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DDH-M: Kein Verstecken mehr – ich habe Diabetes Typ 2 und bin aktiver als je zuvor


Diabetes-Journal - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 26.07.2019

Die letzten zwei Jahre waren sehr turbulent für Ümit Sahin, Sohn türkischstämmiger Unternehmer in Berlin. Die Diagnose Diabetes Typ 2 veränderte sein Leben grundlegend. Essgewohnheiten, das tägliche Pensum an Bewegung und auch die Sicht auf die eigene Lebenssituation kamen bei Ümit Sahin auf den Prüfstand. Er entschied, seinen Diabetes nicht zu verstecken, sich Hilfe zu suchen und anderen Hilfe zu geben. Aktiv in der Diabetes-Selbsthilfe bei DDH-M mitzuarbeiten, ist für Ümit Sahin der einzige Weg eines konkreten Engagements, für die Betroffenen und für sich selbst. Hier sein Bericht.


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Bildquelle: Diabetes-Journal, Ausgabe 8/2019

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Steckbrief


Name: Ümit Sahin

Wohnort: Berlin

Studium: Maschinenbau bis zur Übernahme des Geschäfts von den Eltern

Beruf: selbstständig als Fachhändler für Haushaltsgroßgeräte

Privates: 36 Jahre alt, Lebensgemeinschaft, Diabetes Typ 2

Hobbys: Kochen, Gärtnern, Modellbau

Kontakt: info@ddh-m.de

1. April 2017: Mein Hausarzt eröffnete mir die Diagnose „Diabetes Typ 2“ mit ernstem Gesicht. Das war wohl doch kein Aprilscherz, und nach wenigen Wochen als Undercover-Diabetiker wollte ich nur noch eins:raus aus der Deckung, Scham ablegen, ab ins Leben. So legte ich mir eine neue Sicht auf meine Welt und mein Einkaufsverhalten zu. Jetzt hatte sich alles geändert, vorbei die unbeschwerten Zeiten, in denen ich am Supermarktregal stehen bleiben konnte und einfach nur meine Lieblingsprodukte einpackte. Bin ich wehmütig? Etwas schon.

Was war passiert?

Ich weiß noch genau, dass der Start nicht so schön war. Meine Partnerin meinte eines Tages: „Ümit, irgendetwas stimmt nicht mit dir.“ Obwohl ich eigentlich gern abnehmen wollte, verlor ich in erschreckend kurzer Zeit 20 kg an Gewicht, noch nie war ich so durstig. Es war offensichtlich, dass das nicht gesund sein konnte, undmein Arzt gab mir dann die Gewissheit: Diabetes . Zuerst war ihm nicht klar, welchen Typ Diabetes ich habe. Nach ein paar Tests stand fest: Typ-2-Diabetes. Was spielte das auch für eine Rolle? Manager, Personaler, Politiker, Schauspieler oder Nichtbetroffene sprechen in solchen Situationen gern positiv von Wendepunkten, neuen Herausforderungen, die Chance zur Weiterentwicklung. Für mich war der Satz„Sie haben Diabetes“ zuerst eine Katastrophe.

Motivation: meine Familie, Freunde und Menschen, denen ich helfen will

Nein, eine Diabetes-Katastrophe sollte es nicht werden. Und so packte ich es gleich die ersten Monate an. Die Ernährung konnte ich locker umstellen: Ich koche für mein Leben gern. Wenn ich bedenke, dass vor meinem Diabetes Fast Food fest auf meinem Speiseplan stand – und wir Türken essen gern Schawarma und Pasta. Ganz verzichten wollte ich nicht, daher fand ich durch eigene Zubereitung und Anpassung der Zutaten zu meinen eigenen Kreationen. Sukzessive verbesserte ich meinen Lebensstil. Auch koche ich gern für meine Familie und Freunde, denen ich dann zeige, wie anders eine Speise auch zubereitet werden kann. Hier bin ich kreativ. Aber bei der Bewegung, da stehe ich immer noch an der Startlinie, hier nutzt auch Kreativität nichts. Doch wie durchleben andere Diabetiker diese erste Zeit, wie erfahre ich Unterstützung, wie kann ich anderen helfen? Diese Gedanken ließen mich umtriebig werden.

Im Bundesvorstand, in Kopenhagen (oben), Selfie mit dem Radsportler Phil Southerland (rechts): für Ümit Sahin ging es schnell in nur 2 Jahren DDH-M-Mitgliedschaft.


Selbsthilfe? Nie vorher gehört!

Erstmals kam ich mit der DDH-M auf der Berliner Patientenveranstaltung zum Weltdiabetestag 2017 in Kontakt. Die DDH-M hatte einen schönen Stand, zwei sympathische Menschen lächelten mich an. Ich kam ja mit dem Gedanken, dass ich mich ehrenamtlich engagieren wollte, genau auf die Weise, wie diese zwei netten Vertreter der DDH-M es taten. Der Mitgliedsantrag auf Vollmitgliedschaft war schnell unterschrieben. Danach konnte ich mich in die Website der DDH-M vertiefen und erfuhr so, wie stark sich die Selbsthilfeorganisation für junge Betroffene und Angehörige einsetzt.
Mit Selbsthilfe hatte ich vorher nichts zu tun. Aber warum nicht? Betroffene und Angehörige können sich in Gruppen zusammentun und über Erfahrungen, Wünsche und Probleme im Leben mit Diabetes austauschen. Das gefiel mir auch an der DDH-M: Sie setzt sich als Patientenstimme in Politik und Gesellschaft ein. Da wollte ich mitmachen!
Zuerst wollte ich mich nur als Mitglied einbringen, Gleichgesinnte kennenlernen, mich an Infoständen engagieren, hier und da ein paar Flyer verteilen oder auch für Fragen zu„Leben mit Diabetes“ oder Ähnlichem bereitstehen. Es kam anders: Meine hohe Motivation war wohl zu spüren, und ehe ein Jahr Mitgliedschaft
vergangen war, kandidierte ich bereits für den Vorstand. Ende September 2018 wurde ich unerwartet in den Bundesvorstand der DDH-M gewählt. Aber stopp: „Ich bin doch erst seit 2017 Diabetiker und euer Mitglied. Und eigentlich verkaufe ich Waschmaschinen!“, sagte ich kurz zuvor noch zu den Delegierten scherzhaft. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich mit meinem Diabetes allein bin. Ab 2018 lernte ich dank der DDH-M viele engagierte Menschen mit Diabetes bundesweit kennen. Selbst nach Kopenhagen schickte mich die DDH-M. Welche Entwicklung in den letzten zwei Jahren, und das nur, weil ich u. a. plötzlich ca. 5 große Flaschen Wasser pro Tag trinken musste.

Auf nach Kopenhagen zum EDAS

Ende Mai 2019 war es dann so weit – ich fuhr als Vertreter aus Deutschland für DDH-M zum„European Diabetes Advocacy Summit EDAS“ nach Kopenhagen. Die Community, auch die internationale, um Diabetes ist sehr groß und sehr aktiv. Es ist ein großer Bereich voller Informationen, Schicksale, Aktionen, Spaß und Ernsthaftigkeit in einem. Viele Mitglieder dieser Community sind seit Jahren dabei, und viele Organisationen kämpfen mit immer mehr Erfolg, dass Diabetes nicht als wichtiges Thema der Gesellschaft verschwindet, sondern weiter als ernstzunehmende Krankheit oberste Priorität behält, die eben nicht allein durch eine gute medizinische Versorgung zu managen ist.
Ich wollte vor allem erfahren, wie es um den Diabetes in anderen Ländern steht. Dazu bekam ich viel Gelegenheit in Gesprächen mit anderen Patientenvertretern, wobei ich mein Englisch deutlich auffrischen konnte. Thematisiert wurde vor allem der teils schwierige Alltag der Typ-2-Diabetiker. Was ich hörte, erinnerte mich an meinen eigenen Alltag. Insbesondere gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung sind für alle Betroffenen, nicht nur in Deutschland, eine Herausforderung. In den Workshops gab es detailliertere Informationen über Strukturen und Arbeit der verschiedenen nationalen Patientenorganisationen.
Beeindruckt hat mich Phil Southerland, Typ-1-Diabetiker, der mit seinem Radteam zeigte, dass Diabetes kein Hindernis ist, um Höchstleistung im Leben und Sport zu erreichen. Natürlich wollte ich mit ihm ein gemeinsames Foto – als Motivation!
Viele Ideen und Anregungen habe ich für „meine DDH-M“ aus Kopenhagen mitgebracht. Nach fast einem Jahr DDH-M und den vielen gesammelten Erfahrungen ist meine Motivation ungebremst hoch, für Menschen mit Diabetes, und auch für mich, das Bestmögliche zu tun und zu erreichen.


Fotos: DDH-M