig gerade mal einen Zentimeter flacher ist, geht es im Fond des Opel beengter zu. Um Kopf, Knie und Schultern ermitteln wir jeweils geringfügig weniger Luft.

Weil die Fondbank im Astra zudem drei Zentimeter flacher über dem Boden montiert wurde als die im Golf und die Lehne des Rüsselsheimers auch etwas steiler steht, steigen Gäste lieber hinten im Golf ein. Das dynamische Design des Opel führt übrigens auch dazu, dass der sehr breite Fuß der C-Säule in Verbindung mit den flacheren Fensterflächen die Rücksicht noch ein wenig mehr einschränkt als im nach hinten ebenfalls nicht optimal übersichtlichen VW. Nach vorn sorgen die konturierten Hauben bei beiden für bessere Aussichten.

OPEL ASTRA: AUSGEWOGEN

Im Astra wird künftig mehr getoucht, es bleiben aber einige echte Schalter – finden wir angenehm.

Zum Beispiel beim Lenkrad (1) mit etlichen Funktionen. Die Automatik wird über einen kleinen Kippschalter (2) gesteuert. e-Save (3) bedeutet, dass der Akkustand erhalten oder sogar aufgefüllt wird. Der helle Kreis im Navi (4) zeigt, wie weit die Batterie aktuell reichen würde.

Wird das Handy in der Schale induktiv geladen, leuchtet das Akkusymbol grün (5) – praktisch. Auf dem Homebildschírm lassen sich Widgets nach eigenem Geschmack anordnen (6). Instrumente (7) ebenfalls konfigurierbar, ein Drehzahlmesser lässt sich einbauen, Navikarte bleibt eher klein.

Beim Öffnen der Heckklappen dann die doppelte Überraschung. Zum einen setzt jetzt auch Opel auf das Logo als Öffner.

Zum anderen steckt offenbar viel vom äußeren Format im Kofferraum des Astra. Als Plug-in büßt er zwar rund 70 Liter Stauraum ein (Golf sogar rund 100 l), er schluckt aber deutlich mehr Gepäck als der Wolfsburger.

Wird die bei beiden zweigeteilte Fondlehne mit Durchreiche umgelegt, verschwinden im Astra immerhin 139 Liter mehr – das entspricht zwei mittelgroßen Gepäckstücken oder einem echten XXL-Koffer. Soll der allerdings ins Auto gewuchtet werden, bereitet der Astra mit 70 Zentimeter hoher Ladekante etwas mehr Mühe als der Golf mit seinem 67 Zentimeter hohen Heckabschluss. Ebenfalls dem Doppelherz-Antrieb geschuldet:

VW GOLF: ETWAS ZU VIEL TOUCH

Golf insgesamt mit weniger echten Knöpfen. Lenkrad (1) aber auch hier weitgehend rätselfrei. Sechsgang-DSG mit Wählhebelchen (2) auf der Mittelkonsole, Verarbeitung wie bei Opel gut. Unregelmäßige helle Fläche in der Karte (3) zeigt den Elektro-Radius an. Kaum ein Unterschied zu Opel: Neben rein elektrischem Fahren gibt es Hybridmodus und die Einstellung, wie stark der Akku geladen werden soll (4). Die digitalen Instrumente im Golf lassen sich vollformatig mit der Navikarte belegen (5), auch zoomen ist möglich. Dass das Handy induktiv lädt, wird nur kurz als Hinweis eingeblendet (6). Die Kacheln auf dem Hauptbildschirm lassen sich auch bei VW frei verwalten (7).

Beide müssen ohne einen in der Höhe verstellbaren Ladeboden und mit einem um zehn Liter geringeren Tankinhalt auskommen.

Beim Astra schrumpft er von 52 auf 42 Liter, beim Golf von 50 auf nur noch 40 Liter. Viel Verzicht für die Elektrounterstützung.

Überraschend ähnlich wirken dann die Cockpits – zumindest auf den ersten Blick: unten abgeflachtes Lenkrad, zwei große Monitore, kleiner Automatikwählhebel auf der Mittelkonsole. Grundsätzlich ähnelt sich auch die Bedienung (siehe Seite 28/29) im Tabletstil. Im Detail lässt sich der Astra mit mehr echten Knöpfen (z. B. für Lautstärke) und etwas weniger Touch aber ablenkungsärmer steuern. Wer auf das gesprochene Wort als Bedien-Tool zurückgreift, wird wiederum wenig Unterschiede feststellen. Beide reagieren auf freie Formulierungen (Mir ist kalt/Ich habe Hunger) und erfüllen konkrete Wünsche (Temperatur auf 21 Grad) recht zuverlässig.

OPEL ASTRA PLUG-IN-HYBRID

Harmonisches Doppel: Beim Astra Plug-in-Hybrid arbeitet ein 1,6 Liter großer 150-PS-Vierzylinder-Turbo mit einem 110-PS-E-Motor zusammen (1). Die Systemleistung beträgt 180 PS und reicht locker für flottes Vorankommen.

Gegenüber dem reinen Verbrenner fällt der Kofferraum (2) etwa 70 Liter kleiner aus, bleibt mit 352 bis 1268 Litern aber okay und deutlich über dem Golf. Der Sport-Aktiv-Sitz mit AGR-Siegel (3) gehört beim GS Line zumindest für den Fahrer ohne Aufpreis dazu, bietet wirklich guten Langstreckenkomfort und vernünftigen Seitenhalt. Die zweite Reihe (4) wirkt nicht besonders luftig, auf den Golf fehlen in allen Richtungen ein paar Zentimeter.

SPRACH-BEDIENUNG In beiden Kompakten erweist sich der Sprachassistent als verständig – wenn auch nicht durchgängig, manchmal will er uns einfach nicht verstehen.

Der Opel gab auf die Anweisung, die Sitzheizung zu regulieren, aber ab und an mal den Hinweis, dass das nicht möglich sei. Auch unterscheidet er nicht, ob Fahrer oder Beifahrer mit ihm sprechen. So wird stets der Po des Piloten erwärmt, der Golf hört auch auf den frierenden Beifahrer.

SO FAHREN SIE: DER GOLF IST STÄRKER UND SCHNELLER

Der 180 PS starke Plug-in-Hybrid im Astra läuft wunderbar geschmeidig. Wechsel in der Antriebs-Leitung bekommt der Fahrer nicht wirklich mit, die Achtstufenautomatik zeigt sich stets aufmerksam und gut orientiert, die flotten Fahrleistungen bieten auch sportlichen Naturen keinen Anlass zum Nörgeln. Ja, der Golf mit seinen 204 PS kommt noch eine Spur besser aus den Startblöcken, zeigt dafür aber anderen Problemzonen.

Zum Beispiel das Sechsgang-DSG, das schnell und meist aufmerksam agiert, gerade beim Anfahren und Rangieren aber nicht die Geschmeidigkeit einer Wandlerautomatik erreicht. Außerdem ist der Geräuschkomfort im VW hörbar schlechter als im Opel. Der Golf rollt sehr prallig ab, nervt mitunter mit deutlichem Dröhnen – als wäre er mit drei Bar Luftdruck unterwegs.

VW GOLF 1.4 eHYBRID

Eingespieltes Duo: Beim kompakten Wolfsburger mit Plug-in-Hybrid teilen sich ein Vierzylinder-Turbo mit 1,4 Liter Hubraum und 150 PS sowie eine 110 PS starke E-Maschine (1) den Antriebsjob.

VW nennt eine Systemleistung von 204 PS, die dem eHybrid zu einem sehr agilen Wesen verhilft. Beim Kofferraum (2) müssen Golf-Kunden größere Abstriche hinnehmen. Auf den Verbrenner fehlen rund 100Liter, mit 273 bis 1129 Liter bleibt weniger Platz als im Astra. Die Vordersitze des Golf (3) sind denen im Opel bei Komfort und Unterstützung ebenbürtig. Im Fond (4) finden Gäste dagegen eine entspanntere Sitzposition als im Rüsselsheimer sowie mehr Bewegungsfreiheit.

NAVIGATION Besonders die Kartendarstellung im Instrumentendisplay ist im Astra recht klein und grob. Im VW lässt sie sich dagegen auf der vollen Breite des Schirms einblenden.

Die Stunde des Wolfsburgers schlägt dann beim Fahrwerk. Die 15-stufigen Adaptivdämpfer finden immer die passende Einstellung, ob nun beim krassen Kurvenkratzen oder beim coolen Cruisen. Zusammen mit der herrlich mitteilsamen Lenkung ein Genuss in allen Lebenslagen und auf allen Straßenbelägen.

Der Astra kommt hier insgesamt straffer (und unverstellbar) daher. Weniger Neigung in Kurven steht so ein steiferes Ansprechen auf Holperstrecken gegenüber, die Lenkung arbeitet leichter und etwas gefühlloser – insgesamt macht der Opel aber kaum weniger Laune als der Golf.

Und er zeigt auch vergleichbaren Elektro-Einsatz.

Mit 10,5 kWh Akkukapazität (netto) schafft der Astra 53 Kilometer ohne Abgas, der Golf (10,4 kWh netto) bringt es auf 59 rein elektrische Kilometer. Muss sich beim Laden aber hinten anstellen. Ab Werk füllen beide ihre Akkus mit 3,7 kW, für 500 Euro saugt der Astra aber mit doppelter Leistung an der Steckdose.

Bei den Assistenzsystemen fährt der Hesse allerdings hinterher. Ein Ausstiegswarner fehlt ebenso wie die Nothaltfunktion, wenn der Fahrer nicht mehr reagiert. Das kann der Golf, der auch den quasi autonomen Betrieb beherrscht. Streckenverlauf und Tempolimits passt sich der Travel Assist automatisch an, schnell und zuverlässig. Das System im Astra fragt etwa beim Erkennen eines Ortsschildes erst mal nach und passt das Tempo dann auf Bestätigung durch den Fahrer an.

DAS KOSTEN SIE: ASTRA HOLT DEN PREIS-LEISTUNGS-SIEG

Groß sind die Unterschiede beim Geld nicht, aber wichtig. Der Astra verbraucht geringfügig mehr, kostet im Testtrimm aber rund 2000 Euro weniger als der Golf. Wie dieser ruft auch er jährlich, alternativ aber nur alle 30 000 Kilometer in die Werkstatt – der Golf ist alle 15 000 Kilometer dran. An der Kasse liegt der Astra also vorn.

PLATZIERUNG

Punkte maximal 800

TESTSIEGER

540 Punkte

VW Golf 1.4 eHybrid Auch als Plug-in leistet sich der Golf keine nennenswerten Schwächen.

Mal abgesehen vom Preis.

532 Punkte

Opel Astra Plug-in-Hybrid Dieser Astra ist stärker denn je.

Den Sieg vereiteln enger Fond, höherer Verbrauch und mäßige Bremsen.

FAZIT

GERALD CZAJKA, BEREND SANDERS

Astra und Golf zeigen, wie gut einfache Kompakte heute sind.

Der VW glänzt mit tollem Komfort, guter Raumausnutzung und sparsamem Antrieb.

Für den Opel sprechen die günstigeren Preise und mehr Kofferraumvolumen.

So fehlen dem Astra am Ende gerade mal acht Punkte zum Sieg.