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Dauerhaf t an der Börse Geld verdienen


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 26.08.2021

DER BUSINESSPLAN FÜR TRADER

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Bildquelle: Traders, Ausgabe 9/2021

Wer dauerhaft an der Börse Erfolg haben will, der sollte Trading als professionellen Geschäftsbetrieb auffassen. Und wie bei jeder anderen Geschäftsgründung auch steht am Anfang eine Idee. Damit diese Idee profitabel am Markt umgesetzt werden kann, wird im ersten Schritt ein Businessplan – oder auch Geschäftsplan – erstellt. Der Businessplan ist ein schriftliches Unternehmenskonzept, das alle Schritte zur Umsetzung der Geschäftsidee hinsichtlich Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit beschreibt.

Rudolf Wittmer

Diplom-Ingenieur Rudolf Wittmer war in den letzten Jahren als Fondsmanager und Berater für Hedgefonds tätig. Der Trader aus Leidenschaft hat vor fast 30 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht. Durch stetige Verfeinerung seiner Handelsmodelle machte er sich einen Namen als Systemtradingspezialist. rudolf.wittmer@hrconsult.li

Am Ende rentiert sich die Umsetzung einer ...

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... Geschäftsidee nur dann, wenn damit Geld verdient wird. Beim Trading ist das nicht anders. Trading kann sich nur dann rentieren, wenn mehr herausspringt als im bisherigen Job und die Rendite höher ist als bei konventionellen Fonds. Damit ist Trading weitaus mehr als nur Gewinne oder Verluste im Handelskonto.

In diesem Beitrag geben wir einige wichtige Tipps, die zum Start einer Traderkarriere oder zur professionellen Verwaltung des eigenen Vermögens wichtig sind. Dabei setzen wir voraus, dass dem Leser bereits eine Strategie mit positivem Erwartungswert zur Verfügung steht. Das muss kein ausgefeiltes mechanisches Handelssystem sein. Auch mit wenigen einfachen, aber klaren Regeln kann an der Börse Geld verdient werden.

Unterschied zwischen Businessplan für Trader und Tradingplan

Der Businessplan beschreibt die komplette „Unternehmung Trading“ und berücksichtigt auch das Umfeld des Traders. Mit einem Businessplan diszipliniert sich der Trader, die eigenen Regeln einzuhalten. Ohne diesen Businessplan wird es schwierig, das ursprüngliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Denn aufgrund der medialen Informationsflut besteht die Gefahr, dass sich der Trader ständig von anderen Gelegenheiten ablenken lässt.

Der Tradingplan ist Teil des Businessplans und befasst sich nur mit dem eigentlichen Trading. Er beschreibt also das Geschäftsmodell des Unternehmens. In Bild 1 haben wir einen Businessplan für Trader skizziert. Die Skizze erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll nur als Anhaltspunkt dienen. Jeder Trader muss den Businessplan unter Berücksichtigung seiner eigenen persönlichen Umstände entwerfen. Insgesamt besteht der Businessplan aus fünf Stufen:

• Ziele setzen

• Planen

• Durchführen

• Kontrollieren

• Verbessern.

Wir werden nachfolgend alle Stufen besprechen und an praktischen Beispielen wichtige Hinweise auf mögliche Stolpersteine geben.

„Der wichtigste Punkt eines Businessplans ist die Definition von Zielen.“

1. Schritt: Ziele setzen

Viele Trader scheitern, weil sie keine Ziele haben. Sie haben keine Bezugspunkte, an denen sie sich orientieren können. Damit verlieren sie früher oder später den Überblick, der Blick für das Ganze geht verloren. Daher ist der wichtigste Punkt eines Businessplans die Definition von Zielen. Alles was danach kommt, muss an diesen Zielvorgaben gemessen werden.

Die erste Frage sollte daher immer lauten: Warum will ich an der Börse handeln? So trivial diese Frage auch klingt, so schwierig ist sie vermutlich von den meisten Tradern zu beantworten. Wenn die Antwort lautet „Weil ich Trader werden will“, dann impliziert das nämlich, dass jemand mit Trading seinen Lebensunterhalt verdienen will. Für dieses Ziel sind aber ganz andere Kapitalanforderungen und Renditeziele nötig als für jemanden, der nur sein Geld verwalten möchte. In Tabelle 1 haben wir die Anforderungen und Charakteristiken dreier unterschiedlicher Tradertypen aufgelistet: Daytrader, Positionstrader und Investor. Ein Daytrader kauft und verkauft Finanzinstrumente mit einem Zeithorizont von einigen Minuten bis zu einem Tag – mit dem Ziel, von den Tagesbewegungen eines Wertes zu profitieren. Per Definition halten Daytrader keine offenen Positionen über Nacht. Daytrading erfordert einen hohen Zeitaufwand, in der Regel mehrere Stunden pro Tag. Damit wird auch sofort klar, dass Daytrading nicht nebenbei betrieben werden kann. Wer damit erfolgreich sein will, der muss hauptberuflich Daytrader sein.

Hinzu kommt, dass Daytrading bereits durch die notwendige technische Ausrüstung nicht gerade billig ist, auch wenn die Kosten dafür in den vergangenen Jahren spürbar gesunken sind. Da aber in den meisten Fällen die Zeit eine kritische Rolle spielt, kann sich ein Daytrader keinen Systemausfall leisten. Er muss also dafür sorgen, dass er bei Bedarf auf ein redundantes System ausweichen kann. Dazu gehören auf jeden Fall eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) des Hauptsystems und ein Ersatzsystem, mit dem über ein separates Netzwerk auf das Brokerkonto zugegriffen werden kann. Außerdem gilt es zu beachten, dass Daytrader bei Urlaub oder Krankheit kein Geld verdienen können. Das sollte bereits bei den Gewinnerwartungen mit berücksichtigt werden.

Die wichtigste Eigenschaft eines Daytraders sollte eine ausgeglichene Persönlichkeitsstruktur sein. Daytrading ist kein Geschäft für Menschen, die schnell die Kontrolle verlieren und zu Wutausbrüchen neigen. Am Beginn jeder Daytradingkarriere sollte daher eine sehr ehrliche Analyse der eigenen Persönlichkeit stehen. Idealerweise wird diese Analyse durch einen externen Coach unterstützt.

Ein Positionstrader kauft und verkauft Finanzinstrumente mit einem Zeithorizont von Tagen bis Monaten. Sein Ziel ist es, Gewinne mit Kursschwankungen zu erzielen, die er aufgrund einer fundamentalen oder charttechnischen Einschätzung prognostiziert hat. Positionstrader mit einem guten Handelsansatz benötigen zur Durchführung aller Arbeiten mindestens eine bis zwei Stunden pro Tag. Dabei nehmen der Handel und die Überwachung der Positionen die geringste Zeit in Anspruch. Die meiste Zeit wird für die Auswertung des Handels und den Abgleich mit den Handelsregeln benötigt. Ein Investor kauft und verkauft Finanzinstrumente mit einem Zeithorizont von mehreren Wochen und Monaten bis hin zu Jahrzehnten. Sein Ziel ist es, an makroökonomischen Trends oder steigenden Unternehmensgewinnen zu partizipieren. Die langfristige Orientierung des Investors deutet bereits darauf hin, dass er den geringsten Zeitaufwand hat. Gute Investoren sollten dafür nicht mehr als ein bis zwei Stunden pro Woche benötigen. Voraussetzung ist allerdings ein klar definierter Regelsatz.

Rendite und Risiko

Trading als Geschäft muss zunächst an Zielvorgaben orientiert sein, die vor Beginn des Tradings festliegen müssen. Entscheidende Parameter sind das vorhandene Tradingkapital, die zu erzielende Rendite und der maximal tolerierbare Drawdown.

Der Pionier der modernen Managementlehre, Peter F. Drucker, hat mit seiner Methode „Management by Objectives“ (Führen durch Zielvereinbarung) gefordert, dass

Ziele S.M.A.R.T. sein sollten: S wie spezifisch, M wie messbar, A wie angemessen, R wie realistisch und T wie terminiert. In diesem Zusammenhang bedeutet „terminiert“, dass ein fester Zeitplan existiert.

Vor allem mit den Eigenschaften „realistisch“ und „terminiert“ haben die meisten Tradingneulinge große Probleme. Immer wieder stellen wir fest, dass die meisten Trader noch nicht einmal wissen, welche Rendite sie erwirtschaften. Die Frage nach der Höhe der Auslagen kann von den meisten nicht oder nur vage beantwortet werden. Müßig zu erwähnen, dass die meisten Renditevorstellungen maßlos überzogen sind. Hinzu kommt in vielen Fällen die eher naive Vorstellung, dass mit ein paar Trades pro Tag ein sagenhafter Reichtum erworben werden kann. Die Wahrheit ist: Trading ist ein sehr hartes Geschäft! Es erfordert einen unermüdlichen und disziplinierten Einsatz.

Realistische Renditeerwartungen

Ein Investor, der nach dem Crash 1987 die Aktie Berkshire Hathaway des Starinvestors Warren Buffett kaufte, hätte Ende 1987 etwa 3000 US-Dollar für eine Aktie bezahlen müssen. Im Mai 2021 erreichte die Aktie bei rund 440.000 US-Dollar ihr bisheriges Allzeithoch. Der Investor hätte somit innerhalb von 34 Jahren eine durchschnittliche Rendite von ungefähr 17 Prozent pro Jahr erzielt. Allerdings wäre er auch zweimal kräftig ins Schwitzen gekommen. Denn beim Platzen der Dotcom-Blase in den Jahren 2000/2001 und während der Finanzkrise 2008/2009 gab es jeweils Rückschläge von 50 Prozent. Hinzu kamen mehrere kleinere Verlustphasen im Bereich von 20 Prozent bis 30 Prozent.

Als Konsequenz sollten sich Trader und Investoren an diesen Vorgaben orientieren. Die Benchmark ist damitimmerhin einer der erfolgreichsten Investoren der vergangenen Jahrzehnte. Wer über einen längeren Zeitraum Renditen von 20 Prozent pro Jahr erwirtschaften will, der muss mit zwischenzeitlichen Verlusten (Drawdowns) von 30 bis 50 Prozent rechnen.

„Es gibt vermutlich keinen Geschäftsbereich, in den die Menschen so unterkapitalisiert hineingehen wie ins Trading.“

Bricht man diese Zahlen auf Monatswerte herunter, dann sollten im Durchschnitt zwischen 1,5 und zwei Prozent pro Monat verdient werden, bei durchschnittlichen Drawdowns von zwei bis vier Prozent pro Monat. Diese Erfahrungswerte machen deutlich, dass die Volatilität im Portfolio etwa doppelt so hoch ist wie die durchschnittlich zu erzielende Rendite. Als Faustregel gilt: Soll eine durchschnittliche Jahresrendite von x Prozent erzielt werden, dann muss mit einem Drawdown von zweimal x Prozent kalkuliert werden.

Die bisherigen Rendite/Risiko-Betrachtungen gelten für Positionstrader und Investoren. Jetzt werden viele Trader einwenden, dass sie es in den vergangenen Jahren geschafft haben, 50 Prozent und mehr pro Jahr mit Trading verdient zu haben. Das mag ja auch durchaus sein. Diese Werte können aber nicht von allen Tradern als Grundlage eines seriösen Geschäftsplan verwendet werden. Wenn am Ende dann doch mehr herauskommt – umso besser! Auch Daytrader sollten zu Beginn mit einer Jahresperformance von 20 Prozent kalkulieren. Denn bei ihnen kommt erschwerend hinzu, dass bei Urlaub oder Krankheit kein Geld verdient werden kann. Das ist bei Positionstradern nicht unbedingt der Fall, da sie unter Umständen ein Portfolio auch mit wenig Zeitaufwand verwalten können.

Die wichtigste Ressource: Das Startkapital

Der kritischste Punkt ist oftmals das Startkapital. Es gibt vermutlich keinen Geschäftsbereich, in den die Menschen so unterkapitalisiert hineingehen wie ins Trading. Wer Trading hauptberuflich betreiben möchte, der muss sich darüber im Klaren sein, dass er genügend Geld benötigt, um auch eine einjährige Drawdown-Phase zu überstehen. Es müssen neben dem Tradingkapital entweder eine zusätzliche Einnahmequelle oder ausreichend Reserven vorhanden sein. Trading als Geschäft bedeutet, dass alle nötigen Betriebskosten erwirtschaftet werden müssen. Dazu zählen unter anderem Raummieten, Hardund Software, Büroausstattung, Versicherung und nicht zu vergessen der kalkulatorische Lohn. Beim eigenen

Trading werden diese Betriebskosten sehr oft komplett unter den Tisch gekehrt. Was die meisten Trader am Anfang zudem völlig vernachlässigen, ist die Tatsache, dass ein Vollzeittrader neben seinem Einkommen, das er auch als Angestellter bekommen würde, noch eine Rendite auf sein eingesetztes Kapital erzielen sollte. In Tabelle 2 sind diese Kosten ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufgeführt, wobei die für Hard- und Software auf Monatsebene heruntergebrochen wurden. Daneben sind die Äquivalente in Prozentpunkten bezogen auf das vorhandene Startkapital angegeben.

Um wirklich vom Trading leben zu können, müssen bei einem Stundensatz von 20 Euro und einer Anzahl von 80 Stunden Monat für Monat 2800 Euro verdient werden, damit sich das Startkapital nicht verringert. Das ist also nur der Break-Even-Punkt. Außerdem sollte sich das Startkapital auch noch vermehren. Die Tradingkosten und der kalkulatorische Lohn sind in Tabelle 2 eher niedrig angesetzt. Dennoch ergibt sich hier bei einem Startkapital von 100.000 Euro bereits ein geschäftsbedingter Drawdown von 28,80 Prozent. Das ist mit dem Gewinnziel von 20 Prozent pro Jahr zu viel, um auf Dauer profitabel zu sein. Als Faustregel gilt, dass das Startkapital eines Vollzeittraders ohne Berücksichtigung eines kalkulatorischen Lohns das 50-Fache seiner monatlich laufenden Kosten betragen sollte. Belaufen die sich im Monat auf 1000 Euro – ein zum Betreiben eines Geschäfts sehr knapp bemessener Wert –, dann sollte das Startkapital also mindestens 50.000 Euro betragen.

2. Schritt: Planen

Erst wenn die Ziele eindeutig definiert wurden, kann es an die Planung des Unternehmens gehen. Kernstück dabei ist der Tradingplan. Er entspricht dem Geschäftsmodell bei einem herkömmlichen Unternehmen.

Tradingplan (Geschäftsmodell)

Im Tradingplan werden die wichtigsten Informationen über den Tradingansatz und sämtliche daraus resultierende Tradingaktivitäten zusammengefasst. Darin müssen nicht nur die Handelsregeln, sondern auch die Ziele genauestens definiert und protokolliert werden.

Der Tradingplan enthält somit die wichtigsten Daten fürs Trading: Zielrendite, Vergleichsindex, tolerierbarer

„Im Money-Management liegt bei vielen Tradern das Erfolgsgeheimnis ihrer Strategie.“

Drawdown und Startkapital. Zudem müssen noch die Daten der zu handelnden Märkte, Entry- und Exitregeln, Anzahl der Kontrakte, Money- und Risikomanagementregeln sowie die Regeln für Sondersituationen aufgeschrieben werden. Nur so ist gewährleistet, dass man sich auch stets an seine eigenen Regeln hält. In Bild 2 haben wir den Ablauf des gesamten Tradingprozesses, so wie er in einem Tradingplan beschrieben werden sollte, skizziert.

In den meisten Fällen versagen nicht Tradingstrategie oder -system, sondern der Trader, der meint, dass er besser ist als sein System, und sich nicht an seine eigenen Regeln hält. An dieser Stelle setzen wir zwar voraus, dass der Trader bereits eine fertige Handelsstrategie entwickelt hat, wollen aber dennoch auf einige wichtige Grundsätze bei der Strategieentwicklung aufmerksam machen.

Einfache Strategien bevorzugen

Strategien sollten so einfach wie möglich gehalten werden. Wenn zwischen zwei Strategien mit identischen Risiko/Gewinn-Profilen gewählt werden kann, dann sollte die einfachere Strategie bevorzugt werden. Diese in der Wissenschaftstheorie auch heute noch populäre Methodik ist auch unter dem Begriff „Ockhams Rasiermesser“ bekannt: Damit sollten aus einer Strategie alle Variablen herausgeschnitten werden, die zu keiner signifikant besseren Performance führen.

Das Prinzip der Falsifikation

Die meisten Trader verwenden viel Zeit darauf, Beispiele zu finden, die ihre Handelsstrategie bestätigen. Das Problem dabei ist: Jede weitere Bestätigung einer aufgestellten Strategie bringt keine höhere Sicherheit für ihr Funktionieren in der Zukunft. Die umgekehrte Vorgehensweise ist richtig: Trader sollten ständig darum bemüht sein herauszufinden, was passieren muss, damit ihre Strategie nicht mehr funktioniert – dabei handelt es sich um das „Falsifikationsprinzip“. Es wird zum Beispiel die folgende Hypothese aufgestellt: „Alle Schwäne sind weiß.“ Diese Hypothese kann nicht dadurch beweisen werden, dass in der freien Natur eine beliebige Anzahl von weißen Schwänen beobachtet wird. Doch das Auftreten eines einzigen schwarzen Schwans führt zur Widerlegung (Falsifikation) der Hypothese.

Trader sollten immer auf der Suche nach dem schwarzen Schwan für ihre Strategie sein und sich die folgende Frage stellen: Was muss passieren, dass meine Strategie nicht mehr funktioniert oder plötzlich komplett versagt?

Risiko- und Money-Management

Auf die Frage, wie er es geschafft habe, aus einem ungeformten Marmorblock so etwas Vollkommenes wie die Statue des David zu erschaffen, soll Michelangelo eine verblüffend einfache Antwort gegeben haben: „Ich habe einfach alles entfernt, was nicht David ist!“ Eine bessere Definition des Risikomanagements kann es eigentlich gar nicht geben: Es soll von einer Tradingstrategie all das entfernen, was nicht profitabel ist, sodass nur das Gute – beim Trading sind dies nun einmal die Gewinne – übrig bleibt. Da soll noch mal jemand behaupten, Trading habe nichts mit Kunst zu tun!

Test der Strategie

Jede Strategie sollte vor dem Einsatz mit realem Geld getestet werden. Bei Handelssystemen ist das relativ einfach in Form von Backtests möglich. Sollte das nicht möglich sein, empfiehlt sich auf jeden Fall ein hypothetisches Trading unter realen Bedingungen. Dazu bieten die meisten Broker Demokonten an, auf denen mit virtuellem Geld gehandelt werden kann. Eine Alternative wäre der Handel der Strategie mit sehr kleinen Beträgen.

Money-Management gibt dem Trader die Möglichkeit, den einzigen frei wählbaren Parameter, der Einfluss auf Gewinne und Verluste im Portfolio hat, selbst zu bestimmen: die Höhe der Investition. Darin liegt bei vielen Tradern das Erfolgsgeheimnis ihrer Strategie. Dabei ist das Money-Management kein Geheimnis. Es wird lediglich die Höhe der Investition bei einem einzelnen Trade so festgelegt, dass in einem Worst- Case-Szenario die Verluste einen bestimmten Prozentsatz nicht übersteigen.

An diesem Punkt unterliegen viele Trader einem gefährlichen Trugschluss. Ein kleines Beispiel: Ausgehend von einem Backtest-Ergebnis wurde eine Handelsstrategie entwickelt, die eine Trefferquote von 80 Prozent ausweist.

Der Trugschluss besteht nun darin, dass viele Trader glauben, die Gewinnwahrscheinlichkeit des nächsten Trades läge bei 80 Prozent. Das ist grundlegend falsch. Denn die Gewinnwahrscheinlichkeit des nächsten Trades ist anfangs immer etwas kleiner als 50 Prozent. Etwas kleiner deshalb, weil bei jedem Trade der Bid-Ask-Spread (Differenz zwischen Geld/Bid- und Brief/Ask-Kurs eines Wertpapiers zum selben Zeitpunkt) und Kommissionen zu bezahlen sind.

Eine 80-prozentige Gewinnwahrscheinlichkeit gilt nur bei einer entsprechend hohen Tradeanzahl für die Gesamtheit aller Trades – und auch nur dann, wenn sich die Tradeverteilung in der Zukunft nicht verändert. Deshalb ist ein solides Money-Management, das die Investitionshöhe eines jeden Trades unabhängig von der Tradehistorie festlegt, ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Quelle: www.hrconsult.li

Diversifikation und Marktauswahl

Eine vollkommene Tradingstrategie kann es nicht geben. Daher ist es wichtig, dass Trader mehrere Strategien oder Märkte gleichzeitig handeln, damit beim Versagen einer Teilstrategie Verluste mit einer anderen ausgeglichen werden können. Wir empfehlen deshalb den parallelen Handel von zwei bis drei Systemtypen in zwei bis drei unterschiedlichen Assetklassen. Für einen Daytrader in DAX-und Bund-Futures wäre also ein mittelfristiger Tradingansatz in Rohstoffen, Devisen oder Volatilität sehr vorteilhaft. Dabei sollte auf eine geringe Korrelation zwischen den unterschiedlichen Tradingstrategien geachtet werden. Insgesamt sollte die Anzahl der Assets im gesamten Depot 30 bis 50 Werte nicht überschreiten. Das gewährleistet ein ausreichend hohes Maß an Diversifikation und bleibt dennoch überschaubar. Wer mehr als 100 verschiedene Assets in seinem Depot hält, der sollte seine Anlagestrategie überdenken. In den meisten Fällen handelt es sich um einen hohen Grad an redundanten Risikofaktoren.

Market-Research: Make or Buy?

Im letzten Schritt des Planungsprozesses sollte auch ein regelmäßiger Market-Research mit aufgenommen werden. Jedes Unternehmen sollte ständig prüfen, ob es günstiger ist, etwas im eigenen Unternehmen herzustellen oder von einem Lieferanten zu kaufen. Damit wird gewährleistet, dass es sich voll auf seine Kernkompetenz konzentrieren und sie optimieren kann. Ein Daytrader, der sein Portfolio durch eine trendfolgende mittelfristige Strategie diversifizieren möchte, sollte durchaus auch die Investition in einen Fonds in Erwägung ziehen, sofern der nach Abzug aller Kosten ein signifikant besseres Chance/Risiko-Verhältnis bietet als eine selbst entwickelte Strategie.

3. Schritt: Durchführen

Auch beim Handel selbst stellt sich zunächst die Frage nach den Risiken. Dabei ist offensichtlich, dass im Bereich der Durchführung weniger die Marktrisiken als vielmehr operationelle Risiken von ausschlaggebender Bedeutung sind. Es ist also zu fragen, was passieren muss, damit der Zugang zum Depot nicht mehr gewährleistet ist. Darauf gibt es zwei Antworten mit relativ einfachen Konsequenzen:

1. Der Broker ist pleite. Leider tritt dieser Fall ab und zu auf. Es ist etwa alle drei bis fünf Jahre mit einer größeren Brokerpleite zu rechnen. Dieses Risiko kann nur dadurch reduziert werden, dass Trader bei mehreren Brokern Konten unterhalten, die an einer Sicherungseinrichtung angeschlossen sind. Außerdem sollten nur „Segregated Accounts“ eröffnet werden, bei denen die Kundengelder separat von den Geldern des Brokers verwahrt werden. Und es sollte nie zu viel Bargeld auf Brokerkonten liegen.

2. Aufgrund technischer Probleme ist kein Zugang zum Depot möglich. Auch dieses Risiko ist leicht zu reduzieren. Zunächst besteht die Möglichkeit, den eigenen Computer mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) auszustatten. Daneben sollte dafür gesorgt werden, dass das Depot über zwei verschiedene Netzwerke, zum Beispiel Festnetz und Mobilnetz, zu erreichen ist.

Überwachung der Positionen

Eine Aufgabe bei der Durchführung des Handels ist die Überwachung der Positionen. Auch hier liegt der Schwerpunkt eindeutig bei der Risikoüberwachung. Eine Positionsaufstellung mit entsprechenden Risikokennzahlen für das ALPHA STAR-Tradingsystem sehen Sie in Tabelle 3. Bei ALPHA STAR handelt es sich um ein trendfolgendes Handelsprogramm auf Basis von Futures, das in die fünf Segmente Devisen, Metalle, Energie, Getreide und Weichwaren investiert. In der ersten Spalte ist der Markt angegeben, gefolgt von der Anzahl der Positionierungen (minus für Short-Position) und der Anzahl der Kontrakte. In Spalte 5 unten sind der Wert des Portfolios und die gesamte Exposure dargestellt. Bei einem Depotwert von 2.474.000 US-Dollar und einer absoluten Exposure von 14.459.594 US-Dollar ergibt sich ein Hebel (Leverage) von 5,84. Entscheidend ist nun die Risikobewertung in den letzten fünf Spalten. Danach folgen die Risiken jeweils auf absoluter und prozentualer Basis pro Kontrakt und bezogen auf das gesamte Portfolio In der neunten Spalte ist der Stoppkurs eingetragen. In der vorletzten Spalte wird für jeden einzelnen Markt angegeben, wie viel Verlust beim Erreichen des Stopps auftritt. In der letzten Spalte werden Risiken (= potenzielle Verluste) für jedes Segment aggregiert.

Sollten im nächsten Moment alle Stopps in allen Märkten erreicht werden, dann würde das einen Verlust von 382.591 US-Dollar oder 15,46 Prozent für das gesamte Portfolio bedeuten. An diesem kleinen Beispiel wird deutlich, dass die Kontrolle des Risiken oder Klumpenrisiken werden sofort erkannt und es kann gegengesteuert werden, etwa durch Reduzierung der Kontraktanzahl oder den Einsatz von Optionen. Welche Maßnahme ergriffen wird, sollte bereits im Tradingplan definiert sein. Nun ist es jedoch so, dass dort nicht jede Situation vorab durchdacht werden kann. Deshalb muss jeder Tradingplan immer wieder aktualisiert werden. Beim Auftreten neuer Probleme werden Lösungsmöglichkeiten erarbeitet, die anschließend in den Plan eingearbeitet werden.

4. Schritt: Kontrollieren

Im Trading-Record (Performancenachweis) wird über sämtliche Handelsaktivitäten umfassend Buch geführt. Musste das bis vor wenigen Jahren noch überwiegend manuell erledigt werden, bieten heute fast alle Broker mehr oder weniger ausführliche Handelsstatistiken mit zahlreichen Informationen zu den Aktivitäten des Traders an. Die Kunst des Kontrollierens liegt nun eher darin, die Daten in aussagekräftigen Statistiken darzustellen. Grundsätzlich werden zwei Arten unterschieden: tradebezogene und zeitbasierte Darstellung.

Tradebezogene Auswertung

Der Profitfaktor ist ein typisches Beispiel einer tradebezogenen Darstellung. Damit kann die Qualität des Zusammenspiels von Handelsstrategie, Risiko-und Money-Management gemessen werden. Bild 3 zeigt die einzelnen Komponenten zur Berechnung des Profitfaktors. Mit der Anzahl der Gewinn-und Verlusttrades wird die Profitabilität einer Handelsstrategie gemessen. Jede Tradingstrategie hat unterschiedliche Werte. Während das Profil eines Daytraders eher durch viele kleine Gewinne und wenige größere Verluste geprägt wird, sollten bei einem mittelfristigen Trendfolgesystem die Gewinne durch wenige große Trends erzielt werden. Typische Werte für die Profitabilität eines Trendfolgesystems liegen zwischen 30 und 40 Prozent. Bei einem Day trader sollten es hingegen zwischen 70 und 80 Prozent sein. Bei der zweiten Komponente – der Profit/ Loss-Ratio – sieht es dagegen umgekehrt aus. Ein Trendfolgesystem glänzt hier normalerweise mit Werten von drei: Die Höhe der wenigen Gewinne ist also im Schnitt dreimal so hoch wie die Höhe der häufigeren Verluste.

Zeitbasierte Auswertung

Die zeitbasierte Auswertung interessiert sich nicht für einzelne Trades. Sie misst Rendite und Risiko pro Zeiteinheit. Normalerweise wird als Zeiteinheit ein Tag, eine Woche, ein Monat oder ein Jahr gewählt. Entscheidend ist auch hier der Risikoaspekt. Deshalb müssen vor allem Drawdown-Phasen untersucht werden: Länge der Phasen, durchschnittliche und maximale Höhe sowie die Zeit bis zum Erreichen eines neuen Höchststandes. Diese Werte sollten jeweils mit den historischen Erfahrungswerten verglichen werden – insbesondere dann, wenn der aufgetretene Verlust die historischen Verluste übersteigt. Es gilt der Grundsatz: Beschäftige dich nicht mit deinen Gewinnen, sondern immer zuerst mit deinen Verlusten!

Abgleich mit Zielvorgaben

Wichtig ist, dass ständig – am besten täglich – die Zielvorgabe mit den tatsächlichen Tradingergebnissen verglichen wird, und zwar anhand einer geeigneten Benchmark: ein Index, ein Fonds oder auch das Portfolio eines anderen erfolgreichen Traders. Als Benchmark zum Vergleich mit dem eigenen Tradingergebnis bieten sich auch die Indizes verschiedener Hedgefondsdatenbanken oder auch Broker an. Exemplarisch haben wir die Tradingindizes von HFR in Bild 4 aufgelistet. Diese Indizes bieten nicht nur sehr gute Vergleichsmöglichkeiten mit den eigenen Tradingergebnissen. Es werden auch zahlreiche wertvolle Anregungen zum Aufbau geeigneter Handelsstrategien vorgegeben, die Ausgangspunkt eigener Entwicklungen sein können.

5. Schritt: Verbessern

Wenn ein Tradingplan sorgfältig aufgestellt wurde, sollte man nicht beim geringsten Drawdown sofort in den Handel eingreifen. Wer seine Strategie zu oft anpasst, läuft Gefahr, dass das immer zum falschen Zeitpunkt geschieht. Es muss auch jedem Trader klar sein, dass regelbasierte Handelsstrategien systemimmanenten Drawdowns ausgesetzt sind. Denn eine einzelne Strategie kann nicht in jeder Marktsituation profitabel arbeiten. Wir empfehlen daher, in einem ersten Schritt zuerst das Risiko herunterzufahren. Das wird am schnellsten erreicht, indem die Investitionsquote reduziert wird.

Fazit

Dieser Beitrag soll als kleine Hilfestellung für Trader dienen, die Trading als professionellen Geschäftsbetrieb auffassen. Trading kann sich nur dann rentieren, wenn mehr herausspringt als im bisherigen Job und die Rendite höher ist als bei konventionellen Fonds. Natürlich konnten wir nicht alle Aspekte eines professionellen Businessplans für Trader ausführlich erörtern. Aber wir haben auf die wichtigsten Fallen hingewiesen, in die ein Trader tappen kann. Entscheidend für den Erfolg ist es, die richtigen Fragen zu stellen. Insbesondere die Frage nach dem Ziel und den möglichen Risiken, die auf dem Weg dahin auftreten können, ist von enormer Wichtigkeit. Oberstes Motto eines Traders sollte sein: Verwalte die Risiken – und übrig bleiben die Chancen!