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Der Balkenhol-Blick für gute Ausbildung


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 101/2021 vom 04.10.2021

Artikelbild für den Artikel "Der Balkenhol-Blick für gute Ausbildung" aus der Ausgabe 101/2021 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Die Skala der Ausbildung ist die Grundlage für das korrekte Gymnastizieren des Pferdes und somit ein wichtiger Baustein für die Gesunderhaltung.

Takt und Losgelassenheit –die Basis für alles

Das Ausbalancieren von hinten nach vorne, sprich das horizontale Gleichgewicht, ist eine der ersten Herausforderungen für das Pferd. Welche Rolle Hinterhand, Muskulatur und der Hals dabei spielen

„Boaah“ geht es durch die Ränge, als ein Pferd mit imposanter Vorderbeinmechanik buchstäblich hereingeschwebt kommt. Dann die erste Trabverstärkung – komisch, das sieht schon nicht mehr so beeindruckend aus, eigentlich sogar gelaufen. Aufnehmen vor der Ecke, wieder diese beeindruckenden Tritte, Traversale, das Bild ändert sich. Die vermeintliche Kadenz ist dahin, das Pferd trippelt mit kleinen Tritten seitwärts.

Die beeindruckenden Bewegungen sind nichts als Schwebetritte, Showgehabe, das aus einem festgehaltenen bzw. in vielen Fällen auch festgestellten Rücken heraus kommt. Klaus Balkenhol beschreibt: „Das Pferd trabt nicht flüssig, sondern passage artig. Aber ...

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... im Unterschied zur Passage, in der das Pferd aus der Losgelassenheit heraus in höchster Versammlung einen Moment in der Luft verharrt, ist bei Schwebetritten der gesamte Ablauf verzögert. Das erkennt man spätestens in der Trabverstärkung. Der vermeintlich kadenzierte Trab degeneriert nach einigen Metern zum Laufen. Der Grund: Die Hinterhand trägt nicht reell.“ Erzeugen kann man diese Schwebetritte als Reiter relativ einfach: Gegenhalten, das Pferd „oben dran“ stellen und „ordentlich Qualm“ am Schenkel machen. Das birgt für das Pferd mindestens genauso viel Stress und gesundheitliche Risiken, wie die viel zitierte Rollkur. Echte Kadenz im Trab erkennt man daran, dass sich die Frequenz der Tritte beim Zulegen nicht verändert, das Pferd aber sehr wohl größere Tritte macht und raumgreifender trabt.

Ein Tipp: Manche Pferde neigen von sich aus zu Schwebetritten. Dann immer wieder Zügel aus der Hand kauen lassen und Übergänge zwischen den Gangarten reiten. Das Angebot des Pferdes keinesfalls annehmen.

Schritt

Haben Sie schon mal ein Kamel in der Wüste gesehen? Es schwankt bedächtig von einer Seite auf die andere, während es durch den Sand stapft. Das sieht man mitunter auch im Viereck. Im Schritt heißt die Faustregel für die korrekte Fußfolge: „Gleichseitig, aber nicht gleichzeitig“. Klaus Balkenhol veranschaulicht: „Die Pferde müssen mit dem Hinterhuf den Vorderhuf auf derselben Seite gewissermaßen wegkicken wollen.“ Das Gegenteil ist Pass, die Kamelgangart: „gleichseitig und gleichzeitig“. Dazwischen gibt es aber auch Grauzonen, sogenannte Phasenverschiebungen, wenn das Pferd nicht mehr eindeutigen Viertakt geht, oder es kurz-lang tritt, das heißt, das eine Hinterbein weiter vorgreift als das andere. Wenn im Schritt Taktprobleme auftauchen, sind sie schwierig zu korrigieren, weil der Schritt als schwunglose Gangart keine Schwebephase hat, auf die man Einfluss nehmen könnte. Taktfehler im Schritt sind häufig auf Fehler in der Ausbildung zurückzuführen. Um zu überprüfen, ob das Problem zu beheben ist, oder angeboren, rät Klaus Balkenhol: „Lassen Sie sich das Pferd an der Hand frei vorführen, möglichst ohne dass es von seiner Umwelt abgelenkt ist. Wenn es entspannt neben dem Mensch her schreitet und immer noch Pass geht, scheint es sich um ein angeborenes Problem zu handeln.“ Ansonsten – siehe Tipps.

SCHRITT VERBESSERN

Tipp 1

Geht das Pferd an der Hand guten Schritt, unter dem Sattel aber nicht, muss man die Ausbildung hinterfragen: Ist das Pferd losgelassen und geht natürlich zwanglos oder wurde es zu früh in Richtung Versammlung geritten? Ist es geradegerichtet (die Hinterhand sollte schon im Schritt stets der Vorhand folgen) oder nicht ausbalanciert? Wurde es eventuell zu früh beigezäumt im Schritt? Das alles kann zu Taktstörungen führen.

Tipp 2

Ganz wichtig bei jungen Pferden: Den Schritt so lange am langen Zügel reiten, bis das Pferd von selbst die Anlehnung sucht und dabei den Fleiß erhalten! Bei weiter ausgebildeten Pferden kann Schenkelweichen helfen, den Viertakt wiederzufinden, weil die Hinterhand durch das seitwärts Treten zu schnellerem Abfußen animiert wird. Wichtig: keine Rückwärtseinwirkung mit der Hand! Natürliche Passgänger kann man versuchen zu korrigieren, indem man viele Übergänge von Trab oder Galopp in den Schritt und wieder zurück reitet und dabei darauf achtet, den Fleiß zu erhalten.

Losgelassenheit

Locker ist nicht gleich losgelassen. Aber losgelassen ist immer auch locker. Der zweite Punkt der Ausbildungsskala ist die wesentliche Voraussetzung für jeden weiteren Schritt mit dem Pferd, betont Klaus Balkenhol: Die Losgelassenheit ist der Dreh- und Angelpunkt!“, betont Klaus Balkenhol. „Ohne Losgelassenheit, kein Takt, kein Schwung, keine Geraderichtung und keine echte Versammlung!“ Der Reitmeister schärft seinen Schülern ein: „Takt und Losgelassenheit sind das Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Das muss jeden einzelnen Tag überprüft werden.“

„Takt und Losgelassenheit sind einerseits Voraussetzungen, ohne die eine pferdegerechte Ausbildung nicht möglich ist, andererseits sind diese Punkte auch Gradmesser dafür, ob die Ausbildung des Pferdes (noch) auf dem richtigen Weg ist“

Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1

Zeichen fehlender Losgelassenheit:

Eilen

verkrampfte Muskulatur

dauerhaft zu enge Kopf-Hals-Einstellung

gebleckte Zähne,

Knirschen

LOSGELASSENHEIT VERBESSERN

Tipp 1

Das Grundtempo spielt eine große Rolle. Sowohl eilige Pferde, die den Reiter nicht zum Treiben kommen lassen, als auch faule, „klemmige“ Pferde sind nicht losgelassen. Insbesondere den Hektikern fehlt es häufig an innerer Ausgeglichenheit – Weidegang, Schrittausritte und sehr einfühlsames Reiten können Abhilfe schaffen.

Tipp 2

Pferde, die sich auf Schenkeldruck eher „hinter“ dem Reiter verkriechen wollen, also gewissermaßen „abklemmen“, haben häufig einfach nicht verstanden, dass Schenkeldruck bedeutet, dass sie vorwärts gehen sollen.

Das müssen sie erst verstehen lernen. Und das funktioniert so: Junge Pferde wissen von der Longe, dass Schnalzen bedeutet, sie sollen fleißiger werden. Das kann man sich bei den Youngstern auch im Sattel zunutze machen, indem man gleichzeitig schnalzt und treibende Hilfen gibt. Nach einer Weile reicht der Schenkeldruck aus und das Pferd versteht, was es tun soll.

Auch ein Helfer mit Longierpeitsche in der Mitte der Bahn kann das Pferd ermuntern. Das kennt es ebenfalls von der Longe. Ganz wichtig in dieser Phase: Nicht gleichzeitig Zügelhilfen geben! Klaus Balkenhol: „Das Zusammenspiel der Hilfen kommt im Laufe der Ausbildung. Erst einmal müssen die Pferde die Hilfen einzeln kennen und verstehen lernen.“ Bewährt hat sich vor allem auch das Reiten im Gelände, hier gehen die meisten Pferde gerne vorwärts und finden so ihr „Wohlfühl-Tempo“ und damit auch ihre Losgelassenheit.

Anlehnung und Schwung –zwei Seiten einer Medaille

Die Punkte der Skala der Ausbildung werden nicht Punkt für Punkt abgearbeitet, sondern bedingen sich gegenseitig. Aber Prioritäten wollen gesetzt werden. So kann ohne eine gute Anlehnung kein echter Schwung entstehen

Anlehnung – So soll es sein

Die Energie aus der Hinterhand wird über den schwingenden Rücken und das nachgebende Genick bis ins geschlossene, aber bewegliche Maul weitergeleitet. Das Pferd wölbt den Hals am Zügel auf, ohne hinter die Senkrechte zu kommen. Der Unterhals ist entspannt. Es stößt sichvom Gebiss ab und tritt vertrauens voll an die Reiterhand heran. Die Verbindung ist stetig, weich und elastisch. Der Zügel ist quasi die Balancierstange, mit der das Pferd sein Gleichgewicht in jeder Wendung, jeder Lektion und in allen Tempi sowie den Übergängen immer neu findet.

„Anlehnung wird definiert als stete, weich-federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul.“

Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1

ANLEHNUNG VERBESSERN

Überm Zügel

Das Pferd geht über dem Zügel. In extremen Fällen zeigt man dem Pferd zunächst an der Longe, dass es sich in Richtung abwärts dehnen soll. Für die Arbeit unter dem Sattel empfiehlt Klaus Balkenhol: „Manchmal muss ich es in Kauf nehmen, dass die Pferde erst einmal zu eng gehen, wenn ich ihnen den Weg in die Tiefe zeigen will. Ich erreiche das, indem ich viel auf großen gebogenen Linien reite, auf fleißiges Tempo achte und mittels seitwärtsweisenden Hilfen das Pferd zum Abkauen bringe. Wichtig: „Wenn das Pferd ,Ja!‘ sagt, muss meine Hand sagen: ,Super!‘“ Mit anderen Worten: Die Hand geht vor, ohne die Verbindung aufzugeben. Das Bestreben muss es sein, dass das Pferd der Hand folgt, sich im Genick öffnet und dehnt. Es soll spüren, dass der weiche Kontakt zur Reiterhand angenehm ist. Ein Lob mit der Stimme hilft zusätzlich. Je besser das Timing des Reiters, desto schneller versteht das Pferd, was es tun soll.

ANLEHNUNG VERBESSERN

Hinterm Zügel

Das Pferd verkriecht sich. Pferde, die kein Vertrauen zur Reiterhand haben oder auch sehr leicht im Genick sind, verkriechen sich häufig hinter dem Zügel – auch ohne, dass der Reiter eine harte Hand hat und grob einwirkt. Zur Korrektur bedarf es viel Gefühl. Klaus Balkenhols Tipp: „Am besten holt man die Pferde erst einmal ganz nach oben, um überhaupt Kontakt zum Maul zu bekommen. Wenn das Pferd dann wieder versucht abzutauchen, versuche ich die Verbindung zu halten und das Pferd über betontes Vorwärtsreiten daran zu hindern, sich wieder zu verkriechen. Ganz wichtig: vorwärts, aber nicht eilig!“

Schwung – naturgegeben oder erarbeitet?

Schwung im Sinne der Skala der Ausbildung ist das, was sich aus einem aktiv abfußenden Hinterbein, einem schwingenden Rücken und aus korrekter Anlehnung ergibt. Der Reiter spürt den Impuls aus dem Hinterbein, der ihn wie auf einer Welle trägt. Man sagt, das Pferd nimmt den Reiter mit. „Ein schwingender Rücken, Dehnungsbereitschaft und Kadenz ergeben eine Verstärkung, die harmonisch und im Gleichmaß ist“, veranschaulicht Klaus Balkenhol wie Schwung sich bemerkbar macht.

Das Maximum der Schwungentfaltung sind starker Trab und starker Galopp.

Diese Verstärkungen sind jedoch erst ab Klasse M verlangt. Das hat seinen Grund: „Eine Trabverstärkung erfordert Versammlung“, sagt Klaus Balkenhol. Warum das? Weil nur ein Pferd, dessen Tragkraft ebenso gut ausgebildet ist wie die Schubkraft, in der Lage ist, eine ganze Diagonale maximaler Schwungentfaltung hinter sich zu bringen, ohne dabei auf die Vorhand zu kommen – und dabei nicht vom Reiter festgehalten werden muss, sondern sich weiterhin selbst trägt und in der Lage ist, sich mit entsprechender Rahmenerweiterung am Gebiss abzustoßen und auszubalancieren. Ohne Tragkraft kommt das Pferd ins Laufen. Statt länger zu werden als im versammelten bzw. Arbeitstempo wird die Schwebephase kürzer. Ein weiteres Beispiel dafür, dass man die Skala der Ausbildung nicht Punkt für Punkt abarbeiten kann, sondern dass sich alle Bereiche gegenseitig beeinflussen. Denn ohne dass das Pferd einen gesunden Zug nach vorne entwickelt hat, ist auch keine echte Versammlung möglich.

SCHWUNG VERBESSERN

Das Pferd wird eng und eilig beim Zulegen

Entweder das Pferd hat noch nicht genügend Tragkraft entwickelt oder die Abstimmung zwischen treibenden und verhaltenden Hilfen stimmt nicht. Das Pferd gerät aus der Balance. Es verliert das Gleichgewicht. Wer nun denkt, gut, dann halte ich eben mehr gegen, hat schnell den erwähnten Schaustrampler unter sich. Ehe man bei diesem Problem überhaupt ans Zulegen denken kann, muss erst einmal die Tragkraft verbessert werden – durch Übergänge, Zirkel verkleinern und vergrößern etc. bei weicher, stetiger Anlehnung. Das Pferd soll das

Gebiss suchen, aber dennoch in Selbsthaltung gehen. Wenn man dann erneut versucht, die Schritte/Tritte/Sprünge zu verlängern, sollte das immer nur so weit geschehen, wie das Pferd sich ausbalancieren kann. Hier muss es heißen: Aufhören, wenn es am schönsten ist!

Dann weiß das Pferd, was der Reiter von ihm will und hat die Chance, allmählich genug Kraft aufzubauen, um dann auch immer längere Strecken durchzuhalten. Um es mit Klaus Balkenhol zu sagen: „Ich muss an die Grenze gehen. Aber niemals darüber hinaus!“

SCHWUNG VERBESSERN

Kein Zug nach vorn

Wenn Pferde nicht genügend Go haben, kann das darauf zurückzuführen sein, dass das Pferd die treibenden Hilfen noch nicht kennt (siehe Seite 65, Tipp 2). Manchen Pferden mangelt es aber auch an Gehlust. Ihnen kann man die Schwung entfaltung im Gelände schmackhaft machen. Hier gehen die meisten Pferde gerne und willig vorwärts – und wenn nicht, nutzt man den Herdentrieb und lässt ein Pferd vorweg gehen. Das animiert. Es gibt auch die Pferde, die den Schwung nicht nach vorne, sondern nur nach oben umsetzen. Dann muss das Hinterbein aktiviert werden.

„Der Schwung wird definiert als die Übertragung des energischen Impulses aus der Hinterhand über den schwingenden Rücken auf die Gesamt-Vorwärtsbewegung des Pferdes.“

Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1

Nichts mit Schwung zu tun haben auch jene Trabverstärkungen, bei denen der Reiter vorne festhält und mit viel Druck am Schenkel Spannung im Pferd erzeugt. Dann schmeißt das Pferd zwar die Beine, aber es entwickelt keinerlei Raumgriff.

Bei einer korrekten Trabverstärkung bleibt der Takt zwar derselbe, dennoch erhöht sich mit dem Raumgriff auch das Tempo. Die Beine landen dort, wohin sie zeigen. Beim „Strampeltrab“ reißt das Pferd nur die Beine in die Luft, kommt aber nicht von der Stelle.

Zur einen Seite klappen die Wendungen wunderbar – Zirkel, Volten, Schlangenlinien, alles gar kein Problem. Aber zur anderen Hand lässt das Pferd sich nur höchst unwillig stellen und kaum biegen? Das liegt an der natürlichen Schiefe, die jedes Pferd von Hause aus mehr oder weniger ausgeprägt mitbringt. Sie ist, ähnlich wie es bei den Menschen Links- und Rechtshänder gibt, angeboren. Wenn ein Pferd von Ihnen weggaloppiert und Sie sehen, wie die Hinterhand in die Bahn kommt, zeigt das: Dieses Pferd ist noch nicht ausreichend geradegerichtet, die Hinterhand arbeitet nicht unter den Schwerpunkt (dort, wo der Reiter sitzt), sondern daran vorbei. Klaus Balkenhol rät: „Schon im Schritt sollte die Hinterhand der Vorhand auf dem Hufschlag folgen.“ Nur wenn beide Hinterbeine gleichmäßig unter den Schwerpunkt arbeiten und Last aufnehmen, ist die Belastung für alle vier Gliedmaßen gleich hoch – eine wichtige Voraussetzung für die Gesunderhaltung! Der Reiter spürt, dass das Pferd geradegerichtet ist, wenn er eine gleichmäßige Anlehnung in beiden Händen hat und er das Pferd auf beiden Seiten am äußeren Zügel wenden kann. (Mehr zum Thema Geraderichtung ab Seite 36).

Geraderichtung und Versammlung – Feintuning fürs Gleichgewicht

Durchlässigkeit ist viel mehr als nur das willige Zulegen und Zurückkommen mit nachgiebigem Genick. Um prompt allen Hilfen Folge leisten zu können, muss das Pferd vor allem ausbalanciert sein und zwar lateral und horizontal. Die Zauberwörter? Geraderichtung und Versammlung

„Die Geraderichtung wird definiert als der Prozess, der darauf ausgerichtet ist, sowohl auf gerader als auch auf gebogener Linie die Anpassung der Körperlängsachse des Pferdes in der Fußung der Vor- und Hinterhufe auf einer Hufschlaglinie zu erreichen. Dieser Prozess führt zur Entwicklung einer beidseitig gleichmäßigen Muskulatur.“

Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1

Versammlung

Versammlung ist der letzte Punkt der Ausbildungsskala. Hier fließt alles zusammen, was vorher erarbeitet wurde. Wenn das Pferd jede Hilfe „nach vorwärts und rückwärts“ auf kleinste Signale beantwortet und nirgends im Körper blockiert, hat man das erreicht, was jeder Reiter sich wünscht, sei es im Parcours, im Viereck oder im Gelände: Durchlässigkeit. Klingt großartig. Aber Klaus Balkenhol weiß: „Das gängigste Problem in der Versammlung ist eine zu schwache Hinterhand. Das kann gebäudebedingt sein, aber auch ein Zeichen dafür, dass das Pferd noch nicht soweit ist. In beiden Fällen muss der Reiter erst einmal vorwärts reiten, ohne dass er das Pferd übereilt. Aus dem Fleiß heraus und im entsprechenden Rahmen, in dem das Pferd noch nicht zu stark aufgerichtet ist, muss er an der Kräftigung der Hinterhand arbeiten – durch Dressurarbeit (siehe Tipp 2), aber auch Cavaletti, Springgymnastik, Freispringen etc.“

Dominique Wehrmann

„Von Versammlung spricht man, wenn ein Pferd sich mit näher herangeschlossener Hinterhand und stärker angewinkelten Gelenken der Hinterbeine ausbalancieren kann, sich leichtfüßig und energisch bewegt und sich daraus in Selbsthaltung erhabener trägt.“

Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1

VERSAMMLUNG VERBESSERN

Tipp 1: Übereifer

Gerade besonders gehfreudige Pferde muss man schon mal mit einer durchhaltenden Zügelhilfe „bremsen“. Das entspricht (noch) nicht dem, wie es sein soll. Aber junge Pferde müssen ja auch zunächst erst einmal verstehen, was überhaupt von ihnen erwartet wird. Je ehrgeiziger sie sind und je mehr Go sie haben, desto weniger gern lassen sie sich aus ihrem Vorwärtsdrang herausholen. Da muss der Reiter dann einmal durchkommen mit der Hilfe – nur um bei einer Reaktion dann sofort wieder weich zu werden! Das empfindet das Pferd als Belohnung. Beim nächsten Mal versteht es in der Regel schon besser, was von ihm verlangt wird und der Reiter kann feiner einwirken. Übergänge innerhalb der Gangart verbessern die Feinabstimmung zwischen Reiter und Pferd, sind ein prima Krafttraining und fördern so nach und nach die Versammlungsbereitschaft. Bei besonders stürmischen Pferden kann es hilfreich sein, das Aufnehmen so zu timen, dass es in Richtung Bande oder Ecke geschieht.

VERSAMMLUNG VERBESSERN

Tipp 2: Langsam statt versammelt

Manche Pferde werden nur langsam. Die Hinterhand schleppt hinterher, statt dass sie aktiv trägt und dem Reiter das Gefühl vermittelt wird, der Widerrist käme ihm entgegen. Stattdessen "latscht" das Pferd auf der Vorhand. Hier gilt es, die Hinterhand zu aktivieren. Auch dabei helfen Übergänge, entweder innerhalb, aber auch zwischen den Gangarten. Außerdem hilfreich: Zirkel verkleinern und dabei an Arbeitstempo denken statt an Versammlung. Auf dem engeren Kreisbogen (darauf achten, dass die Pferde wirklich gut geradegerichtet sind!) muss das innere Hinterbein mehr Last aufnehmen und wird dann durch den inneren Schenkel zu fleißigem Abfußen animiert.

Doch Klaus Balkenhol warnt: „All diese Übungen sind zu Anfang sehr anstrengend fürs Pferd! Darum zwischendurch immer wieder Schrittpausen einlegen und aufhören, wenn es am schönsten ist. Die Pferde zu fördern ist gut. Aber Überforderung geht auf Kosten des Vertrauens und der Motivation!“