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DER APOKALYPTISCHE STADTSCHREIBER


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Das Satiremagazin EULENSPIEGEL - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 23.06.2022

Meine Odyssee begann am Tag des heiligen Johannes, meines Namenspatrons, den man in Köln schlicht »Schäng« nennt, mit der kriminellen Verwendung eines nichtstumpfen und eher leichten Gegenstands. Wäre es ein stumpfer und schwerer gewesen, hätte man damit vermutlich nicht in kürzester Zeit mehrere hundert Mal auf meinen Hinterkopf eindreschen müssen. Die vielen kleinen Beulen, Kratzer und hässlichen Einblutungen unter der Haut wären mir zugunsten eines letalen Einzelschwingers erspart geblieben und ich würde in letzter Konsequenz jetzt nicht in völliger Dunkelheit und mutterseelenallein einem ungewissen Ende entgegenrollen.

Aber fangen wir von vorne an: Nachdem ich unter Zuhilfenahme einiger Kränze Kölsch im »Brauhaus zum Spät« wieder mal einen vor Spott triefenden Beitrag für meinen, in der Rheinmetropole überaus beliebten, pfaffenkritischen Schmäh-Blog »Rainer Maria 2.0« online gestellt hatte, ...

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Bildquelle: Das Satiremagazin EULENSPIEGEL, Ausgabe 7/2022

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... waren mir auf dem Heimweg im Zuge eines hohlen Knackens und dem anschließenden Hinabrieseln bröckeliger Steinchen von den Zinnen des Kölner Doms hoch oben zwei ninjagleiche Schatten aufgefallen.

Ich lache als einziger laut schallend und viel zu lange auf. Offensichtlich habe ich die Äußerung als urkomische und intelligent verpackte Kirchenselbstkritik fehlinterpretiert. Zum Glück ignoriert der Papst meinen Fauxpas: »Und da, mein lieber Schäng, kommen Sie ins Spiel. Als reuiger Büßer und Autor eines ab sofort wohltuend sakralen Internet-Blogs, werden Sie gegen den lästigen Missbrauchsmumpitz in Ihrer Diözese mit einer solchen Masse an Schreckensmeldungen und apokalyptischen

Hiobsbotschaften über das Ende aller Tage anschreiben, bis unsere versprengten Schäfchen bald aus Angst vor ihrem eigenen Schatten auf den Schoß von Papa Franz zurückwollen. Kapische?«

Der Pontifex Maximus reibt sich diabolisch kichernd die Hände, während ich mich linkisch aus dem sich abzeichnenden Ausverkauf meiner Freiheitsrechte herauszuwinden versuche. »Und wenn ich mich ein bisschen weigere oder so? Nur rein hypothetisch gesehen, meine ich.« Solange ich eine Lustsause mit mir als Ehrengast nicht völlig ausschließen kann, sollte ich mich mit allzu forscher Widerrede zurückhalten. Gottes Stellvertreter lächelt milde und zählt auf. »Zwangskommunion, Zwangspriesterweihe und bevor Sie sich versehen, sind Sie der Erzbischof von Kölle.«

Woelki schielt mich von schräg unten an, streckt mir eines seiner »Tischbeine« entgegen und hebt schief grinsend den Daumen. Kein Zweifel: Der Mann ist wahnsinnig. »Betrachten Sie mich als Ihren willigen Diener«, ergebe ich mich seufzend in mein Schicksal.

»Na dann«, schließt der Papst, indem er zum nächsten Ei greift, das er vor dem Schälen trinitätskonform dreimal an Woelkis Stirn anschlägt, »steht Ihrer Rückkehr ins Rheinland ja nichts mehr entgegen. Sieglinde, Sie dürfen.« Während die zum Frontalangriff übergehende Narkose-Nonne sich redlich müht, mich mit ihrem vogelwilden Stakkato aus blechernen Fontanellen-Treffern für den umgekehrten Reiseverlauf in eine Stasis zu prügeln, habe ich ausreichend Zeit, mir auf dem Smartphone die ersten »Vorhersagen« für meinen unheilvollen Offenbarungs-Ticker mit Schock-Sofortwirkung auszudenken. Ob ich nach all den Lügen und der Schwindelei für die geistliche Propaganda demnächst noch in den Spiegel werde sehen können? Ich würde es so ausdrücken: Soweit mich daraus NICHT der Kölner Erzbischof anschaut, bin ich ein glücklicher Mann.

Amen.

PATRIC HEMGESBERG ZEICHNUNG: BARBARA HENNIGER