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DER ALTBEKANNTE NEUE


Motorsport-Magazin.com - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 01.07.2021

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Sieben Jahre ist es bereits her, dass das ‚Racing Team VR46‘ erstmals in der Starterliste der Motorrad-Weltmeisterschaft auftauchte. Valentino Rossi hatte damals die triste Lage des seit Jahren titellosen italienischen Zweiradnachwuchses erkannt. Er goss ein Projekt, das einst auf freundschaftlicher Ebene mit Marco Simoncelli begonnen hatte, in eine offizielle Form. Rossi griff jungen Fahrern aus der Motorradgroßmacht Italien unter die Arme. In der VR46 Academy wurden sie ausgebildet: Rennfahren, Fitness, Ernährung, Sprachen, Umgang mit Medien. All das bekamen die Youngsters vermittelt. Mit elf Piloten - nicht zufällig genau die Anzahl einer Startformation im Fußball - begann Rossi sein Akademie-Projekt, das bis heute zwei Weltmeister und drei aktuelle MotoGP- Fahrer hervorgebracht hat. Vielen Fahrern rettete Rossi mit seinem Förderprogramm die Karriere. So etwa Franco Morbidelli, der aufgrund ...

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... mangelnder finanzieller Mittel wohl noch heute seine Runden in den seriennahen Superstock-Klassen drehen müsste anstatt sich MotoGP-Vizeweltmeister nennen zu dürfen. Oder auch Francesco Bagnaia, dessen Karriere nach einer punktelosen Saison 2013 bereits vor dem Aus stand. Ebenjener Bagnaia gehörte 2014 zum ersten Line-Up von Rossis damals neu geschaffenem Rennstall in der Moto3 - gemeinsam mit dem längst verstoßenen Romano Fenati. Wie seine Academy war auch Rossis VR46-Rennstall von Beginn an ein Erfolg. Seit 2014 gelang in jeder Saison zumindest ein Sieg, da man ab 2017 auch in der Moto2 unterwegs war. In der mittleren Klasse sollte die Rossi-Truppe bis heute die größten Erfolge feiern. Bagnaia wurde dort 2018 Weltmeister, im Vorjahr sorgten Luca Marini und Marco Bezzecchi für den Gesamtsieg in der Teamwertung. Nun macht der Rennstall den größten und finalen Schritt. VR46 steigt 2022 in die Königsklasse ein. Während einiges schon klar ist, befinden sich andere Details noch in der Schwebe.

DAS TEAM

Ein völliger neuer Rennstall wird das VR46-Team in der MotoGP nicht. Das wäre aus Platzgründen auch gar nicht möglich, weil Aprilia 2022 nicht mehr auf Gresini als Einsatzteam setzt, sondern eine vollwertige Factory-Truppe an den Start bringt. Die Mannschaft des leider viel zu früh verstorbenen Fausto Gresini bleibt der Königsklasse als Kundenrennstall erhalten, womit das Feld auf 24 Maschinen anwächst und so die von Promoter Dorna vorgegebene Maximalgröße erreicht. Nur so kann man sicherstellen, dass die kleinen Teams genügend vom Förderkuchen abbekommen, um langfristig sicher wirtschaften zu können. VR46 war also gezwungen, bereits vergebene Startplätze zu übernehmen. Fündig wurde man beim Avintia- Team von Raul Romero, das seit Jahren über ein Ende des kostspieligen MotoGP-Engagements nachdenkt. So begann bereits 2021 eine schleichende Übernahme des spanischen Teams durch Valentino Rossis Projekt. Luca Marini fährt aktuell zwar bei Avintia, ist dort aber auf einer Maschine mit Sky-VR46-Branding unterwegs und wird offiziell auch als Fahrer von Sky VR46 Avintia geführt, während Teamkollege Enea Bastianini für Avintia Esponsorama fährt. Im kommenden Jahr wird das Team schließlich vollkommen übernommen. Inwiefern das Auswirkungen auf die aktuelle Besetzung hat, ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich ist eine Übernahme zahlreicher Bediensteter, die gezielt durch langjährige Mitarbeiter aus der VR46- Struktur verstärkt werden. So ist etwa der derzeitige Moto2-Teammanager Pablo Nieto aussichtsreichster Kandidat auf diese Position in der MotoGP. Der Sohn von Zweiradlegende Angel Nieto ersetzte 2015 Vittoriano Guareschi und gilt als einer der engsten Vertrauten Rossis.

DAS MOTORRAD

Suzuki, Aprilia, Yamaha und Ducati - gleich vier der sechs MotoGP-Hersteller wurden als realistische Motorradlieferanten für das VR46-Team gehandelt, seit sich der Einstieg in die Königsklasse abzeichnete. Suzuki galt lange als heißer Kandidat, und das aus gutem Grund. Die Japaner liebäugeln seit Jahren damit, erstmals in der MotoGP ein Kundenteam an den Start zu bringen. Da wäre ein Valentino Rossi als Werbeträger gerade rechtgekommen. Außerdem pflegte der MotoGP-Superstar enge persönliche Kontakte ins Suzuki-Lager. Davide Brivio, der dort seit dem Wiedereinstieg 2015 die Position des Teammanagers bekleidete, hatte dieses Amt auch in Rossis höchst erfolgreicher erster Ära bei Yamaha inne. Die errungenen Erfolge haben Brivio und Rossi zusammengeschweißt, noch heute macht man bei Veranstaltungen wie der Monza-Rallye gemeinsame Sache. Doch nach dem überraschenden Titelgewinn durch Joan Mir sah Brivio Ende 2020 sein Werk in der MotoGP vollendet und wechselte ins Formel-1-Lager zu Alpine. Rossis Suzuki-Connections waren damit gekappt. Und nun ist zu hören, dass in Hamamatsu das Projekt Kundenteam erneut auf Eis gelegt wurde. Ganz ähnlich sah die Ausgangsposition bei Aprilia aus: Auch dort spricht man seit Jahren von einem zweiten Rennstall, Nationalheld Rossi wäre für die Italiener das ideale Zugpferd gewesen. Teamchef Massimo Rivola baggerte Rossis neues Team ganz öffentlich an, verwies auf die gemeinsame Vergangenheit (Rossi holte seine ersten 26 Siege in der Motorrad-WM auf Aprilia und ist damit bis heute erfolgreichster Pilot der Marke) und meinte: »Das wäre großartig! Valentinos Name neben unserem - das war der Beginn einer ganz großen Geschichte.« Doch als technischer Partner in der MotoGP hat sich Aprilia in den vergangenen Jahren keinen guten Namen gemacht. Bei Gresini fühlte man sich trotz der Rolle als Einsatzteam, das den Wiedereinstieg 2015 überhaupt erst möglich machte, nie wirklich wertgeschätzt. Man wollte mehr sein als bloßes Einsatzteam und wollte den italienischen Hersteller an der langjährigen Erfahrung teilhaben lassen, worauf man in Noale aber keinen Wert gelegt haben soll. Aprilia geht jetzt wohl den gleichen Weg wie Suzuki und lässt dem Wort Satellitenrennstall auch 2022 keine Taten folgen. Stattdessen stampft man endlich ein eigenes vollwertiges Werksteam aus dem Boden. Yamaha schien einst, als ein VR46- Team in der MotoGP lediglich ein Gedankenspiel war, der logische Partner für den Fall der Fälle zu sein. Dort verbrachte Rossi Großteil seiner Karriere und feierte auf der M1 seine schönsten Erfolge. Im Gegenzug bezahlte Yamaha seinem Superstar über all die Jahre hinweg einen dreistelligen Millionenbetrag. Ein Investment, das man logischerweise auch nach Rossis Karriereende für sich nutzen wollte. Doch in den letzten Saisons hat die einstige Traumehe zwischen Yamaha und Rossi Risse bekommen. Nach Problemen mit dem Motorrad zeigte sich der Italiener oft ungewohnt angriffig gegenüber seinem Arbeitgeber. Die Versetzung aus dem Werksteam zu Petronas Sepang Racing im Winter 2020/2021 dürfte Rossi ebenfalls nicht geschmeckt haben. Vor allem weil man ihm nicht erlaubte, langjährige Crew-Mitglieder in die neue Box mitzunehmen. Als sich VR46 auf konkrete Motorradsuche begab, begannen bei Yamaha deshalb die Alarmglocken zu schrillen. In einem Verzweiflungsmanöver soll man dem Team die M1 sogar zur Hälfte der Leasinggebühr angeboten haben, die der Petronas-Rennstall aktuell abdrücken muss. Dennoch ist Yamaha für Rossi nicht mehr die erste Wahl. Alles deutet darauf hin, dass die VR46-Truppe 2022 auf Ducati an den Start gehen wird. In italienischen Medien gilt die Einigung als fix, wenngleich zu Redaktionsschluss noch immer kein Vertragsabschluss öffentlich kommuniziert werden konnte. Die Chefriege der italienischen Marke gefiel sich zuletzt aber in der Rolle des großen Gönners. Denn während Suzuki oder Aprilia 2022 erneut nur mit zwei Maschinen antreten werden, so kann Ducati ohne Weiteres auch acht Motorräder für somit bis zu drei Kundenteams bereitstellen. Die große Frage: Welche Spezifikation erhält das neue Team? Es ist fraglich, ob die Kapazitäten der italienischen Traditionsmarke ausreichen, um neben dem Werksteam und Pramac Racing auch noch VR46 mit aktuellsten Maschinen zu beliefern. Gut möglich also, dass man sich zumindest vorerst noch mit Vorjahresmaterial begnügen muss.

WIE SEINE ACADEMY WAR AUCH ROSSIS VR46-RENN- STALL VON BEGINN AN EIN ERFOLG. SEIT 2014 GELANG IN JEDER SAISON ZUMIN- DEST EIN SIEG, DA MAN AB 2017 AUCH IN DER MOTO2 UNTERWEGS WAR.

DIE FAHRER

Nur bedingt Klarheit herrscht an der Fahrerfront. Ein Motorrad kann als fix vergeben betrachtet werden. Luca Marini ist nicht nur aktueller Pilot des zu übernehmenden Avintia-Teams, sondern auch langjähriger VR46-Fahrer und Rossis Halbbruder. Auch wenn seine MotoGP-Rookie-Saison mit 13 Punkten aus den ersten sieben Grands Prix etwas schleppend anlief, wird er 2022 seine Chance bekommen. Nach sechs GP-Siegen, 14 Podien und der Moto2-Vizeweltmeisterschaft hat er sich diese auch redlich verdient. Spannend wird die Entscheidung über den zweiten Fahrer. Viele Millionen Rossi-Fans hoffen auf eine Abschiedsrunde als fahrender Teamchef. Seine Zeit beim Petronas Sepang Racing Team scheint nach einer Saison ja bereits wieder zu Ende zu sein. Deutlich zu mager dürften die Resultate des Altmeisters sein, um die von Yamaha im Vertrag festgeschriebene Leistungsklausel zu erreichen. Eine Entscheidung über seine Zukunft will Rossi in der Sommerpause treffen. Leisen Mut macht der MotoGP-Superstar seinen Anhänger noch. »Wenn ich wollte, könnte ich mir natürlich einen der beiden Plätze schnappen. Schließlich bin ich ja der Chef«, so Rossi vor kurzem. Diese Variante muss aber als äußert unwahrscheinlich angesehen werden. Denn der ewige Strahlemann Rossi wirkte in den erfolglosen letzten Monaten an der Rennstrecke eher gequält als euphorisch. »In jedem Sport ist am Ende das Ergebnis entscheidend«, erklärt er. »Wir sind alle hier, um zu gewinnen. Wenn die Ergebnisse so wie bei mir, völlig ausbleiben, dann wird alles schwieriger. Man muss für die MotoGP so viel geben, auch zu Hause. So macht das aber keinen Spaß.« Nicht unbedingt die Worte eines Mannes, der 2022 im Alter von dann 43 Jahren noch einmal eine neue rennfahrerische Herausforderung in einer komplett ungewohnten Formation sucht. Die wahrscheinlichste Besetzung für den zweiten VR46- Platz ist deshalb ein Youngster aus Rossis Fahrerkader. »Wir hätten am liebsten jemanden aus der Academy«, hat ‚Il Dottore‘ bereits verraten.

In der Pole Position: Marco Bezzecchi. Der ist bereits Teammitglied und seinen Academy-Kollegen Celestino Vietti oder Stefano Manzi aktuell klar überlegen. In der Moto2-Gesamtwertung lauert der 22-Jährige aus Rimini aktuell hinter dem Red-Bull-KTM-Ajo-Duo Remy Gardner und Raul Fernandez auf Rang drei. Fünf Grand-Prix-Siege und 20 Podien hat er bei erst 81 WM-Starts (Stand nach dem Katalonien-GP 2021) bereits gesammelt. Durch die Position Bezzecchis wurde schnell klar, dass es für Enea Bastianini 2022 keinen Platz mehr im Team geben wird. Er ist kein Academy-Pilot, was seine Chancen von Beginn an deutlich schmälerte. Bastianini verfügte für 2022 aber über einen Ducati-Vertrag. Die vier Plätze im Werksteam und bei Pramac Racing sind aber bereits an Jack Miller, Francesco Bagnaia, Johann Zarco und Jorge Martin vergeben. Ducati stand somit vor einem Problem, für das man aber eine Lösung parat hatte. Am Donnerstag vor dem Deutschland-Grand-Prix gab man bekannt, dass Gresini Racing 2022 ebenfalls auf Maschinen aus Borgo Panigale setzt. Neben Fabio Di Giannantonio, der mit Gresini bereits einen Vorvertrag für die MotoGP abgeschlossen hatte, erhielt Enea Bastianini den zweiten Platz im italienischen Traditionsrennstall.

»WENN ICH WOLLTE, KÖNNTE ICH MIR NATÜR- LICH EINEN DER BEIDEN PLÄTZE SCHNAPPEN. SCHLIESSLICH BIN ICH JA DER CHEF. WENN DIE ERGEBNISSE SO WIE BEI MIR AKTUELL, VÖLLIG AUSBLEI- BEN, DANN MACHT DAS ABER KEINEN SPASS.«

DIE INTERNATIONALISIE- RUNG DER MARKE VR46 IST NICHT MEHR AUFZU- HALTEN. ALS MOTOGP- TEAMCHEF WÜNSCHT ER SICH ERFOLG - OB MIT EINEM ITALIENER ODER EINEM FAHRER AUS EINER ANDEREN NATION SPIELT DABEI NUR EINE NEBEN-ROLLE.

DER SPONSOR

Zehn bis 15 Millionen Euro pro Saison kostet der Betrieb eines MotoGP-Kundenteams mittlerweile. Sieben Millionen davon erhalten Valentino Rossi und seine Teamchefkollegen als Subvention von Promoter Dorna. Dieser Topf wird aus TV- Geldern, Antrittsgebühren der Rennstrecken oder Werbeverträge der Rennserie gespeist. Mehrere Millionen Euro muss das Team also selbst lukrieren. An finanziellen Mitteln wird es der VR46-Truppe zukünftig aber nicht mangeln. Denn für den MotoGP-Einstieg hat man eine neue Geldquelle im wahrsten Sinne des Wortes angezapft. Der italienische Pay-TV-Sender Sky, seit dem WM-Einstieg 2014 Namensgeber und Hauptsponsor des Teams, muss weichen. Das Unternehmen sei nicht bereit, die nötigen Summen für das Projekt in der Königsklasse auszugeben. Anstelle von Sky rückt nun Aramco, die staatliche saudi-arabische Erdölfördergesellschaft - mit geschätzten zwei Billionen US-Dollar Unternehmenswert der wertvollste Konzern der Welt. Der Deal zwischen Rossi und Aramco wurde über die vom saudischen Königshaus gemanagte ‚Tanal Entertainment Sport & Media‘ eingefädelt und soll weit über ein normales Sponsoringverhältnis hinausgehen. Saudi-Arabien will den MotoGP-Superstar als Werbefigur für seine ‚Vision 2030‘ nützen, eine Strategie zur Loslösung der dortigen Wirtschaft von Erdöl- und Erdgasreserven. Im Zuge dessen sind Projekte wie ein eigener VR46-Vergnügungspark in einer der neuen Planstädte angedacht. Sportpolitische Hintergründe des Deals werden im Artikel ‚Alles für die weiße Weste‘ in dieser Ausgabe erklärt.

DIE PHILOSOPHIE

Rossis MotoGP-Projekt könnte auch eine Trendwende in der bisherigen Philosophie mit sich bringen. Gegründet wurde die VR46 Riders Academy einst mit dem Ziel, Italien wieder zur Großmacht Nummer eins in der Motorrad-WM zu machen. Aus dem Akademie-Programm ging ein Moto3-Team hervor, das später auf die Moto2 erweitert wurde und ab 2022 nun eben auch in der MotoGP vertreten sein wird. Rossis Plan der Rückeroberung der Motorrad-WM aus spanischer Hand ist auf einem guten Weg: In der MotoGP-Klasse verliert man das Duell nach Anzahl der Piloten gegen Spanien nur noch knapp 7:9, wobei Rossi gemeinsam mit seinen drei Schützlingen Morbidelli, Bagnaia und Marini schon die Mehrheit der italienischen Fraktion bildet. In der Moto2 hat Italien Spanien bei der Anzahl der Fahrer sogar schon überholt. Fünf Fahrer aus diesem Kontingent sind aktuelle oder ehemalige Rossi-Schüler. So wie die Academy bislang nur Italiener umfasste (und das aufgrund der Notwendigkeit örtlicher Präsenz in Tavullia wohl auch so bleiben wird), waren auch in Rossis WM-Teams bis heute ausschließlich Fahrer italienischer Herkunft unterwegs. Das könnte sich 2022 aber ändern, denn in der MotoGP herrschen andere Regeln. So räumte Rossi ein, dass ein künftiger Motorrad-Partner sehr wohl ein Mitspracherecht bei der Fahrerwahl hat, wie das in der Königsklasse seit Jahren Usus ist. So ist 2021 ein Großteil aller Fahrer der Kundenteams direkt bei einem Hersteller angestellt und von diesem lediglich beim Kunden geparkt bzw. an ihn verliehen. Für die kleinen Teams ist das ein erstrebenswerter Deal, da man meist gute Fahrer bekommt, diese aber nicht selbst bezahlen muss. Will also Rossis künftiger Motorrad-Partner zum Beispiel einen vielversprechenden Spanier, Briten oder Japaner im Team VR46 parken, wird es wohl kaum Gegenwehr geben. Doch auch in den kleinen Klassen könnte sich Rossis Team öffnen. So berichteten spanische Medien zuletzt, dass die Moto2-Truppe von VR46 ihre Fühler nach Moto3-Superrookie Pedro Acosta ausgestreckt haben soll und sogar überlegt, ihn aus seinem Vertrag mit KTM auszukaufen. In der Moto3-Junioren-EM geht unter dem Namen »VR46 Master Camp« bereits eine Mannschaft an den Start, die explizit auf nichtitalienische Fahrer zielt. Eigene Teams in den kleinen WM-Klassen sind für Valentino Rossis Projekt gar nicht mehr zwingend nötig, wie etwa die Auflösung des Moto3-Rennstalls im vergangenen Winter zeigte. Zu weit verflechtet sind die Strukturen, die in den vergangenen Jahren aufgebaut wurden. Zu gut ist der Ruf, den Fahrer aus dem Akademie-Programm genießen. Das VR46-Management hat in der Regel keine Probleme, die eigenen Fahrer an den Mann zu bringen. Durch die Übernahme von Avintias MotoGP-Platz könnte sich zudem eine neue Variante ergeben: Ein Joint-Venture in der Moto3. Das spanische Team hat bereits einen Platz in der Moto3 inne und setzt dort 2021 mit Niccolo Antonelli einen langjährigen Academy-Rider ein. Gut möglich, dass eine künftige Kooperation Teil des Übernahmedeals der MotoGP-Plätze war. Die Internationalisierung der Marke VR46 ist nicht mehr aufzuhalten und als künftiger MotoGP- Teamchef wünscht sich der neunfache Weltmeister Erfolg - ob mit einem italienischen Fahrer oder einem aus einer anderen Nation spielt dabei nur eine Nebenrolle. Ganz vergisst Rossi den italienischen Nachwuchs aber nicht. So wurde erst vor wenigen Monaten das »Team Bardahl VR46 Riders Academy« in der italienischen Moto3- Meisterschaft gegründet, das den nachkommenden Fahrern aus dem Förderprogramm beim Einstieg helfen soll. Geleitet wird das Projekt von Francesco Bagnaias Vater Pietro, in Mugello gab es für die beiden Talente Elia Bartolini und Alberto Surra bereits die ersten Wildcard-Einsätze mit ihrer Truppe in der WM.