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DEADBAITING: GANZ ENTSPANNT: HECHTE FANGEN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 100/2019 vom 06.09.2019

Jeder liebt doch die Angelei mitKöderfisch auf Hecht. Die Spannung beim Biss und die Kraft am anderen Schnurende nach dem Anhieb setzen Glückshormone frei. Davon kann man im kalten Herbst nicht genug bekommen!


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Die Rute braucht viel Kraft, um den Haken ins harte Hechtmaul treiben zu können.


FOTOS: F. VAN DER BURG

Langsam setzt sich die Pose in Bewegung und zieht zur Seite. Dann bleibt sie stehen. Sollte der Hecht den Köder wieder losgelassen und Verdacht geschöpft haben? Doch wenig später sind meine Zweifel verflogen. Die Pose taucht ab und ich setze den Anhieb. Der Hecht hängt und reißt mir bei seiner ...

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... ersten Flucht einige Meter Schnur von der Rolle. Doch dann lässt er sich langsam heranziehen, wobei er immer wieder mit dem Kopf schlägt. Wenig später kann ich einen großen Räuber keschern.

Schon den dritten Winter in Folge hat mich der Naturköder-Virus fest im Griff. Bei jedem Biss klopft mir immer wieder das Herz bis zum Hals. An sich ist es eine kinderleichte Form des Angelns, die jeder schnell erlernt. Einfacher als das Angeln mit Kunstködern, bei dem man Fisch-Imitationen aus Holz, Metall und Kunststoff zum Leben erwecken muss. Nur wer das richtig macht, fängt Hecht. Hängt dagegen ein toter Fisch unter einer Pose, kann man (fast) nichts falsch machen. Hat man dann noch die richtige Stelle gefunden, wird man feststellen: Meter-Hechte sind gar nicht so selten, wie oft angenommen.

DER DUFT DES TODES

Am naheliegendsten ist es, Köderfische zu verwenden, die in dem Gewässer vorkommen, welches man beangelt. Oft ist das sogar Vorschrift! Das können Rotaugen, Güster und sogar Barsche sein. Doch Großhechte sind wenig wählerisch und fressen neben Süßwasserfischen ebenso gern Stinte und Seefisch wie Sardinen, Heringe, Stöcker oder Makrelen. Es gibt sogar Zeiten, in denen der Hecht stark riechenden Meeresfischen den Vorzug gibt. Sehen Sie aber vorher in der Gewässerordnung nach, ob Sie „fremde“ Fische im Gewässer benutzen dürfen. Ich selbst bin ein großer Fan von Sardinen. Die habe ich, ebenso wie Rotaugen, normalerweise immer in meiner Kühlbox dabei. Manche schwören dagegen auf einen taufrischen, erst während der Angelsession getöteten Köderfisch.

Ich dagegen konnte bislang keinen Unterschied zu einem frisch eingefrorenen und dann wieder aufgetauten Fisch erkennen. Im Gegenteil: Ein eingefrorenes und wieder aufgetautes Rotauge riecht stärker als ein frisches. Ich transportiere die Fischchen immer in einer Kühlbox mit Gefrierelement, um sie leicht gefroren zu halten.

a


b


c


Je nach Ködergewicht benötigt man unterschiedliche Posen (a). Um diese zu beschweren, knüpft Ed Zwischenvorfächer schon vor dem Angeln (b). Unten sieht man die fertige Montage (c).

RAUBFISCH-FÜTTERUNG

Tote Köderfische lassen sich auch prima als Futter verwenden, um Hechte anzulocken. Fischstücke, es können ruhig Seeund Süßwasserfisch durcheinander sein, werden in der Nähe der Pose ausgeworfen und bilden dort eine Geruchsspur. Nicht selten holt sich der Hecht diese Stücke zuerst, bevor er sich am Köderfisch vergreift. Diese Fischstücke würgt der Hecht mitunter während des Drills wieder aus! Aber Achtung: Zu viel Füttern macht die Fische auch satt.

POSEN UND BEBLEIUNG

Im gut sortierten Angelgeschäft findet man die unterschiedlichsten Hechtposen: kugelförmig bis länglich, einfache Posen und Exemplare mit Flügeln (Darts) und Segeln, mit eingebautem Bleigewicht und ohne. Allen gemeinsam ist, dass sie auf der Schnur gleiten und mit einem Stopper in der richtigen Tiefe gehalten werden müssen. Ich bevorzuge Posen, die 20 bis 25 Gramm Blei tragen können und bebleie sie mit 15 Gramm. Ist es windstill oder ist der Hecht an diesem Tag eher vorsichtig und lässt den Köderfisch schon beim geringsten Widerstand wieder los, bevorzuge ich einen nicht zu großen Stabschwimmer (mit eingebautem Bleigewicht) oder einen leichteren Schwimmer mit etwa 12 Gramm.

MONTAGE

Zuerst kommen ein Stopper und die Pose auf die Hauptschnur. Dann knüpft Ed ein fertig gebundenes Zwischenvorfach mit Bleigewicht an die Hauptschnur. Zum Schluss wird das Stahlvorfach mit nur einem Drilling in den Karabiner des Zwischenvorfachs eingehängt. Fertig!


HECHTE
FRESSEN GERN ROTAUGEN, HABEN ABER AUCH EINE VORLIEBE FÜR STARK DUFTENDE MEERESFISCHE.“


Damit die Köder so frisch wie möglich bleiben, transportiert Ed die gefrorenen Fische in einer Thermobox ans Wasser.


Oben hat Ed eine Sardine für die Grundmontage aufgeriggt. Ein Haken wird durchs Maul gezogen, ein zweiter Drilling sitzt in der Flanke des Fisches.


Für das Rotauge an der Segelmontage zieht Ed einen Drilling auf Höhe der Rückenflosse durch den Fisch.


ANKÖDERUNG

Ed ködert die Fische unterschiedlich an. Bei der Grundmontage wird der Fische stationär am Boden angeboten und mit zwei Drillingen gesichert. An der Segelpose dagegen würde ein Beutefisch, der vertikal im Wasser steht nur den Verdacht der Räuber erregen. Dann wird ein Rotauge an einem einfachen Drilling so angeködert, dass es waagerecht im Wasser steht.

KNOTBARER STAHLDRAHT

Da der Hecht rund 600 rasiermesserscharfe Zähne im Maul trägt, ist ein Vorfach aus mindestens 50 Zentimeter Stahldraht ein Muss. Ich verwende einen knotbaren Stahldraht mit 10 bis 15 Kilogramm Tragkraft. Ich nutze zwei Varianten: Vorfächer mit einem großßen Drilling in Größe 1 oder 1/0 und Montagen mit zwei Drillingen in Größe 2. Für kleine Köderfische kann auch eine Montage mit zwei Drillingen in Größe 4 passen. Mit der Ein-Drilling-Variante angle ich mit Rotauge (oder einem anderen Weißßfisch) knapp über dem Boden – mit dem Drilling im Rücken, damit der Köderfisch schön waagerecht hängt. Die zweite Variante benutze ich zum Angeln mit einer Sardine (oder einem anderen Köderfisch) am Boden: Ein Drilling wird im Maul oder Kopf des Köderfisches befestigt und ein Drilling direkt über dem Schwanzansatz eingehangen. Mit einer Spule Stahldraht, ein paar Drillingen, Klemmhülsen und einer Hülsenzange lässt sich ein Stahlvorfach ganz einfach am Wasser selbst bauen.

Für das Angeln mit Naturköder sind schwere, längere Spinnruten und leichte Karpfenruten von 3,0 bis 3,6 Meter vorzuziehen. Damit lässt sich ein Köderfisch gut werfen. Auch der Anhieb gelingt so mühelos. Die Rute darf aber nicht zu weich sein, denn sonst lässt sich der Anhieb nicht richtig setzen. An die Rute kommt eine Rolle der Klasse 4000 bis 6000.

Als Schnur verwende ich ein 0,30er oder 0,40er Monofil. Dieses sinkt und hält so die Pose in Position. Eine geflochtene Schnur schwimmt. Bei stärkerem Wind führt das zu einem Schnurbogen, der die Pose mit Köderfisch aus ihrer Position zieht. Und genau das will ich gerade nicht. So verrückt es auch klingt: Nach meiner Erfahrung wird ein Köderfisch, der lange Zeit still liegt oder hängt, oft schneller angenommen als einer, der augenscheinlich „vorbeigeschwommen“ kommt. Einzige Ausnahme: Wenn man mit der Segelpose angelt und der Köderfisch vorm Wind wegdriftet, ist eine geflochtene Hauptschnur besser geeignet.

a


b


c


Ed zerschneidet ein oder zwei Fische in kleinere Stücke (a). Ein Hand voll Fischstücke reichen aus. Ihr Geruch soll den Hecht anlocken (b). Ed wirft die Fischstücke an die Angelstelle (c).

Beste Fangzeiten mit totem Köderfisch sind bei Tagesanbruch und am Nachmittag, wenn die Sonne wieder untergeht. Beim Angeln mit einem toten Köderfisch kommt es allerdings genauso gut vor, dass man gegen zwölf Uhr Mittags plötzlich einen Biss bekommt. Ich gehe davon aus, dass ein großer Hecht manchmal stundenlang an ein- und derselben Stelle neben dem Köderfisch liegen kann, ohne zu beißen. Ganz plötzlich kann der Schalter dann umgelegt werden. Ich warte fünf Sekunden nach dem Biss, straffe die Schnur und setze einen kräftigen Anhieb. Wer zu lange wartet, läuft Gefahr, dass der Hecht den Köderfisch schluckt und nicht mehr unbeschadet zurückgesetzt werden kann.


„HECHTE KÄMPFEN UNBERECHENBAR. MANCHMAL WEHREN SIE SICH KAUM, DANN KÄMPFEN SIE WIEDER, ALS OB ES KEIN MORGEN GÄBE.“


Vor allem im Herbst und Winter kann der Biss auch mitten am Tag kommen! Irgendwann legt sich der „Schalter“ im Hechthirn um.


Der 1,02 Meter lange Hecht sorgte für einen hitzigen Drill in der Kälte.


Um Meterhechte sicher zu landen, braucht man einen großen Kescher, vorzugsweise einen mit gummierten Maschen. Der Grund: Es gelingt sicher nicht, einen Hecht mit dem Kiemengriff aus dem Wasser zu holen, wenn man von einer hohen Kaimauer oder einem anderen hohen Ufer aus angelt. Außerdem weiß man nie, wo die Drillinge sitzen. Ich empfehle auch eine große Abhakmatte, vor allem für Hechtangler, die ihre Fische auf einem harten Untergrund abhaken müssen.

HECHT-BURGEN

Wo wir unseren Köfi anbieten, ist variabel. Hotspots sind Häfen an Seen, Flüssen und Kanälen. Aber auch in Stadtgrachten und tieferen Seen – wohin Weißfische und Hechte aus den Flachwasserzonen zum Überwintern wandern – ist jetzt mit guten Fängen zu rechnen. Landungsstege, vertäute Boote, Brücken, Düker und steile Böschungen sind bei den Räubern sehr beliebt, weil sie hier Deckung finden.

Zur Versorgung des Fangs braucht man eine große Abhakmatte sowie eine lange Zange zum Hakenlösen.

EINTRITTSKARTE ZUM HECHTANGELN

Wer in den Niederlanden den Raubfischen nachstellen möchte, braucht den VISpas.
Dieser ist der Erlaubnisschein für über 80 Prozent aller Gewässer in den Niederlanden. Man erhält den VISpas vor Ort in allen Angelläden oder in den Läden der Zoohandlungs-Kette „Pets Place“. Man kann ihn aber auch online bestellen unter
www.vispas.nl
Sie wollen mehr über die Angelei in Holland erfahren? Dann schauen Sie mal unter folgender Adresse vorbei:
www.fishinginholland.nl


FOTOS: FRANK VAN DER BURG

FOTOS: F. VAN DE BURG

FOTOS: F. VAN DER BURG