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Der Erste seiner Art


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 08.03.2019

Der Clearaudio Concept Active sieht aus wie ein normaler Plattenspieler. Ist er aber nicht. Mit eingebautem Class-A-Kopfhörerverstärker und Hochpegelausgang bringt er das LP-Hören in die Zukunft.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 4/2019

Das Zauberwort Integration geistert seit Jahren durch fast alle Gattungen auch der teuren HiFi-Technik: Lautsprecher bekommen die Verstärker eingebaut, Verstärker werden mit Streamern, DACs und Einmesssystemen ausgestattet, und nicht wenige Zeitgenossen haben nur noch eine Komplettanlage im Lautsprecher statt eines ganzen HiFi-Turms im Wohnzimmer stehen. Am Plattenspieler in seiner highendigen Form ging diese ...

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... Entwicklung lange vorbei, nur vereinzelt trauten sich Hersteller, zumindest einen Phono-Vorverstärker und kleinere Funktionen mit ins Gehäuse einzubauen.

Die in Erlangen beheimatete Manufaktur Clearaudio stellte 2017 ein revolutionäres Konzept eines aktiven Plattenspielers mit Kopfhörerverstärker und Phono-Vorverstärker vor. Und da es im eigenen Hause bereits einen cleveren, hervorragend designten Plattenspieler namens Concept gab, lag es nahe, dass das integrierte Konzept auf genau diesem basiert.

Den klassischen Concept gibt es schon seit 2009. Er ist das Ergebnis der Bemühung, High-End-Technik made in Germany im Einstiegssegment zu realisieren. Das heißt: Das Gerät sollte mit möglichst wenigen Kompromissen Wiedereinsteigern oder ambitionierten Neueinsteigern einen Gegenwert in puncto Klang und Design bieten, der den Preis vergessen lässt. Dieses Experiment ist gelungen – und zwar nachhaltig. Auch nach acht Jahren ist das Laufwerk mit seiner charakteristisch „schwebenden“ magnetischen Tonarmaufhängung immer noch erfolgreich am Markt und erobert dank seines Design-Faktors auch die Herzen von Musikfreunden, die sich sonst nicht in der High-End-Szene tummeln. Was dabei auch hilft: Das Plug&Play-Konzept, denn den Concept gibt es spielfertig aus dem Karton in Kombination mit einem Tonabnehmer aus dem Haus Clearaudio, ohne weiteren Justagebedarf.

Plug and Play

Die Idee, ausgerechnet diesen Spieler mit seinem auch bei Nicht-HiFiisten beliebten Design zu einer kleinen, feinen Komplettanlage auszubauen, lag nahe und ist bestechend. Neben einem direkten Kopfhörerausgang im Plattenspieler, das das Plattenhören ohne weitere Verstärkung oder Komponenten auch in den abendlichen Ruhestunden ermöglichen soll, wurde noch die weitere Anwendungsoption hinzugefügt, mittels eingebauter Lautstärkeregelung direkt kleine Komplettanlagen oder Aktivboxen zu treiben, die immer populärer werden und die HiFi-Anlage mit Elektronik-Turm und Phono-Verstärker zunehmend ersetzen.

Doch die Umsetzung in der hauseigenen Entwicklungsabteilung erwies sich als deutlich komplizierter als die Geburt dieser Idee. Nach dreijähriger Entwicklungszeit plauderten im Januar 2019 Firmen-Mitinhaber Robert Suchy und Entwicklungsingenieur Marko Borovac sichtlich stolz wie erleichert aus dem Nähkästchen, wie komplex diese Integration eigentlich war.

Das fing bei der Überwindung kniffliger Probleme an wie etwa der Frage nach der Stromversorgung: Der im Haus übliche Motor verlangt nach 12 Volt Gleichspannung, die im Haus verfügbaren Einheiten für Kopfhörer-und Phonoverstärker dagegen verlangten nach ±15 oder ±18 Volt mit fixer Nulllinie. Die Konsequenz: Die gesamte Elektronik musste völlig neu konstruiert werden. Was eindrucksvoll gelang, denn trotz reduzierter Versorgungsspannung und echter Class-A-Beschaltung mit diskret verbauten JFETs kann der Concept Active Kopfhörer von 20 bis 250 Ohm versorgen.

Zugleich wuchsen mit der Idee eines „Plug&Play“-Konzepts mit highendigen Allrounder-Qualitäten auch die Ansprüche an die Vielseitigkeit: Wenn man schon eine Lautstärkeregelung integriert, könnte diese ja nicht nur den Kopfhörer, sondern auch den Hochpegelausgang regeln. Und wer einen so hochwertigen Plattenspieler kauft, könnte auch wahlweise MM-oder MC-Tonabnehmer darin betreiben wollen. Wenn man alle diese Optionen realisieren würde, treibt dies zugleich den Aufwand für Verkabelung und Schalter in die Höhe und damit wiederum die Gefahr von Einstreuungen, Mikrofonie und Co. Nur ein Hersteller, der sowohl in der Laufwerks-als auch in der Elektronikentwicklung zur Weltelite gehört, kann diese sozusagen synergetischen Probleme lösen, was Clearaudio letztlich mit Bravour gelang, denn die Messungen sind blitzsauber.

Steiniger Weg

Dazu kommen praktische Probleme: Die Elektronik musste in baubaren Hohlräumen des Chassis Platz finden, und durfte doch keinesfalls Einstreuungen von Motor oder Antrieb ausgesetzt sein. Zugleich ist ein massives, geschlossenes Holzchassis nicht erste Wahl, wenn es um das Handling von Abwärme geht, und ein Class-A-Kopf-hörerverstärker produziert nun einmal eine gewisse Menge davon.

Unauffällig an der Seite platziert, stört der 6,3-mm-Kopfhöreranschluss die Optik des Active nicht. Das Drehrad zur Lautstärkeeinstellung integriert sich unauffällig ins Chassis.


So lief die einzig gangbare Lösung darauf hinaus, die Platinen für den Phono-Vorverstärker und den Kopfhörerverstärker voneinander zu separieren. Was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass Lautstärkeregelung und Kopfhörerausgang sich praktischerweise rechts vorne im Spieler befinden, die Aufbereitung der Signale dagegen im hinteren Bereich am Anschlussfeld verbleibt und kurze Signalwege bei den filigranen Spannungen ermöglicht. Auch der Gleichstrommotor, der den Pulley antreibt, wird elektronisch angesteuert, sodass man zusätzlich auch noch in den Genuss einer komfortablen Geschwindigkeitsumstellung kommt. Eine Besonderheit des Clearaudio Concept Active: Hier sind auch 78 Umdrehungen pro Minute möglich.

Wie bei den bekannten Concept-Varianten wird eine MDF-Zarge mit einem Rahmen zusammengeklebt, der wahlweise aus gebürstetem Aluminium oder solchem mit Holzfurnierung besteht. Eine weitere Schicht aus speziellem, satiniertem Kunststoff kombiniert, soll die Resonanzhemmung dieses Materialmix mit Komponenten völlig unterschiedlicher Eigenschaften auf die Spitze treiben. Denn Eigenschwingungen oder die Übertragung von Körperschall innerhalb eines Chassis lassen sich so zuverlässig bekämpfen.

Teller, Arm, Klang

Beim Teller setzt Clearaudio auf den beliebten Werkstoff Polyoxymethylen (POM). Dieser thermoplastische Kunststoff ist extrem stabil, hoch belastbar und von hoher innerer Dämpfung. Kein Wunder, dass es komplette Plattenspieler aus POM gibt.

Unter dem Teller befindet sich ein per Flachriemen angetriebener Subteller. Das ist eine weit verbreitete Lösung, die für eine sehr ruhige Optik sorgt. Hier stören weder Pulley noch Riemen das Erscheinungsbild, die gleichmäßige Kraftübertragung ist dank des polierten Stahllagers in einer Bronzebuchse, die auf einem Teflonspiegel läuft, gesichert.

Der Tonarm verfügt über eine verschleiß-und wartungsfreie Magnetlagerung ohne Reibung, die man getrost als „Null-Punkt-Lagerung“ bezeichnen kann. Vollendet wird die Kombination mit dem hochwertigen Clearaudio-Concept-Tonabnehmer, in unserem Beispiel ein Concept MM der neuesten Generation.

Viele Funktionen in der Elektronik

Die Platinen des Phono-Vorverstärkers (links) und des Class-AKopfhörerverstärkers nebst Kühlkörper (rechts) sind weit voneinander im Gehäuse entfernt.


Vielfältig sind die Beschaltungs-und Anwendungsvarianten dieses Multitalents. Neben der großen Klinkenbuchse, die ausschließlich dem Kopfhörer vorbehalten ist, sitzt im hinteren Bereich ein normales Pärchen Cinch-Ausgänge nebst Masseanschluss. Die vier Schalter bestimmen (Bild unten, von links nach rechts) die Aktivierung des Subsonic-Filters, eine zusätzliche Gain-Verstärkung bei Tonabnehmer mit tendenziell höherer oder niedrigerer Ausgangsspannung, den Verstärkungsfaktor und Abschluss wahlweise für MCoder MM-Systeme, und schließlich der dreistufige Schalter, der am Cinch-Ausgang wahlweise eine unverstärkte Direktverbindung zum Cinch-Pärchen herstellt, einen fixen Hochpegelausgang (für Line-Eingänge) oder einen durch das Drehrad geregelten (Besitzer von kleinen Aktivboxen werden dies zu schätzen wissen).

Die Elektronik

Alles andere als trivial ist dementsprechend auch der Aufbau der zwei Elektronikeinheiten im Concept Active. Da sich beide eine Gleichspannungsversorgung von 12 Volt teilen, musste der abgesetzte Kopfhörerverstärker in Class-A-Technik komplett neu konstruiert werden. Er sitzt mit Pegelregler und Klinkenbuchse rechts vorn im Gehäuse und nutzt einen gespeziell geformten Kühlkörper im Inneren. Der in Doppel-Mono aufgebaute Phonoverstärker im hinteren Gehäuseteil steuert zugleich die Signalverarbeitung.

Der Motor treibt über einen Flachriemen und kleinen Messingpulley den Aluminium-Subteller an. Der große Teller aus POM-Kunststoff liegt dann auf.


Trotz „Plug & Play“-Ansatz muss sich der zukünftige Besitzer zumindest kurz der Bedienung widmen: Eine richtige Anpassung des Gain-Schalters an den Ausgangspegel des Abnehmers ist zwingend, und auch das Verstellen der Lautstärke mit dem lang untersetzten Regler bei laufender Platte will geübt sein, damit die Nadel nicht verspringt.

Dann überraschte die Kombi, direkt an Aktivboxen Canton Vento 3 angeschlossen, mit einer enorm dynamischen und in der Tiefenstaffelung verblüffenden Vorstellung, die es bei Inga Rumpfs „It’s a man’s world“ vor Spielfreude nur so blitzen und funken ließ. Satt im Bass – sofern von selbigem genug in der Rille ist – trocken in den Impulsen und sauber im Raum.

Bei Elgars „Pomp and circumstance“ (Solti) über die nun passive ATC SCM40 zeigte das Gespann eine mitreißende, wenngleich etwas zu cineastische Vorstellung, die ernsthaften Klassikhörern vielleicht etwas zu viel Spaßfaktor vermitteln dürfte, in den komplexen Orchesterpassagen aber Homogenität und Druck eindeutig vor dem letzten Quentchen Auflösung priorisierte. Miles Davis „Some day my prince will come“ lotete noch einmal voll die Stärken des eingebauten Phono-Amps aus, blieb doch die Atmosphäre in Pausen und ruhigen Passagen mit deutlich mehr Souveränität erhalten als über externe Phono-Amps, was zugleich den Trompeteneinwürfen und Impulse mehr Schwung verlieh.

Der Arm ist berührungslos mit Magnetfeld am oberen Armlager aufgehängt, nach unten hängt das Anschlusskabel frei.


Am Kopfhörer

Gespannt war die Redaktion auf den Class A Amp: Sennheisers HD 800S tönte mit Peter Gabriels „San Jacinto“ am regelbaren Ausgang betont nüchtern und monitorhaft, deutlich satter präsentierte sich der niederohmige Beyerdynamic T5p. Über diesen stellte sich selbst für die Kopfhörerskeptiker unter den Tester ein völlig neues, intimes Gefühl von Musikgenuss ein. So oder so – Clearaudios Active ist ein revolutionäres Konzept und wird besonders als Lieferant von Hochpegelsignalen Fans eines dynamisch-strahlenden, prachtvollen Vinylklangs finden.