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DER BOSSE-GIPFEL


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 40/2022 vom 05.10.2022

BUNDESLIGA

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 40/2022

WATZKE

„Für kein Geld der Welt würde ich zum FC Bayern wechseln“

Samstag, 8. Oktober, 18.30 Uhr

live bei Sky

SPORT BILD: Herr Kahn, was war Ihr erster Gedanke, als Sie am vergangenen Samstag gesehen haben, dass der BVB 2:3 in Köln verloren hat. Jubeln Sie, wenn ein Konkurrent nicht gewinnt?

OLIVER KAHN (53): Wir beim FC Bayern wollen nicht auf die Konkurrenz schauen! Uns muss klar sein – und das habe ich nach unserem 4:0 gegen Leverkusen auch gesagt: Wenn wir unsere Qualität mit der von Thomas Müller so schön beschriebenen Galligkeit auf den Platz bringen, müssen wir uns keine Gedanken über andere machen.

Herr Watzke, wie haben Sie sich nach dem Köln-Spiel gefühlt?

HANS-JOACHIM WATZKE (63): Natürlich ärgere ich mich, das ist Oliver beim 0:1 in Augsburg ja sicher auch so gegangen. Dieses Spiel hätten wir nicht verlieren dürfen, und da darf sich die Mannschaft auch nicht beklagen, wenn jetzt ...

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... Kritik aufkommt. Ich habe kurz nach der Pause zu Matthias Sammer auf der Tribüne gesagt, dass es keine drei Minuten dauern wird, bis wir ein Gegentor kriegen, wenn wir so weiterspielen – und genau so war es leider auch. Wie man sich 15 Minuten so von einem Spiel verabschieden kann wie wir nach der Pause in Köln, ist schwer zu erklären und auch nicht nachvollziehbar.

KAHN

„NATÜRLICH war Aki früher ein Fan von mir, als ich noch Torwart war ...“

BVB-Trainer Edin Terzic sagte: „Man hat gesehen, woran es bei uns seit Jahren hapert.“ Was ist aus Ihrer Sicht das Hauptproblem?

WATZKE: Wir müssen daran arbeiten, diese Galligkeit und Präsenz in jedem Spiel über die ganze Saison auf den Platz zu bringen. Das ist ein hehrer Anspruch, aber DER entscheidende Punkt. Edin weiß, dass das die größte Baustelle ist. Er steht damit aber nicht allein, da ist unter anderem auch Sebastian Kehl als Sportdirektor gefragt, das mit dem Team aufzuarbeiten. Es ist auch hier Teamwork.

Herr Kahn, müssen Sie schon schmunzeln, wenn Konkurrenten ankündigen: „Wenn Bayern schwächelt, müssen wir da sein!“?

KAHN: Ich muss nach unserem Start nicht schmunzeln, damit waren wir alles andere als zufrieden! Wir haben uns vielleicht etwas einlullen lassen, als wir zu Beginn jeden Gegner klar geschlagen haben. Da hat sich vielleicht der Gedanke in der Mannschaft breitgemacht, dass die Bundesliga ein Selbstläufer wird. Nur: Das ist nicht der Fall! Ich habe der Mannschaft klar gesagt: „Außer unseren eigenen Fans gönnt uns NIEMAND die nächste Meisterschaft.“ Wenn wir das verinnerlichen und diesen Schalter umlegen, schaue ich optimistisch nach vorne ...

Herr Watzke, Sie haben im Sommer über die Bayern-Dominanz gesagt: „Irgendwann bröckelt es.“ Haben Sie den Eindruck schon?

WATZKE: Nein. Auch wenn sie nach acht Spielen nicht schon acht Punkte vor uns stehen, sondern wie wir 15 Punkte haben. Mir ging es mit meiner Aussage darum, dass diese Bayern-Achse mit Neuer-Müller-Lewandowski eine extreme Mentalität hat und die Mannschaft nach innen extrem pusht. Robert ist jetzt weg, es gibt eine neue Achse. Wann die Dominanz bröckeln wird, kann ich nicht vorhersagen, aber ich bin sicher: Nichts im Leben ist für die Ewigkeit. Das sieht man ja auch in Frankreich, wo auch mal Lille statt Paris St-Germain Meister wurde. Oder an England, wo es Leicester geschafft hat.

Welcher Trainer braucht den Gipfel-Sieg am Samstag mehr: Terzic, der nach der Partie 100 Tage im Amt ist, oder Julian Nagelsmann?

KAHN: Was heißt: Braucht den Sieg mehr? Der FC Bayern hat den Anspruch, jedes Spiel zu gewinnen! Erst mal hat Aki recht, dass du immer eine Achse brauchst. Wir entwickeln unsere Mannschaft permanent auf höchstem Niveau weiter, das hat den Verein immer ausgezeichnet, und hin und wieder braucht es auch mal Zeit. Wir sind von Julian Nagelsmann total überzeugt. Natürlich war uns klar, dass es auch schwierige Phasen geben kann – wir sind ja alle nicht auf den Kopf gefallen –, aber Julian lernt sehr schnell und hat großartige Qualitäten. Wir glauben alle an ihn.

WATZKE: Ich glaube, dass beide Trainer den Sieg nicht deshalb benötigen, weil sie sonst irgendwelche Nöte haben könnten. Ich habe das Gefühl, dass Julian bei Bayern sehr sicher im Sattel sitzt. Und ich weiß: Edin Terzic sitzt bei uns bombensicher im Sattel. Wir haben mit ihm ein Langzeitprojekt, das wir auf jeden Fall durchziehen werden. Für mich ist das Spiel im Übrigen völlig offen. Ob wir in Köln verloren haben oder nicht, hat am Samstagabend für mich keine Relevanz mehr. Wir werden hier vor 81 365 Fans spielen, hier wird die Hölle los sein, und wir wollen da sein.

Die legendärste Szene von Oliver Kahn in einem Spiel in Dortmund ist die Kung-Fu-Szene gegen Stéphane Chapuisat am 3. April 1999. Wie haben Sie das verfolgt?

WATZKE: Ich war im Stadion und habe ihn damals natürlich wie jeder Borusse verflucht, das ist doch klar (lacht). Man wusste ja, wie Oliver auf dem Platz tickt.

„Uns war klar, dass es schwierige Phasen geben kann, aber Julian lernt sehr schnell und hat großartige Qualitäten“

Oliver Kahn

Waren Sie sonst Fan des Torwarts Oliver Kahn?

KAHN: NATÜRLICH war Aki das!

WATZKE: Also: Als du bei Bayern im Tor warst, war ich deutlich weniger Fan, als wenn du in der Nationalmannschaft aufgelaufen bist ...

KAHN: Allein, dass nach 23 Jahren noch über diese Szene – und an Ostern immer über meinen Eier-Spruch – gesprochen wird, zeigt ja, dass solche Emotionen auch dazugehören und den Fußball ausmachen. Ich habe zu der vermeintlichen „Kung-Fu-Szene“ ja schon mehrfach gesagt: Zu Chapuisat hatte ich damals zwei Meter Abstand. Mindestens… (schmunzelt).

Und bei Heiko Herrlich, den Sie beißen wollten ...

KAHN: (lächelt) Wenn ich die Szene heute sehe, muss ich auch schmunzeln. Das darf man nicht überbewerten! Mich hat eben damals geärgert, dass meine Serie ohne Gegentor gerissen ist (nach 736 Minuten; d. Red.). Aber klar, an diesem Tag bin ich schon übers Ziel hinausgeschossen.

„Mir war von Anfang an klar, dass Bayern Haaland nicht bekommen würde“

Hans-Joac him Watzke

Was war bei Spiel e n in Dortmund für Sie immer emotionaler als bei „normalen“ Auswärtsspielen?

KAHN: Nachdem ich 1994 zu Bayern kam, wurde Dortmund direkt zweimal Meister, holte zudem die Champions League. Sie waren vom ersten Tag an unser größter Konkurrent, daher war die Rivalität immer bei mir verankert. Genau diese Rivalität ist auch heute noch extrem wichtig für die Spannung in der Bundesliga, genauso wie es in Spanien bei Real Madrid und dem FC Barcelona der Fall ist.

Hatten Sie als Spieler mal ein Angebot des BVB?

KAHN: Ich komme ja aus Karlsruhe und stand damals als Zehnjähriger mit einer Bayern-Fahne in Block 1 im Wildparkstadion, wo die eingefleischten KSC-Fans standen. Das sagt doch alles aus: Ich war schon als Kind immer Fan des FC Bayern.

Herr Watzke, was müsste man Ihnen bieten, damit Sie zum FC Bayern gehen?

WATZKE: Dafür gibt es kein Preisschild – für kein Geld der Welt würde ich das machen. Ich bin seit 18 Jahren beim BVB, seit Urzeiten Fan, das alles werde ich niemals an der Garderobe abgeben.

KAHN: Nachd e m ich

2008 meine Karriere beendet hatte, gab es die Möglichkeit, nach Schalke als Manager zu gehen ...

WATZKE: Da hast du aber Glück, dass du es nicht gemacht hast (lacht)! Hey, nur Spaß …

KAHN: Wenn du 14 Jahre für einen Klub gespielt hast, gehst du auch nicht einfach so woanders hin. Dazu kam: Wir haben uns damals in Rheda-Wiedenbrück getroffen (bei Schalke-Boss Clemens Tönnies; d. Red.). Es hieß, das Treffen sei natürlich geheim. Ich saß dann an der Hotelbar und habe auf das Gespräch gewartet – und da lief schon im Ticker bei n-tv im Fernsehen, dass ich gerade zu Gesprächen da sei. Da hatte ich dann gleich kein so gutes Gefühl …

Herr Watzke, zu Karl-Heinz Rummenigge haben Sie ein sehr enges Verhältnis. Zu Uli Hoeneß ist es eher distanziert. Wie ist es mit Oliver Kahn?

WATZKE: Oliver und ich haben immer eine relativ hohe Wertschätzung füreinander empfunden. Wir haben ein sehr gutes, konstruktives, sachliches Verhältnis. Oliver ist ja ein eher introvertierter Typ. Wir treffen uns also nicht einmal die Woche auf ein Glas Wein, aber die Beziehung ist total belastbar. Das merke ich unter anderem daran, dass das, was in vertraulichen Gesprächen besprochen wird, nicht rauskommt.

KAHN: Ich kann das nur bestätigen. Gerade auf den Ebenen, auf denen wir uns international im Fußball bewegen, haben wir viele gemeinsame Interessen. Das läuft reibungslos.

Seit wann duzen Sie beide sich eigentlich?

KAHN: Das hat sich einfach ergeben und war, glaube ich, niemals anders.

Herr Watzke, wollten Sie Oliver Kahn das „Du“ entziehen, als sich Bayern um Erling Haaland bemühte?

WATZKE: Auf keinen Fall. Da wäre Oliver ja schön doof gewesen, wenn er sich mit Bayern nicht um Erling bemüht hätte. Mich wundert ehrlich gesagt, dass alle plötzlich so überrascht sind, dass Haaland bei Manchester City so viele Tore schießt. Das war doch klar! Er hat ja bei uns schon viele Tore gemacht, wenn er jetzt mit City bei einer Mannschaft spielt, die ständig Chancen kreiert, lässt sich ein Haaland das nicht nehmen, die Dinger reihenweise reinzumachen. Hätte sich der FC Bayern nicht um Haaland bemüht, wäre es fahrlässig gewesen. Und Fahrlässigkeit würde ich Bayern nie unterstellen. Allerdings ...

Ja, bitte?

WATZKE: Mir war von Anfang an klar, dass Bayern Haaland nicht bekommen würde, weil er ins Ausland wollte.

Herr Kahn, wie gerne hätten Sie Erling Haaland im Bayern-Dress gesehen?

KAHN: Über die Qualität von Haaland müssen wir nicht diskutieren, was mir darüber hinaus an ihm gefällt, ist seine Mentalität. Haaland ist ein typischer Vollstrecker-Stürmer, der von Anfang an nur mit einem Gedanken auf den Platz geht: Ich will Tore machen! Das zeichnet auch Robert Lewandowski aus. Stürmer wie die beiden sehen nur darin ihr Glück. Jetzt hat er bei Manchester City in acht Liga-Spielen 14 Treffer auf dem Konto. Er ist in absoluter Top-Form.

„Wir haben mit Edin Terzic ein Langzeitprojekt, das wir auf jeden Fall durchziehen“

Hans-Joachim Watzke

Hat Aki Watzke recht, wenn er sagt, dass Bayern gegen das Ausland im Poker um Haaland chancenlos war?

KAHN: Wenn ich über die Haaland-Thematik nachdenke, muss ich an die Diskrepanz zwischen der Bundesliga und der Premier League denken. Da geht es nicht nur um den Unterschied bei den TV-Einnahmen, sondern auch darum, dass Manchester City ein Klub ist, hinter dem Investoren stehen, die Möglichkeiten haben, die exorbitant sind. Wenn wir da mithalten wollen, müssen wir uns als Klub, aber auch als gesamte Bundesliga wirklich viele Gedanken machen. Aber genau das tun wir ja bereits.

„ Zu Chapuisat hatte ich damals mindestens zwei Meter Abstand ...“

Kahn über seinen Kung-Fu-Sprung

Herr Watzke, vor einem Jahr hatte der BVB nach acht Spielen 22 Tore erzielt, Bayern 29. Jetzt haben Sie 11 und Bayern 23. Kann Bayern den Lewandowski-Abgang besser verkraften als Sie den von Haaland?

WATZKE: Diese Frage darf man eigentlich nicht stellen vor dem Hintergrund, dass unser Haaland-Ersatz Sébastien Haller an Krebs erkrankt ist und noch keine Minute für uns auf dem Platz stand. Das hat unsere Transferstrategie in der Offensive komplett zerschossen. Und das wissen Sie genauso gut wie ich.

Haben Sie Hoffnung, dass Haller diese Saison für den BVB auflaufen wird?

WATZKE: Sébastien und ich hatten uns letzten D ienstag getroffen, und da hat er mir berichtet, dass seine Chemotherapie bald auslaufen wird. Wir haben große Hoffnungen, dass er vielleicht schon Richtung Rückrunde wieder mit einsteigen kann. Aber das entscheidet er alleine. Wir wollen und dürfen ihn nicht unter Druck setzen. Die Erkrankung war massiv. Er bekommt alle Zeit der Welt.

Dortmunds letzter Meister-Trainer Jürgen Klopp hat sich aus England mit der Ansage gemeldet, dass es ohne Lewandowski nun der richtige Moment wäre, Bayern zu stürzen. Sehen Sie das auch so?

WATZKE: Dass Jürgen am Samstag für uns ist, hätte ich Ihnen auch vorher sagen können. Seine Sicht auf die Dinge ist schon richtig, und glauben Sie mir: Wir alle in der Liga wollen Bayern stürzen, schon lange. Aber Bayern wehrt sich. Nichtsdestotrotz: Ich rechne mir für Samstag etwas aus!

Der FC Bayern brachte 2013 beim BVB vor dem Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid Unruhe rein, als vorab der Transfer von Mario Götze aus Dortmund publik wurde. Herr Kahn, Sie könnten jetzt eine Spitze setzen, wenn Sie ein Interesse an Jude Bellingham bekunden …

KAHN: Natürlich halte ich Bellingham für einen hervorragenden Spieler. Mit Kimmich, Goretzka, Sabitzer und Gravenberch sind wir allerdings auf der Position sehr gut besetzt, sodass wir uns da überhaupt keine Gedanken machen.

Sie haben eine Verpflichtung von Cristiano Ronaldo im Sommer für den FC Bayern ausgeschlossen. Danach gab es Gerüchte um ein Ronaldo-Interesse an Dortmund. Hätten Sie den Superstar gerne im schwarz-gelben BVB-Dress gesehen?

KAHN: Aki, wir haben uns ja mal über diese Ronaldo-Thematik unterhalten. Wir haben bei Bayern kurz über Ronaldo diskutiert und Dortmund vermutlich auch. Wir sehen ja auch das große Ganze der Bundesliga. Ein wichtiger Faktor für die Aufmerksamkeit für die Liga sind natürlich Superstars wie ein Ronaldo. Er ist einer der Größten der letzten Dekade. Aber wir haben das schnell verworfen.

Herr Watzke, haben Sie aus ähnlichen Gründen nicht auf das Ronaldo-Interesse reagiert?

WATZKE: Es hat nie Kontakt gegeben zwischen Ronaldo und uns. Von daher erübrigt sich die Frage.

Fühlen Sie sich bestätigt, wenn Sie Ronaldos aktuelle Form sehen?

WATZKE: Ich hatte gleich das Gefühl, dass es zwischen Uniteds neuem Trainer Erik ten Hag, den ich ja auch ein wenig kenne, und Ronaldo schwierig werden könnte. Ronaldo wollte unbedingt weg, da geht einfach etwas im zwischenmenschlichen Bereich verloren. Wenn man allerdings sieht, dass United bei City sechs Buden bekommt und es sich dennoch leistet, auf Ronaldo zu verzichten, muss der Trainer auch wissen, was er tut …

Herr Kahn, Uli Hoeneß prägte den Spruch: „Ein Titel ist auf Dauer etwas wenig.“ Hat er recht?

KAHN: Die Meisterschaft ist das erste Ziel, aber es darf natürlich sehr gerne etwas mehr sein … Das Aus im Champions-League-Viertelfinale gegen Villarreal vergangene Saison war sehr bitter für uns. Das war der Punkt, der uns bestärkt hatte, dass wir etwas tun müssen, weil das nicht unser Anspruch ist! Dementsprechend haben wir unseren Kader dann auch verändert.

Herr Watzke, unterschreiben Sie den Satz aus BVB-Sicht: „Maximal der Pokalsieg ist auf Dauer etwas wenig für Borussia Dortmund“?

WATZKE: Natürlich würden wir gerne wieder mal Meister werden. In einer anderen Liga wäre das vielleicht leichter möglich. Aber wir haben in der Bundesliga mit dem FC Bayern eine der besten Mannschaft der Welt. Ich erinnere mich noch, als wir 2011 für die Meisterschaft mit 75 Punkten abgefeiert wurden – mit 75 Punkten wirst du heute nicht mehr Meister, denn Bayern holt mehr. Wenn wir eine außergewöhnliche Saison spielen und Bayern keine gute, dann ist es dennoch wieder möglich. Zwischen uns stehen aber 160, 170 Millionen Euro an Gehaltskosten. Und das in jeder Saison! Aber wir geben nicht auf und werden es auch diese Saison wieder versuchen.

Herr Kahn, die Möglichkeit von Meister-Play-offs nannten Sie „spannend“. Sehen Sie das auch so, Herr Watzke?

WATZKE: Es geht gar nicht darum, ob man das spannend findet oder nicht. Wir beide haben darüber auch des Öfteren schon diskutiert. Der Moment, das in die Öffentlichkeit zu bringen, war damals falsch. Wenn, muss man so etwas langfristig und argumentativ gut vorbereiten. Ich finde nach wie vor, dass die Meisterschaft nach 34 Spieltagen die vernünftigste, die fairste Lösung ist. Der Fußball entwickelt sich aber immer mehr in die Richtung Event. Ob meine Generation das nun will oder nicht. Wenn die Bayern noch weitere fünfmal in Serie Meister werden und die ganze Liga und die Bayern selbst sagen, dass es uns in Deutschland schwächt, wenn wir weiter nach dem gegenwärtigen Modus verfahren, dann muss man vielleicht darüber diskutieren. Aber zum aktuellen Zeitpunkt sehe ich es nicht. KAHN: Mir ging es damals auch darum, dass man über alles diskutieren kann, dass es keine Denkverbote geben sollte. Wenn mir etwas Sorgen bereitet: Wir nehmen es als gottgegeben hin, dass Fußball immer der Nummer-eins-Zuschauersport ist.

„Wir haben große Hoffnungen, dass Sébastien Haller vielleicht schon Richtung Rückrunde wieder mit einsteigen kann“

Hans-Joachim Watzke

Wenn man aber sieht, wie jüngere Generationen Sport konsumieren und wie viele andere Optionen sie haben, muss man das ernst nehmen. Es ist nicht mehr nur der Fußball, den sie sich anschauen. Für das NFL-Spiel in München hätten wir eine Million Karten verkaufen können. Das sind Entwicklungen, die wir nicht einfach ignorieren können. Mir ging es darum, darauf aufmerksam zu machen. Wir dürfen nicht vergessen, den Nachwuchs weiterhin für den Fußball zu begeistern, daher müssen wir für alle Möglichkeiten offenbleiben. Grundsätzlich muss man bei allen Gedankenspielen aber immer das Interesse aller Fans ins Zentrum stellen.

„Wenn bei mir ,anonym‘ auf dem Handy-Display steht, weiß ich, wer dran ist ...“

Kah nüber Anrufe von Uli Hoeneß

Den Anruf vom Tegernsee gab es vermutlich dennoch sofort – Uli Hoeneß ist von Meister-Play-offs gar kein Fan?

KAHN: Ich habe auch mit Uli Hoeneß immer wieder mal intensive Diskussionen. Es ist ein Austausch von Argumenten. Eine Stärke von Bayern München ist ja, dass auch mal gerungen wird. Das ist aber immer im Interesse des Klubs.

Ist Uli Hoeneß der Einzige, der auch Sie mit unterdrückter Nummer anruft? Bei Herrn Watzke war es immer schmerzhaft, wenn nach Meisterschaften morgens um halb acht das Telefon mit unterdrückter Nummer klingelte …

KAHN: Das hat sich nicht verändert (lacht). Wenn bei mir „anonym“ auf dem Display steht, weiß ich, wer dran ist.

Lothar Matthäus sagte mal, wenn Hoeneß etwas auf der Seele liegt, kommt man in der ersten Viertelstunde gar nicht ins Gespräch. Geht Ihnen das auch so?

KAHN: Ja, ich kenn das schon auch. Wenn Uli etwas wichtig ist, dann bekommt man das auch schnell mit (lacht).

Florentino Pérez, der Präsident von Real Madrid, hat gesagt, man braucht ein absolutes Premiumprodukt, um in der Jugend bestehen zu können. Können Sie weiter ausschließen, dass deutsche Vereine Teil einer Super League sind?

KAHN: Die Gedankengänge zur Jugend kann ich nachvollziehen, aber eine Teilnahme an dem einst vorgeschlagenen Super-League-Format kann ich für den FC Bayern ausschließen. Für drei Klubs sind die Gedankengänge zur Super League immer noch nicht vom Tisch, wie man weiß. Und das, obwohl wir ab 2024/25 ja ein neues Champions-League-Format sehen werden. Zu der von Real Madrid, Juventus Turin und Barcelona initiierten Klage wird der Europäische Gerichtshof wohl Anfang 2023 ein Urteil sprechen.

Sollte die Liga die Auflösung der 50+1-Regel diskutieren, ja oder nein?

WATZKE: Wir diskutieren das pausenlos, aber meine Meinung ist klar, und die von Oliver ist es auch. Ich bin dafür, dass die Regel beibehalten wird. Wenn ich Vorgänge wie gerade bei Hertha BSC erlebe (und Investor Lars Windhorst; d. Red.), bestärkt mich das noch einmal mehr in meiner Meinung. Ich bewundere die Bayern übrigens wirklich sehr dafür, dass sie es hinkriegen, dass ihre Mitglieder komplett für 50+1 sind, sie sich als Führung aber trotzdem dagegen aussprechen können, ohne dass es sofort einen Aufschrei gibt. Das wäre in Dortmund definitiv anders. Unsere Mitglieder wollen 50+1 unter allen Umständen, das ist in Dortmund eine Glaubensfrage. Und wir als Klub wollen es allerdings auch.

KAHN: Ich bin der Meinung, dass jeder Klub das Recht haben sollte, über diese Frage selbstständig entscheiden zu können. Ich kann auch umgekehrt argumentieren: Wenn der eine oder andere Traditionsklub die Möglichkeit eines Investors gehabt hätte, stünde er jetzt besser da. Investoren sind nicht per se schlecht, deren Intention ist es doch zunächst mal, die Situation im jeweiligen Klub zu verbessern. Ich halte nichts von Ideologisierung der ganzen Thematik.

WATZKE: Es geht weniger um Ideologie als um Überzeugung. Wenn du 18 Investoren in der Liga hast, wird trotzdem einer Meister, und drei steigen ab. Aber ich sage: Den Preis für den Wegfall von 50+1 zahlt der Endverbraucher, nämlich der Fan. Schaut euch doch mal die Ticketpreise in England an. Die Weniger-Verdienenden werden doch vom Live-Erlebnis mit der ganzen Familie komplett ausgeschlossen.

KAHN: Da bin ich absolut deiner Meinung. Aber der direkte Zusammenhang zwischen Investor und Erhöhung der Eintrittspreise erschließt sich mir nicht.

WATZKE: Ein kluger Mann hat mal gesagt: Wenn du in die Zukunft schauen willst, schau in die Vergangenheit. Fakt ist doch, dass es in England genau so passiert ist. In England sind die Eintrittspreise mit dem Einstig der Investoren exorbitant gestiegen. Die amerikanischen Investoren wollen dort ja nicht nur glänzen wie die russischen oder arabischen, sondern mit ihrem Invest schlicht Geld verdienen. Und die Zeche zahlt der Fan. Bei uns kommen zu jedem Heimspiel fast 300 Engländer in den Signal Iduna Park, die sich zwei Flüge plus das günstigere Ticket bei uns leisten, weil sie das Ticket in England nicht mehr zahlen können. Das tut dem Fußball nicht gut. Dazu kommt, dass die Stimmung in englischen Stadien entgegen der landläufigen Meinung in der Regel alles andere als gut ist. Aber ich bin ja leidenschaftlicher Demokrat. Es ist gut, dass es verschiedene Meinungen gibt und man darum ringt.

Was haben Sie gedacht, als Sie gehört haben, dass Hertha-Investor Windhorst eine israelische Detektei eingeschaltet haben soll, um den Präsidenten zu diskreditieren?

WATZKE: Wenn es denn überhaupt stimmt, wäre es schon ein dickes Ding. Auf der anderen Seite war ich auch nie so naiv zu denken, dass so etwas nie passieren könnte. Das Investoren-Thema ist ja in Deutschland noch abgemildert, eben weil wir 50+1 haben. Aber wenn du wie in England als Investor den kompletten Durchgriff hast, darf man sich auch nicht mehr wundern. Aber noch einmal: Wir bewegen uns hier im hochspekulativen Bereich. Die exakten Vorgänge in Berlin sind mir nicht bekannt.

Ist ein deutsches Champions-League-Finale wie 2013 noch mal möglich?

WATZKE: Es war damals schon eine große Ausnahme, aber es ist irgendwann sicher mal wieder möglich. Man muss ja auch sagen, dass die ganzen Klubs, über die wir hier sprechen, wie City und Paris, die Champions League noch nie gewonnen haben. Die Bayern brauchen sich da mit ihrer hausgemachten Finanzkraft nicht zu verstecken. Ich sehe Bayern München in dieser Saison im ganz engen Favoriten-Kreis.

„Mit 75 Punkten – wie wir 2011 – wirst du heute nicht mehr Meister“

Hans-Joachim Watzke

KAHN: Es wird jedenfalls nicht einfacher. Aber es gibt im Fußball zum Glück ja noch weiche Faktoren, die so etwas immer wieder möglich machen. Eintracht Frankfurt ist gerade das aktuelle Beispiel als Europa-League-Sieger.

Herr Kahn, würden Sie zum Schluss die Aussage unterschreiben: „Meister wird in dieser Saison erneut der FC Bayern – Basta!“

KAHN: Sehr gerne, ja.

Herr Watzke, Sie haben bis zum 31.12.2025 verlängert. Werden wir in dieser Zeit noch mal einen anderen Meister als den FC Bayern erleben?

WATZKE: Ja! Einen schwarz-gelben aus Dortmund?

WATZKE: Falls es einen anderen Meister gibt, dann hoffentlich einen schwarz-gelben. Aber es gibt noch ein paar andere starke Klubs neben uns. Zum Beispiel Leipzig und Leverkusen. Übrigens: Was Freiburg und Union seit Jahren leisten, ist echt Weltklasse.

KAHN: Das stimmt, was Union und Freiburg leisten, ist grandios. Prinzipiell gilt: Je mehr Konkurrenten ganz oben angreifen, desto besser ist es für die Spannung in der Liga und die Fans – und damit auch für uns. Und noch haben wir ja alles in der eigenen Hand …

SEVILLA – DORTMUND

Mittwoch, 5. Oktober, 21 Uhr live bei DAZN.

DORTMUND – SEVILLA

Dienstag, 11. Oktober, 21 Uhr live bei Amazon Prime Video.