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DER ERFOLGSARANT?


auto Test - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 24.11.2021

Nissan Qashqai

WENN EIN MO- DELL ÜBER JAHRZEHNTE HINWEG die oberen Ränge der Statistik belegt, bedeutet das in der Regel zwei Dinge. Erstens: Die Verantwortlichen haben viel richtig, nur wenig falsch gemacht. Zweitens: Der Druck steigt mit jeder neuen Auflage, mit jeder nachfolgenden Generation, auf die die Kundschaft zum Teil sehnsüchtig wartet. Ein Modell, auf das diese zwei Dinge ganz gut zutreffen, Sie ahnen es, ist der Nissan Qashqai. 2006 startet die Erfolgsgeschichte des Japaners, der sich seinen Namen von einem kleinen Stammesverband aus dem Süden Irans leiht. Anders als dieser Verband, der vor allem für seine Teppichherstellung bekannt ist, glänzt das japanische Vehikel der Kompaktklasse vorrangig durch seinen günstigen Einstiegspreis sowie sein umfangreiches Angebot an Motoren, wahlweise Allradantrieb und bei Bedarf eine siebensitzige Variante, bekannt unter dem simplen Namen ...

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Vom Band läuft der für Europa bestimmte Qashqai nicht etwa in Japan, sondern im englischen Washington
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... Qashqai+2. Mit dem Generationswechsel 2011 auf Baureihe J11 entfiel der Siebensitzer. Dass zwei Sitzplätze fehlen, tangierte wohl die wenigsten, immerhin blieb es beim umfangreichen Motorenangebot, Offroad-Tauglichkeit und attraktivem Ein­ stiegspreis.

1. Für den Adaptivtempomaten müssen Sie nicht tief in die Tasche greifen. Das zuverlässige Extra gehört zur Einsteiger-Linie Visia. 2. Für deutlich weniger blinde Tasten links vom Lenkrad braucht es Linie N-Connecta. Ab hier spendiert Nissan für 950 Euro ein großes Head-up- Display sowie einen autonomen Lenkassistenten und Voll-LEDs. 3. Verschiedene Fahrmodi (Sport, Snow, Offroad, Eco etc.) wählen Sie ebenfalls ab Linie Visia je nach Vorliebe

Acht Jahre später rollt schließlich Baureihe J12 zu den Händlern. Später als ursprünglich geplant, eigentlich sollte es schon 20 20 schon so weit sein, aber dann kam die Coronapandemie.

Was die Linienführung betrifft, bleibt sich der Japaner treu, steht unverkennbar da als ein Qashqai, aber eben mit neuem Markengesicht. Ein paar Zentimeter mehr in alle Richtungen sorgen für einen standesgemäßen Auftritt.

Standesgemäß fällt vor allem der Einstieg ins Auto aus, gerade in den Fond. Hier öffnen die Türen in einem Winkel von 85 Grad. Das erleichtert das Einsteigen nicht nur allgemein, sondern hilft vor allem Eltern, die ihren Nachwuchs, wahlweise gleich mit dem Sitz zusammen, problemlos in der zweiten Reihe unterbringen möchten. Kinder und kleinere Erwachsene sitzen hier ohne große Schwierigkeiten, wer aber über dem Durchschnitt liegt, kommt bei anderen Kandidaten in der Klasse teils deutlich bequemer unter. Vorn punktet Nissan mit Sitzen, die guten Komfort bieten, mehr dazu im Kasten auf der rechten Seite. Ein sechster und siebter Sitz feiern im Qashqai kein Comeback, um beispielsweise Tiguan Allspace oder Mitsubishi Outlander die Kundschaft abzuluchsen, die noch nicht auf einen Van umsteigen möchte. Hausintern besteht die Möglich- keit, auf einen X-Trail umzusteig e n , der bei 29 135 Euro startet, aber auch schon etwas in die Jahre gekommen ist, und ausschließlich mit einem 1,3-Liter-Vier- zylinder-Benziner vom Band läuft.

Zurück zum Qashqai. Im Vergleich zum Vorgänger steigt das Kofferraumvolumen um 49 Liter auf mindestens 504 Liter. Bei umgeklappter Rückbank (60:40) stehen Ihnen 1593 Liter zur freien Verfügung. Für eine bessere Ladungssicherung finden Sie ab Linie N-Connecta das Flexi-Board (aufpreisfrei) vor. Ist es aufgestellt – ein Bild finden Sie auf Seite 16 –, gehen Kleinigkeiten aus dem Baumarkt oder der Wocheneinkauf nicht mehr ungefragt auf Reisen. Wuchten müssen Sie all das aber über eine Ladekante mit satten 78 cm. Für die unteren Linien Visia und Acenta gibt es diese Vorrichtung leider nicht.

Was es gibt und was es nicht gibt beim neuen Qashqai, bestimmen die insgesamt fünf Linien Visia, Acenta, N-Connecta, Tekna und Tekna+. Hier müssen wir Nissan ein Lob aussprechen, denn fahraktive Assistenz wie ein Totwinkelassistent, ein Adaptivtempomat, ein Notbrems- und Frontkollisionsassistent fahren bereits ab der ersten Ausstattungslinie mit. Nissan dreht den Spieß um, möchte seinen Kunden die höheren Linien über gesteigerten Komfort schmackhaft machen. Ein guter Schritt, denn Sicherheit sollte in der Liste der Prioritäten stets vor Komfort stehen. Den müssen Sie keinesfalls missen, Linie Tekna bietet hier mit 36 840 Euro einen guten Kompromiss aus Preis und Leistung. Annehmlichkeiten, von denen die meisten von uns träumen, fahren mit. Die Klassiker wie Sitz-und Lenkradheizung, Voll-LED-Scheinwerfer und ein paar ansehnliche 19-Zöller stehen in der Liste, dazu gesellen sich dann feine Extras wie ein Headup-Display (ohne Plastikscheibchen), digitale Instrumente, ein Touchdisplay mit neun Zoll in der Diagonalen und eine Stoff-Leder-Kombi für das Gestühl. Tekna+ (zusätzliche 4090 Euro) thront mit Massage und elektrischen Sitzen für zwei, Volllederausstattung mit Rautensteppung, Bose-Soundsystem und Panorama-Glasdach oben auf.

SITZE

Das Gestühl gefällt mit angenehmer Sitzposition, leider gibt’s keine verstellbare Beinauflage. In Verbindung mit Top-Linie Tekna+ stellt Nissan serienmäßig eine Massage für Fahrer und Beifahrer sowie elektrische Verstellung. Leder in beiden Reihen erhalten Sie aufpreisfrei, aber auch erst ab der höchsten Linie. Darunter gibt’s Stoff oder eine schicke Stoff-Leder-Kombination

ABMESSUNGEN NISSAN QASHQAI

* Breite mit ein- und ausgeklappten Außenspiegeln

Dass sich der Qashqai in vielerlei Hinsicht verbessert hat, stellen wir auch beim logischen Bedienkonzept fest. Ein richtiger Regler für die Lautstärke, Kurzwahltasten unter dem Display, eine Taste zum Ein- beziehungsweise Ausschalten des Lenkassistenten und eine Klimasteuerung, wie sie im Buche steht, beweisen, dass Nissan nicht auf der Touchwelle reitet. Das Infotainment lässt im Übrigen auch nur wenig Fragen offen. Apple Car- Play und Android Auto nutzen Sie ab Linie Acenta, darüber hinaus spendiert Nissan sein eigenes Navi auf neun, nicht mehr acht oder sieben Zoll, und CarPlay funktioniert ohne Kabel. Traditionell halten japanische Hersteller wenig von freier Wahl bei Extras, das gilt gleichermaßen für Nissan. Es gibt aber eine feine, wenn auch kleine Auswahl an Extras wie beispielsweise das Technologie-Paket für faire 950 Euro. In Verbindung mit Linie N-Connecta bindet das Paket das großflächige Head-up- Display und die leuchtstarken Voll-LED-Scheinwerfer. Etwas mehr Großzügigkeit hätte beim Winter-Paket nicht geschadet. Interessenten der unteren beiden Linien Visia und Acenta müssen auf N-Connecta upgraden, um an eine Sitz-, Lenkrad und Scheibenheizung zu gelangen. Nettigkeiten wie die volldigitalen Instrumente finden Sie als Einzeloption für 550 Euro vor. Wir empfehlen Ihnen, Linie N-Connecta in Augenschein zu nehmen, da hier die Ausstattung bereits sehr umfangreich ausfällt und Nissan einen Großteil der Optionen gegen Aufpreis freigibt, die erst die Linien Tekna und Tekna+ bereithalten.

KAROSSERIE

Zuwachs verzeichnet der Qashqai in alle Richtungen. 3 Zentimeter länger, 2,9 Zentimeter breiter und sogar 2,5 Zentimeter höher. Gerade in puncto Höhe fährt der Qashqai gegen den Trend. Kommt das Wachstum auch an den wichtigen Stellen an? Zum Teil.

Der Kofferraum gewinnt runde 50 Liter hinzu, das Platz - angebot bleibt auch bei der dritten Generation eher überschaubar. Sehr schön im Gegenzug: Die Türen im Fond öffnen sehr weit – 85 Grad. Das erleichtert den Einstieg ungemein.

FARBEN & FELGEN

Über die Linien hinweg weisen die Japaner jeder ihr eigenes Leichtmetallrad zu, einzig die Basis rollt auf Stahlrädern durchs Land. Gesund fällt das Angebot der Farben aus, auch wenn Nissan jetzt nicht die ganz große Palette offeriert. Die Preise von der Uni- bis hin zur Perleffekt- Lackierung reichen von 300 bis 850 Euro. Im Trend: Für 1450 Euro lackiert Nissan Ihren Qashqai auch zweifarbig. Die Metallic-Lacke Ceramic Grey, Magnetic Blue, Pearl White und Fuji Sunset Red kombinieren die Japaner mit schwarzem Dach. Erstehen Sie einen schwarzen Qashqai, erstrahlt das Dach ausschließlich in Dark Grey.

! Richtig viel Komfort gibt’s ab Linie Tekna

LINIEN

Nissan zeigt sich gerade in Sachen fahraktiver Unterstützung sehr großzügig, was die Basis betrifft. Davon abgesehen wird es erst mit der dritten Linie N-Connecta so richtig interessant. Hier gibt’s viel optional in fair eingepreisten Paketen.

Tekna+ lässt wirklich keine Wünsche offen, kostet dafür richtig Geld.

WERTENTWICKLUNG

Dass sich hier die günstige Basis an der Spitze platziert, versetzt uns nicht wirklich in Schockstarre. Wie bereits erwähnt, spendiert Nissan schon hier viel fahraktive Assistenz, die die Kundschaft schätzt. Danach mischt sich das Feld, eine dominante Ausstattungslinie beziehungsweise Leistungsstufe kristallisiert sich nicht heraus. Erwähnenswert, auch wenn die Prozentzahlen (63,91 bis 60,97 Prozent) nicht sehr weit auseinanderliegen: Der Allradantrieb kommt nur bedingt gut an, was die bisherigen elf Prozent Marktanteil beweisen. Gleiches gilt für das Automatikgetriebe, das sich vereinzelt im mittleren, aber doch eher im unteren Drittel der Wertstabilitätstabelle sammelt.

Eingangs dieser Kaufberatung sprachen wir vom Druck, der auf Nissan lastet, dass die dritte Generation des Qashqai zum Erfolgsgaranten reift. In Sachen Antrieb muss sich zeigen, ob das funktioniert. Alternative Antriebe stehen nicht auf dem Programm, ein folgender Qashqai ePower setzt zwar auf einen rein elektrischen Antrieb, die Batterien lädt jedoch ein benzinbetriebener Generator. Alternativ bleibt, da auch der Selbstzünder ersatzlos entfällt, nur der 1,3-Liter-Mildhybrid mit 140 und 158 PS. Das Schaltgetriebe weiß zu überzeugen, auch wenn der erste Gang sehr lang übersetzt ist und die Wege von Gasse zu Gasse ebenfalls recht lang sind. Das CVT-Getriebe harmoniert gut mit dem mildhybridisierten Benziner, simuliert Fahrstufen mit sinnvoller und angenehmer Abstimmung. Im Kapitel Fahrwerk mag der Qashqai es ebenfalls angenehm, federt komfortabel, schaukelt zuverlässig über lange Wellen, neigt nur in Kurven zu etwas stärkeren Wankbewegungen. Los geht es immer mit 17-Zoll-Bereifung, es folgen 18 und 19 Zoll, für Linie Tekna+ stehen sogar 20 Zoll für 500 Euro zur Wahl.

! Der Diesel- Verzicht könnte Nissan einige Kunden kosten

FAZIT

CHRISTOPH RICHTER

Ob die dritte Generation des Qashqai an die Erfolge ihrer Vorgänger anknüpfen kann, zeigt die Zeit. Die Chancen stehen gut, auch wenn es in puncto Antriebsvielfalt nicht mehr ganz so umfangreich zugeht.

Dafür überzeugt der Japaner mit punktgenauer Optimierung, dazu kommt das nach wie vor überzeugende Preis-Leistungs- Verhältnis. Letztlich kreuzt Nissan mit dem Qashqai wieder alle richtigen Punkte, die Käufer von einem guten SUV erwarten.

AUTO TEST TIPP !

Der Wenigfahrer

Sie wählen 140 PS – fast schon zu viel für wenige Kilometer im Jahr, aber noch im Rahmen. Im Zuge der soliden Grundausstattung können Sie ohne Probleme zur ersten Linie Visia tendieren. Soll es etwas mehr sein, empfehlen wir Acenta, darüber hinaus ziehen die Preise gut an.

Empfehlung: 1.3 DIG-T M.-H. (140 PS) ab 26 390 Euro

Der Vielfahrer

Da es keinen Diesel mehr gibt, empfehlen wir je nach zu befördernder Personenanzahl entweder erneut die Basis oder die höhere Leistungsstufe mit Schaltgetriebe und Linie Tekna für extra viel Komfort.

Empfehlung: 1.3 DIG-T (140/158 PS) ab 38 080 Euro

Der sportliche Fahrer

Hier gibt es nicht viel schönzureden: Sportliche Fahrer erfahren mit dem Qashqai und seinen maximal 158 PS keine allzu große Freude, ganz unabhängig vom Getriebe.

Empfehlung: keine