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Daseinsfreude


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florieren! - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 03.09.2022
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1 Geht man auf den Kranz von Anna Kiefer zu, nimmt man zunächst vor allem das Sternmoos wahr, das die hohe Deichform umhüllt. Der Blütenkranz am oberen Ende wirkt zunächst eher unscheinbar, ein Blick in sein Inneres offenbart dann aber eine überraschende und beeindruckende Blütenfülle, die bis auf den Boden des Kranzes hinabreicht. ?Das geheimnisvolle Schöne liegt meist unscheinbar inmitten der Natur?, erklärt Anna Kiefer ihre Gestaltungsidee.

Applaus und Jubel hallen am 22. Juli gegen 13 Uhr durch das Foyer des Hohenheimer Schlosses – sieben Floristinnen und ein Florist dürfen sich ab jetzt Floristmeister nennen. Damit geht für die Absolventen ein Meisterjahr zu Ende, aus dem sie Erfahrungen, Fertigkeiten und Freundschaften mitnehmen. „Daseinsfreude“ stand als Thema über der Ausstellung. „In diesem Meisterjahr war die Daseinsfreude spürbar“, erklärt die Fachliche Leiterin der Meisterschule, Gabriele Haufe. Dieser Jahrgang habe bemerkenswert verschiedene Persönlichkeiten miteinander vereint, dennoch habe es diese Meisterklasse verstanden, auf die Bedürfnisse des Einzelnen einzugehen.

Gemeinsam zum großen Ziel

„Freudvoll und vergnügt lachten, reiften und arbeiteten diese Schöngeister gemeinschaftlich auf ihr großes Ziel hin“, so Gabriele Haufe weiter.

Tapeten lieferten die Klammer für die Themenarbeit der Meisterprüfung. Das Zuhause habe in ...

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... den vergangenen beiden Pandemie-Jahren eine ganz neue Bedeutung gewonnen. Durch Kontaktbeschränkungen, Lockdowns und Quarantäne rückten die eigenen vier Wände in den Mittelpunkt, wurden nach individuellen Bedürfnissen und dem persönlichen Geschmack umgestaltet. Wandkleider spielen dabei eine wichtige Rolle, erklärt Gabriele Haufe die Idee zum Thema.

Kranz

„Still berührt“ stand als Thema über den Kränzen. Ganz bewusst wurde die Aufgabenstellung nicht auf Trauerkränze beschränkt.

Themenarbeit

In den Themenarbeiten sollten Tapetenmuster interpretiert werden. Die theoretische Vorarbeit zum Thema Tapete erfolgte innerhalb des Unterrichts. Einen Tag vor der schriftlichen Prüfung wurden dann die Aufgabenstellung verteilt und die Tapetenmuster zugelost. Dazu gab es Informationen zum Hersteller oder Designer der Tapete.

4 Chantal Wiedmer gelang es besonders gut, die Stimmung der Tapete aufzunehmen und floral umzusetzen. Die Tapete ist inspiriert von der New Yorker Art-déco-Architektur und versprüht das Flair der Goldenen Zwanziger. Die bronzefarbene Oberfläche mit leicht metallischem Glanz greift Chantal Wiedmer mit Metallröhren auf, die gleichzeitig als Gefäße für die Blüten dienen. Typisch für die Zeit sind prunkvolle Kronleuchter – Chantal Wiedmer schuf in ihrem Werkstück eine ganz eigene Interpretation davon.

5 Die Tapete „Big Croco“, die Hendrik Rethmeyer zugelost bekam, erinnert an die Haut eines Alligators. In der heutigen Zeit empfindet man das als pervers, sich die Wand mit der Haut eines Alligators zu bedecken – um sich dem zu entziehen, setzt Rethmeyer seine Gestaltung in die Zeit zurück, in der diese Perversität regelrecht zelebriert wurde: in die Kolonialzeit des 19. Jahrhunderts. Und kombiniert sie mit Reminiszenzen an die Kunst, die zu dieser Zeit aktuell war – so findet sich beispielsweise die fließende Verfremdung des Surrealismus. Alle Gefäße hat Hendrik Rethmeyer selbst gefertigt beziehungsweise deren Oberfläche veredelt, zum Beispiel mit glänzenden Käferflügeln oder Fruchtständen.

6 Die Tapete, die Amelie Scholz zog, hat eine Pferdefelloptik. Für ihre florale Interpretation griff sie die Rechtecke in der Tapete auf und setzte sie im Vordergrund dreidimensional um. Sie erzielte mit der Abstufung und der Farbigkeit der Rechtecke eine schöne räumliche Wirkung. Für die Gestaltung der Oberflächen der Rechtecke verwendete sie Materialien, die an den Wilden Westen erinnern – die Tapete heißt „Appaloosa“, das ist eine Pferderasse, die heute vor allem beim Westernreiten eingesetzt wird.

7 Svetlana Lutscher-Silbernagel nahm das Muster der marmorierten Tapete auf und setze es dreidimensional um. Eine Bewegung des Musters griff sie in Form einer großen Welle heraus, in die sie weiße und hellgrüne Blüten steckte.

Strauß

Für ihre Sträuße suchten sich die Absolventinnen und Absolventen eigene Themen. Gabriele Haufe legt großen Wert darauf, dass die angehenden Meisterinnen und Meister Sträuße ohne Gerüst frei aus der Hand binden können.

8 Der Strauß von Anna Günther erhielt von der Prüfungskommission Bestnoten. „Er hat eine tolle Form. Sowohl die Staffelung als auch die Bewegungen sind sehr gelungen“, lobt Fachlehrer Jürgen Strohmeier. „Herzbetörend“ hat sich Anna Günther als Motto gewählt und erklärt: „Der Strauß entspricht dem, was mein Floristenherz betört. Sind es nicht die Vielfalt, die Farben, Texturen und Bewegungen, die unsere Floristenherzen begeistern?“

9 „Wunscherfüllend“ heißt das Straußthema von Tamara Reinhold. Mit der Vielfalt der Florialien will sie die Unterschiedlichkeit der Wünsche zeigen, die Menschen haben können. Der Strauß läuft spitz zu. Tamara Reinhold will damit zum Ausdruck bringen, dass es immer mehrere Wege gibt, sich einen Wunsch zu erfüllen. Die Spitze steht für den einen Wunsch, auf den mehrere Bewegungen zulaufen.

Brautstrauß

„Redet leise, wenn ihr von Liebe redet“ – das Zitat aus dem Sommernachtstraum von William Shakespeare steht als Thema über den Brautsträußen. In diesem Jahr entstand eine besondere Vielfalt an Werkstücken – sowohl in Bezug auf die Formen als auch auf die verwendeten Stile und Techniken. Auffällig auch die hohe Zahl an Sträußen mit Naturstiel. Um die Sträuße in den Prunkräumen des Schlosses für sich wirken zu lassen, wurden sie in einem weißen Rahmen präsentiert, dessen Hintergrund eine stilisierte Darstellung des Brautkleids zeigte.

10 Sarah Gerstmeyr dachte bei dem Shakespeare-Zitat sofort an einen Fächer, hinter dem die Damen der feinen Gesellschaft zur damaligen Zeit zu tuscheln pflegten. Sie fertigte ihren Brautschmuck deshalb in dieser Fächerform. Auch bei der Wahl der Blüten orientierte sie sich am Theater- stück, aus dem das Zitat stammt. Dieses spielt in einem Wald – entsprechend wählte sie die Blüten und deren Farben.

11 Anna Günther fertigte ihren Strauß ohne Grundgerüst und ohne technische Hilfe frei aus der Hand. Ihr gelang eine perfekte Grundform, die sich weg von der klassischen Kugel in eine ovalere Form auflöst. Die dezente, ruhige Farbgebung soll die Bewegungen, die einzelnen Blüten und Texturen betonen.

12 Tamara Reinhold fertigte eine florale Handtasche, denn was passt besser zu einer Frau, als eine Handtasche, fragt sie mit einem Augenzwinkern. Die Grundform der Tasche besteht aus Styrodur mit einer Aussparung für den Steckschaum. Die Taschen-Hülle ist selbst genäht. An den Taschen-Korpus heftete Tamara Reinhold Mistelblätter. Aus dem Tascheninneren quillt eine Blütenvielfalt in Pastelltönen mit einigen wenigen Kontrasten in zartem Bordeaux.

Formarbeit

Die Formarbeit stand unter dem Thema „Fabelschön“. Zudem war eine Schalenform vorgegeben, die einen ungefähren Durchmesser von 80 cm haben sollte. Es entstanden Werkstücke in unterschiedlichen handwerklichen Techniken. Während die einen ausschließlich mit naturbelassenen Materialien arbeiteten, veränderten einige der Schüler/-innen das Naturmaterial – beispielsweise durch Beizen oder Schälen. Die einheitliche Präsentation auf Naturholzsäulen war nicht vorgegeben, wurde aber von den Absolvent(inn)en gemeinsam entschieden.

13 Svetlana Lutscher-Silbernagel fertigte ihre Schale aus einer Styrodur-Grundform, die sie mit Lunaria-Blättern bedeckte. Bevor sie die Blätter steckte, weichte sie sie in Wasser ein, faltete und nähte sie auf ein dünnes Schleifenband. Das Innere der Schale ist mit unreifen Brombeeren und zarten Begonien-Blüten gefüllt.

14 Sarah Gerstmeyr fand durch eigene Experimente einen Weg, Blätter chemisch zu skelettieren. Für ihre Formarbeit wählte sie Efeu-Blätter, weil diese auch nach dem Skelettieren ihre Farbe behalten, und fertigte das ganze Werkstück aus Efeu – das Innere der Arbeit schmücken naturbelassene Efeu-Ranken, als Schalenfuß fand ein Efeu-Stamm Verwendung.

15 Titelbild (Gesamtwerk) Anna Kiefer fertigte ihre Formarbeit aus ClematisrRnken, die das wertvolle Innere schützen – die zarten Blüten, die in ihr tanzen (sehe Titel). Getragen wird die Schale von Zweigen, die in einer mit Frauenhaarmoos gefüllten Schale stehen. Das Moos dient der Wasserversorgung.

Die Meisterschule in Stuttgart gehört zur Staatsschule für Gartenbau und findet als einjährige Ganztagsschule statt. Die Kurse beginnen immer Mitte September mit dem neuen Schuljahr in Baden-Württemberg.

Nähere Informationen: Tel. 0711/459-22726, www.floristmeister.info Auch auf Facebook (@floristmeisterschule ) und Instagram (@floristmeister_stuttgart) gewährt die Floristmeisterschule regelmäßig einen Einblick in den Schulalltag, die Techniken und Aktivitäten.