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DER BIKRAM-SKANDAL: Die kalte Seite des Hot- Yoga-Gurus


Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 09.01.2020

#MeToo auf der Matte: Eine neue Netflix-Doku enthüllt, wie der Mann, der das schweißtreibende Bikram-Yoga zum Megatrend machte, seine Schülerinnen erniedrigte und missbrauchte. Und – ja – er unterrichtet immer noch!


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Bildquelle: Grazia, Ausgabe 3/2020

Feelgood? Fehlanzeige! Bikram Choudhury beleidigt seine Jünger während der Sessions


10 000 Dollar kostet die Teilnahme an einem der umstrittenen Teacher-Trainings. Dabei sind die berühmten 26 + 2 Positionen nicht mal Bikrams Erfindung. Er hat sie von seinem Lehrer Bishnu Charan Ghosh abgekupfert


WENN ER KURSE GIBT, trägt er meist nicht mehr als eine schwarze Speedo, ein Headset und eine ...

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... Rolex. Auch Bikram Choudhurys Yoga ist auf die Basics runtergerechnet: 26 Asanas, zwei Atemübungen und ein 40 Grad heißer Raum. Die Hitze stärke die Immunabwehr und mache den Körper geschmeidiger, so die offizielle Begründung für die Raumtemperatur. Weniger geschmeidig klingt es, wie der inzwischen 75-jährige Guru seine Philosophie einmal zusammenfasste: „Ich mag kein kaltes Wetter, kein kaltes Essen, kein kaltes Herz und keine kalten Pussys.“ Seine grobe Ausdrucksweise und sein Faible für westlichen Luxus waren nie ein Geheimnis. Im Gegenteil: Choudhury sah sich als „amerikanischen Yogi“, lebte in einer Villa in Beverly Hills und ließ sich am liebsten vor seinem Oldtimer-Fuhrpark ablichten. Der kleine Mann mit dem strengen Dutt wirkt in Eva Orners Netflix-Dokumentation „Bikram: Yogi, Guru, Raubtier“ zunächst wie ein lächerlicher Narziss. Doch der 86-Minuten-Film zeigt auch, welche unwiderstehliche Macht er über seine Schüler ausübt – und wie er sie missbraucht. Choudhurys neunwöchiges Lehrerseminar (für das er zeitweise 10 000 Dollar pro Person verlangte) sei eine einzige große Gehirnwäsche, sagen ehemalige Mitarbeiter. Der Führungsstil des Extrem-Yogis? Halb Erniedrigung, halb Salbung. Wobei seine Eleven selbst Sprüche wie „Zieh deinen verdammten Fettbauch ein, ich will nicht sehen, wie es schwabbelt“ als inspirierend einordneten.

Aber auch die vermeintliche „Salbung“ konnte zum Fluch werden. In der Dokumentation berichten ehemalige Yoga-Azubis von Filmabenden und nächtlichen Massagesessions in Choudhurys Suite. Der Lehrer, der nach eigenen Angaben keine 30 Stunden Schlaf pro Monat benötigt, rief um drei Uhr nachts seine Lieblingsschülerinnen in sein Schlafzimmer, um mit ihnen Bollywoodfilme anzuschauen. Dabei ließ er sich massieren, die Arme, die Beine und am liebsten auch den Penis. In der Dokumentation berichtet eine Schülerin, wie sie nur knapp aus Choudhurys Hotelsuite fliehen konnte, während er sie begrapschte und küsste. Eine Ex-Mitarbeiterin sagt, er habe sie in seiner Villa vergewaltigt, während seine Frau und die beiden Kinder im selben Haus schliefen.

Und der Yoga-Weinstein suchte sich seine Opfer offenbar gezielt aus. Es waren zumeist Frauen mit finanziellen oder psychischen Problemen. So berichtet eine, die Yoga-Ausbildung habe ihr Auskommen sichern sollen, sie sei nicht in der Lage gewesen, das Teacher-Training zu verlassen. Außerdem hätte der Meister, der das Copyright auf seine Positionsfolgen erworben hatte, ihr die Franchise-Rechte entziehen können, wenn sie geredet hätte. Andere suchten die Schuld für die Übergriffe bei sich selbst. 2013 gingen endlich sechs Frauen mit Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Yogi an die Öffentlichkeit. Durch außergerichtliche Einigungen in mehreren Fällen häufte Choudhury 16 Millionen Dollar Schulden an. Er hat bis heute keinen Cent gezahlt, sondern floh aus den USA, wo er seit den 70er-Jahren unterrichtet hatte, nach Mexiko. Lehrer-Seminare gibt er nach wie vor. Zuletzt fand eines in Spanien statt. Und junge Schülerinnen posteten Instagram- Pics im Arm des Meisters. Nur wenige Studios distanzierten sich von Choudhury. Dabei fanden US-Journalisten heraus, dass er nicht mal der Urheber der 26 + 2 Positionen ist. Er stahl sie seinem Lehrer.

Regisseurin Eva Orner will nun, mit ihrer Dokumentation Bewusstsein für die Übergriffe schaffen und so seinen Handlungskreis einschränken. Doch ein Sprecher Choudhurys behauptete, Bikram erlebe durch den Film sogar einen neuen Hype. Hoffentlich nur eine weitere Lüge …

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FOTOS: PR