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DEN PFLANZEN RAUM GEBEN


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 17.01.2020

Durch die Kenntnis um Pflanzen und ihre Verwendung unterscheidet sich der Garten- und Landschaftsbau vom Tiefbau. Allerdings spielen die Pflanzenkenntnisse in der Ausbildung keine sehr prominente Rolle und lassen bei den Landschaftsgärtnern häufig zu wünschen übrig. Abhilfe soll da eine bis jetzt einzigartige Weiterbildungsmaßnahme zum Pflanzengestalter schaffen, die durchaus Schule machen könnte. TASPO GARTEN DESIGN wollte wissen, wie zufrieden die Teilnehmer am Ende mit ihrer Fortbildung sind und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Im Gespräch mit den Absolventen zeigte sich: Die Fortbildung ist ihr ...

Artikelbild für den Artikel "DEN PFLANZEN RAUM GEBEN" aus der Ausgabe 1/2020 von TASPO GARTEN-DESIGN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO GARTEN-DESIGN, Ausgabe 1/2020

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... Geld wert – fordert alle aber auch ganz schön heraus.

Spätestens bei den Sortenkenntnissen trennt sich die Spreu vom Weizen, aber gute Gestaltung setzt auch gute Pflanzenkenntnisse voraus.


Fotos (5): Marion Sippel-Boland

Berlin, Freitag, der 25. Oktober 2019: Der Sekt perlt in den Gläsern. Die Poster der Abschlussarbeiten sind im Seminarraum der Königlichen Gartenakademie aufgehängt. Bei den Absolventen ist eine leichte, erwartungsvolle Anspannung zu spüren. Alle warten auf die Übergabe der Zertifikate, denn damit findet die Qualifizierung zum Pflanzengestalter oder zur Pflanzengestalterin ihren festlichen Abschluss.

Diese Qualifizierung findet erst zum zweiten Mal statt. Entwickelt und organisiert wird sie vom Netzwerk Gärten e.V., einem Zusammenschluss von sechs Ga- LaBau-Betrieben. Ziel ist es, durch konsequente Verbindung von Theorie und Praxis die Absolventen in die Lage zu versetzen, fachkundig Pflanzungen zu planen, zu bauen und zu pflegen. Wurde der erste Kurs mit Mitarbeitern der Partnerbetriebe durchgeführt, stand diese Nachfolgeveranstaltung nun allen Interessierten offen. Sie wird in Kooperation mit der Bildungsstätte für Gartenbau in Grünberg realisiert.

Acht Module bundesweit

Die Qualifizierung zum Pflanzengestalter umfasst acht Module mit insgesamt 250 Unterrichtsstunden und läuft über zwei Jahre. Grundvoraussetzung ist das sechstägige Basismodul „Grünberg- Zertifikat (GZ) – Gestalten mit Pflanzen“ im Januar. Danach folgen sieben Praxismodule jeweils von Donnerstag bis Samstag und an bundesweit wechselnden Standorten. Am Ende des Kurses muss jeder Teilnehmer eine Projektarbeit präsentieren, um das Pflanzengestalter- Zertifikat zu erhalten.

Für diese Weiterbildung konnten kompetente Referenten gewonnen werden, un ter anderem: Prof. Dr. Wolfgang Borchardt, bis zum Sommersemester 2019 an der Fachhochschule Erfurt im Fachgebiet Pflanzenkunde/Pflanzenverwendung tätig, Andreas Ibendorf, Head-Gardener bei Grimm-Garten in Hilzingen, Gartendesignerin Gabriella Pape, Prof. Cassian Schmidt, Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof sowie Till Hofmann von der Staudengärtnerei in Rödelsee und Andreas Huben von der gleichnamigen Baumschule.

Für ihre Weiterbildung waren die künftigen Pflanzengestalter bundesweit unterwegs, so auch im GaLaBau-Betrieb Grimm in Hilzingen


Fotos (2): Andreas Ibendorf

Das 17-köpfige Teilnehmerfeld ist bunt gemischt: vom Autodidakten über den Baumschuler und die angestellte Meisterin im Garten- und Landschaftsbau bis zur selbstständigen Unternehmerin. Die Teilnehmer kommen aus Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz. Sie sind 20, aber auch 55 Jahre alt. Und so verschieden wie die Menschen ist auch ihre Motivation, sich für diese Weiterbildungsmaßnahme zu entscheiden.

Das Ziel: mehr Pflanzplanung

Hans-Bernd Hensen aus Rheda-Wiedenbrück hat seine Liebe zu den Pflanzen vor vielen Jahren mit dem Erwerb des ersten eigenen Gartens entdeckt und sich seitdem kontinuierlich weitergebildet. Seit zwei Jahren arbeitet er nebenberuflich als Gartengestalter. Für ihn ist dieser Kurs ein Baustein in seiner Entwicklung. Als Quereinsteiger kann er zudem zukünftig bei Bedarf auf das Zertifikat verweisen.

Catharina Baldauf ist als Meisterin im Garten- und Landschaftsbau seit sechs Jahren in München selbstständig. Mit ihrer Angestellten ist sie in der Gartengestaltung und -pflege tätig. Das Thema Pflanzen kam aus ihrer Sicht sowohl in der Ausbildung als auch in der Meis- terschule zu kurz. „Das hat mich an dem Beruf aber immer am meisten interessiert. Deshalb habe ich, als ich von dem Kurs gelesen habe, sofort angerufen“, erklärt die 33-Jährige. „Ich denke an die Zukunft und möchte – auch mit Rücksicht auf meine Gesundheit – langfristig mehr Pflanzplanungen anbieten, auch für Firmen, die sich stärker auf bauliche Aufgaben konzentrieren.“

Catharina Baldauf


Hans-Bernd Hensen


Melanie Pfeifer


Wie mit Pflanzen Räume gestaltet werden, erklärte Prof. Dr. Wolfgang Borchardt den Teilnehmern am praktischen Beispiel


Die Landschaftsgärtnerin Melanie Pfeifer arbeitet bei Wildigarten in Villingen- Schwenningen. 2014 hat sie ihren Meister gemacht. Ihr Chef hat sie auf diese Weiterbildungsmöglichkeit aufmerksam gemacht und angemeldet. Er übernimmt auch die Kosten, die nicht unerheblich sind: 1.150 Euro für das Basismodul plus 650 Euro für jedes der sieben Aufbaumodule. Hinzu kommen Anreise und Unterbringung. Ihr neues Wissen möchte Melanie Pfeifer im Betrieb direkt umsetzen, etwa bei der Aufwertung und Pflege vorhandener Pflanzungen in Privatgärten, der Beratung von Kunden und indem sie ihre Kollegen und interessierte Azubis in Richtung Pflanzenkenntnisse unterstützt. Indem sie sich stärker bei Pflanzplanungen für Neu- und Umgestaltungen einbringt, ermöglicht das der 47-Jährigen vielleicht auch den Einstieg in einen Bürojob.

Monika Schüttengruber kam über den zweiten Bildungsweg zum Gartenbau. Sie ist Garten- und Grünflächengestalterin mit Meistertitel und seit 2006 mit ihrer Firma Gartenreich in Graz selbstständig tätig. Darüber hinaus ist sie gerichtlich zertifizierte Gutachterin für Gartengestaltung und Baumgutachten und betreibt eine Gartenakademie für Laien. Sie möchte ihr Betätigungsfeld nun noch stärker auf die Pflanzplanung ausrichten und weniger auf den GaLa- Bau. „Ich bin überzeugt, dass es mit diesem Kurs funktioniert.“

Die Qualifizierungsmaßnahme verteilt sich mit ihren Modulen über zwei Jahre, das sind vier feste Termine pro Jahr. Man bindet sich über einen längeren Zeitraum, da heißt es Ausdauer mitbringen und dranbleiben und ganz wichtig: Die Familie muss es mittragen.

Zeitaufwand nicht unterschätzen

Der Zeitfaktor ist nicht zu unterschätzen. Insbesondere die Abschlussarbeit – ein Entwurf mit Pflanzplanung – nimmt großen Raum ein. Sie wird ein Jahr vorher vorgestellt, im Februar erfolgt der Zwischenbericht und im September die Abgabe. Hinzu kommen bei den einzelnen Modulen noch Hausaufgaben. „Der Arbeitsaufwand ist immens, wenn ich in der Saison eine halbe Woche fehle, fällt gleich eine ganze Kolonne aus“, gibt Melanie Pfeifer zu bedenken. Das gilt in besonderem Maße für die selbstständig Tätigen. „Wenn ich nicht im Büro bin, steht praktisch meine Firma still. Meinen Verdienstausfall muss ich zu den Kosten dazu rechnen. Das macht diese Weiterbildung finanziell anspruchsvoll“, bekennt Monika Schüttengruber. „Aber es öffnet Türen und es gibt nichts Vergleichbares!“, lautet ihr Urteil. „Es war es wert, das Preis-Leistungsverhältnis passt.“

Neben den Kosten und dem Zeitaufwand braucht es aber noch mehr: Begeisterung, Motivation, Offenheit für Neues, Durchhaltevermögen und eine große Portion Kritikfähigkeit. Darin sind sich die Absolventen einig. Aber es ergibt sich auch ganz viel Input und Erfahrungsaustausch neben den Kursen.

Monika Schüttengruber


Das Verhältnis von Theorie und Praxis wird im Wesentlichen als ausgewogen empfunden, aber natürlich wünscht sich manch eine(r) einen höheren Praxisanteil.

Auf die Frage welches Modul ihnen am meisten gebracht hat, nennt nicht nur Hans-Bernd Hensen sofort das Modul VII in der Staudengärtnerei in Rödelsee. Aber auch das Modul II über Gartenkunst als Raumkunst in Erfurt mit der anschließenden Exkursion zu den Weimarer Parks, bei denen man die Umsetzung der Theorie in die Praxis nachvollziehen konnte, hat den Teilnehmern gut gefallen. Catharina Baldauf hat ihren Aha-Effekt bereits im Grundmodul mit Petra Pelz erlebt, in dem unter anderem die Herangehensweise an und die Struktur von Planung vermittelt werden.

Neben den verbesserten Pflanzenkenntnissen zählen denn auch Raumwirkung und -gestaltung sowie das strukturierte und effiziente Vorgehen bei der Planung zu den wichtigsten Lernergebnissen. „Wir haben Werkzeuge an die Hand bekommen, die jeder für sich weiterentwickeln muss“, erklärt Hans-Bernd Hensen.

In seiner Festrede zum Abschluss würdigte Prof. Dr. Wolfgang Borchardt die Leistung der Absolventen. „Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Landschaftsarchitektur- Studenten sind Sie nach Ihrem Abschluss gut aufgestellt. Baumschuler und Staudengärtner haben zwar viel Pflanzenwissen, sie sind aber Produzenten.“ Die mangelnden Pflanzenkenntnisse der Landschaftsarchitekten würden beklagt, im Grunde sei aber auch das Zeitbudget im Studium begrenzt. „Ohne Eigeninteresse, Selbststudium und Achtsamkeit geht nichts“, betont Borchardt. Man muss die Ausdauer und Begeisterung aufbringen, um Pflanzenkenntnisse über eine lange Zeit zu gewinnen. Das liegt an der Komplexität des Themas.“

Anwendungskompetenz ist gefragt

Wer glaube, es gibt die, die Striche ziehen, die, die wissen wie die Striche gebaut werden, und die, die Pflanzen kennen, der liege falsch. Denn fehlende Pflanzenkenntnisse führen zu Mängeln im Entwurf und zu Planungs- und Baufehlern. Und er zitiert einen befreundeten GaLaBau-Unternehmer: „Wenn Sie als Landschaftsgärtner keine Pflanzenkenntnisse haben, werden Sie nur durchschnittlich sein, weil Sie nur können, was andere auch können! Das ist Ihre Chance!“, appelliert Borchardt an seine Absolventen. Pflanzenkenntnisse seien kein Selbstzweck, es gehe um Anwendungskompetenz.

Sein Resümee über diese Weiterbildung lautet wie folgt: Die Aufteilung in Blöcke, die Vielzahl der Referenten und die Ortswechsel haben sich bewährt. Die konsequente Umsetzung des Gelernten in der Praxis fällt noch schwer, auch bei der Abstrahierung sieht er noch Reserven. Aber es gibt einen deutlichen Qualitätssprung zum ersten Kurs und man arbeitet an Verbesserungen für den dritten Kurs. „Und denken Sie daran“, gibt er den neuen Pflanzengestaltern noch mit auf den Weg, „die Pflanze ist nicht alles, aber ohne die Pflanze ist alles nichts.“

Eine Erkenntnis, die auch bei den Landschaftsarchitekten inzwischen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein scheint. Denn im September konstituierte sich im Bund deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) der Arbeitskreis Pflanzenverwendung unter der Leitung von Prof. Dr. Swantje Duthweiler. Als erstes Projekt hat sich der Arbeitskreis eine Zertifizierung für Pflanzenkenntnis und Pflanzenverwendung für Studierende auf die Fahnen geschrieben. Damit soll den mangelnden Fachkenntnissen in der Hochschulausbildung entgegengewirkt werden. Als weitere Maßnahme ist ein erweitertes Zertifikat für vertiefte Pflanzenkenntnisse für Landschaftsarchitekten angedacht, das über entsprechende Fortbildungsangebote erworben werden kann.

Es tut sich etwas in der Branche – endlich! Darauf lohnt es sich doch, anzustoßen – viel Erfolg!

Kontakt:
info@netzwerk-gaerten.de
www.netzwerk-garten.de
www.bildungsstaette-gartenbau.de

NETZWERK GÄRTEN E.V.

Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von sechs Garten- und Landschaftsbaufirmen aus Süddeutschland. 2005 gegründet, wollen sie sich durch den Austausch von Wissen und Erfahrung selbst weiterentwickeln sowie ihre Arbeitsqualität und ihr Arbeitsklima verbessern.

Herzstück des Netzwerkes ist die Netzwerk-Akademie. Dort werden die gemeinsamen Aktivitäten gebündelt sowie die überbetriebliche Fort- und Weiterbildung organisiert. Lag am Anfang der Schwerpunkt vor allem auf betriebswirtschaftlichen Themen, richtet sich nun der Fokus zunehmend auf die Zufriedenheit von Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten. „Wir haben uns in den letzten Jahren mit weicheren Themen beschäftigt und diese immer mehr ausgeweitet“, erklärt Michael Grimm, Geschäftsführer des Netzwerk Gärten e.V. Eine Maßnahme des Netzwerks ist beispielsweise der Austausch von Auszubildenden, bei dem die Azubis mindestens zwei Wochen in einem der Partnerbetriebe mitarbeiten. Darüber hinaus gibt es verschiedene Expertengruppen, wie die Bauleute oder handwerklich Motivierten, die Verwaltungsmitarbeiter, die Ausbildungsverantwortlichen, die Pflanzenexperten und die Planer. Diese Gruppen treffen sich jeweils ein bis zweimal im Jahr.

PRAXISMODULE

Die Schwerpunkte der sieben Praxismodule sind:

• Raumbildung mit Pflanzen
• Farbe und der Staudengarten
• Gehölze
• Vertiefung der Gestaltungsthemen und Sondersortimente
• Pflege von Stauden und Gehölzen in öffentlichen Anlagen und privaten Hausgärten
• Die Staudengärtnerei
• Präsentation und Abnahme der Projektarbeit, Zertifikatsübergabe