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„De Bruyne ist der Beste der Welt“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 19/2022 vom 11.05.2022

BALLACK

Artikelbild für den Artikel "„De Bruyne ist der Beste der Welt“" aus der Ausgabe 19/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 19/2022

Michael Ballack beim Fototermin mit SPORT BILD. Der frühere Superstar arbeitet heute u. a. als Spielerberater und TV-Experte

SPORT BILD: Herr Ballack, während die Bundesliga-Saison mal wieder längst entschieden ist, fiebern in England alle den großen Spielen im Saisonfinale entgegen. Am Samstag steigt im Wembley-Stadion vor über 90 000 Fans das FA-Cup-Finale zwischen Ihrem Ex-Klub FC Chelsea mit Thomas Tuchel und Liverpool mit Jürgen Klopp. Wer ist Ihr Favorit?

MICHAEL BALLACK (45): Liverpool ist aktuell das Maß aller Dinge im Weltfußball. Sie können als erster Premier-League-Klub alle vier Titel in einer Saison gewinnen: den Ligapokal haben sie schon, die Meisterschaft, der FA Cup und die Champions League können folgen. Deshalb sind sie für mich leichter Favorit. Jürgen Klopp hat den Klub geprägt und Wahnsinniges geleistet. Er passt wie die Faust aufs Auge zu Liverpool. Ich hoffe aber, dass Chelsea den Reds Paroli bieten kann. In der Liga sah man zuletzt beim 2:2 gegen Liverpool gut aus – und noch ist Chelsea ...

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... amtierender Champions-League-und Weltpokal-Sieger. So etwas gibt großes Selbstvertrauen.

Sind Sie überrascht, dass Thomas Tuchel, der erst im Januar 2021 zu Chelsea ging, direkt so erfolgreich gewesen ist?

Die wichtigste Person in einem Klub ist für mich der Trainer – allerdings profitiert er auch von einem sehr guten Kader. Und da reden wir über die starke Basis, die der FC Chelsea hat. Dazu verfügt Thomas Tuchel über Top-Arbeitsbedingungen, das ganze Chelsea-Paket ist ein Premium-Produkt. Außerdem macht er einen guten Job, ist sehr intelligent. Thomas Tuchel ist für mich einer der besten Trainer, die es gibt.

Die Zukunft von Chelsea ist allerdings ungewiss. Der Verkauf steht unmittelbar bevor. Wie sehr zittern Sie um Ihren Ex-Verein, nachdem Großbritannien wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine die Vermögenswerte des bisherigen Klub-Besitzers Roman Abramovich eingefroren hat?

Ich zittere nicht, aber ich schaue natürlich besorgt auf Chelsea. Die Situation ist unschön für den Klub, die handelnden Personen und Mitarbeiter. Wenn es noch länger bei den Sanktionen bliebe – dass man u.a. keine Transfers tätigen darf –, wäre das ein riesiger Wettbewerbs- Nachteil.

Wie haben Sie Abramovich kennengelernt?

Roman Abramovich hat sehr viel Herzblut in den Verein reingesteckt. So wie Dietmar Hopp in Hoffenheim. Sie investierten in Entwicklung, Nachwuchs und Strukturen. Das ist alles nachhaltig.

„Ich schaue besorgt auf Chelsea“

Eine der besten Wertanlagen, die Chelsea hat, ist Kai Havertz, der im Gegensatz zu Timo Werner unumstritten ist. Wie sehen Sie ihn?

Kai Havertz bringt überragende Fertigkeiten mit und hat eine sehr gute Entwicklung genommen.

Er erzielt in der Premier League und Champions League entscheidende Tore und wirkt sehr bodenständig. Vom Gesamt-Paket hat er das Zeug, nachhaltig ein absoluter Weltklassespieler zu werden.

Wer ist aus Ihrer Sicht zurzeit der beste Spieler der Welt?

Kevin De Bruyne von Manchester City. Ich bin ein großer Fan von ihm. Die Art, wie er als Mittelfeldspieler agiert, ist überragend.

Wie er sich in einer sehr strukturierten Mannschaft immer wieder clever bewegt, in den freien Räumen auftaucht, welche genialen Pässe er spielt und wie torgefährlich er ist, das ist schon seit Jahren beeindruckend.

Kommen wir zu einem Thema, das dagegen kaum noch Fans fasziniert: die Meisterschaft in der Bundesliga. Ihr Ex-Klub Bayern hat vergangenen Sonntag zum zehnten Mal in Folge die Schale bekommen.

Hand aufs Herz: Haben Sie überhaupt noch große Lust auf die Bundesliga?

Fußball ist meine Leidenschaft, darum schau ich natürlich weiter Bundesliga. Was die Dominanz der Bayern betrifft: Es hat mehrere Gründe, warum sie der Konkurrenz so enteilt sind.

Schießen Sie los!

Es ist schwer, sie zu schlagen.

„Bei Bayern könnten alternde Spieler in naher Zukunft ein Problem darstellen“

Weil sie qualitativ fast schon traditionell den besten Kader haben. Zudem ist es für sie selbstverständlich, Titel gewinnen zu MÜSSEN. Das wird dementsprechend auch von allen gelebt und klar nach außen kommuniziert. Daher kommt dann auch die mentale Stärke.

Also sehen Sie keinen Klub, der den Bayern in den nächsten fünf Jahren gefährlich werden kann?

Auf absehbarer Zeit nach jetzigem Stand wohl niemanden, nein. Denn es geht nicht nur um die Klasse der einzelnen Spieler, sondern auch um die Frage: Was leben alle im Verein für ein Anspruchsdenken vor? Bin ich als Klub bereit, Druck auf mich zu nehmen, um die großen Ziele zu erreichen? Oder mache ich mich klein?

Bayern-Patron Uli Hoeneß sagte schon mal: Nur einen Titel wie die Meisterschaft in dieser Saison ist auf Dauer ein bisschen wenig für den FC Bayern …

Genau das, was Uli Hoeneß da definiert, meine ich mit Anspruchsdenken. Das war schon immer die große Stärke der Bayern. Im Fußball spielt die Psychologie eine entscheidende Rolle. Darum: Wenn ich jetzt über Verfolger wie Dortmund oder Leipzig spreche, würde ich mir von ihnen schon ein wenig mehr Kampfansagen Richtung Bayern wünschen. Wir sind im Fußball in einer Leistungsgesellschaft, da muss es erlaubt sein, große Ziele formulieren zu dürfen. Wenn man dieses interne hohe Anspruchsdenken nicht nach außen formuliert bekommt und dementsprechend vorlebt – auch mit der Konsequenz, später bei Misserfolgen dafür kritisiert zu werden – ist es schwer, Bayern vom Thron zu stoßen. Die Fußball-Fans wollen Herausforderer mit Herz sehen.

So wie zum Beispiel Kölns Trainer Steffen Baumgart, der die Europacup-Quali als Ziel ausgegeben hat, oder Union Berlin mit Urs Fischer, der es jetzt mit den Eisernen zum zweiten Mal in Folge geschafft hat…

Ja, oder wie die Frankfurter, die ganz klar formulierten: Wir wollen ins Europa-League-Finale und es gewinnen – genau so muss es sein. Ich ziehe den Hut vor dem, was die Eintracht geleistet hat. Man sieht, dass dort bereits unter Fredi Bobic etwas Substanzielles aufgebaut wurde. Und was den Meisterkampf angeht: Die Vergangenheit hat doch gezeigt, dass auch andere Vereine den Titel holen können.

Wie Werder Bremen oder Borussia Dortmund in den 90er-Jahren oder nach der Jahrtausendwende. Oder der VfB Stuttgart und die Wolfsburger 2007 und 2009.

Den Bayern droht ein größerer Umbruch, wäre das nicht eine Chance für die Konkurrenz?

Klar wird es beim FC Bayern aus Altersgründen einige Veränderungen geben. Das wird eine Herausforderung für die Verantwortlichen, genau abzuwägen: Mit wem plane ich weiter?

Die anderen Vereine müssen aber erst mal ihre eigenen Hausaufgaben machen. Und auch in dieser Saison gab es eigentlich keine Phase, in der irgendjemand den Bayern nur ansatzweise hätte gefährlich werden können.

Was genau meinen Sie mit Herausforderung für die Bayern-Bosse?

Mit Thomas Müller wurde jetzt verlängert. Wie geht es mit Manuel Neuer weiter? Auch die Personalie Robert Lewandowski liegt auf dem Tisch. Es sind alternde Spieler, sie müssen nicht – könnten aber in naher Zukunft – ein Problem darstellen. Denn meistens verliert ein Spieler mit zunehmendem Alter etwas an Qualität. Auf der anderen Seite sollten die Wichtigkeit und die Stellung dieser Spieler nicht unterschätzt werden. Sie waren und sind wichtig für die Struktur und Hierarchie der Mannschaft.

Sollte Bayern also mit Lewandowski verlängern?

Robert Lewandowski ist sicher ein Spieler, der technisch und physisch noch einige Zeit auf dem jetzigen Niveau spielen kann. Wenn es um die Kader-Qualität geht, ist Lewandowski sicher einer der Schlüsselspieler.

Mit Klopp und Tuchel arbeiten die aktuell besten deutschen Trainer in England, die besten Spieler aus der Bundesliga wie Erling Haaland oder zuvor Havertz oder Naby Keïta zieht es in die Premier League. Was sagt das über die Bundesliga aus?

Dass die Premier League von der fußballerischen Qualität und der Wirtschaftlichkeit das beste Produkt ist – und die Bundesliga und andere Ligen hinten dran sind. Das ist aber keine neue Entwicklung.

Ist die Bundesliga nur noch eine Ausbildungsliga für die internationalen Top-Klubs?

In Deutschland werden immer wieder Spieler top ausgebildet und entwickelt – diese gute Arbeit muss auch weiter geleistet werden. Um wieder an die Premier League ranzukommen, reicht das auf Dauer aber nicht.

Das heißt?

In der Bundesliga müssen neue Einnahmequellen generiert werden, auch durch andere Strukturen. Damit die Schere in Zukunft nicht noch weiter auseinandergeht und die Bundesliga im internationalen Wettbewerb nicht noch mehr an Boden verliert. Es sollte eine Attraktivität für Investoren geschaffen werden. Es sollte über die 50+1-Regel diskutiert werden, damit Geldgeber wie in England bei den Klubs einsteigen können. Es ist schön, mit Frankfurt einen deutschen Verein im Finale der Europa League zu haben.

„Kai Havertz hat das Zeug, nachhaltig ein Weltklasse-Spieler zu werden“

„Das Anspruchsdenken war schon immer die große Stärke der Bayern“

Aber?

Das Maß aller Dinge ist – ohne den Erfolg der Eintracht zu schmälern – natürlich die Champions League. Der Anspruch muss sein, dass wieder mehr deutsche Vereine in diesem Wettbewerb erfolgreich sind.

Für die Bayern ist das selbstverständlich, das sollte für andere Klubs künftig auch wieder der Fall sein – dass Leipzig und Dortmund nach der Gruppenphase raus sind, kann nicht der Anspruch sein.

Das Champions-League-Finale am 28. Mai in Paris bestreiten der FC Liverpool und Real Madrid mit Ihrem Ex-Trainer Carlo Ancelotti. Er steht als erster Coach zum fünften Mal im Endspiel der Königsklasse, hat als erster in allen Top-Ligen Europas die Meisterschaft geholt...

Carlo Ancelotti war mein Trainer beim FC Chelsea (2009 bis 2010; d. Red.). Er hat mit Real mal wieder eindrucksvoll bewiesen, wie man eine Mannschaft ganz nach oben führt.

Mich wundert es noch immer, dass es für Carlo Ancelotti bei Bayern nicht so geklappt hat.

Als er 2016 bei Bayern unterschrieb, dachte ich: perfekter Trainer, perfekte Konstellation.

Er passt hundertprozentig nach München. Denn er ist ein ähnlicher Typ wie Ottmar Hitzfeld, vielleicht noch ein Tick lockerer.

Lassen Sie uns zum Schluss noch über die Nationalelf und die WM in Katar sprechen. Wie schätzen Sie die Chancen der DFB-Auswahl ein?

Unser Kader ist individuell sehr gut, wir müssen uns nicht kleiner machen, als wir nach dem schwachen Auftreten bei der vergangenen WM 2018 in Russland sind. Hansi Flick hat bei Bayern bewiesen, dass er in relativ kurzer Zeit eine echte Mannschaft formen kann. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Nationalmannschaft Favorit ist. Dafür war das Abschneiden bei den vergangenen Turnieren einfach zu schlecht.

Meine Favoriten sind die Franzosen, – die mit Karim Benzema ein richtiges Kaliber wieder dazubekommen haben – und auch die Spanier und die Brasilianer zähle ich dazu. Aber mehr will ich gar nicht nennen, dann sind wir schon im Halbfinale (lacht).

Wie bewerten Sie das Image des DFB nach all den Turbulenzen in den vergangenen Jahren?

In der Außendarstellung wurden sehr viele Fehler gemacht.

Dafür gibt es verschiedenste Beispiele. Aber der Fan verzeiht eher, wenn die Nationalelf erfolgreich ist. Das Entscheidende ist die Leistung und die Frage:

Wie präsentieren sich die Spieler?

Man hatte in den vergangenen Jahren immer mehr das Gefühl, dass sich die Nationalmannschaft von den Anhängern entfremdet.

Die Fans wollen sich mit der Nationalmannschaft identifizieren, das geht vor allem mit Leidenschaft. Das müssen die Spieler zeigen. Und was das ganze Drumherum angeht …

Zum Beispiel den Slogan „Die Mannschaft“, der für Diskussionen sorgt …

Da müssen diejenigen angesprochen werden, die dafür verantwortlich sind (DFB-Manager Oliver Bierhoff; d. Red.). Kritisches Hinterfragen hat beim DFB offensichtlich lange nicht stattgefunden. Es gab zum Beispiel keine richtige sportliche Aufarbeitung seitens der DFB-Verantwortlichen, als die Erfolge bei den letzten Turnieren ausblieben. Es wurde ein Haken drangemacht, die entscheidenden Personen wurden nicht kontrolliert – es gab ein „Weiter so“.

Es gibt kein Gremium, das übergeordnet die handelnden Personen infrage stellte. Darum bin ich der Meinung, dass über neue Strukturen – was die Nationalmannschaft betrifft – beim DFB nachgedacht werden müsste, ohne sie aus dem Verband herauszulösen.

Wie könnte das aussehen?

In Bundesliga-Klubs gibt es zum Beispiel Aufsichtsräte, die sich mit der sportlichen Entwicklung auseinandersetzen. So etwas könnte auch beim DFB sinnvoll sein.

Sie arbeiten seit einiger Zeit als Spielerberater. Ihr großer Förderer Rudi Völler sagte: Michael Ballack sei der ideale Trainer. Wann sehen wir Sie als Coach an der Seitenlinie?

Man soll nie nie sagen. Aber als Trainer zu arbeiten habe ich nicht vor, das steht im Moment nicht auf meiner Agenda.

„Kritisches Hinterfragen hat beim DFB offensichtlich lange nicht stattgefunden“

Treffen in Hamburg

Das Treffen mit Michael Ballack fand in Hamburg im Hotel „The Fontenay“ an der Außenalster statt. Rund zwei Stunden nahm sich der ehemalige „Capitano“ der Nationalelf Zeit für SPORT BILD. Mit Reporter Torsten Rumpf sprach Ballack über alle wichtigen Themen im Fußball. Die beiden kennen sich seit 20 Jahren. Im TV ist Ballack u. a. bei der WM für MagentaTV als Experte im Einsatz. Sein Hauptwohnsitz liegt am Starnberger See in Bayern.