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DAW BITWIG STUDIO 2.5


Keys - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 02.05.2019

Bitwig studio entwickelt sich in rasantem tempo weiter. nach einer kurzen Betaphase steht seit ein paar wochen die neue offizielle Version 2.5 der dAw aus Berlin bereit und hat erneut spannende neuerungen im Gepäck.


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Bildquelle: Keys, Ausgabe 6/2019

Die Update-Geschwindigkeit des kleinen Berliner Software-Teams ist wirklich beeindruckend. Erst im August sorgte Version 2.4 für viele neue Funktionen in der modularen DAW. Seit März steht nun die neue Version 2.5 zum Download für Windows, Mac und Linux bereit. Und das, obwohl man intern schon fleißig am nächsten großen Ding namens Bitwig 3 arbeitet. Updates bei Bitwig sind in der Regel alles ...

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... andere als nur kosmetische Veränderungen oder Bugfixes. Allein in den letzten vier Versionssprüngen sind unter anderem neue Modulatoren und Devices, der geniale Phase-4-Synthesizer, eine neue Timestretching-Engine, ein runderneuerter Sampler, eine Ableton-Link-Integration und volle Touchscreen-Unterstützung hinzugekommen. Und das ist wirklich nur ein kleiner Auszug der letzten Neuerungen. Für viele Musiker, auch für mich, wurde Bitwig schnell zu einer der intuitivsten und modernsten DAWs auf dem Markt. Schon seit Bitwig 1 überzeugt die Software vor allem durch ihr modulares Konzept und die steile Lernkurve in Sachen Bedienung. Verzweifelte Suchen nach Funktionen oder Plug-ins in unzähligen Untermenüs sind bei Bitwig seit jeher undenkbar. Stattdessen zieht man beispielsweise die sogenannten Devices oder Modulatoren einfach per Drag & Drop dorthin, wo man sie braucht. Eine Lead-Spur mit etwas Chorus anzureichern oder die Bassline mal eben über ein paar Takte in der Frequenz zu modulieren, ist im Bitwig-Ökosystem beinahe selbsterklärend.

What’s new, Pussycat?
Optisch hat sich im neuen Bitwig auf den ersten Blick im Vergleich zu den vorherigen Versionen nicht viel verändert. Das bewährte System aus den verschiedenen Bereichen für Arrangement, Inspector, Clips und Devices wurde beibehalten und erinnert in seinem Aufbau an Ableton Live und teils auch an Logic Pro X. Unter der Haube scheint das Entwicklerteam aber mächtig Hand angelegt zu haben, denn allein die Gesamt-Performance beim Laden und Abspielen von Projekten ist gefühlt nochmals deutlich schneller als in den vorherigen Versionen.

Neues Plug-in-Hosting
Auch an der Plug-in-Architektur mit dem bewährten Sandbox-Prinzip wurde fleißig gearbeitet. Schon Bitwig 1 konnte so eingestellt werden, dass Plug-ins in separaten Prozessen laufen und dabei, im Falle einer Fehlfunktion eines Instruments oder Effekts, nicht gleich das ganze Projekt lahmlegen. Tatsächlich spielte die Audio-Engine in den meisten Fällen sogar munter weiter, nur eben ohne das fehlerhafte Plug-in. Bitwig 2.5 geht jetzt noch einen Schritt weiter und versucht das betroffene Plug-in nach einem Crash sofort neu zu laden, sodass je nach Arrangement kaum ein hörbarer Ausfall entsteht. Klasse vor allem für den Live-Einsatz! Darüber hinaus erlauben neue Einstellungsmöglichkeiten nun eine Performance-orientierte Anpassung des Sandbox-Prinzips. So kann je nach System entschieden werden, ob lieber alle Plug-ins in einem gemeinsamen Prozess ausgeführt werden sollen oder ob jede einzelne Plug-in-Instanz ihren eigenen Prozess erhält und damit entsprechend mehr Rechenleistung verlangt. Ersteres ist zwar die ressourcenschonendste Variante, man riskiert damit aber auch, dass ein abgestürztes Plug-in dann möglicherweise doch den Absturz des gesamten Projekts nach sich zieht. Entsprechend sollte diese Option eher auf schwächeren Rechnern verwendet werden. Verschiedene sinnvolle Zwischenstufen, wie beispielsweise herstellerabhängige Plug-in-Prozesse, ergänzen das neue System.


>>Die Gesamt-Performance beim Laden und Abspielen von Projekten ist gefühlt nochmals deutlich schneller als in den Vorversionen.<<


Linux und das leidige Thema der Fremd-Plug-ins
Dank der neuen Engine sind externe Plug-ins nunmehr oftmals in Sekundenschnelle startklar und anspielbar. Zumindest auf Windows- und Mac-Rechnern macht sich diese neue Plug-in-Architektur ausnahmslos positiv bemerkbar. Unter den Linux-Anwendern dürfte sie allerdings in vielen Fällen für lange Gesichter sorgen. Fast alle der mühsam über Wine mit Airwave und auch anderen VSTWrappern eingebundenen Windows-Plug-ins stürzen nämlich bereits beim ersten Start ab und lassen sich auch durch Änderungen in den besagten Einstellungen nicht mehr zur Zusammenarbeit mit der neuen Version bewegen. Auf Nachfrage bei Bitwig erhielt ich die wenig überraschende Antwort, dass man keinen Support für VST-Wrapper anbieten könne, da es sich ja um systemfremde Plug-ins handele, die letztlich nur über Umwege bei Bitwig eingebunden werden. Selbstverständlich ist das alles korrekt und dennoch sind Linux-Nutzer mangels eigener Versionen leider noch immer viel zu oft auf Windows-Plug-ins angewiesen. Und eine solche Umstrukturierung beim Plug-in-Management kann dann auf unseren Musikrechnern direkt eine mittelschwere Katastrophe auslösen. Nichtsdestotrotz kann man Bitwig dafür natürlich keinen Vorwurf machen. Linux-Anwender, die mit vielen externen Windows-Plug-ins arbeiten, sollten aber ihr Setup in der neuen Version zuerst genau prüfen, bevor sie das Installationspaket von Bitwig 2.4 endgültig löschen.

Sprungbefehle machen aus dem Clip Launcher eine Art Mini-Arranger.


Die neue Plug-in-Verwaltung kann nun noch ressourcenschonender arbeiten.


Das Clip-Blocks-Konzept
Eine Neuerung scheint auf den ersten Blick wenig beeindruckend, hat es aber in sich: die Clip Blocks. Klar, man konnte auch bisher schon im Live-ähnlichen Clip Launcher eigene Clips definieren, starten und stoppen, um beispielsweise verschiedene Abläufe innerhalb eines Arrangements zu testen oder kurze Sessions für den Live-Einsatz zu erstellen. Neu ist allerdings die Möglichkeit, den einzelnen Clips diverse Sprungbefehle mit auf den Weg geben zu können. Praktisch ist es damit sogar möglich, komplette Arrangements aus dem Clip Launcher heraus zu entwickeln. Über die neuen Befehle für die „Next Action“-Funktion kann man nun zwischen den verschiedenen Blöcken automatisch, gezielt oder sogar zufällig hin- und herspringen. Insbesondere der Zufallsmodus hat mich wirklich begeistert, denn hier entstehen auf Knopfdruck neue Versionen eines Tracks, die man so bestimmt niemals händisch umgesetzt hätte. Sicherlich nicht für jede Art von Song geeignet, aber zumindest für Live-Performances ein unfassbar geniales Kreativwerkzeug. Mit dem neuen Clip-Blocks-Konzept unterstreicht Bitwig eindrucksvoll den Anspruch, eine der modernsten DAWs zu sein.

Die Trefferlisten bei der Suche nach Sounds oder Plugins sind nun deutlich übersichtlicher.


Per Audio Slide können Teile eines Audio-Objekts komfortabel verschoben werden.


Weitere Neuerungen
Auch die Suchfunktion im Browser-Fenster ist mit der neuen Version intelligenter geworden. Gibt man einen Begriff wie „lead“ in das Suchfeld ein, werden als Erstes die Plug-ins, Presets oder Samples angezeigt, die den Suchbegriff im Namen enthalten, und erst danach mögliche Treffer, bei denen lediglich eines der Schlagwörter (Tags) mit dem Suchbegriff übereinstimmt. Die oft unübersichtlichen Trefferlisten der Vorversionen sind damit Geschichte. Neu ist auch die Audio-Slide-Funktion im Arrangement-Fenster. Nutzern von Ableton Live 10 dürfte diese Funktion bekannt vorkommen. Mit der Slide-Funktion kann man Audioclips innerhalb eines Audio-Objekts komfortabel verschieben. Möchte man beispielsweise aus einem mehrtaktigen Beat-Loop nur den ersten Takt nutzen, reicht jetzt ein Ziehen und Verschieben des entsprechenden Clips im Arrangement. Auch ein neues Device namens „Note FX Selector“ ist hinzugekommen. Über dieses Modul beziehungsweise Gerät können mehrere MIDI-Effekt-Layer kombiniert werden, zwischen denen im Anschluss dynamisch hin- und hergeschaltet werden kann. Auf diese Weise lassen sich nunmehr beispielsweise mehrere Arpeggiator-Muster in eine Spur laden, zwischen denen man per Knopfdruck bequem wechseln kann – ein wirklich sinnvolles Werkzeug während der kreativen Findungsphase. Zu guter Letzt ergänzt Bitwig seinen ohnehin enormen Sound-Content um das Paket „Analog Waves“. Diese Sammlung deckt vor allem fette Lead-Sounds und treibende Bässe klassischer Synthesizer ab. Sehr detailliert wurden hier mehr als 760 Samples in 60 unmittelbar spielbare Presets gepackt, die sich hervorragend für Electro- oder Synthwave-Produktionen eignen.

KEYS INFO GANZ OHNE MAUS

Von Haus aus unterstützt Bitwig eine beachtliche Reihe unterschiedlicher Controller, die sich direkt aus der Software aktivieren lassen. Hierzu gehören Geräte von Nektar, Native Instruments, Novation und Arturia, Keith McMillen oder Mackie, aber auch die MPE-fähigen Controller von Roli und Roger Linn. Darüber hinaus haben aber auch Drittanbieter über eine frei zugängliche Controller-Surface-API die Möglichkeit, entsprechende Anpassungen vorzunehmen. So kommt man beispielsweise in den Genuss einer Anpassung der Maschine Jam durch Native Instruments. Besitzer eines Ableton Push 1/2 oder der Akai-APCSerie sollten hingegen unbedingt einen Blick auf die Anpassungen von Jürgen Moßgraber werfen (www.mossgrabers.de ), die eine tiefgreifende Integration von Hard- und Software zum Nulltarif bieten.

Neu in Bitwigs Geräteliste: der Note FX Selector für MIDI-Effekte.


FAZIT

Bitwig ist auf dem besten Weg, sich fest im umkämpften Markt als eine der modernsten DAWs zu etablieren. Auch das neuste Update von Bitwig Studio bringt mit der gesteigerten Performance, Clip Blocks und weiteren neuen Funktionen einen echten Mehrwert. Linux-Nutzer müssen jedoch unter Umständen auf den Einsatz mancher Windows-VSTs verzichten.
Bei aktiver Jahreslizenz ist das Update kostenlos, ansonsten schlägt eine Neuanschaffung mit 379 Euro, ein Upgrade beziehungsweise eine Verlängerung des Upgrade-Plans mit 159 Euro zu Buche. Für eine DAW, die so viel Spaß macht wie Bitwig und die dazu noch alle paar Monate verbessert und erweitert wird, ist dieses Modell durchaus lohnenswert, insbesondere im Hinblick auf das vielleicht sogar in Kürze erscheinende Bitwig Studio 3, das den modularen Ansatz noch weiter ausbauen soll.

Das neue Soundpaket Analog Waves konserviert klassische Lead- und Bass-Sounds als spielbare Presets.