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DER ERSTE WELS: (W)ALLER ANFANG IST LEICHT


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 90/2019 vom 09.08.2019

Drei Wochen, zwei hochmotivierte Jungangler und ein großer Zielfisch –Alek van Mensvoort undLeon Reissig wollten unbedingt ihren ersten Wels fangen. Ihr Abenteuer zeigt: Man braucht keine jahrelange Erfahrung, um sich mit diesen Riesen anzulegen!


Artikelbild für den Artikel "DER ERSTE WELS: (W)ALLER ANFANG IST LEICHT" aus der Ausgabe 90/2019 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 90/2019

Welse sind nicht nur Profis vorbehalten, es ist sogar recht einfach, einen zu erwischen. Man muss sich nur trauen!


Klopf, klopf! Auf dem Echolot sieht man, wie die Welse aufs Wallerholz reagieren und zum Köder aufsteigen.


Ruten auf Vordermann gebracht? Check.

Schlauchboote startklar? Check.

Proviant eingepackt? Check.

Unsere Reise beginnt in Eijsden, dem ...

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... südlichsten Ort der Niederlande. Am anderen Ufer der Maas ist schon Belgien. Drei Wochen Abenteuer liegen vor uns, ganz allein mit nur einem Ziel: Welse fangen! Wir träumen schon lange davon, einen richtigen Riesen an den Haken zu kriegen. Mittlerweile kommen sie fast in jedem größeren Strom in Mitteleuropa vor – und das Angeln kann doch nicht so schwer sein, wie es aussieht. Ein bisschen nervös sind wir trotzdem: Keiner von uns beiden kennt die Maas, und so kundschaften wir den Fluss zunächst mit digitalen Gewässerkarten aus. Wir suchen nach Stellen mit großen Tiefenunterschieden, doch unser Auftakt entpuppt sich als Reinfall: Teilweise ist der Fluss hier nur einen Meter tief und völlig verkrautet. Nach zwei Tagen und Nächten ohne Welskontakt lassen wir die Schultern hängen – doch so schnell geben wir nicht auf. Die nächste Station wartet, also ab ins Boot und weiter!

HERZKLOPFEN

Völlig durchnässt schlagen wir nach einigen Stunden unser Lager außerhalb von Maastricht auf. Vermutlich sollten wir erstmal eine Pause einlegen, doch die Neugier ist größer als unsere Erschöpfung. Alek findet mit dem Echolot eine schöne Rinne. Da muss was gehen! Vorsichtig lässt er seinen mit Würmern beköderten Clonk-Teaser ins Wasser, während ich mit dem Wallerholz versuche, die Fische zu reizen. Und tatsächlich: Nach nur ein paar Drifts löst sich eine Sichel vom Grund, die genau unter dem Teaser stehenbleibt. Unsere Herzen schlagen bis zum Hals. Sekunden später geht ein Ruck durch Aleks Rute.

„Hängt!“, ruft er – doch der Wels schlitzt aus. Was uns bleibt, sind ein leeres Rig und eine Schleimspur auf der Schnur. Aber immerhin, der Spot ist gut! Wir lassen uns von diesem Fehlbiss (und auch den vielen anderen) nicht unterkriegen, und außerdem beißen die anderen Räuber sogar ganz gut. Rapfen, Zander, Hechte und Barsche – und schließlich wird unsere Ausdauer belohnt. Einen Tag später landen wir mit unserer Methode den ersten Wels der Tour. Er ist zwar nicht der erhoffte Gigant, aber mit über einem Meter trotzdem ein schöner Fisch!

AKTIVES ANGELN

Diese Variante ist die spannendere von beiden! Man driftet mit dem Boot über potenzielle Hotspots und versucht, die Fische mit dem Wallerholz zum Clonk-Teaser zu locken, der mit Würmern bestückt ist. Dabei behält man immer das Echolot im Auge. Manchmal tut sich wenig, aber man kann ab und zu richtig zusehen, wie sich die Fisch-Sicheln bewegen. Ein einfaches Echolot-Modell ist hier völlig ausreichend.

Der Clonk-Teaser wird mit Tauwürmern bestückt.


Neben Gummifischen macht auch ein Bladebait mit Spinnerblatt (hinten) eine gute Figur.


Für diese Angelei haben die beiden Vertikalruten mit zwei Metern Länge und einem Wurfgewicht von 200 Gramm verwendet, dazu eine kräftige Rolle mit 0,50er geflochtener Schnur. Das Vorfach bestand aus speziellem Material zum Welsangeln mit 90 Kilo Tragkraft.

Auch beim Spinnfischen konnten sie ein paar kleinere Welse fangen. Dafür eignen sich zum Beispiel Gummifische, die viel Druck erzeugen, sowie Bladebaits mit Spinnerblatt. Damit lassen sich die interessanten Löcher und Rinnen am Grund schnell abklopfen. Gibt es einen Biss oder fängt man sogar einen Wels, lohnt sich hier auch ein Ansitz.

Bitte lächeln! Dieser Wels brachte bei 191 Zentimetern Länge etwa 40 Kilogramm auf die Waage. Für die Landung brauchten die Jungs drei Versuche.


„AUS DER SICHEL AUF DEM ECHOLOT WIRDEIN BETONKLOTZ AM HAKEN!“


DER ERSTE RIESE

Ich will gerade auswerfen, als Alek neben mir den Atem anhält. Eine bedrohlich große Sichel schiebt sich in Richtung des Teasers, der in halber Wassertiefe hängt. „Das ist ein Dicker“, sage ich. Wir starren gespannt auf das Echolot. Einige Sekunden später hängt ein Betonklotz am Haken – und will einen Abgang machen! Wir stemmen uns mit aller Kraft gegen den Fisch, doch es dauert mehrere Minuten, bis wir ihn überhaupt an der Oberfläche sehen. Beinahe lässt Alek die Rute los, als die gewaltige Flanke vor uns auftaucht. Wir brauchen drei Versuche, bis wir den Wels landen können, wobei er uns mehr als nur eine Dusche verpasst. Dann haben wir ihn endlich im Boot. Das Maßband zeigt 191 Zentimeter Länge, bei einem Gewicht von bestimmt 40 Kilo. Verdammt, dafür sind wir hier!

HOTSPOTS UND ZEITEN

Wehre sind absolute Top-Stellen für Welse. Es ist zwar fast überall verboten, dicht an einem Wehr zu angeln, aber auch ein paar hundert Meter stromabwärts lassen sich noch Welse finden. Allerdings merkten die Jungs auf ihrer Tour schnell, dass diese Spots oft überfischt sind – bis auf wenige Ausnahmen blieben die Bisse aus. Sie haben sich daher auf tiefe Löcher und Rinnen konzentriert. Dort gingen die Fische sehr viel schneller an den Köder. Zwischen Tag und Nacht konnten sie keinen Unterschied feststellen, die Bisse kamen zu jeder Tageszeit.

Einige Bisse kamen auch in den frühen Morgenstunden.


ABWÄRTS MIT DEM STROM

Nach diesem Erfolg setzen wir unsere Reise fort. Da an dem letzten Platz nach dem großen Wels Ruhe herrscht, beschließen wir, das Lager zu verlegen. Mit Schlauch- und Beiboot ist das kein Problem. Etwa hundert Meter unterhalb eines Wehrs liegt ein Loch, das nur so nach Wels schreit. Zu nahe an Wehren dürfen wir hier nicht angeln, da muss man sich zuvor informieren. Wir haben das Glück, in Holland unterwegs zu sein. Ein Blick auf die VISplanner-App schafft Gewissheit: Wir sind weit genug entfernt. Und unsere Vermutung stimmt, ein paar kleinere Welse schnappen sich die Gummifische, mit denen wir eigentlich Zander fangen wollten. Aber dabei bleibt es nicht. In der Dämmerung rudern wir unsere Montagen aus, und als ich das Abendessen aufwärme, passiert es: Die linke Rute biegt sich durch – und schnappt zurück, noch bevor Alek nach ihr greifen kann. Der Fisch ist weg, und obwohl wir müde sind, ist unser Kampfgeist geweckt. Wir rudern die Montagen wieder aus und fallen in den Schlaf.

STATIONÄRES ANGELN

Beim Angeln vom Ufer aus haben Alek und Leon eine einfache Grundmontage mit Unterwasserpose verwendet. Als Köder diente ein Wurmbündel, alternativ ist aber auch ein Köderfisch möglich.

So wird die Montage gebaut: Am Vorfach aus starker, monofiler Schnur (1,2 Millimeter) hängt ein Einzelhaken der Größe 6/0, darüber ein Drilling (2/0 oder 3/0). Alle Knoten sollten mit Silikonschläuchen geschützt werden. Die Unterwasserpose sorgt für den nötigen Auftrieb, damit der Köder über dem Grund schwebt – je näher sie am Haken montiert ist, desto größer ist der Auftrieb in der Wassersäule. Gegen Verwicklungen beim Auslegen wird das schwere Grundblei an einem „Sea Boom“ (auch Schleppschlitten genannt) fixiert. Bei besonders unreinem Boden und wenn der Köder ganz exakt platziert werden muss, kommt statt des Grundbleis ein Stein mit Abrissleine zum Einsatz, der mit dem Boot zielgenau ausgebracht wird. Beim Biss reißt der Stein dank dünner Sollbruch-Leine sofort ab. So stört kein schweres Gewicht auf der Schnur im Drill. Die Ruten sollten zwischen 2,40 und drei Metern lang sein und ein Wurfgewicht von 200 bis 350 Gramm haben. Eine Pilkrute erledigt den Job zuverlässig. Als Rollen sind solide 6000er- bis 8000er-Modelle zu empfehlen.

Der Stein sorgt dafür, dass die Montage auch bei Strömung nicht abdriften kann.


Teamwork: Leon hält die Rute, Alek fährt mit dem Schlauchboot die Montage an den gewünschten Platz. Dort wird sie kontrolliert zum Grund abgelassen.


Die Unterwasserpose hält den Köder knapp über dem Grund. Bei einem Biss löst sich die Reißleine und der Fisch kann an freier Leine gedrillt werden.


Ein Bündel Tauwürmer gehört zu den besten Welsködern. Die Würmer kann man sich in feuchten Nächten im Schein der Kopflampe selber sammeln. Alternativ bekommt man sie auch im Fachhandel.


KLINGELN IN DER NACHT

Die Glocke läutet, und ich bin hellwach. Alek nach einem Schlag auf die Schulter auch. Wir stürmen aus dem Zelt, und Alek greift nach der Rute – keinen Augenblick zu spät, sonst wäre sie futsch gewesen. „Der fühlt sich gar nicht so groß an“, sagt er skeptisch, während ich an meiner Kopflampe herumdrehe. Als dann endlich etwas Licht aufs Wasser fällt, sehen wir auch, woran das liegt: Der Wels schwimmt auf uns zu. Dass er am Haken hängt, merkt er wohl erst kurz vor dem Ufer, und dann geht’s erst richtig los.

Nach ein paar Minuten sehen wir ihn im ersten Morgenlicht. „180 Zentimeter“, sage ich selbstsicher zu Alek, dem der Schweiß auf der Stirn steht. Völlig daneben. Wie auch immer wir es schaffen, diesen Wels ans Ufer zu bringen – mir fällt die Kinnlade herunter, als wir ihn messen. 215 Zentimeter, vom Kopf bis zum Schwanz!

Und da soll noch einer sagen, Welse wären nur was für Profiangler. Waller-Giganten gibt es in all unseren großen Flüssen, und jeder kann sie fangen – man muss sich nur trauen!

ANGELN IN DEN NIEDERLANDEN

Die Autoren haben unter anderem bei Roermond in der Provinz Limburg geangelt. Hier gibt es neben der Maas auch noch viele weitere Seen, Plassen genannt, in denen man außer Welsen auch auf die gesamte Raubfisch-Palette fangen kann.

Um in den Niederlanden angeln zu können, brauchen Sie den VISpas. Diesen können Sie in jedem Angelgeschäft kaufen oder alternativ auch online unterwww.vispas.nl erwerben. Der Schein kostet pro Jahr 40 Euro.

Der VISpas ist die Eintrittskarte fürs Angeln in den Niederlanden.


FOTO: F. VAN DER BURG

FOTOS: F. VAN DER BURG

FOTOS: F. VAN DER BURG, ILLUSTRATION: B. GIERTH