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Dave Bautista: „Du musst zu deinen Gefühlen stehen“


The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 11.02.2020

Wann immer sie in Hollywood den Typ „sensibles Muskelpaket“ brauchen, ist Dave Bautista die erste Wahl. Hier erklärt der 51-Jährige, wie er auf Tuchfühlung mit sich selbst bleibt und warum er dafür fluchen muss.


Ob in „Guardians of the Galaxy“, „James Bond: Spectre“ oder „Blade Runner 2049“ - Schauspieler Dave Bautista ist die Idealbesetzung für den Kämpfer mit Seele. Das ist kein Zufall: Der 51-jährige Ex-Wrestler (1,98 Zentimeter, 132 Kilo) ist unter schwierigen Umständen aufgewachsen und sah sich lange gezwungen, seine wahren Gefühle zu unterdrücken. Nach Jahrzehnten der Übung weiß er heute, wie ...

Artikelbild für den Artikel "Dave Bautista: „Du musst zu deinen Gefühlen stehen“" aus der Ausgabe 3/2020 von The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe, Ausgabe 3/2020

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... wichtig es ist, sein Herz auf der Zunge zu tragen. Wo er einen gesunden Umgang mit seinen Emotionen lernte? Standesgemäß als Rausschmeißer in einer Diskothek in einem zwielichtigen Viertel.

the red bulletin: In „Der Spion von nebenan“ spielen Sie einen CIA-Agenten, der es mit einem naseweisen Mädchen zu tun bekommt. Ihre Partnerin war die elfjährige Chloe Coleman. Konnten Sie von ihr etwas lernen? dave bautista: Oh ja. Sie war einer der professionellsten Menschen, denen ich je begegnet bin. Ich konnte mir meistens meinen Text nicht merken, und sie beherrschte ihren aus dem Effeff. Deshalb bat ich sie, auch meine Zeilen zu lernen, damit sie mir notfalls einsagen kann. Aber was ich wirklich an ihr liebe, ist, dass sie bei aller Professionalität ein Kind geblieben ist. Sie will eines sein und ihre Kindheit genießen!

Steckt in Ihnen auch etwas von einem Kind?
Aber klar. Ich versuche, mich wie ein Erwachsener zu verhalten, aber gleichzeitig nehme ich das Leben nicht zu ernst. Ich würde mich zum Beispiel nie in einen normalen Bürojob zwängen lassen. Da verlierst du nur die Tuchfühlung mit deinem Ich. Was ich an Kindern ganz besonders mag, ist, dass sie völlig offen und ehrlich sind. Sie sprechen aus, was sie fühlen - ohne Filter und ganz unverstellt.

Tun Sie das auch?
Jetzt schon. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch - das muss ich von meiner Mutter haben, die ist noch extremer drauf als ich. Aber es gab eine Zeit in meinem Leben, in der mir das peinlich war und ich meine Gefühle zu kontrollieren versuchte - das war allerdings vollkommen aussichtslos. Dann habe ich begriffen: Solange du niemandem wehtust, ist es völlig okay, emotional und auch mal wütend zu sein. Ich weiß, dass ich meine Gefühle nicht mit Fäusten auszudrücken brauche, ich kann das auch mit Worten tun. Und so darf ich ruhig mein Herz auf der Zunge tragen.

Der Schlüssel besteht also darin, seine Gefühle zu akzeptieren?
Exakt. Sorge nur dafür, dass sie den richtigen Weg nehmen. Und bleibe offen dabei. Du kannst von etwas leidenschaftlich überzeugt sein, aber es gibt immer Leute, die eine andere Meinung haben. Hör dir die an, vielleicht findest du raus, dass du doch falschliegst, oder du gehst einen Kompromiss ein. Sei leidenschaftlich, sei ehrlich, aber nicht verbohrt. Leichter gesagt als getan, aber das ist das, was ich im Laufe der Zeit für mich herausgefunden habe.

Wie leidenschaftlich Sie sein können, hat man im Fall von James Gunn, dem Regisseur von „ Guardians of the Galaxy“, erlebt. Das Studio wollte ihn feuern, weil er vor Jahren mal anzügliche Tweets verbreitet hatte, aber Sie traten öffentlich für ihn ein … Es gab Leute, die ihre Bedenken hatten, weil ich das so offen getan habe. Und ich dachte auch, dass mir das vielleicht schaden kann. Aber der Punkt ist: Wenn du genau weißt, was das Richtige ist, und du tust es trotzdem nicht - zu was für einem Menschen macht dich das? Ja, es war riskant, aber es war mir egal. Ich wollte meinen Freund verteidigen, weil er das brauchte. Und ich war völlig davon überzeugt. Keine einzige Sekunde habe ich daran gezweifelt.

Haben Sie überhaupt je Selbstzweifel?
Das kann ich nicht sagen. Wenn ich mal einen Schritt aus meiner Komfortzone mache, dann spüre ich Angst. Das ist ganz normal. Aber mehr Angst habe ich davor, etwas nicht auszuprobieren.


„Ich verhalte mich erwachsen, nehme das Leben aber nicht zu ernst.“


Dave Bautista über den Wert seines inneren Kindes

Die Kleine und das Biest
CIA-Agent JJ (Dave Bautista) steht im Film „Der Spion von nebenan“ nach einigen Vorfällen kurz vor dem Rauswurf. Als letzte Chance soll er das Haus einer Familie überwachen. Als deren neunjährige Tochter Sophie (Chloe Coleman) den Spion entdeckt, verspricht sie dichtzuhalten - unter der Bedingung, dass JJ sie zur Spionin ausbildet. Ein ungleiches Duo nimmt die Zusammenarbeit auf … Kinostart: 12. März

Sie haben zwei fast erwachsene Töchter und einen zwölfjährigen Sohn. Wie haben Sie gelernt, ein guter Vater zu sein?
Von meinem Vater - indem ich versuchte, ein anderer Vater zu sein als er. Ich wollte nicht die gleichen Fehler wie er machen, denn er war wirklich furchtbar. Was ich bei meinen Töchtern gelernt habe, war, dass ich irgendwann nicht mehr Verantwortung für ihre Fehler übernehmen kann. Ich musste einen Schritt zurück machen - etwas, was alle Eltern früher oder später lernen müssen. Für den zwölfjährigen Sohn von meiner geschiedenen Frau würde ich hingegen gerne mehr da sein. Er ist sehr unsicher, hinterfragt sich ständig. Er ist einfach ein kleiner Mann, der sich im Leben zurechtzufinden versucht.

Was wollen Sie ihm weitergeben?
Er hängt ständig mit seinem Smartphone herum, schaut YouTube oder spielt Videospiele. Das finde ich nicht gut. Ich verstehe den Wert des technischen Fortschritts, aber Kinder dürfen sich nicht abkapseln. Sie müssen das Leben und die Natur kennenlernen. Das habe ich als Kind auch gemacht. Ich möchte, dass er sich mehr mit anderen Menschen beschäftigt, nur so kann er sich weiterentwickeln.

Hört er auf Sie?
Ja, aber ich muss es ihm ständig sagen. Deshalb will ich jetzt in seine Nähe ziehen, damit ich besser Einfluss nehmen kann. Wenn ich ihm das sage, dann ist er erst mal irritiert, aber wenn er dann zehn Minuten von seinem Telefon weg ist, ist er glücklich und zufrieden.

Und was haben Sie von Ihren Kindern gelernt?
Da müsste ich nachdenken. Ich bin versucht zu sagen, dass ich von ihnen Geduld gelernt habe. Aber streng genommen stimmt das nicht. Ich habe Geduld gelernt, als ich 13 Jahre lang als Rausschmeißer in Nachtclubs gearbeitet habe. Daher würde ich sagen: Ich warte noch auf den Tag, an dem mein Sohn mir etwas beibringt. Dann werde ich sehr stolz sein. Aber bis dahin muss ich mit gutem Beispiel vorangehen.

Beim Dreh zu „Der Spion von nebenan“ haben Sie das allerdings nicht getan. Da musste jedes Teammitglied, hört man, beim Gebrauch von Schimpfwörtern in einen Topf einzahlen … Tja, da habe ich eine Stange Geld verloren. Wenn viele Kinder am Set waren, habe ich versucht, mich zurückzuhalten. Andererseits: Ich bin, der ich bin. Ich komme von der Straße, ich war Wrestler. In so einem Milieu benutzt du nun mal solche Ausdrücke. Das ist ein Teil von mir. Ich versuche, es auf eine Art und Weise zu tun, in der sich niemand verletzt fühlt - einfach nur, um meineGefühle rauszulassen. Denn wie ich schon sagte: Du musst zu deinen Gefühlen stehen.

Sie haben ja angedeutet, dass Ihre Kindheit eher schwierig war. Oh ja! Es gab Zeiten, da hatte ich nicht einmal was zu beißen.


„Ich bin emotional, meine Mutter ist aber noch extremer.“


Würden Sie sie gegen eine glückliche Kindheit tauschen wollen? In keiner Sekunde. Ich habe durch diese Erfahrungen gelernt, bescheiden und mit wenig zufrieden zu sein. Ja, ich war von Armut und Gewalt umgeben, aber ich hatte auch großartige Zeiten. Und all das hat mich zu dem gemacht, was ich bin: ein Kämpfer.


FRANCINE ORR/LOS ANGELES TIMES VIA CONTOUR RA RÜDIGER STURM

COURTESY OF STXFILMS