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Deckname: Schielender Adler


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Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 08.10.2021

ECHOLOT

Artikelbild für den Artikel "Deckname: Schielender Adler" aus der Ausgabe 110/2021 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 110/2021

Die Schallwellen, ausgesendet vom Echolotgeber am Heck, zerschneiden den Wasserkörper nach links und rechts.

Meiner Meinung nach ist das Side Scan eines der verkanntesten Systeme. Auf den ersten Blick sieht es irgendwie komisch aus und man versteht es nicht auf Anhieb – falls Sie kein Side Scan-Fan sind, kann ich Sie teilweise verstehen. Nichtsdestotrotz sollten Sie dem Side Scan eine Chance geben, denn es kann Ihre Angelei drastisch verbessern und Ihnen unglaublich helfen!

Side Scan ist wie Auto fahren: Am Anfang versteht man die Knöpfe und Schalter nicht so wirklich, dabei sind sie gar nicht so kompliziert. Schon eine kurze Bedienzeit reicht aus, um sie zu verinnerlichen und in den alltäglichen Gebrauch aufzunehmen.

Anders als die typischen 2D-Sonarsysteme, die nach unten schauen, blickt ein Side Scan-Echolot (unabhängig von der Wassertiefe) bis zu 30 Meter nach rechts und 30 Meter nach links. Beim Side Scan wird der zur Bilderstellung erforderliche Schall nicht wie beim 2D-Sonar als Kegel ...

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... ausgesendet, sondern als hauchdünne Schichtaufnahme der Wassersäule und des Grundes. Wir vergleichen das oft mit Fotokopier- oder Faxgeräten, wie sie in Büros zu finden sind. Hier scannt ein schmaler Sensorbalken in einer festgelegten Geschwindigkeit zum Beispiel ein Stück Papier und der Computer setzt es auf dem Monitor wieder zusammen. Das System scannt in einer definierten Geschwindigkeit und setzt die Bilder hinterher 1:1 zusammen.

Beim Side Scan-Echolot funktioniert die Technik ähnlich. Der Echolotgeber am Heck des Bootes erzeugt ein hochauflösendes, realistisches Bild der Unterwasserstruktur, während wir mit dem Boot gleichmäßig schnell fahren (2-5 km/h).

SCHALLWELLEN ZERSCHNEIDEN DAS WASSER WIE KLEINE RASIERMESSER

Die Schallwellen-„Form“ wird vom Geber vorgegeben. Bei 2D-Echoloten ist im Gehäuse des Gebers ein kleiner runder Kristall (wie ein Eishockeypuck) verbaut, der die Schallsignale kegelförmig abstrahlt und daraus etwa bei einem Fisch die charakteristische Sichelanzeige erzeugt. Durch die Schallreflektion der Schwimmblase des Fisches wird dabei das Bild erzeugt und lässt den Angler Fische erkennen. Was ein 2D-Echolot nicht kann: Ihnen anzeigen, wo genau sich ein Fisch oder eine besondere Bodenstruktur (ein Steinhaufen oder ein alter Baum) befindet. Der Sendekegel fasst nämlich alles zusammen, was sich in seinem Radius befindet, und projiziert es auf ein einziges Bild. Die vermeintliche Sichel unterm Boot kann also auch einige Meter entfernt sein. Nur anhand der Intensität der Sichel kann man grob schätzen, wie weit der Fisch entfernt ist. Ebenso zeigt das 2D- Sonar keine feinen Bodenstrukturen oder Abbildungen des Grundes an.

„Anfangs ist die Darstellung verwirrend, aber Sie werden es schnell verstehen.“

Kommen wir zum Side Scan-Geber. In seinem Gehäuse befindet sich kein runder Kristall, sondern eine Anordnung mehrerer länglicher Kristalle, die Streichhölzern ähneln. Damit erzeugt das Gerät eine rasiermesserscharfe Schallabgabe nach rechts und links. Die Suchbreite können wir nach Belieben verändern. Der Abdeckungsbereich liegt bei über 180°, wobei einige Hersteller sogar bis zu 200° erzeugen und teilweise sogar einen Blick schräg nach oben an die Wasseroberfläche erlauben. Deshalb ist auch die Positionierung des Gebers am Boot mit wichtigen Regeln verbunden, um gute Bilder zu bekommen. Wir empfehlen oft eine Geberstange, damit die Sendeeinheit am Heck des Bootes freie Sicht zur Seite hat. Abschattungen eines Motors behebt man meist mit leichtem Trimmen des Antriebes oder Versetzen des Gebers an eine andere Position. Glücklicherweise findet nahezu jeder Besitzer eines modernen Sonars einen passenden Platz am Boot oder Bellyboot für perfekte Bilder.

VERSTEHEN SIE DAS VERWIR- RENDE ECHOLOTBILD: EIGENT- LICH IST ALLES SO EINFACH!

Bevor wir zum spannenden Teil kommen, also der Anwendung des Side Scans in der Praxis, müssen Sie noch das Bild verstehen, das uns das Echolot zeichnet. Was auf den ersten Blick schwer scheint, ist ganz simpel. Unser Side Scan zeichnet eine fotorealistische Vogelperspektive. Es klappt das Wasser schlichtweg auf und zeigt uns alles von oben. Die dünne Linie in der Bildmitte ist die Wasseroberfläche, das kleine Bootssymbol ist (wer hätte es gedacht?) unser Boot. Die beiden dunklen Balken links und rechts der dünnen Oberflächen-Linie sind die Wassersäule. Noch weiter links und rechts schließt sich dann der Gewässergrund an. Das Bild baut sich von oben nach unten auf. Betrachten Sie die Illustration auf Seite 38, dann verstehen Sie es noch besser – Sie sehen, so schwer ist es nicht!

Nun steigen wir aber gedanklich ins Boot. Bei der täglichen Nutzung des Side Scan unterscheiden wir zwei typische Einsatzbereiche: Die Suche nach Strukturen unter Wasser und die Suche nach Fisch. Wenden wir uns zuerst der Suche nach Unterwasserstrukturen zu. Diese erfolgt durch ein gleichmäßiges und systematisches Abfahren des Gewässers, um den Grund dabei möglichst genau zu scannen. Wir bewegen in diesem Falle das Boot mit einer maximalen Geschwindigkeit von zirka 2,5-3 km/h.

Dabei stellen wir das Gerät auf einen Erfassungsbereich unserer Wahl. Anders als bei den üblichen traditionellen Echoloten sind wir nicht von einem festen Kegel abhängig, sondern bestimmen individuell den Abtastbereich. Damit das Echolot alle Informationen auf dem Monitor gut darstellen kann, müssen Sie aber einige zusätzliche Tricks beachten.

Stellen Sie das Gerät so ein, dass zusätzlich zur gemessenen Wassertiefe noch weitere 20 bis maximal 25 Meter Gewässergrund rechts und links angezeigt werden. Haben wir also eine Wassertiefe zum Beispiel zwischen zwei und fünf Metern, sollte das Gerät 25 Meter Bodengrund nach links und rechts anzeigen. Bei zehn Metern Wassertiefe sind es dann 30 Meter, und so weiter.

Bedenken Sie aber, dass unser Side Scan- Echolot mit einer sehr hohen Sendefrequenz arbeitet, um alles realistisch darstellen zu können. Hohe Frequenzen sind aber nicht ideal für große Wassertiefen. Wird es dem Sonar zu tief für eine ordentliche Grunddarstellung, erkennt man das immer an den geringer werdenden Kontrasten, die das Bild bietet.

DER GEWÄSSERGRUND SIEHT AUF DEM BILDSCHIRM FAST 3D AUS

Die Darstellung rechts und links vom Boot sieht dreidimensional aus. Es sieht fast so aus, als würden wir von unserem Boot mit zwei Taschenlampen unter Wasser nach links und rechts leuchten. Steine, Totholz, Wasserpflanzen etc. werden von vorne angestrahlt und geben eine helle Reflektion an unser Gerät zurück. Hinter den Objekten wird sogar ein Schatten angezeigt. Dieser sorgt dafür, dass sich das Objekt zusätzlich vom Grund abhebt, wodurch die Anzeige dann den 3D-Effekt bekommt.

Gleichzeitig erlaubt uns der Schatten teilweise, die Größe oder Höhe von Gegenständen zu ermitteln. Herstellerübergreifend gibt es auch zur Härteermittlung des Gewässerbodens eine einfache Regel. Je heller der Gewässergrund auf dem Display dargestellt wird um so härter ist dieser, denn von einem harten Boden wird der Schall schlichtweg besser reflektiert als von einem weichen Boden und unser Echolot kann diesen somit kräftiger darstellen. Auch hier kann ein einfacher Vergleich mit einer Taschenlampe gezogen werden, denn leuchtet man mit dieser zum Beispiel auf eine weiße Wand, wird der Schein stark reflektiert. Würden Sie auf eine schwarze Wand leuchten, wäre der Schein nahezu verschwunden und blendet nicht. Genauso ist es mit schlammigen Gewässerböden, denn diese reflektieren den Schall unseres Echolotes nur sehr wenig.

SIE KÖNNEN SEHEN, UM WELCHEN FISCH ES SICH HANDELT!

Der zweite wichtige Punkt, über den Sie Bescheid wissen sollten, ist die Fischerkennung. Im Gegensatz zur 2D-Technik sehen Sie nicht die Schwimmblase eines Fisches, also keine Sichel mit rotem Punkt. Vielmehr wird die Silhouette des Fisches zum Leuchten gebracht. Für Sie bedeutet das, dass Sie einen Fisch nur dann auf dem Side Scan-Gerät gut erkennen können, wenn er optimal angestrahlt wird. Auch dabei ist die genaue Bootsgeschwindigkeit beim Fahren wichtig; außerdem spielt eine Kombination aus der Position des Fisches zum Geber und seiner Bewegung eine Rolle. Stehen alle diese Faktoren ideal zueinander, ist es möglich, die Form und Größe eines Fisches annähernd erkennen zu können! Nicht nur Steine oder Totholz werfen auf unserem Echolot einen Schatten, sondern auch Fische. Somit können Sie erkennen, in welcher Tiefe sich der Fisch aufhält.

Steht etwa ein größerer Hecht im Mittelwasser, so wird unter optimalen Bedingungen seine Silhouette als leuchtender Strich und einiges entfernt davon sein Schatten am Bodengrund länglich gezeigt. Haben wir hingegen viele kleine Fische im Schwarm, so sind diese als viele leuchtende Punkte oder Flecken auf dem Display zu sehen. Der geworfene Schatten ist dann natürlich entsprechend kleiner. Steht ein Fisch aber nicht im Mittelwasser, sondern nur knapp über dem Grund, so muss man schon genauer hinschauen, um diesen gut zu erkennen, denn sein Schatten wird natürlich in dem Falle viel dichter an dem leuchtenden Strich oder Punkt gezeigt.

Noch ein weiterer Vorteil des Side Scans gegenüber normaler 2D-Anzeige: Diese Technik benötigt keinen Grundkontakt, um Fische darzustellen. Das können Sie sich zum Beispiel beim Schleppen auf großen und tiefen Gewässern zu Nutze machen.

Allerdings ist es auch hier wichtig, den Erfassungsbereich des Echolotes nicht zu groß zu wählen, auch wenn die Geräte diese Funktion bieten würden. Ist der gescannte Bereich des Freiwassers bei dieser Angelart nämlich zu breit eingestellt, so werden auch große Fische nur als kleine, kaum sichtbare leuchtende Punkte oder Striche gezeigt. Da moderne Echolote in der Regel eine zusätzliche GPS- und Wegpunktfunktion bieten, lassen sich interessant aussehende Plätze oder Fische markieren und wiederfinden.

Falls Sie anfängliche Zweifel am Side Scan hatten, sind diese hoffentlich beseitigt. Und falls Sie weitere Fragen haben, schicken Sie der Redaktion eine Mail – denn ich bin ab sofort Blinker-Echolotexperte und kann Ihnen bestimmt weiterhelfen.