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Der beste Witz der Welt


Spektrum Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 07.07.2021

HUMOR

Artikelbild für den Artikel "Der beste Witz der Welt" aus der Ausgabe 5/2021 von Spektrum Gesundheit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Spektrum Gesundheit, Ausgabe 5/2021

Kennen Sie den? Zwei Jäger sind im Wald auf der Jagd, plötzlich bricht einer von ihnen zusammen. Er scheint nicht mehr zu atmen. In Panik ruft der andere von seinem Handy den Notruf an und stottert aufgeregt: »Ich glaube, mein Freund ist tot. Was soll ich denn jetzt bloß machen?« Da sagt die Stimme vom Notruf: »Nun beruhigen Sie sich erst einmal, und dann vergewissern Sie sich, dass er tatsächlich tot ist.« Nach einem Moment der Stille ertönt ein Schuss. Wieder zurück am Telefon, fragt der Jäger: »Okay, und was jetzt?«

Witze sind Geschmacksache. Aber dieser hier gefällt vielen Menschen besonders gut. Der Psychologe Richard Wiseman von der University of Hertfordshire hat 40 000 eingereichte Scherze von Lesern aus der ganzen Welt bewerten lassen. Die Situation der beiden Jäger hat die besten Noten bekommen. Seitdem gilt dies als der lustigste Witz der Welt.

Der Jäger-Scherz ist auch deshalb so ...

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... erfolgreich, weil er eine Komponente enthält, auf die sich offenbar alle Menschen der Welt einigen können: »Die Überraschung«, sagt Tabea Scheel, Psychologin, Humorforscherin und Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie am Internationalen Institut für Management und ökonomische Bildung (IIM) an der Europa-Universität in Flensburg. »Man baut eine gewisse Anspannung auf, weil man weiß, dass es ein Witz ist. Man wartet auf das Ungewöhnliche. Und dann kommt etwas tatsächlich ganz anderes, als man denkt – und die Anspannung entlädt sich in einem Lachen oder zumindest in einem Schmunzeln.« Auf den ersten Blick ist all das einfach eine nette Unterhaltung. Doch bei genauerer Betrachtung sind Lachen und Humor viel mehr, wie Erkenntnisse der Geleotologie zeigen.

Warum es überhaupt Humor braucht, ist die grundlegende Frage für Lachforscherinnen und Lachforscher. Die einfache Antwort: weil Menschen auf mehreren Ebenen davon profitieren. So hilft Spaß beispielsweise, Distanz zu überwinden. »Humor bringt Nähe in eine Runde, Vertrauen, Lockerheit, ein Zusammengehörigkeitsgefühl«, sagt Tabea Scheel. Wenn eine Konversation ins Stocken gerät, kann Humor sie wieder Fahrt aufnehmen lassen. Wenn ein Gespräch in eine falsche Richtung zu gehen droht, kann Humor es in richtige Bahnen lenken. Und wenn ein Gespräch gut läuft, dann kann Humor bewirken, dass es noch besser läuft.

»Humor stellt die Vernunft in Frage und schafft damit beim Denken assoziative Freiheit«

(Rainer Stollmann, Humorforscher)

Christian Heinrich arbeitet als Journalist unter anderem für »Die Zeit«, »GEO«, die »Süddeutsche Zeitung« und »Spektrum.de«.

Lachen befreit, lachen entspannt

Das alles gilt übrigens für unterschiedliche Stilformen des Humors. Zum Beispiel kann sich jemand aggressiv auf Kosten anderer in der Gruppe profilieren – was besonders oft unter männlichen Jugendlichen geschieht. Oder jemand macht sich zum Clown – auch sich selbst abwertender Humor genannt. Und dann gibt es noch die Form, die davon unabhängig für Lacher sorgt und deshalb hoch angesehen ist. »Wer humorvoll ist, der gilt potenziell auch als kreativ und intelligent«, sagt Scheel. Das macht die Person mitunter beim anderen Geschlecht interessant.

Aber Humor wirkt nicht nur auf das Gegenüber. Er wirkt auch nach innen: Scherze können Sorgen und Ängste mildern, was harte Zeiten erträglicher macht. Ein Kind, das eine schlechte Note in der Mathearbeit hatte, oder ein Jugendlicher, der eine Abfuhr vom Schwarm erhalten hat, kommt mit Humor leichter damit zurecht. Tatsächlich gilt das sogar in Extremsituationen: Soldaten im Krieg können mit Hilfe von Humor eine gewisse innere Stärke bewahren. Das liegt unter anderem daran, dass sich andere Perspektiven auftun können, wenn man sich selbst und die eigenen Probleme mit heiterer Gelassenheit betrachtet.

Was dabei in Körper und Gehirn passiert, ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt eine Reihe von Theorien. Eine der populärsten ist die »relief theory«. Demnach verschafft das Lachen eine Art Erleichterung (relief), die hilft, eine gewisse psychologische Anspannung aufzulösen.

Deshalb lachen Menschen der Theorie zufolge übrigens auch, wenn sie gekitzelt werden: Man muss eine unerwartete Berührung wie das Kitzeln einordnen – ein möglicher Angriff des anderen? ein Schlag? ein Stich? – und prustet dann erleichtert.

Ein Zeitpunkt zum Lachen ist aber auch der Moment des Auflösens oder Realisierens einer Ungereimtheit. Oft die Pointe des Witzes: »Nach einem Moment der Stille ertönt ein Schuss. Wieder zurück am Telefon, fragt der Jäger: ›Okay, und was jetzt?‹« Die Freude, eine Ungereimtheit entdeckt und verstanden zu haben, ist so auch ein Stück weit Belohnung dafür, dass man immer Ausschau nach Dingen gehalten hat, die nicht passen oder gar bedrohlich sind.

Der Zeitpunkt zum Scherzen will gut gewählt sein

Zu beachten ist noch, dass ein Witz zumeist mit einem gewissen Abstand zum Ereignis eher den gewünschten Effekt erzielt als direkt danach. Schon der Schriftsteller Mark Twain hat dies mit seinem Bonmot »Humor ist Tragik plus Zeit« treffend zusammengefasst. Heißt: Ist eine Situation schlimm, braucht es eine Weile, bis sie mit Humor entschärft werden kann. Räumliche oder kulturelle Distanz können das übrigens auch leisten.

Nun ist das nicht immer gegeben, und Humor wirkt trotzdem. Vor allem, wenn er dringend nötig ist. Das zeigt sich zum Beispiel in der Coronapandemie: Witze zum Thema gab es gleich zu Beginn, andere kommen hinzu, während sich täglich weiter hunderttausende Menschen mit dem Virus anstecken. Und das sei gut so, sagt Willibald Ruch, Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Universität Zürich: »Die Witze schaffen einerseits ein Gefühl der Verbundenheit. Und sie vermitteln: Man kann darüber lachen, das heißt, es ist zu bewältigen.«

Humor könne ein Kraftspender in Coronazeiten sein, sagt auch Rainer Stollmann, Kultur- und Humorforscher an der Universität Bremen. »Ein Komiker fragte kürzlich: ›Warum kaufen die Menschen so viel Klopapier? – Weil sie Schiss haben.‹ Da steckt auf mehreren Ebenen viel Wahrheit drin«, sagt Stollmann.

Er kritisiert allerdings, dass diese gemeinsame Situation der Pandemie von einigen Karikaturisten und Komikern etwas bequem angegangen wird: »Man konzentriert sich in letzter Zeit sehr auf die Politiker und ihre Fehler. Da macht man es sich sehr einfach. Der Humor sollte sich noch mehr der Pandemie und den Folgen für alle widmen.«

Was Menschen zum Lachen bringt

Wie wäre es hiermit: Heute Morgen am Gartentor habe ich den Nachbarn gesehen, wie er mit seiner Katze sprach. Mit seiner Katze! Der hat geredet, als würde sie ihn verstehen, unglaublich! Ich bin sofort ins Haus gegangen und habe es meinem Hund erzählt.

Haben Sie geschmunzelt? Oder gar gelacht? »Ein Lachen als körperlicher Vorgang ist etwas Ähnliches wie der Humor als geistiger Vorgang«, sagt Stollmann. Wie im Lachen der Körper, so wird im Humor die Vernunft erschüttert. Ein zwerchfellerschütterndes Lachen ist dann das kostbarste Lachen. Leider kommt es vergleichsweise selten vor: Acht oder neun von zehn Lachern im Alltag sind ein so genanntes »soziales« Lachen, das nicht ganz unwillkürlich über uns kommt, sondern eher halb bewusst als Höflichkeitsund Kommunikationsmittel eingesetzt wird.

Grundsätzlich scheint aber jede Form von Lachen gesund zu sein. Das zeigt sich schon wenige Minuten nach einem Lacher am Hormonspiegel des Bluts: Das Level des Stresshormons Kortisol nimmt leicht ab, der Spiegel des Glückshormons Endorphin steigt deutlich erkennbar an und ebenso die Konzentration des Bindungshormons Oxytozin. Dazu kommt das Muskeltraining: Mehr als 100 Muskeln arbeiten beim Lachen mit, vor allem im Gesicht, aber auch im Brustkorb und Bauch. Stoßartig, mit rund 100 Kilometern pro Stunde, pressen wir den Atem aus der Lunge. Professor William Fry, der 1964 das Institut für Humorforschung an der Stanford University in Kalifornien gründete, fand heraus, dass 20 Sekunden Lachen den Körper mindestens genauso fordern wie drei Minuten Joggen.

»Eine gewisse Fähigkeit zum Humor ist angeboren«

(Willibald Ruch, Persönlichkeitspsychologe)

Es geht noch weiter. Robin Dunbar, Evolutionspsychologe an der University of Oxford, hat in verschiedenen Studien nachgewiesen, dass Lachen – auch soziales Lachen – die Schmerzempfindlichkeit deutlich herabsetzt. Eine andere Studie aus Australien legt nahe, dass ausgerechnet Lachen uns Durchhaltevermögen verschafft: Im Experiment konnten Menschen, die anstrengende Tätigkeiten am Computer machten, die Tätigkeit länger durchhalten, wenn sie zuvor ein lustiges Video im Internet gesehen hatten. Außerdem ist Lachen auch angstlösend, wie in mehreren Studien mit Klinikclowns herauskam.

Humor ist stets eine Gratwanderung

Die Aufklärung hat das Denken seit dem 18. Jahrhundert mehr und mehr vernünftig gemacht. Nur: »Humor stellt die Vernunft in Frage – und schafft damit beim Denken assoziative Freiheit. Neue Ideen wirken nicht selten ›komisch‹«, sagt Humorforscher Stollmann.

Ebenso kann Humor helfen, Lösungen herbeizuführen. »Menschen, denen es gelingt, in ernsten Situationen, zum Beispiel in einer angespannten Verhandlung, die Humorebene hineinzubringen, vollbringen damit oft ein Kunststück«, sagt Stollmann.

Allerdings braucht es dazu einen gewissen Mut. Denn Humor ist stets eine Gratwanderung. Nicht jeder und jede ist empfänglich für jegliche Art von Humor. Schon die politische Einstellung kann ein Stück weit beeinflussen, was ein Mensch lustig findet und was nicht. Worüber Menschen aus dem konservativen Spektrum im Vergleich zu Menschen aus dem progressiven Spektrum eher lachen, hat das Team um Willibald Ruch von der Universität Zürich untersucht. »Tendenziell haben konservative Menschen mehr Bedürfnis nach Klarheit. Sie mögen zum Beispiel Witze, die bei der Auflösung etwas zwar Falsches, aber Erwartetes offenbaren. Das können beispielsweise Witze sein, die mit den Klischees spielen, dass Schotten geizig und Blondinen dumm sind«, sagt Ruch. Bei wenig konservativen Personen kommt dagegen Humor gut an, der eher neu, sperrig und nicht ganz eindeutig ist. Manche haben eben Sinn für diesen, andere für jenen Humor.

Geht das: Lachen lernen?

Was jedoch, wenn es am Sinn für Humor mangelt? Lässt sich Lachen lernen? »Lernen« im eigentlichen Sinn ist hier laut Willibald Ruch gar nicht nötig, weil »eine gewisse Fähigkeit zum Humor angeboren ist«. Diese Fähigkeit könne aber mit den individuellen Erlebnissen im Lauf des Lebens ein Stück weit verschüttet werden, erklärt er weiter. »Es braucht nicht einmal einen Schicksalsschlag oder strenge Eltern. Man kommt in die Schule, an die Uni, beginnt den ersten Job, und der ›Ernst des Lebens‹ beginnt. Die hier gemachten Erfahrungen können bei vielen den Humor schon ein Stück weit zurückdrängen«, sagt Ruch.

In einer Studie haben Ruch und Kollegen ein Acht-Wochen-Programm getestet, in dem man lernen sollte, wieder mehr zum Humor zu finden. »Jede Woche hat sich eine Gruppe in einer Doppelstunde getroffen, in Übungen wurde der für Humor so wichtige Spieltrieb aus der Kindheit wiederbelebt: untertreiben, übertreiben, beobachten. Dann gab es Aufgaben für zu Hause. Das waren oft einfache Dinge, etwa abends vorm Einschlafen zu überlegen, welche drei Momente an dem Tag lustig waren«, erzählt Ruch.

Nach acht Wochen konnten Ruch und seine Kollegen tatsächlich Erfolge vermelden. So stieg nicht nur die Lebenszufriedenheit im eigenen Empfinden der Teilnehmer signifikant an, auch Fremde beurteilten sie nach den acht Wochen als heiterer.

Warum also nicht einmal die Frage am Abend ausprobieren, die die Probanden aus Ruchs Studie beim Einschlafen beantworten sollten. Welche drei Momente waren heute lustig?