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Defibrillatoren: INTERVIEW: Ersthelfer: Wiederbelebung mit Hilfe von Defibrillatoren


Feuerwehr Fachjournal - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 27.06.2019

Dr. Albert Solleder, Feuerwehrarzt Feuerwehr Straubing im Interview mit Evi Heinersdorfer, Feuerwehr-Fachjournal


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Bildquelle: Feuerwehr Fachjournal, Ausgabe 3/2019

© Dr. Solleder

Feuerwehr-Fachjournal: Herr Dr. Solleder, Sie sind Feuerwehrarzt bei der Feuerwehr Straubing, was sind Ihre Aufgaben?

Dr. Solleder: Ein Feuerwehrarzt sollte zunächst Kenntnisse von den Aufgabenstellungen der Feuerwehr bei Gefahrenlagen sowie des Einsatzgeschehens haben. Er muss die örtlichen Rettungsdienste und technischen Hilfsdienste kennen und mit diesen auf fachlicher Ebene Kontakt halten. Er kann Eignungsuntersuchungen für Einsatzkräfte durchführen und Hilfestellung bei ...

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... der Beschaffung medizinischer Geräte geben. Auch bei posttraumatischen Belastungsstörungen nach schweren Einsätzen sind Feuerwehrärzte Ansprechpartner.

ffj: Wie funktioniert ein Defibrillator - es sind zwei Elektroden, welche angesetzt werden müssen, kann man die vertauschen?
Dr. Solleder: Nein. Das Anbringen der Elektroden ist selbsterklärend. Die zwei Elektroden, die am Oberkörper angebracht werden, verabreichen dem Patienten einen starken Stromstoß. Dieser stimuliert die unregelmäßig schlagenden Herzmuskelzellen gleichzeitig und unterbricht so das Herzkammerflimmern. Das Herz wird sozusagen „neu gestartet“ und kann nun wieder regelmäßig schlagen.

ffj: Muss der Patient entkleidet werden?
Dr. Solleder: Ja zum Teil, die Klebeelektroden müssen direkt auf der Haut auf dem Brustkasten angebracht werden

ffj: Kann bei Herzpatienten und Trägern von Herzschrittmachern ein Defibrillator benutzt werden?
Dr. Solleder: Ja.

ffj: Wie häufig sind Einsätze mit Wiederbelebungen?
Dr. Solleder: Pro 100 000 Einwohner gibt es ca. 30-50 Herz-Kreislauf-Stillstände außerhalb der Kliniken jährlich.

Erfahrungen mit Defibrillatoren

ffj: Öffentliche Stellen und auch Feuerwachen werden immer mehr mit Defibrillatoren, kurz Defis, ausgestattet. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Dr. Solleder: Meine Erfahrung sagt, dass es Zeit ist, die Zahl der Defibrillatoren Standorte, weiter aus zubauen. Aber die „Defis“ sind nur ein Teil der Rettungskette bei Herz- und Kreislauf-Stillständen. Wir haben in Straubing ein Programm zusammengestellt, um das Thema Wiederbelebung vor Ort noch weiter zu intensivieren. Das heißt, wir wollen möglichst viele Menschen in der Wiederbelebung schulen. Dazu beginnen wir die Ausbildung bereits in den Schulen. Kinder sollen möglichst früh mit den Wiederbelebungsmaßnahmen vertraut gemacht werden.

Jede Minute zählt

ffj: Soll heißen, der Passant, der als erster den Herzstillstand der erkrankten Person erkennt soll unmittelbar mit der Behandlung beginnen, denn jede Minute zählt, bis professionelle Hilfe oder die Feuerwehr kommt?
Dr. Solleder: Ja genau. Meine Idee wäre, dass man auch aktive Feuerwehrleute schult.

ffj: Dazu ist es auch wichtig, dass ein Defibrillator außen an den Feuerwachen angebracht ist, so dass jeder am Ort weiß, hier befindet sich ein Gerät, welches von Jedem entnommen und genutzt werden kann. Die Vielzahl der Feuerwachen befinden sich gerade am Dorf bei Kirche, Rathaus und Wirtshaus. Auch Ortsfremde finden die Defibrillatoren – wenn flächendeckend die Anschaffung gewährleistet würde.

Defibrillatoren müssen frei zugänglich sein

Dr. Solleder: Ja, genau – das ist die Idee. Der Defibrillator muss frei zugänglich sein. Denn das ist genau das Entscheidende für eine schnelle effektive Hilfe. Auf Initiative der Kardiologen bei uns in Straubing haben wir schon sehr viele Defibrillatoren an öffentlichen Plätzen aufgestellt.

ffj: Ich kenne einen Defibrillator bei unserem Supermarkt, der hängt nun schon Jahre dort, wird das Gerät ständig geladen? Schadet das nicht dem Akku?

Dr. Solleder: Es muss natürlich sichergestellt sein, dass die Geräte und Akkus gewartet werden. Die Akkus haben eine Gesamtlebensdauer von fünf Jahren, die eigentliche Laufzeit liegt bei 300 abgegebenen Elektrostößen. Für eine Wiederbelebung werden in der Regel drei, vier Stromstöße, manchmal etwas mehr, benötigt. Das Gerät muss in regelmäßigen Abständen gewartet werden werden,

Wartung der Geräte dringend notwendig

ffj: Wenn das Gerät falsch an der Halterung angebracht wird, gibt es einen Alarm?
Dr. Solleder: Ja, wenn ein Laienhelfer den Defibrillator aus der Wand nimmt, muss er diesen nach Gebrauch nicht wieder selbst montieren. Er wird entweder vom Rettungsdienst mitgenommen oder man setzt sich mit dem „Halter“ des Geräts in Verbindung, der das Gerät installiert hat. Dann wird das Gerät wieder einsetzbar gemacht.

ffj: Was wäre nun der erste Weg, wenn eine Feuerwache einen Defibrillator bei sich außen anbringen möchte? Wer kommt für die Kosten auf?
Dr. Solleder: Bei uns in Straubing würde ich als Ansprechpartner die „Gesundheitsregion plus“ nennen. Ansonsten kann man sich auch an die örtliche Feuerwehrleitung oder die örtliche Leitung der Hilfsorganisationen wenden.

ffj: In den Einsatzleitwägen sind Defibrillatoren Standardausrüstung?
Dr. Solleder: Ja, das sollte zur Grundausstattung gehören.

Grundausstattung in Einsatzwägen

ffj: Wenn nun ein Helfer zur Wiederbelebung ansetzt, darf dann ein anderer zugleich beatmen?
Dr. Solleder: Ja. Heutzutage ist es ja so, dass wir bei der Laienwiederbelebung mehr Wert auf die Herzdruckmassage legen, also die Kompression des Brustkorbs. Weil man aus Studien weiß, dass der Kreislauf aufrecht erhalten werden muss, und dass die Beatmung zu Beginn der Wiederbelebungsmaßnahme gar nicht so entscheidend ist.

ffj: Was liegt ihnen noch am Herzen in Bezug auf Defibrillatoren für Feuerwehren?
Dr. Solleder: in Bezug auf die Wiederbelebungssituation kann man sagen, wenn sich eine Feuerwehr an einem oder zwei Dienstabenden mit dem Thema beschäftigt, wäre das sicherlich sehr sinnvoll. Wir brauchen einfach Multiplikatoren um die breite Bevölkerung mit dem Wissen um die Wiederbelebung auszustatten. Personen, die über das entsprechende Wissen verfügen, sollten versuchen zu Hause, im Verwandtenkreis oder am Stammtisch Andere für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren und dazu zu bewegen, ebenfalls Schulungen zu besuchen. Es wäre also mein Anliegen, Multiplikatoren zu schaffen, um das Wissen um die Wiederbelebung weiter zu verbreiten.
Vielen Dank für das Interview, ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei ihrer wichtigen Aufgabe.
Evi Heinersdorfer,
Feuerwehr-Fachjournal