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Das Wunder der Lunge


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 16/2022 vom 14.04.2022

GESUNDHEIT

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 16/2022

Lebensquell: Bronchien verästeln sich in der Lunge wie Zweige

Wir nehmen täglich bis zu 20.000 Liter Luft auf

Wir brauchen sie, überall und jederzeit. Die Lunge versorgt uns mit Energie, Kraft und Ausdauer. Ist sie gefordert, plustert sie sich auf. Dann pumpt sie, was das Zeug hält. Doch meist arbeitet sie leise in unserer Mitte. Nachts, wenn wir schlafen, atmen wir automatisch weiter. Es ist die natürlichste Sache der Welt – und doch ein Wunder. Die Lunge versorgt uns bis in die entfernteste Zelle mit Sauerstoff, ist Tankstelle und Kraftwerk zugleich. Sie bringt sogar noch Müll vor die Tür, wenn wir mit ihrer Hilfe überschüssiges Kohlendioxid ausatmen.

Zartes Organ und starkes Kraftwerk

„Die Lunge ist das wichtigste und das schönste Organ unseres Körpers“, betont Dr. Martin Ehlers. Der Lungenfacharzt leitet in Hamburg eine Gemeinschaftspraxis mit den Schwerpunkten Pneumologie, Allergologie und Innere Medizin. „In der Chinesischen Medizin heißt sie ...

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... passenderweise ‚das zarte Organ‘.“ Doch das gerade einmal 800 Gramm schwere Leichtgewicht erfuhr bisher kaum Aufmerksamkeit – im Gegensatz zu Herz und Darm. „Die Lunge führt zu Unrecht ein Schattendasein in der Öffentlichkeit“, sagt Ehlers. „Sie ist erst durch eine Lungenkrankheit wie Covid-19 ins Bewusstsein gerückt. Dabei können wir aktiv sehr viel für ihre Gesundheit tun.“ Und das ist nötiger denn je: „Die Angriffe durch Bakterien, Viren, Luftverschmutzung und andere schädliche Einflüsse nehmen zu“, so Ehlers. „Durch Lungenerkrankungen wie COPD, Lungenkrebs und Lungenentzündung sterben zusammengefasst genauso viele Menschen wie durch Herzleiden.“ In seinem höchst empfehlenswerten Buch „Neustart für die Lunge“ (s. Buchtipp S. 10) erklärt er, wie die Lunge funktioniert und was ihr guttut. Zudem geht er auf neue Erkenntnisse, Lungenleiden und Therapien ein. So hat eine Volkskrankheit wie Asthma viel von ihrem Schrecken verloren. „Mit Asthma kann man heute weitestgehend normal leben“, so Ehlers. „Ärztliche Begleitung ist aber unerlässlich.“

Doch wie tickt die Lunge überhaupt? Sie leistet Erstaunliches! Ein Erwachsener atmet pro Tag bis zu 20.000 Liter Luft ein und aus, macht 14 bis 20 Atemzüge pro Minute. Gesteuert wird die Lunge vor allem vom Atemzentrum im Hirnstamm, das Impulse an das Zwerchfell und die Atemhilfsmuskeln der Rippen gibt. Die Lunge selbst hat keine Muskeln. Das Hirn reguliert die Atemfrequenz mithilfe von Rezeptoren, die den Anteil von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut melden.

Geniales Geben und Nehmen

Die Luft strömt mit jedem Atemzug durch Nase oder Mund durch die Luftröhre bis in zwei Hauptbronchien, die sich in den fünf Lungenlappen weiter verästeln. Die feinen Bronchiolen enden in traubenförmigen Lungenbläschen oder Alveolen. In ihnen findet der Gasaustausch statt. Dünne Blutgefäße, Lungenkapillaren, umspannen die Alveolen wie Netze. In den Alveolen gelangt Sauerstoff aus der Atemluft ins Blut. Umgekehrt dringt das beim Stoffwechsel entstandene Kohlendioxid aus dem Blut in die Alveolen und wird ausgeatmet. „Der Gasaustausch ist das wohl größte Wunder der Lunge“, erklärt Ehlers. „Die Wände der Bläschen sind nur eine Zelle dick. Weil diese Membran so dünn ist, funktioniert der Austausch der Atemgase schnell und gut.“ Sitzen wir ruhig, atmen wir pro Atemzug etwa einen halben Liter Luft ein. Strengen wir uns beim Joggen oder im Fitnesskursus richtig an, vervierfacht sich das Volumen auf gut zwei Liter. Spitzensportler können sogar vier Liter Luft verarbeiten und vollbringen so Höchstleistungen. Die Luft strömt in die rund 300 Millionen (!) Lungen­ bläschen. Die Kontaktfläche aller Bläschen nebeneinander ergibt 100 Quadratmeter. „Nur der Darm hat eine größere Schleimhautoberf läche. Wir stehen über die Lunge in direktem Kontakt mit der Umwelt – und deren möglichen Schadstoffen.“

Gefährliche Eindringlinge

Denn der rege Im-und Export von Atemgasen in der Lunge spendet Leben, birgt aber auch Gefahren. Mit jedem Atemzug können Feinde über die Alveolen in unser Blut gelangen. Oder die Atemwege schädigen. Die Anzahl gefährlicher Armeen wird in einer industrialisierten und globalisierten Welt immer größer: Viren, Bakterien, Pilze, Milben, Feinstaub, Schadstoffe, Nikotin, Pollen und mehr. In Sachen Corona redet Ehlers Tacheles: „Wer sich nicht impfen lässt, begeht einen Fehler. Der geimpfte Patient kann zwar erkranken, hat aber typischerweise einen milderen Verlauf, und die mögliche Folgeerkrankung Long Covid tritt seltener auf. Ich persönlich kenne keinen Patienten auf der Intensivstation, der geboostert ist.“

Motor der Atmung: das Zwerchfell

Die Lunge sitzt im Brustkorb auf dem kuppelförmigen Zwerchfell, dem wichtigsten Atemmuskel. Sie folgt den Bewegungen von Zwerchfell und Brustkorb, ist mit ihnen verhaftet wie aufeinanderliegende feuchte, aber verschiebbare Scheiben. Zieht sich das Zwerchfell nach unten zusammen, bläht sich die Lunge auf. In ihr entsteht Unterdruck, der Atemluft hereinzieht. Entspannt das Zwerchfell, atmen wir aus.

Die Lunge bietet insgesamt 100 m2 Fläche für Gasaustausch

Schutzschild aus Haar und Schleim

Wehrlos ist die Lunge aber keineswegs: Die Bronchien transportieren nicht nur Luft, sondern fungieren auch als Bollwerk der Verteidigung. Die Röhren sind innen mit einem Teppich aus Schleimhaut und Flimmerhärchen ausgekleidet. „Diese Härchen bewegen sich wie das Dünengras auf Sylt. Allerdings mit einer Schlagrichtung noch oben. Mit diesem gerichteten Schlag werden Viren oder Staubpartikel nach oben Richtung Kehlkopf bewegt. Dort verschlucken wir sie oder husten sie aus.“ Es gibt allerdings auch Fehlfunktionen: Eine dauerhafte übermäßige Schleimproduktion kann auf eine ernste Erkrankung wie COPD hinweisen. Bei der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit sind die Lungengefäße krankhaft verengt, was besonders häufig bei Rauchern der Fall ist.

Nikotin gilt als Hauptrisiko für COPD und Lungenkrebs. Rauchen lässt sich individuell vermeiden, aber bei der Umgebungsluft wird das schwer. Vor allem in Städten ist sie mit Schadstoffen wie Ozon, Stickstoffdioxid und Feinstaub belastet. Die Europäische Umweltagentur schätzt, dass 2019 etwa 307.000 Menschen in der Europäischen Union durch die Belastung der Luft mit Feinstaub vorzeitig gestorben sind.

Hinzu kommt: „Der moderne Mensch sitzt zu viel, noch dazu in buckeliger Haltung“, so Ehlers. „Das engt die Lunge zu sehr ein, und eine effektive Belüftung ist nicht mehr gegeben. Leistungsminderung und Müdigkeit können die Folge sein. Grundsätzlich gilt: Je fitter die Atemwege und die allgemeine körperliche Verfassung sind, desto besser sind wir gegen Krankheiten gewappnet und können diese besser überstehen.“ Wir können das Atemsystem auf viele Arten auf Trab bringen. Lesen Sie hierzu die Tipps im Kasten rechts. Generell empfiehlt Ehlers, viel durch die Nase zu atmen, weil über die Nasenhärchen mehr Schadstoffe herausgefiltert werden.

Ziemlich beste Freunde: Lunge, Herz & Darm

Die Lunge unterhält enge Beziehungen zu anderen Großorganen. Das engste Miteinander bilden Lunge und Herz. Sie liegen im Brustkorb nah beieinander und sind über den Herz-Lungen-Kreislauf direkt miteinander verbunden. Sauerstoffarmes Blut wird von der rechten Herzkammer in die Lunge gepumpt, dort mit Sauerstoffmolekülen aus der Atemluft angereichert und strömt über die linke Herzkammer in den großen Körperkreislauf zu den Zellen.

Ein enges Team beeinf lusst sich naturgemäß. So kann ein Problem der Lunge das Herz schädigen – oder umgekehrt. Deshalb sollten Pneumologen und Kardiologen im Austausch stehen. Etwa beim sogenannten Lungenherz, Fachbegriff: Cor pulmonale. Diese gefährliche Erweiterung der rechten Herzkammer entsteht, wenn das Herz lang gegen einen erhöhten Widerstand in den Lungenarterien anarbeitet.

Was wenige wissen: Auch Lunge und Darm sind verbunden, fast wie heimlich Verliebte. Sie haben vieles gemeinsam: ein System aus Röhren, Schleimhäute und ein Mikrobiom. Diese nützlichen Mikroorganismen stellen im Darm etwa 70 Prozent unserer Immunabwehr. Die gesunde Lunge galt im Gegensatz dazu als steril. Doch neue Studien zeigen, dass auch sie besiedelt ist, wenn auch weniger als der Darm.

Der Weg der Luft von den Bronchien bis in die Alveolen

Mit jedem Atemzug saugen wir Luft in die röhrenförmigen Bronchien bis tief in die Lunge hinein zum Gasaustausch in den Alveolen. Die Bronchien beherbergen zudem eine körpereigene Putzkolonne: Der Schleim und die Flimmerhärchen der Bronchien befördern Schadstoffe hinaus

Die Lunge besitzt 300 Mio. Lungenbläschen

Gute Untermieter: das Mikrobiom der Lunge

„Das Mikrobiom in den Schleimhäuten von Lunge und Darm dient der Abwehr“, erklärt Ehlers. „Zusammen mit der obersten Schleimhautschicht bilden die Mikroorganismen eine Verteidigungslinie gegen Viren, Bakterien und Pilze. Deshalb sollten wir aktiv unser Mikrobiom in Lunge und Darm unterstützen. Dies gelingt über eine kluge Ernährung. Eine entscheidende Bedeutung haben hierbei kurzkettige Fettsäuren, die über die Darm-Lungen-Achse zwischen den Organen ausgetauscht werden.“ Solche Fettsäuren entstehen etwa bei der Vergärung von Ballaststoffen im Darm. Die Forschung zur Darm-Lungen-Achse steht allerdings erst am Anfang. Sicher ist jedoch: Unsere Lunge, das verkannte Genie, ist für manche Überraschung gut.

DAGO WEYCHARDT

So pflegen Sie die Lunge

Atemtraining, Sport, Waldbad? Die Bronchien lieben es

Frische Luft schnappen Das ist mehr als ein Spruch. Im Wald atmen wir Phytoncide ein. Die Abwehrstoffe der Pflanzen stärken unser Atemsystem. Am Meer dagegen lösen salzhaltige Aerosole Schleim aus den Bronchien – besonders wohltuend für Menschen mit COPD und Asthma.

Saunieren tut gut Die heilsame Wirkung der finnischen Heiß-kalt-Kur ist durch Studien belegt. Durch die Hitze werden die Schleimhäute durchblutet und festsitzendes Sekret gelockert. Auch trainiert die Saunakultur unsere Abwehr und die Gefäße, die sich beim Abkühlen verengen.

Los geht’s Gymnastik, Rudern oder Yoga: Jeder Sport und jede Bewegung, die den Brustkorb öffnet, lässt mehr Sauerstoff zur Lunge.

Atemtechnik Hach! Hu! Ach! Seufzen Sie ruhig mehrfach und laut pro Tag. Diese tiefen Atemzüge be-und entlüften auch entfernt gelegene Lungenbläschen. Mehr Entspannung für die Lunge? Die Hände auf den Bauch legen, tief, ruhig und bewusst atmen. Nach und nach die Phase des Ausatmens verlängern. Petersilie

Gutes Grün Auf den Speisezettel für die gesunde Lunge die Lunge unterstützen gehören viele Ballaststoffe, Probiotika (etwa Sauerkraut, Kefir), Obst und Gemüse. So schützt das Sulforaphan aus Brokkoli etwa vor Luftverschmutzung. Spermidin aus Weizenkeimen oder Pilzen fördert die Selbstreinigung. Das in Petersilie enthaltene Apigenin soll Krebs hemmen. Übrigens: Intervallfasten stärkt auch die Atemwege. Und: Viel trinken! Das hält Schleimhäute feucht und wehrhaft.