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„Den Wandel nach außen tragen“


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pma Production Management - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 19.09.2022

RE:PUBLICA FORDERT DIGITALEN AUFBRUCH

Artikelbild für den Artikel "„Den Wandel nach außen tragen“" aus der Ausgabe 4/2022 von pma Production Management. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: pma Production Management, Ausgabe 4/2022

Unter dem Motto „Any Way the Wind blows“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie die aktuell vier großen globalen Krisen (Krieg in der Ukraine, Klimawandel, Corona, Desinformation, sprich Missbrauch digitaler Technologien als geopolitisches Machtinstrument) bewältigt werden können.

Dazu tauschten sich an den drei Festivaltagen rund 25.000 Teilnehmer aus, nicht wie 2019 noch in der Station Berlin nahe dem Gleisdreieck, sondern diesmal an der Spree, an der Grenze zwischen Kreuzberg und dem Bezirk Treptow, genauer in der Arena Berlin und im auf dem Arena-Areal gelegenen Festsaal Kreuzberg. Der Ortswechsel ist wesentlich der Corona-Lage geschuldet, am „neuen“ Standort gibt es dank weitläufigem Außengelände mehr Platz, um Teile des Programms im Freien durchzuführen.

In über 500 Sessions, Workshops, Diskussionen und Meetups reflektierten die Besucher über die gegenwärtigen ...

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... komplexen Probleme der globalen digitalen Gesellschaft. Um diese zu meistern, bedürfe es, auf allen denkbaren Handlungsfeldern einen digitalen Aufbruch.

Und vor allem „Menschen mit Haltung und neuen Ideen“, wie es re:publica-Mitgründer Markus Beckedahl () formulierte. Seine Kritik an der Ampel-Regierung: Bislang sei für seinen Geschmack im ersten halben Jahr nach dem Regierungswechsel noch zu wenig umgesetzt worden. „Zwar haben wir jetzt vier Digitalminister, aber so richtig digital ist in der ersten Reihe keiner“, merkte er kritisch an.

Welche Beiträge die Politik (Neue Regierung, neues Glück?) leisten kann, dazu gaben Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und weitere Mitglieder der Ampel-Koalition immerhin erste Auskünfte, die Erwartungen der Zivilgesellschaft, den Wandel vor allem auch sozial verträglich zu gestalten, formulierten in Berlin renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie etwa Transformationsforscherin Maja Göpel oder KI-Expertin Kate Crawford.

Keynote-Speaker Sascha Lobo mahnte auch in diesem Jahr, wie gewohnt mit lauter Stimme und ernster Miene, also demonstrativ genervt, den großen Nachholbedarf in puncto Breitbandnetze an und stellte ernüchtert fest, dass Deutschland hier derzeit im Ranking gewissermaßen gleichauf liege mit Angola. Seine Forderung an die versammelte Netzgemeinde: „Tragt den Wandel nach außen, als Aktivisten.“ Einen möglichen Grund dafür, warum es bisher irgendwie nicht so richtig geklappt hat bei der digitalen Infrastruktur, identifizierte Gunter Dueck in seinem diesjährigen re:publica-Vortrag: „Vielleicht, weil niemand die Kabel mehr vergraben kann?“, fragte er und spekulierte weiter: „Weil die Maschinen dafür abgebaut wurden, da es keine Aufträge gibt?“

Immerhin soll es nun mit der neuen Ampel-Koalition in den kommenden Jahren diesbezüglich besser werden, der Bundeskanzler erklärte die Digitalstrategie der Regierung und sendete positive Signale an die Zuhörer, versprach, hier „massiv“ zu investieren. Zuständig für das im Bundeshaushalt 2023 vorgesehene Digitalbudget und die Erarbeitung der Digitalstrategie sollen federführend das Wirtschaftsministerium in Abstimmung mit dem Kanzleramt sein, weitere Ministerien werden beteiligt, für die Schwerpunkt- und Schnittstellenthemen wird eine Koordinierungsgruppe (auf der Ebene der Staatssekretäre) eingerichtet, der Mitglieder aus den jeweiligen Ressorts angehören sollen.

Für die Digitalisierung in der Verwaltung verantwortlich sein, wird das von Nancy Faeser geführte Bundesministerium des Innern, gefördert werden sollen intern „neue und agile Formen“ der Zusammenarbeit.

Viel Beifall gab es in Berlin für die Ankündigung von Digitalminister Volker Wissing, er wolle sich im europäischen Ministerrat mit „allen Argumenten“ dafür einsetzen, das Vorhaben der Kommission, auf EU-Ebene eine digitale Chatkontrolle einzuführen, noch zu verhindern. Er zweifle nämlich an der Wirksamkeit und zudem an der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz, so sein vom Publikum positiv aufgenommenes Statement.

Wissing will den Breitbandausbau vorantreiben, bis 2025 die Zahl schneller Internetanschlüsse verdreifachen und bis 2030 eine Vollversorgung in ganz Deutschland mit Glasfasernetzen und 5G-Anschlüssen hinbekommen.

Wichtig dabei wird auch sein, die Digitalisierung auf dem Land voranzubringen, schließlich geht es um nicht weniger als Zukunftsräume und -perspektiven für Menschen jenseits von Ballungszentren zu schaffen. Voraussetzung dafür ist, zu verstehen, was der ländliche Raum eigentlich ist und dafür braucht es zunächst einmal eine Datengrundlage, auf deren Basis dann gezielt Projekte geplant werden können, wie beispielsweise so genannte Smart Country Projekte - wie es sie etwa in Brandenburg oder Sachsen-Anhalt bereits gibt, oder das Bürgerbeteiligungsprojekt „Gemeinsam Zukunft machen“ im bayerischen Ebersberg, die im Rahmen der re:publica vorgestellt wurden - zeigen. Hinsichtlich des Wandels in der Arbeitswelt bestimmten Themen wie das von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geplante Mobile-Arbeit-Gesetz, bessere Bedingungen in der Plattform-Ökonomie, in der EU-weit mittlerweile knapp 30 Millionen Menschen tätig sind, mehr Qualifizierung und Weiterbildung, die Frage des Einsatzes von Algorithmen, etwa bei der Bewerberauswahl, oder die bessere Absicherung Solo-Selbständiger die Diskussion.

Hier machte SPD-Vorsitzende Saskia Esken den Vorschlag, eine „Beweislastumkehr“ bei der Status-Klärung einzuführen: danach müsse jede Person zunächst als Arbeitnehmer verstanden werden und die Unternehmen ihrerseits beweisen, dass jemand als Selbständige beziehungsweise Selbständiger einzustufen sei. Und die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi plädierte dafür, ein Indizien-Prinzip anzuwenden, wonach das Vorhandensein bestimmter Merkmale ausreichen solle, um in der Folge den Status zu überprüfen. Die Beschäftigten müssten Rechtssicherheit und arbeitsrechtliche Möglichkeiten bekommen, so der einhellige Tenor der Debatte. Mit neuen interdisziplinären Lösungsansätzen für faire Online-Plattformarbeit beschäftigen sich im Rahmen eines Forschungsprojektes derzeit auch Wissenschaftler des Alexander-von-Humboldt-Instituts für Internet und Gesellschaft (HHIG). Die Forschungsergebnisse sollen später mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutiert werden.

Statt der in vergangenen Jahren im Rahmen der re:publica veranstalteten Media Convention gab es in diesem Jahr ein „Special Medien“, ebenfalls mit Unterstützung durch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mbb). Dazu gehörte das am Samstag erstmals durchgeführte Format „.txt“, bei dem es ausschließlich um das geschriebene Wort mit einem besonderen Fokus auf Drehbücher und dem Game-Scripting ging. Die „.txt“, quasi eine Konferenz in der Konferenz, ist ein Format, das Profis mit Autodidaktinnen und Autodidakten zusammenbringt, damit diese voneinander lernen und sich produktiv austauschen können. Da die Premiere erfolgreich war, soll dieses Angebot höchstwahrscheinlich auch im Rahmen der re:publica 2023 wieder im Programm sein.

An den Tagen zuvor standen die audiovisuellen Medien im Mittelpunkt, im Rahmen eines immersiven „Media Parcours“ waren VR- und Mixed-Reality-Anwendungen, künstlerische Videoarbeiten und interaktive Installationen zu erleben.

Einen Einblick in die Zukunft des Filmemachens konnten die Festivalbesucher auf der HALOSTAGE erfahren. Dabei handelt es sich um ein LED-Studio, genauer gesagt um ein Mixed Reality Production Studio aus Babelsberg. Während auf der LED-Wand ganze Welten digital gezeigt werden, befindet sich davor ein Set mit realen Schauspielern. Für Regisseurinnen, Regisseure und Schauspielerinnen sowie Schauspieler eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten der Interaktion und des Geschichtenerzählens. Und nicht zuletzt bietet die Technologie neben dem kreativen Potential auch die Möglichkeit, bei Produktionen Zeit und Kosten zu sparen, denn: ganze Produktionsschritte können entfallen. Die wohl größte Besonderheit für Filmemacher: Drehorte können authentischer dargestellt werden, da die Szenen idealerweise mit einer 3D-Kamera getrackt werden, so dass ein parallaxengetreues Bild in der Kamera entsteht.

Auch in diesem Jahr haben die re:publica-Verantwortlichen wieder auf Nachhaltigkeitsaspekte bei der Durchführung des Großevents gesetzt, beispielsweise gab es neben Recycling- und Upcycling-Konzepten, Barriere-Armut und Verbesserungen in puncto Abfallvermeidung und Energieeffizienz erstmals ein ausschließlich veganes und vegetarisches Catering. Die re:publica-Macher haben sich auf die Fahnen geschrieben, hier von Jahr zu Jahr besser zu werden. So werden einzelne Programmpunkte zusammen mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gestaltet. Geplant ist, künftig eine Co2-Bilanz der Konferenz zu erstellen. Außerdem werde geprüft, wie die Emissionen kompensiert werden können.

Für den reibungslosen technischen Ablauf des Events sorgten gemeinsam die Berliner Veranstaltungstechnik-Spezialisten des Instituts für Bildbewegung (IFBBW), von serve-u, der TSE AG und der WECAP GmbH.

DIE TSE AG gehört seit 2013 zur Boemer Rental Services Group, ein europaweit tätiges Netzwerk von 15 auf Live-Kommunikation spezialisierten Dienstleistern. Die TSE AG ist im Berliner Süden ansässig und stattet etwa Theater- und Multifunktionsarenen technisch aus – zu den Kunden zählen etwa das Deutsche Historische Museum, die Messe Berlin, das Tempodrom oder die Berliner Waldbühne.

Die technische Planung und Umsetzung der dreitägigen Live-Produktion des Geschehens auf den re:publica-Bühnen erledigten wieder die Fachleute von IFBBW und WECAP. Zum Einsatz kommt bei der re:publica inzwischen zunehmend ausgefeiltere Technik, mit dem Ziel, deutlich spektakulärere Bilder zu erzeugen. Dazu gehören beispielsweise diverse Spezialkameras, eine Krankamera, ein Schienen-Dolly oder eine ferngesteuerte Blackcam für den Livestream, welcher mittlerweile auch mit Untertiteln für Hörgeschädigte zur Verfügung gestellt wird.

Text: Thomas Korn