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DAUERTEST | Hyundai Tucson 2.0 CRDi 4WD: Überzeugend


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auto Test - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 27.02.2019

Der Hyundai Tucson war ein treuer Dauertester. Kleine Schwächen offenbarte er erst mit der Zeit, wirklich enttäuscht hat er uns in den gut zwei Jahren aber nie


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Fotos: R. Sassen, Redaktion; wir danken der Schanzäcker Autohaus GmbH in Nürnberg

Kilometerendstand


Unsere Dauertest-Beziehung zum Hyundai Tucson war zu kurz. Zum einen wurde der Wagen für seine Langstreckenqualitäten von allen Kollegen geschätzt und hätte deshalb gern länger bleiben dürfen; zum anderen hat er sich auf der 100000-Kilometer-Distanz einfach nichts Kritisches zuschulden kommen lassen, sodass unser Fazit ziemlich positiv ausfällt. Aber ...

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... der Reihe nach.

Zum Dauertestauftakt am 28. Juni 2016 ist „unser“ Tucson gerade sechs Wochen alt und hat 2893 Kilometer auf der Uhr. Und neben dem stärksten Motor – 2.0 CRDi 4WD mit 185 PS – auch ausstattungsseitig fast alles an Bord, was die Vorfacelift-Preisliste des koreanischen Kompakt-SUV damals zu bieten hat: Sechsstufel-uutomatik (2050 Euro), Sicherheitspaket (1100 Euro), Lederpaket (1600 Euro) sowie Mineraleffektlackierung in Ultimate Red (590 Euro.) Das klingt zunächst gar nicht so üppig, allerdings liegt diesem optionalen Aufbau die Topausstattung Premium zugrunde. So addiert sich der Testwagenpreis zum Startzeitpunkt auf 43540 Euro. Ohne das Fazit vorwegzunehmen: Preis und Gegenwert stehen hier in einem sehr guten Verhältnis zueinander.

Seine erste echte Bewährungsprobe besteht der Tucson im August 2016. Für gust unsere große Kaufberatung stellt er sich den anderen Varianten der Modellpalette im direkten Vergleich. Und da fällt vor allem auf, dass schon die 136-PSVersion des Zweiliter-Diesels kaum weniger ambitioniert zur Sache geht, sich der Kraftfluss mit dem Sechsgang-Handschaltgetriebe zudem besser dirigieren lässt. Dafür bietet unser Dauertester die größeren Reserven, und der Wandler bestärkt die Komfortzone. Ein Sportler ist unser Tucson gewiss nicht, also alles auf Entspannung.

Auf die Automatik bezieht sich auch einer der ersten Einträge im Dauertesttagebuch: „Merkwürdiges Runterschalten, oberhalb von 2000 Touren geht es nicht ohne Ruck“ – hier soll die Motorbremswirkung mitgenutzt werden. An sich eine nette Idee, in der Umsetzung aber wenig geschmeidig. Kommentare zu diesem Thema ziehen sich durchs ganze Fahrtenbuch. Und beim Resümieren stellen wir fest: Das ist denn auch der größte Kritikpunkt über die 100000 Kilometer.

Daneben sorgt die Lichtanlage für Negativeinträge. Die funktioniert an sich tadellos, aber die Mischtechnik aus sehr gutem LED-Abblendlicht und trübem Halogel-uernlicht erntet wiederholt Kopfschütteln. Seit dem Facelift im Sommer vergangenen Jahres stehen nun auch Voll-LED-Schein- werfer für 900 Euro in der Preisliste – eine klare Kaufempfehlung.

Das fiel uns auf

Der Zweiliter-Diesel ist kräftig, aber etwas durstig. Leider versandet einiges seiner Kraft im Wandler der Automatik


Die optionalen 19-Zoll-uäder stehen dem Tucson ausgezeichnet. Dem Fahrkomfort sind sie aber abträglich


Die Anhängelast ist mäßig. Für (Wohn-)Anhänger und im Winter gestrandete Verkehrsteilnehmer aber reicht es


Service / Reparatur über 100 000 km

33 070 km Erste Inspektion nach Herstellervorgaben ohne Beanstandungen

63 377 km Inspektion nach Herstellervorgaben, die Sommerreifen befinden sich einen Millimeter vor der Verschleißmarkierung

68 948 km Die Sommerreifen haben ihr Limit erreicht; Wechsel auf Winterreifen

93 057 km Auch die letzte Inspektion geht ohne Auffälligkeiten vorüber, allerdings wird bei dieser Gelegenheit die Windschutzscheibe ersetzt (922 Euro)

Schneller Check

Der Tucson ist ein geräumiger, komfortabler Reisewagen, der uns nie enttäuschte, nur wenig nervte. Wer ihn als Langstreckenauto kauft, der kann getrost zum 1.6 CRDi mit 136 PS greifen und sich den hohen Aufpreis für den 185 PS starken 2.0 sparen, auch wenn der über 48V-Mildhybridtechnik verfügt.

Aber zurück zu unserem „Alten“. Für die Kollegen der AUTO BILD ALLRAD ist es unverständlich, warum das kräftige Kerlchen in Verbindung mit der Wandlerautomatik maximal 1,9 Tonnen an den Haken nehmen darf, als Handschalter hingegen 2,2 Tonnen. Eine Erklärung seitens Hyundais gibt es dafür nicht, und auch für das überarbeitete Modell gilt die Reduzierung. Bei der Nutzung durch die Allradkollegen im Alpenvorland hat sich unser Tucson auch noch als Held des Alltags bewährt. Kraxel-Profi Martin Braun gibt mehrfach Starthilfe, schleppt einen Verkehrsteilnehmer mit versulztem Diesel zur nächsten 24-Stunde-Tanke und zieht in einer Winterwoche fünf Autos aus Parkbuchten oder Straßengraben. Hierbei ist es aber nötig, das ESP abzuschalten und hart auf dem Gas zu bleiben, weil die Lamellenkupplung des Semipermanent-Allrads in dieser Extremsituation nur wenig Moment an die Hinterräder durchlässt. Ansonsten gibt’s im Winterbetrieb wenig zu meckern: fünf Sekunden Vorglühzeit bei minus 23 Grad, zum Warmwerden braucht er dann recht lange, und bei einstelligen Temperaturen ist das Dieselnageln vernehmlich.

Das Cockpit ist übersichtlich aufgebaut, die sichere Nutzung aller Lenkradtasten bedarf etwas Übung


Nicht nur, aber auch wegen seines Ladeabteils war der Tucson für lange Dienstreisen sehr gefragt


Das Raumangebot im Tucson ist geradezu luftig – da gibt es nichts zu kritteln


Alle weiteren Kritiken lassen sich als Bagatelle abtun: Den einen Kollegen nervt die Denkpause zwischen dem Drücken des Startknopfs und der Aktivierung des Anlassers; ein anderer mokiert sich nach (sehr) langer Regenfahrt über das Ticken des Heckwischerrelais; und der lahme Motor der elektrischen Heckklappe ärgert den ein oder anderen Kollegen, der mal kurz an den Kofferraum will. Außerdem gesellen sich in der zweiten Nutzungshalbzeit gelegentliche Schnarr- und Zirpgeräu- sche zum Portfolio der Auffälligkeiten.

Antriebsverteilung*

Sechs Richtige im Dauertest: im August 2018, irgendwo auf der A9


Pässe kraxeln und rumkurven machte im Tucson trotz rückmeldungsarmer Lenkung erstaunlich viel Spaß


Impressionen

Auch im Hängerbetrieb meisterte der Tucson problemlos lange Strecken, bergauf wie bergab


Hohe Sitzposition und ein kräftiger Diesel sind nicht allein einem SUV vorbehalten


Autobahn oder Landstraße sind das Lieblingsrevier des Tucson, aber auch städtisch bewegt er sich gut


Ist Ihnen bis hierher etwas aufgefallen? Niemand meckert über die Reisetauglichkeit des Tucson. Weil es nix zu meckern gibt: Der Wagen bietet vier Erwachsenen – 1,86 Meter und größer – auch auf langen Strecken genügend Komfort und Raum. Dazu trägt das Fahrwerk mit seiner gemütlichen Auslegung bei, trotzdem ist der Tucson auf kurvigen Landstraßen kein Fahrspaßverweigerer. Einzig um die teils grob kommunizierenden 19-Zöller würden wir künftig einen Bogen machen. Insgesamt bringt es ein Kollege mit den Worten „ein angenehmes Reiseauto“ ganz schlicht auf den Punkt.

Um Kilometerstand 65000 verliert der Tucson dann sukzessive seine Spurtreue, wird spürbar empfänglich für Spurrinnen, und das Lenkrad wird unruhig. Ein untrügliches Indiz, dass die Niederquerschnittsreifen ihr Verschleißlimit erreicht haben. Der Wechsel auf Winterreifen schafft Abhilfe, einen neuen Satz Sommerreifen gibt’s im folgenden Frühjahr.

Die 28 Monate in Redaktionsdiensten sah man dem Tucson kaum an. Die Kofferraumteppiche zeigten Fusselbildung, und in der Perforation der Ledersitze hatten sich Krümel dauerhaft eingenistet. Aber das ist Meckern auf ganz hohem Niveau.

Fazit

Wir hatten schon attraktivere und sportlichere Dauertester; aber selten einen derart stoisch guten Praktiker wie den Tucson. Und auch jetzt noch erinnern wir uns gern an den treuen Begleiter. Auf allen Wegen.