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Das Wunder von Florenz


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 04.01.2019

Über seine gewaltige Kuppel staunen die Menschen noch heute: Der Dom der toskanischen Stadt gilt als Meisterwerk der Baukunst


Artikelbild für den Artikel "Das Wunder von Florenz" aus der Ausgabe 2/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 2/2019

WAHRZEICHEN
Die Kathedrale Santa Maria del Fiore wurde im Jahr 1436 geweiht


Der Ton schwebt durch das ganze Kirchenschiff, steigt empor in die 90 Meter hohe Kuppel, hallt von Säulen und Wänden wider. Zehn Sekunden lang bringt das Echo eines einzigen Tons die Luft in der Kathedrale zum Schwingen. Ein Gänsehautmoment, den man so nur in Santa Maria del Fiore erlebt. Die Florentiner nennen den imposanten Bau schlicht „Il duomo“ – der Dom. Er ist ...

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... aber mehr als ein Gotteshaus. Vor 700 Jahren sollte er Macht und Wohlstand der toskanischen Stadt zeigen. Vor allem der Handel mit Stoffen hatte Florenz zu einem der bedeutendsten Zentren Europas gemacht. Bescheidene Kirchen? Unangemessen! Im Archiv des Dommuseums Spitzliegt noch das Protokoll eines Bürgerentscheids über den Bau einer prunkvolleren Kathedrale – unterschrieben von reichen Familien wie den Medici, aber auch von einfachen Bürgern und Handwerkern.

Geniale Konstruktion

KUPPELBAU
Innen misst das Gewölbe ab dem Boden 90 Meter, außen mit Laterne rund 114 Meter


1 LaterneErst ab 1446 nachträglich als krönender Abschluss über dem Kuppelauge errichtet
2 ZiegelIn unterschiedlichen Größen und Formen gebrannt, im Fischgrätverband gesetzt
3 AußenschaleVor allem als Schutz. Darunter führt ein Treppensystem bis zur Laterne
4 InnenschaleAus acht Segmenten, gestützt durch ein komplexes Skelettsystem
5 HolzringUmspannt die Kuppel zusätzlich zu den verschränkten Steinketten
6 SteinkettenHalten die Kuppelschalen zusammen und nehmen die Zugspannung
7 RippenkonstruktionHorizontal und vertikal, am Fuß 45 Meter Durchmesser

Alles strebt dem Himmel zu

Im Jahr 1296 wurde nach Entwürfen des Architekten Arnolfo di Cambio der Grundstein gelegt. Dann widmeten sich ungefähr 150 Jahre lang weitere Architekten, Baumeister und Künstler dem Meisterwerk der Renaissance. Die neuen Kirchenmauern erstrahlten in weißem, grünem und rosa Marmor. Ihre Fassade sollte gänzlich mit Statuen geschmückt sein, blieb aber unvollendet. Erst im 19. Jahrhundert erhielt sie ihr heutiges Aussehen, das weitgehend dem ursprünglichen Entwurf ähnelt. Die größte Herausforderung aber stellte die Kuppel dar, die erhoffte Krönung des Doms. Zunächst klaffte im Dach jahrzehntelang ein Loch. Keiner traute sich zu, ein derart gewaltiges Gewölbe zu bauen. 1418 entschlossen sich die Stadtväter, in einem Wettbewerb nach Lösungen zu suchen.

Den verrücktesten Entwurf stellte der Maler und Goldschmied Filippo Brunelleschi (1377 – 1446) vor: eine freitragende Kuppel, nach dem Pantheon in Rom die größte der Welt. War Brunelleschi nur ein Schwätzer und Schwachkopf? Trotz aller Zweifel der Jury durfte er das riskante Projekt beginnen. Die Kuppel (siehe Grafik oben) sollte aus zwei Schalen bestehen: einer inneren, die für Stabilität sorgt und im Dom sichtbar ist, sowie einer äußeren als Schutz. Acht Hauptrippen in Spitzbogenform werden durch Ziegelmauerwerk in Fischgrätverband gestützt. Genial!

MALEREI IN LUFTIGER HÖHE
Das Innere der Kuppel zeigt Szenen des Jüngsten Gerichts von Giorgio Vasari und Federico Zuccari


Während des Baus wuchs Brunelleschi über sich hinaus: Er konstruierte selbst die nötigen Maschinen wie einen Lastenaufzug, der von Ochsen angetrieben wurde und aus einem komplizierten System von Zahnrädern und Seilwinden bestand. Das Ergebnis gilt bis heute als Meisterwerk der Architektur. Seit Jahrhunderten trotzt die hoch aufragende Kuppel allen Naturgewalten. Sie macht den Dom nicht nur zu einer der ungewöhnlichsten Kirchen der Welt, sondern zu einem Symbol für die Freiheit der Stadt Florenz.


FOTOS: LAURA BATTIATO/GETTY IMAGES, BORCHI/SCHAPOWALOW; ILLUSTRATION: HÖRZU