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DEBATTE: So streiten sie über Deutschland


SUPERillu - epaper ⋅ Ausgabe 16/2019 vom 11.04.2019

Für eine ZDF-Sendung traf Alt-BundespräsidentJoachim Gauck jetztFrauke Petry , die von 2015 bis 2017 Vorsitzende der AfD war. Was sich die beiden Ostdeutschen zu sagen hatten


Artikelbild für den Artikel "DEBATTE: So streiten sie über Deutschland" aus der Ausgabe 16/2019 von SUPERillu. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: SUPERillu, Ausgabe 16/2019

Joachim Gauck, 79, bekleidete von 2012 bis 2017 das Amt des Bundespräsidenten


Frauke Petry, 43, war von 2015 bis 2017 Vorsitzende der AfD, bevor sie die Partei verließ. Heute führt sie die „Blauen“


Sie begegneten sich zuvor nur einmal persönlich, 2012. Damals verlieh Joachim Gauck als Bundespräsident der erfolgreichen sächsischen Jungunternehmerin Frauke Petry ein Bundesverdienstkreuz.

Wenig später ging sie in die Politik – und ...

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Wenig später ging sie in die Politik – und gelangte schnell an die Spitze. Von 2015 bis 2017 war sie Bundesvorsitzende der AfD, mit deren Umfragewerten es damals im Zeichen der Migrationskrise steil nach oben ging. Doch direkt nach ihrem größten Erfolg, dem Einzug der Partei in den Bundestag 2017, trat sie zurück, verließ die AfD und gründete mit den „Blauen“ ihre eigene Partei, mit der sie im Herbst zu den sächsischen Landtagswahlen antreten will.

Für eine ZDF-Reportage zum 30. Mauerfalljubiläum („Gaucks Suche nach der Einheit“, abrufbar in der ZDF-Mediathek) traf sich der Alt-Bundespräsident nun in Berlin mit Petry. Zum Auftakt macht ihr Gauck ein Kompliment. Sie gehöre zu denen, die „mit Bildung, eigenem Engagement und, was mir bei Ihrer frühen Biografie besonders gefallen hat, mit Eigenverantwortung, anderen ein Vorbild“ seien, beginnt er sein Gespräch.

Um gleich darauf in die Offensive zu gehen. Für ihn sei es ein Widerspruch, dass sie sich bis 2017 mit der AfD bei einer „Retro-Gruppierung“ engagiert habe, „die wesentliche Schritte der modernen Entwicklung negiert. Wie kommt ein Mensch wie Sie unter diese Leute?“, fragt er provokativ.

Gauck und Petry beim Gespräch für die ZDF-Doku „30 Jahre Mauerfall – Gaucks Suche nach der Einheit“ in einem Berliner Restaurant


„Die AfD von 2013/14 war keine Retro-Gruppierung. Wir haben versucht, ein politisches Vakuum zu füllen“, verteidigt sich Frauke Petry. An der Partei, die sie 2017 verließ, kritisiert sie heute selbst einen Rechtsruck, den sie nicht mehr mittragen habe wollen.

Frauke Petry wiederum übt Kritik an Gaucks Position zur Einwanderung, insbesondere von Muslimen. Deutschland bleibe eine Einwanderungsgesellschaft, sagt Gauck. Die neue „Homogenität in Vielfalt“ bestünde darin, „dass wir eine gemeinsame Freude daran haben, uns auf dem Boden des Grundgesetzes zu bewegen.“ Das Bekenntnis zu diesen Werten mache die Gemeinschaft aus, nicht aber die Hautfarbe oder die Religion. Frauke Petry findet, es „führe in die Irre“, wenn Gauck eine „multikulturelle und multiethnische Gesellschaft“ als unproblematisch darstelle, als ginge es nur darum, „seine Einstellung dazu zu ändern“.


Die Demokratie ist keineswegs so, dass wir zur Ohnmacht verdammt sind“
Joachim Gauck


Und sie kritisiert Politik und Medien. Petry: „Viele ehemalige DDR-Bürger (…) erleben in der Öffentlichkeit und im Fernsehen eine Bevormundung, wie wir sie schon einmal erlebt haben (…) Die Ohnmacht der Leute ist zum Teil die gleiche.“ Das sei ein Gefühl, dass etwas schief laufe, dass Menschen sich nicht mehr repräsentiert fühlten.

Diese Schelte bringt Gauck auf die Palme. „Ich bin total gegen Sie, wenn Sie sagen, dass wäre eine solche Ohnmacht wie damals. Wie können Sie so etwas sagen, Sie sind Abgeordnete des Deutschen Bundestages (…) Die Demokratie ist keineswegs so, dass wir zur Ohnmacht verdammt sind. Sondern die ist so, dass wir uns ermächtigen können. Wir können Unternehmen gründen, unsere Kinder erziehen, wir können unsere Regierung abwählen, selber Parteien gründen und selber aktiv sein.“

Sehr versöhnlich tauschen beide ihre Erinnerungen an die Wendezeit aus, die sie furs Leben geprägt hat. Frauke Petry verließ damals mit ihren Eltern per Ausreiseantrag die DDR. Und Gauck wurde vom Pfarrer zum Stasi-Aktenhüter.

Petry: „Ich persönlich habe von der Wiedervereinigung massiv profitiert. Von der Freiheit, demokratisch streiten zu dürfen, was an einer Ost-Schule nicht denkbar gewesen wäre, wo man das Wort Deutschland nicht in den Mund nehmen durfte, ohne als Staatsfeind tituliert zu werden. Und natürlich von der Möglichkeit, mich in der Welt umzuschauen.


Viele ehemalige DDR-Bürger erleben eine Bevormundung“
Frauke Pet ry


Und Gauck erinnert sich daran, dass sich keineswegs alle DDR-Oppositionellen damals über die Wiedervereinigung freuten: „Das Problem vieler meiner Freunde war, dass sie mit der friedlichen Revolution das Gefühl hatten, wir träumten vom Paradies und wachten in Nordrhein-Westfalen auf. Und nicht zu begreifen, dass Nordrhein-Westfalen ein wunderbarer Ort zum Leben in der Wirklichkeit ist.

gerald.praschl@superillu.de


FOTOS: dpa Picture-Alliance, imago, ZDF Info