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Dem Süden ganz nah


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daheim - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 15.08.2022

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Bildquelle: daheim, Ausgabe 5/2022

Die ganze Stadt scheint auf den Beinen. Kein Wunder, es ist Donnerstag, einer der beiden großen Markttage. Die einen erledigen zielstrebig ihre Einkäufe, andere bummeln den halben Vormittag mit großen Augen und wachsendem Appetit zwischen Kräuterkörben, Obst- und Gemüseauslagen. Händler aus Italien bieten ihre Wurstspezialitäten an, slowenische Produzenten ihre Weine, es gibt istrische Öle, Käse heimischer Bauern und ofenwarmen Reindling, ein Gugelhupf aus Hefeteig, dessen zimtsüßer Duft durch die Marktgassen weht.

Auf dem Benediktinermarkt in Kärntens Landeshauptstadt Klagenfurt geht es stets bunt, laut und mehrsprachig zu. Er ist eine Liebeserklärung an die Alpen-Adria-Region, zu der auch das südlichste Bundesland Österreichs auf der Sonnenseite der Alpen zählt. Kärntens Nähe zu Italien und Slowenien kann man dort nicht nur schmecken. Sie zeigt sich auch an den lebensfrohen Menschen, ...

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... die den Markt gerne als Treffpunkt zum Plaudern nutzen oder um am italienischen Stand mit einem Jausenteller und einem Glas Wein das Wochenende einzuläuten.

Einige Stockwerke höher, auf dem Turm der Pfarrkirche, hat Horst Ragusch seinen luftigen Arbeitsplatz. Gerne schaut der Türmer mit Besuchern von dort oben auf seine Stadt. Die brannte 1514 bis auf die Grundmauern ab und wurde von italienischen Baumeistern im Stil der Renaissance wieder aufgebaut.„Klagenfurt ist die nördlichste Stadt Italiens“, scherzt er. Tatsächlich ist der Charme des Südens zwischen den pastellfarbenen Fassaden, Straßencafés und Palazzi, die noch immer Adelsfamilien gehören, überall spürbar. Und Horst Ragusch, auch Stadtführer, kennt jeden Torbogen, hinter dem sich ein idyllischer Renaissancehof versteckt.

Klagenfurt liegt nicht an der Adria, sondern am Wörthersee. Dieser ist das größte der mehr als 100 Kärntner Badegewässer. Die sanften Nockberge sind hier näher als die raue, hochalpine Tauernregion mit dem Großglockner im Westen des Landes. Über den vier Kilometer langen Lendkanal kann man mit einem Kanu oder Stand-up-Board sogar direkt vom Zentrum Klagenfurts zum See paddeln – um sich dann mit Vergnügen ins weiche Wasser zu stürzen. Das ist mitunter so smaragdgrün wie eine karibische Lagune und noch im Oktober bis 25 Grad warm. Wer braucht da schon das Meer?

Kärntner Nationalgericht: gefüllte Käsnudeln

Einzelne freie Seezugänge sowie das Strandbad Klagenfurt, das Maierniggoder das Loretto-Strandbad bieten alle Gelegenheit zum Schwimmen, während der Blick über schmucke Architektur an den Ufern wandert: hier eine kleine Renaissance-Villa, dort ein Jugendstil-Badehaus oder ein Gründerzeitschlösschen.

Man kann es im Wasser halten wie die Fische und einen Schluck nehmen, denn die Kärntner Seen haben Trinkwasserqualität. Meldet sich der Hunger, ist man an Land besser versorgt. Ob am spektakulären Aussichtssturm auf dem Pyramidenkogel oder zum Sonnenuntergang im italienischen Skulpturengarten des Restaurants Maria Loretto mit eigenem Bootsanlegesteg – es gibt wohl kaum einen Gastronomen in Kärnten, der nicht das„Nationalgericht“ auf der Karte hat: Käsnudeln, eine Art Ravioli, saftig gefüllt mit Quark und Kartoffel und verschlossen mit einem gekrendelten, also kunstvoll verzierten Rand. Österreichs Teigwaren haben immer Königsklasse.

Die Fische aus den klaren Seen aber auch: Saiblinge, Seeforellen, Karpfen, Reinanken (auch Felchen, Renken oder Maränen genannt). Letztere brauchen tiefes Freiwasser, und das bietet ihnen der Millstätter See, etwa eine Autostunde westlich von Klagenfurt. Der zweitgrößte Kärntner See ist mit 141 Metern nicht nur der tiefste, er führt auch so viel Wasser wie die anderen vier großen – Wörthersee, Weißensee, Ossiacher See und Faaker See – zusammen. Das weiß Peter Sichrowsky von der Villa Postillion. Sein Ururopa war der letzte K.u.K.-Hoffischer, seither besitzt die Familie die Fischereirechte am Millstätter See.

Wer vermisst an Kärntens Badeseen schon das Meer?

Einmal täglich rudert der Hotelchef selbst hinaus, barfuß und in einem alten T-Shirt, und schaut nach seinen Schwebenetzen. Hin und wieder nimmt er auch Gäste mit. Peter Sichrowsky nestelt einen Barsch und zwei Reinanken aus den Maschen.„Die Reinanke ist Veganerin“, erklärt er,„die frisst nur Plankton, also Suppe mit Einlage, und ist ein ganz feiner Speisefisch mit wenig Gräten.“ Dann haut er sie gegen den Bootsrand,„aus Respekt vor dem Leben“, und lässt sie durch die Hände von neugierigen Kindern wandern, während eine Möwe in der Luft ihre Kreise zieht und auf ihren Anteil wartet. „Der eigene Fisch ist wie eigenes Gemüse, er schmeckt einfach besser“, sagt der Fischer, der sich mit einem Bauern vergleicht, der sein Feld bestellt.„Die Angler, das sind die Jäger.“

Slow Trails: Wege der Achtsamkeit und Langsamkeit

Jeder der Kärntner Seen hat seinen Charakter. Wer es chic und trubelig mag, ist am Wörthersee gut aufgehoben. Vor allem der Ort Velden ist für sein glamouröses Publikum bekannt, das gerne in noblen Karossen am Schlosshotel vorbeifährt – jenes „Schoss am Wörthersee“ aus der gleichnamigen TV-Serie, das sich Anfang der 1990er-Jahre mit Roy Black und Uschi Glas in die Herzen der Zuschauer spielte.

Am Millstätter See geht es ruhiger zu. Er ist ein Ort für Genießer. Millstatt gehört zu den weltweit ersten Slowfood-Dörfern, die sich regional und nachhaltig produziertem Essen verpflichtet haben. Genießen heißt hier aber auch, Ruhe zu finden und Zeit zu zweit. Wo, wenn nicht hier, sind die Kärntner Slow Trails besser platziert.

Achtsam durch die Natur zu gehen, sie bewusst zu erleben, ist das einzige Ziel dieser nur wenige Kilometer langen Wege der Langsamkeit.

Auf dem Slow Trail Südufer am Millstätter See etwa führen Brückchen über murmelnde Bäche, küssen Bäume am Wurzelpfad das Wasser und lassen sich von Licht und Schatten bespielen, laden Hängematten in versteckten Buchten zum Träumen ein. Wer es sportlicher mag, kommt aber auch auf seine Kosten. Etwa beim Radeln auf der Seenschleife, die an den zehn schönsten Seen vorbeiführt, beim Wandern in den Nockbergen von Hütte zu Hütte oder auf dem Kneipp-Mirnock-Panorama-Rundweg mit seinen Yoga-Plattformen.

Nockberge: Felsen voller rubinroter Steine der Liebe

Es gibt auch einen Weg der Liebe. Der führt durch eine Bergwelt voller Edelsteine, die wie rubinrote Augen aus dem grauen Fels herausschimmern: In den Nockbergen befindet sich das größte Granatvorkommen der Alpen.

Auf der Wanderung zu einem mächtigen Granattor, das mit den Steinen der Liebe gefüllt ist, kann man sich Gedanken über diese innige Form der Zuneigung machen.

Bergschuhe und Badehose – wo man auch ist, der nächste See ist nie weit.

Nach der Bergtour abends auf einer Seeterrasse bei einem Glas Wein und einem Fischgericht zu sitzen – kann man den Tag schöner ausklingen lassen? Emotionaler in jedem Fall, auf dem Sternenbalkon. Der befindet sich auf 1115 Metern, direkt neben dem Alpengasthof Bergfried am Fuß des Mirnock.

Bei Sonnenuntergang lädt der Logenplatz hoch über dem Millstätter See zur Dinnershow. Man bestellt beim Tourismusbüro Millstatt einen Picknickkorb, der mit Speck, Wurst, Käse, Holundersaft, Sekt und süßen Mirnockaugen (Krapfen) aus der Region gefüllt wird. Und während der Blick bis zu den Hohen Tauern schweift, orchestriert die Sonne ihr furioses Finale über dem See.

Bald darauf scheinen die Sterne am Nachthimmel zum Greifen nah, und Stille breitet sich aus – bis zum darauffolgenden Tag, wenn Kärntens sonnenverwöhnte Seenwelt in sanftem Licht wieder erwacht.

TIPPS FÜR DIE REGION DIE REGION

Österreichs südlichstes Bundesland teilt seine Grenzen mit Slowenien, Italien, Tirol, dem Land Salzburg und der Steiermark. Im Westen liegt das Hochgebirge Hohe Tauern, im Osten das Klagenfurter Becken mit den fünf größten Badeseen des Landes.

ANREISE

Mit dem Auto über München und Salzburg. Bahnreisende finden vereinzelt durchgehende Verbindungen von München nach Klagenfurt. Die kostenlose Gästekarte ist zugleich Fahrschein für Kärntens Nahverkehrszüge. www.kaerntencard.at

ÜBERNACHTEN

Den Sandwirth, einst Klagenfurts gesellschaftlicher Treffpunkt, gibt es seit 1735; mit kaiserlichem Frühstück (DZ ab 94 €). Die Villa Postillion in Millstatt verwöhnt ihre Gäste mit Privatstrand, Liegewiese und Seesauna (DZ ab 154 €). Romantisch sind die Biwaks unter Sternen, kleine Hütten mit großen Fenstern an zum Teil märchenhaft einsamen Orten: im Schilf, auf einer Waldlichtung, auf dem Berg (ab 199 € für zwei Personen und zwei Nächte). www.sandwirth.at www.villa-postillion.at biwaks.millstaettersee.com

ESSEN & TRINKEN

Fischspezialitäten und ein traumhafter Seeblick: Der Fischimbiss im Garten in Dellach an der Hauptstraße gilt als Geheimtipp. Ein wunderbarer Platz am Wörthersee ist das Restaurant Maria Loretto mit Seegarten und Sonnenuntergängen. Auch auf dem Benediktinermarkt kann man gut essen: in Ivo’s Fischlokal oder in der kreativen Kochwerkstatt.

Fischimbiss, Tel. 00 43/66 01 60 54 34

www.restaurant-maria-loretto.at

PANORAMASTRASSEN

Großglockner Hochalpenstraße, Nockalmstraße, Villacher Alpenstraße und mehr – Kurvenfans geht hier das Herz auf.

www.grossglockner.at www.nockalmstrasse.at www.villacher-alpenstrasse.at

RAD & KANU

Die Drau ist ein hervorragendes Paddelgewässer durch ganz Kärnten.

Den Radweg am Fluss hat der ADFC mit fünf Sternen ausgezeichnet.

www.draupaddelweg.com www.drauradweg.com

SLOW TRAILS

14 Wege der Langsamkeit gibt es in Kärnten, und alle haben Bezug zu einem See. Man findet sie unter

www.kaernten.at/slowtrails

WEISSENSEE

Der sauberste Kärntner See ist ein weitgehend unverbautes Juwel. www.weissensee.com

PYRAMIDENKOGEL

Von den drei Plattformen des so eleganten wie spektakulären Aussichtsturms hat man grandiose Ausblicke, etwa auf Maria Wörth mit der Wallfahrtskirche im Wörthersee. www.pyramidenkogel.info

GROSSER WAPPENSAAL

665 Wappen zieren den Saal im Landhaus Klagenfurt. Er besitzt ein außergewöhnliches Echo.

ZITRUSGARTEN

Mehr Italien geht nicht. In der Zitrusgärtnerei in Faak am See blühen und wachsen mehr als 300 Sorten – unter anderem die Ur-Zitrone.

DF

www.zitrusgarten.at

KONTAKT: Kärnten Werbung Völkermarkter Ring 21–23, 9020 Klagenfurt; Tel. 00 43/4 63/30 00 

www.kaernten.at