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DER BLICK VON OBEN …


digit! - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 12.04.2019

… eröffnet neue Perspektiven: Industrie-Fotograf Ben Isselstein über das dynamisch wachsende Geschäftsfeld der Luftbilder in seiner Firma.


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Bildquelle: digit!, Ausgabe 3/2019

Luftaufnahmen haben sich für Ben Isselstein innerhalb kurzer Zeit zu einem strategisch wichtigen Geschäftsfeld entwickelt.


Darum gehts

Ben Isselstein hat sich auf hochwertige Bilder von Investitionsgütern spezialisiert: B2B-Fotografie von Baumaschinen, Transportgeräten, Spezialfahrzeugen und Produktionsanlagen – von der Pistenraupe über den Asphaltfertiger bis zum Zementwerk.

Die Spezialität des Bilddienstleisters aus Aachen: komplexe Szenen, die er aus realen sowie ...

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... computergenerierten Aufnahmen am Rechner zusammenbaut. „Was nicht da ist oder hergeschafft werden kann, wird durch Composings aus CGI und Real Shots zusammengebaut“, erklärt er.

„Virtual Stages“ nennt Isselstein diese Herangehensweise. Die komplette Produktionslinie umfasst Fotografie und Videoaufnahmen, virtuellen Modellbau per CGI, digitale Bildmontage, Composing, Postproduktion – und seit Kurzem auch Luftaufnahmen.

„Ich hatte zunächst Vorbehalte, als die erste Kundenanfrage in diese Richtung kam. Die meisten Copter-Aufnahmen, die ich bis dato gesehen hatte, fand ich eher mittelmäßig – eben nur scharf und richtig belichtet. Da fehlte mir einfach der gestalterische Aspekt“, meint Isselstein und erinnert sich. „Dann habe ich mit meinem Team überlegt, und wir haben gesagt: Wenn wir das machen, dann machen wir es gleich richtig.“ Richtig, das hieß für den Perfektionisten Isselstein, der seine Industrie-Fotografie auf einem exklusiven Qualitäts-Niveau betreibt und am Boden in aller Regel mit einer 100 Megapixel auflösenden Phase One arbeitet, vor allem: qualitativ richtig gut.

Schnell war klar: Eine kleine Drohne, wie etwa eine Mavic oder Phantom, die nur integrierte Kameras mit geringer Auflösung tragen, macht keinen Sinn. „Wir wollten mit der Sony Alpha 7R II arbeiten, die wir bereits für einzelne Aufnahmen am Boden im Einsatz hatten und von der wir wussten, dass sie hochwertige Bilder auch aus der Luft liefern kann, seien es Stills oder Bewegtbilder. Zu groß und schwer durfte das Set-up andererseits auch nicht sein, denn wir fotografieren weltweit und das zulässige Maximalgewicht für Flugreisen beträgt international 30 Kilogramm. „Deshalb haben wir uns für den Hexacopter DJI Matrice 600 Pro entschieden.“

Locations (links), an denen Isselstein bereits mit seinem Copter (rechts) im Einsatz war.

2017 war es dann so weit: Isselstein und ein Mitarbeiter machten den „Commercial Pilot of Unmanned Aerial Systems“-Schein, kurz CP-UAS, der für das Fliegen von Drohnen mit einer Nutzlast ab fünf Kilogramm Voraussetzung ist und zugleich sicherstellt, dass Fluggenehmigungen eine reine Formsache sind – solange diesen keine rechtlichen oder sicherheitstechnischen Aspekte entgegenstehen.

Das steckt dahinter

„Mit unserem Set-up aus DJI Matrice 600 Pro und Sony A7 R II können wir in alle Richtungen fliegen, RAW-Bilder mit 42 Megapixeln aufnehmen und dank des Zusatzmoduls eines Drittanbieters auch alle wesentlichen Kameraparameter vom Boden aus steuern, etwa die Blende, die Belichtungszeit oder den Wechsel vom Auto- in den manuellen Fokus oder vom Foto- in den Filmmodus. Das spart viel Zeit und ist entscheidend, weil unsere Aufnahmen aus ästhetischen Gründen oft um Sonnenauf- oder -untergang herum, also in sehr knappen Zeitfenstern entstehen“, erläutert Isselstein.

Aus Sicherheitsgründen herrscht dabei eine strikte Arbeitsteilung: Während Isselstein fotografiert bzw. filmt, fliegt sein Kollege den Copter. Sicherheit sei das A und O, sagt Isselstein, auch weil Fehler, die am Boden eine Ordnungswidrigkeit darstellen, in der Luft schnell mal eine Straftat und damit den Verlust der Fluglizenz bedeuten. Und Fehlsteuerungen seien gerade bei Luftaufnahmen von technischen Anlagen keine abstrakte Gefahr. „Wenn du irgendwo auf der grünen Wiese fliegst, denkst du schnell, dass du die Drohne beherrschst“, sagt Isselstein. „Über Industrie-Anlagen sieht die Sache anders aus, weil der Copter manchmal einen halben Kilometer entfernt ist, aus dem Sichtfeld geraten könnte oder Funkverbindung und Copter-Steuerung wegen der großen Mengen an Stahl beeinträchtigt sind.“

Zu den technischen Herausforderungen gesellen sich hohe Investitionen. Allein die Kosten für die Drohne mit der Sony samt Sonyoder Zeiss-Objektiven belaufen sich auf rund 16.000 Euro, hinzu kommen 1.500 Euro für die Flug-Schulung pro Person sowie die iPads für die Bildkontrolle und Remote-Steuerung, technische Upgrades etc.

Das sagt der Fotograf

„Unsere Überlegung lautete einfach: Sei konsequent in dem, was du tust. Du kannst nicht mit 100-Megapixel-Kameras am Boden agieren und dann mit einer Drohne aus dem Elektromarkt fliegen, die Bilder in GoPro-Qualität liefert. Unser Set-up ermöglicht hochauflösende und hochqualitative Stills und Videos. Damit gehören wir zu den Vorreitern auf diesem Gebiet: In Deutschland gibt es vielleicht fünf bis sieben weitere Bilddienstleister, die Areal-Aufnahmen in geringen bis mittleren Höhen in vergleichbarer Qualität liefern können. In unserem Bereich der B2B-Fotografie haben wir sogar eine Alleinstellung. Auch aus diesem Grund liegen uns bereits Anfragen für Luftaufnahmen von Industriegütern weltweit vor – von Kolumbien und Argentinien bis Australien oder Sibirien. Mittlerweile können wir schon vom Boden aus beurteilen, was möglich ist und wie wir beeindruckende Ergebnisse erzielen. Unsere ästhetischen, gestalterischen und technischen Ambitionen wachsen kontinuierlich.

Der Fotograf setzt auf einen professionellen Hexacopter vom Typ DJI Matrice 600 Pro. Dieser ist in der Lage, eine Vollformat-Kamera von Typ Sony Alpha 7R II zu tragen, wodurch qualitativ hochwertige Stills und Bewegtbilder möglich werden.


„Wenn es uns gelingt, zur blauen Stunde mit einer halben Sekunde Belichtungszeit scharfe Bilder zu produzieren, ist das schon ein tolles Gefühl“, sagt Isselstein über seinen gestalterischen und technischen Anspruch.


Wenn es uns gelingt, morgens zur blauen Stunde bei ISO 800 mit einer Belichtungszeit von einer halben Sekunde scharfe Bilder zu produzieren, ist das schon ein tolles Gefühl. Und wenn wir vor einem Lkw herfliegen, dann das Panorama zur ganzen Anlage hin öffnen und einen Rundflug über das Gelände starten, über dem die Sonne aufgeht, entstehen Aufnahmen, von denen nicht nur wir begeistert sind. Unsere Kunden verwenden unsere Bilder für großformatige Prints oder für Videoprojektionen – zuletzt beispielsweise auf der größten Baumaschinenausstellung der Welt.

Bislang werden wir für Luftaufnahmen ausschließlich im Paket gebucht, das heißt als Ergänzung zu den Bildern, die wir am Boden produzieren – weshalb eine klare Aussage über den mit Luftaufnahmen erwirtschafteten Mehrwert nicht ganz einfach ist. Klar ist aber, dass die Aerials unsere Position in der Branche langfristig deutlich verbessern. Und einen Heidenspaß macht das Ganze auch noch.“

BEN ISSELSTEIN studierte Fotoingenieurwesen und Kommunikationsdesign, ehe er sich 1986 selbstständig machte. Die Spezialität des Werbefotografen aus Aachen, der für Unternehmen der Investitionsgüterbranche international arbeitet, sind High-End-Composings, bei denen Setbau, Indoor- und Outdoor-Shootings, CGI, Composings, Retusche und ein umfangreiches Bildarchiv an Hintergrundmotiven zusammenspielen.
www.benisselstein.de