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Debütant mit Direktantrieb


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 08.03.2019

Magnat springt auf den Vinyl-Zug auf und bringt nach über 45 Jahren den ersten Plattenspieler der Firmengeschichte auf den Markt. Der MTT 990 sieht jedoch eher so aus, als hätte man nie etwas anderes gemacht.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 4/2019

Der Vinyl-Boom hält bereits erstaunlich lange an und scheint weltweit nach wie vor ungebrochen zu sein. Grund genug für einige Firmen, doch noch in dieses prestigeträchtige Marktsegment einzusteigen, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Und so reiht sich jetzt auch Magnat in die Liste renommierter HiFi-Marken wie AVM (siehestereoplay 11/2018 und 02/2019) oder Mark Levinson (getestet in diesem ...

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Der Vinyl-Boom hält bereits erstaunlich lange an und scheint weltweit nach wie vor ungebrochen zu sein. Grund genug für einige Firmen, doch noch in dieses prestigeträchtige Marktsegment einzusteigen, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Und so reiht sich jetzt auch Magnat in die Liste renommierter HiFi-Marken wie AVM (siehestereoplay 11/2018 und 02/2019) oder Mark Levinson (getestet in diesem Heft) ein, die nach nunmehr 70 Jahren Langspielplatte tatsächlich ihren ersten Plattenspieler auf den Markt bringen.

Dabei setzt der in Pulheim in der Nähe von Köln ansässige Hersteller gleich einmal ein Ausrufezeichen. Statt wie viele Mitbewerber auf den technisch etwas leichter beherrschbaren Riemenantrieb zu bauen, entschied sich Magnat für einen Direktantrieb. Bei diesem Bauprinzip sitzt der Plattenteller direkt auf der Drehachse des Motors, Motor und Teller sind also mechanisch gekoppelt. Es kann daher passieren, dass die Vibrationen vom Motor auf die Schallplatte und am Ende auf den Tonabnehmer übertragen werden, was man als Hersteller natürlich tunlichst in den Griff bekommen sollte. Außerdem hängen die Laufeigenschaften des Plattenspielers maßgeblich von der Qualität des Motors ab. Wenn der Motor nicht rund läuft, tut es auch der Teller nicht. Entsprechend laufruhige Elektromotoren sind jedoch gar nicht so einfach zu bekommen.

Bei Direkttrieblern stabilisiert daher eine Regelelektronik das Verhalten des Motors und sorgt dafür, dass die gewünschte Drehzahl exakt eingehalten wird. Aus diesem Grund weisen sie im Vergleich zu riemengetriebenen Exemplaren meistens deutlich bessere Messwerte in Sachen Gleichlauf und Soll-drehzahl auf. Zusätzlich muss der Motor auch ein hohes Drehmoment haben, da der Plattenteller ohne Übersetzung angetrieben wird. Dabei gilt: Je stärker der Motor, umso schneller kommt der Plattenspieler auf Touren, sodass die gewünschte Drehzahl ohne lange Anlaufphase erreicht werden kann.

Sonderrolle

Der Direktantrieb hat sich vor allem bei DJ-Plattenspielern durchgesetzt, für die Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und Präzision sowie schnelles Starten und Stoppen essenziell sind. Im HiFi-Sektor dominiert eher der Riemenantrieb, weil sich mit ihm die Vibrationsproblematik umgehen lässt und der Motor auch nicht unbedingt elektronisch geregelt werden muss. Insofern spielt der MTT 990, wie Magnats Debütdreher heißt, eine gewisse Sonderrolle, da er eindeutig als HiFi-Gerät konzipiert ist, aber trotzdem einen Direktantrieb besitzt.

Der MTT 990 hat einen Direktantrieb, die Motorachse ist also gleichzeitig die Tellerachse. Präzisionsgefertigte Verbindugsteile aus Messing sorgen für optimalen Kraftschluss.


Für das Team um Entwicklungsleiter Shandro Fischer gaben letztlich aber nicht nur messtechnische, sondern auch klangliche Aspekte den Ausschlag, das aufwendigere Antriebsprinzip zu favorisieren. Dabei war es gar nicht so einfach, einen passenden Motor für das Projekt zu finden. Ausgestattet ist der MTT 990 mit einem kraftvollen Antrieb, der ein Drehmoment von 0,22 Newtonmeter (Nm) aufbringen kann.

Interessanterweise basieren die Drehmomentangaben von Plattenspielern oft noch auf der veralteten Einheit Kilopond (kp), die man auch in der englischen Übersetzung „kilogram-force“ (kgf) antrifft. Allerdings wird dabei gerne mit den physikalischen Einheiten geschludert, korrekt wäre der Kilopondmeter (kpm), der in etwa 9,81 Nm entspricht, oder der Kilopondzentimeter, der um den Faktor 100 größer ist und sich bei den Plattenspielern eingebürgert hat. Die Zahlenwerte, die üblicherweise angegeben werden, sind deshalb um den Faktor 100/9,81 ≈10 höher, als der mit dem internationalen Einheitensystem konforme Wert in Newtonmeter. Die Einheiten selbst werden allerdings recht kreativ gehandhabt. Typische Drehmomentwerte liegen bei DJ-Plattenspielern zwischen 1 und 4 kpcm, der MTT 990 liegt mit umgerechnet 2,2 kpcm im guten Mittelfeld und kommt auch entsprechend schnell auf Touren.

Ein einziger Knopf steuert den Plattenspieler, drei Geschwindigkeiten stehen zur Auswahl: 33 1/3, 45 und 78 Umdrehungen pro Minute.


Drehscheibe

Der Plattenteller wiegt knappe zwei Kilogramm und besteht aus Polyoxymethylen, einem hochverdichteten Spezialkunststoff, der im Plattenspielerbau weit verbreitet ist und dessen Resonanzverhalten dem von Vinyl ähnelt. Für Magnat gilt er daher als resonanzoptimiert, was einen positiven Einfluss auf den Klang ausüben soll. Als Nutzer hat man jedoch die Wahl, ob man die Schallplatte auch tatsächlich direkt auf den Teller legt oder ob man lieber die schwarze Filzmatte benutzt, die im Lieferumfang inbegriffen ist. Wirklich signifikante Klangunterschiede konnten wir im Test ebenfalls nicht feststellen, ohne Filzmatte hat der MTT 990 vielleicht minimal mehr Zug.

Die Geschwindigkeit des Tellers wird per Quarzregelung genau kontrolliert, dabei stehen drei Werte zur Auswahl: 33 1/3 Umdrehungen pro Minute für normale Langspielplatten, 45 Umdrehungen pro Minute für Singles, die wegen der höheren Abspielgeschwindigkeit eine kürzere Spieldauer haben, und 78 Umdrehungen pro Minute für Schellackplatten. Wer tatsächlich Schellack hören will, sollte sich gleich Gedanken um einen geeigneten Tonabnehmer mit Schellacknadel machen, da die normalen, für Vinyl ausgelegten Abtastsysteme dafür nur bedingt geeignet sind.

Im Testlabor konnte der MTT 990 trotz Quarzregelung die ausgezeichneten Herstellerangaben zum Antrieb nicht ganz bestätigen. Das Testmuster traf zwar die Solldrehzahl ziemlich genau, aber die gemessenen Gleichlaufschwankungen lagen mit ± 0,18% deutlich höher als der im Prospekt aufgeführte Wert von 0,08%. In der Praxis ist das jedoch nicht so schlimm, da keine regelmäßigen Abweichungen auftraten, die sich klanglich bemerkbar machen.


Der MTT 990 bietet alle Vorzüge des Direktantriebs zu einem überragenden Preis-Leistungs-Verhältnis.


Der Plattenspieler ist sowohl ohne Tonabnehmer als auch als fertig justiertes Komplettsystem mit einem vormontierten AT 95E zu haben. Der preiswerte Moving-Magnet-Abtaster von Audio Technica mit elliptisch geschliffener Nadel ist einer der beliebtesten HiFi-Tonabnehmer überhaupt und leistet auch im MTT 990 hervorragende Arbeit. Magnat hat den gebogenen 10-Zoll-Tonarm, der aus einer speziellen Aluminiumlegierung besteht, für den Anschluss von Systemträgern ausgelegt. Der Tonabnehmer lässt sich daher problemlos auswechseln, und dank der höhenverstellbaren Tonarmbasis kann man den Plattenspieler auch perfekt an unterschiedlich große Tonabnehmersysteme anpassen.

Alles in allem macht das den MTT 990 zu einem wirklich gelungenen Gerät, das technisch durchdacht und qualitativ hochwertig verarbeitet ist. Auch optisch liefert er mit seinen klaren Formen und der schwarzen Hochglanzlackierung einen gelungenen Auftritt ab. Das moderne, aufgeräumte Erscheinungsbild stammt aus der Feder von Helmut Thiele, einem der renommiertesten Industriedesigner Deutschlands, der sich auf den HiFi-Bereich spezialisiert hat und seit vielen Jahren für Magnat tätig ist.

Auch im Hörraum trumpfte der MTT 990 dann kräftig auf. Selbst mit dem eher simpel gestrickten AT 95E förderte er eine Detailfülle zutage, die in dieser Preisklasse selten zu bekommen ist. Dass Magnat mit der Entscheidung, auf einen Direktantrieb zu setzen, goldrichtig lag, zeigte sich besonders bei klanggewaltigem 80er-Jahre-Pop. Man meinte förmlich zu spüren, wie der Motor bei Titeln wie „Bad“ von Michael Jackson oder „Another One Bites The Dust“ von Queen seine Kraft auf die Bassläufe übertrug und dabei eine Ruhe und Souveränität ausstrahlte, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht.

Auch mit hochklassigen Tonabnehmern kam der Magnat erstaunlich gut zurecht, sodass er noch viel Potenzial zum Aufrüsten bietet. Was für ein Einstand!

Der kugelgelagerte Tonarm zeugt von der hohen Fertigungsqualität des Plattenspielers. Eine höhenverstellbare Tonarmbasis ist in dieser Preisklasse eher selten.