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DER ALBTRAUM GEHT WEITER


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Streaming - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 17.02.2022

DAS UNIVERSUM VON STRANGER THINGS

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Bildquelle: Streaming, Ausgabe 1/2022

VERLIEBT Mike (Finn Wolfhard) sehnt sich nach Elfie

Das Leben in einer Kleinstadt bringt einige Entbehrungen mit sich. Jobmarkt? Überschaubar. Kulturangebot? Ausbaufähig. Hochklassige Sportteams? Vergiss es. Doch von solchen Problemen können die rund 10 000 Einwohner von Hawkins nur träumen. Hier im US-Bundesstaat Indiana hatte man schließlich zuletzt ganz andere Sorgen: eine geheime feindliche Militärbasis direkt unter der Stadt, von Dämonen besessene Teenager und ein sechsbeiniges Riesenmonster, welches das Schicksal der Welt bedroht.

Kurz gesagt: Hawkins ist ein Hort des Bösen – und damit natürlich der perfekte Schauplatz für die Mysteryserie „Stranger Things“. Doch die für Sommer erwartete vierte Staffel bringt eine gravierende Veränderung mit sich: Der Netf lix-Hit der Zwillingsbrüder Matt und Ross Duffer (38) lässt das fiktive Städtchen Hawkins hinter sich, zumindest teilweise. „Ab einem bestimmten Zeitpunkt ...

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... müssen die Figuren Hawkins verlassen“, erklärt Co-Showrunner Matt Duffer im Gespräch mit STREAMING. „Ansonsten überstrapazierst du die Glaubwürdigkeit der Serie.“Fantastische Elemente hat „Stranger Things“ wahrlich genug. Eine Nerd-Clique, bestehend aus den Schülern Mike, Will, Dustin und Lucas, muss Mitte der 1980er Kreaturen aus einer höllenartigen Schattenwelt bekämpfen – und bekommt dabei Hilfe vom Waisenkind Elfie (Millie Bobby Brown). Sie besitzt telekinetische Fähigkeiten und wurde in einer geheimen Forschungseinrichtung großgezogen.

Ein neues Leben in Kalifornien

Der extrem reizvolle Mix aus Horror, Sci- Fi, Mystery, Coming-of-Age-Drama und jeder Menge 80er-Jahre-Nostalgie machte „Stranger Things“ zu einem der größten Serienhits der Welt. Zweieinhalb Jahre liegt die vergangene Staffel drei bereits zurück. Entsprechend sehnsüchtig erwarten Fans neue Folgen, die aber wegen Corona mehrmals verschoben werden mussten.

Zumindest war die Verfügbarkeit der Darsteller geklärt. Keine Selbstverständlichkeit, schließlich hatten einige von ihnen zuletzt Hauptrollen in großen Filmen ergattert. Mike-Darsteller Finn Wolf hard (19) beispielsweise war zuletzt in „Ghostbusters: Legacy“ zu sehen und Millie Bobby Brown (17) in „Enola Holmes“. Doch im Zweifel hatte der Drehplan jener Serie Priorität, die sie alle berühmt gemacht hat. „Es ist schön, dass sich alle ,Stranger Things‘ verpf lichtet fühlen“, sagt Matt Duffer. „Glücklicherweise müssen die Filmproduktionen bei ihren Planungen Rücksicht auf uns nehmen und nicht umgekehrt.“

Die neue Staffel der Serie spielt im Frühling 1986 und wird zumindest äußerlich sonniger: Wills Mutter Joyce (Winona Ryder) hat die Teenagerin Elfie inzwischen adoptiert und ist mit ihrer Familie nach Kalifornien umgesiedelt. Hier versucht Elfie ein normales Leben zu führen. Erstmals in ihrem Leben besucht sie eine Schule. Doch schon bald muss sie feststellen:

Selbst am anderen Ende des Landes holen sie ihre traumatische Vergangenheit und ihre besonderen Kräfte wieder ein.

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Auftritt eines deutschen Stars

Währenddessen erfahren die Zuschauer, dass Elfies Ersatzvater Hopper (David Harbour) am Ende von Staffel drei doch nicht gestorben ist. Stattdessen treffen wir den Polizeichef von Hawkins ausgerechnet in einem Arbeitslager in Sibirien wieder, wo er unter anderem von einem Mann namens Dmitri (der deutsche „Game of Thrones“-Star Tom Wlaschiha) bewacht wird. In der eisigen Einöde führen die Sowjet-Soldaten Experimente mit fremd-artigen Wesen durch – und mit menschlichen Gefangenen. Wird Hopper rechtzeitig die Flucht gelingen? Für den Dreh der Gefängnisszenen reiste die Produktion übrigens nach Litauen. In der Hauptstadt Vilnius diente das über hundert Jahre alte, erst kürzlich geschlossene Lukiškės-Gefängnis als Location.

Buchtipp: Hinter den Kulissen der Erfolgsserie

Wie entstand die Idee zu „Stranger Things“? Mit welchen Tricks wurden die Monster in der Serie erschaffen? „Das offizielle Begleitbuch“ (über die Staffeln 1 und 2) ist eine extrem liebevoll gestaltete Pflichtlektüre für Fans.

Gina McIntyre, Penguin Verlag, 224 Seiten, 7,99 Euro

Rückkehr einer Horror-Ikone

Staffel vier führt aber nicht nur an neue Orte, sondern auch in eine neue Zeit: Ein Teil der Serie spielt in der Vergangenheit, genauer gesagt 1959. In diesem Jahr beziehen Victor und Virginia Creel mit ihren beiden kleinen Kindern ihr neues Haus in Hawkins. Zuerst scheint die Idylle perfekt. Dann geschieht das Unvorstellbare: Beide Kinder werden ermordet. Es gibt keinen Zweifel an Familienvater Victor als Täter.

In Jahr 1986 wollen Mike, Dustin, Lucas und ihre Freunde nun das Geheimnis dieses Hauses erforschen, von dem eine unheimliche Macht auszugehen scheint. Victor Creel, der Kindermörder, sitzt weiterhin in einer psychiatrischen Anstalt. Bei der Besetzung dieser Rolle bewiesen Matt und Ross Duffer einmal mehr ihr Faible für 80er-Jahre-Stars. Für vorherige Staffeln hatten sie schon Darsteller wie Sean Astin („Die Goonies“), Paul Reiser („Aliens“) und Cary Elwes („Die Braut des Prinzen“) verpf lichtet. Den Part des Victor Creel gaben sie nun Horror-Ikone Robert Englund (74). Der US-Darsteller spielte einst in der „Nightmare on Elm Street“-Reihe den Serienmörder Freddy Krueger – und damit zugleich eine wichtige Rolle für die Karriere der Duffer-Brüder.

Trauma durch die Babysitterin

„Eine meine frühesten Kindheitserinnerungen“, verrät Matt Duffer im Gespräch mit STREAMING, „ist, als ich durch meine Babysitterin von Freddy Krueger hörte. Da war ich vier oder fünf Jahre alt. Keine Ahnung, warum sie mir von ihm erzählt hat. Auf jeden Fall hat sich das in mein Gehirn eingebrannt. Seitdem wollten mein Bruder und ich Geschichten in diesem Genre erzählen.“ Auch wenn sie für ein frühkindliches Trauma verantwortlich ist:

Millionen Fans müssen dieser wohl schlechtesten Babysitterin der Welt dankbar sein. Drei Jahrzehnte später schufen die Duffers „Stranger Things“.

Wie lange ihr Welthit noch laufen wird? Darüber schweigt sich das Duo aus. Fakt ist aber: Das Finale liegt nicht mehr in weiter Ferne. „Es gibt Serien, die genau zum richtigen Zeitpunkt enden“, sagt Matt Duffer. „Es gibt aber auch Serien, die schon ein paar Staffeln zu lange liefen und den perfekten Abschied verpasst haben. Mit ‚Stranger Things‘ wollen wir nicht länger bleiben, als wir bei den Zuschauern willkommen sind.“ Alles hinge davon ab, ob es genügend Spannendes für weitere Staffeln zu erzählen gäbe.

Mega-Deal für die Macher

'ES GIBT SERIEN, DIE DEN PERFEKTEN ABSCHIED VERPASST HABEN'

Matt Duffer, Co-Schöpfer „Stranger Things“ (l., mit Bruder Ross)

Ein Vorbild dafür fanden die Duffers interessanterweise im Kinobereich. „Ich denke immer an Chris Nolan und seine ‚Batman‘-Filme“, sagt Matt Duffer. „Er hat zu keinem der Sequels zugesagt, bis er eine Idee gefunden hat, die er selbst aufregend fand. Genauso wollen wir es auch machen. Ansonsten drehst du Fortsetzungen aus den völlig falschen Gründen.“Es spricht einiges dafür, dass „Stranger Things“ nach fünfStaffeln enden wird. Für diesen Fall sorgt Netflix vor. Bereits im Herbst 2019 schloss die US-Streamingplattform einen neuen mehrjährigenVertrag mit den Duffer- Brüdern. Laut dem Branchendienst „The Hollywood Reporter“ liegt der Gesamtumfang des Deals im neunstelligen Dollar- Bereich. Dafür soll das Showrunner-Duo mehrere Serien und Filme für Netflix entwickeln.

Was Thema, Format und Genre betrifft, gibt Netflix den beiden freie Hand. Aber es ist offensichtlich, was sich der US- Streamer am meisten wünscht. Im September 2021 deutete Netf lix-Co-CEO Ted Sarandos bei einer Konferenz in Los Angeles an, dass „Stranger Things“ zur Grundlage eines eigenen kleinen Erzähl-Universums werden soll. In Büchern wird die Geschichte bereits weitererzählt (siehe Kasten unten).

Jungstar mit eigener Serie?

Einen ersten Testballon gab es womöglich schon: In Episode sieben von Staffel zwei von „Stranger Things“ macht sich Elfie auf die Suche nach ihren „Geschwistern“, einer Gruppe ähnlich übersinnlich begabter Jugendlicher. Gerüchten zufolge soll ein Spin-off mit Millie Bobby Brown in der Entwicklung sein. Dass besagte Folge bei den Fans umstritten war (erstmals spielte eine Episode nicht im kleinen Hawkins, sondern in der Großstadt), wird Netflix nicht stoppen. Selbst wenn die Serie, mit der alles anfing, sich ihrem Ende nähert – der Albtraum geht weiter. Garantiert.

Michael Tokarski/ Anke Hofmann